Deutsche Mannschaftsmeisterschaft 2020

Bundesliga-Mannschaft setzt Zeichen gegen Rassismus

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Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben in der Schachabteilung des FC Bayern München eV keinerlei Platz. Das ist die klare Botschaft des heutigen Auftritts des FC Bayern beim Meisterschaftsturnier in Karlsruhe in den „Rot gegen Rassismus“ Shirts. Dieser Aktion, die von allen Abteilungen des FC Bayern unterstützt wird, wollte sich die Schachbundesliga-Mannschaft des Vereins ursprünglich schon beim für März geplanten Bundesliga-Heimwochenende anschließen, bevor dieses kurzfristig wegen der ausbrechenden Corona-Pandemie abgesagt wurde.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und so ließ es sich die Mannschaft nicht nehmen, die große Bühne des Meisterschaftsturniers in Karlsruhe zu nutzen, um auf dieses unverändert aktuelle und wichtige Thema aufmerksam zu machen. Stellvertretend für die gesamte Mannschaft äußert sich Niclas Huschenbeth (NH) im Gespräch mit Jörg Wengler (JW) zu der Initiative „Rot gegen Rassismus“:

JW: Niclas, normalerweise trägst du beim FC Bayern die Nummer 1 auf dem Rücken. Heute mal nicht. Wie hat sich das angefühlt?

NH: Ich gehe mal davon aus, dass sich die Frage nicht auf den Tragekomfort des Kleidungsstücks bezieht, sondern auf die Botschaft, die hinter den weißen „Rot gegen Rassismus“ Shirts steckt. Und die finde ich super wichtig und deshalb hat sich das auch gut angefühlt und war etwas ganz Besonderes heute.

JW: Wie erlebst du denn das Thema Rassismus in deinem Alltag als Schachspieler? Kommt es da häufiger zu Situationen, die in dieser Hinsicht kritisch sind?

NH: Also ich denke nicht, dass das im Schach mehr oder weniger häufiger vorkommt als in anderen Lebensbereichen. Natürlich begegnet man ab und zu Leuten, die - mal vorsichtig ausgedrückt - inakzeptable Ansichten vertreten, aber ein schachspezifisches Problem ist das ganz sicher nicht.

JW: Das wäre auch wohl einigermaßen fatal für den Schachsport mit seiner betont internationalen Ausrichtung, für die die Schachbundesliga ja das beste Beispiel ist.

NH: Ganz genau! Ich habe hier in den ersten vier Runden gegen einen Ukrainer, einen Franzosen, einen Amerikaner, der gebürtiger Russe ist, und einen Polen gespielt. Und dieses internationale Flair macht neben der sportlichen Herausforderung auch gerade den Reiz der Bundesliga für mich aus. Da steht man mit einer fremdenfeindlichen Grundeinstellung ganz schnell im Abseits und das zu Recht!

JW: Sportlich ist die Bundesliga ja das Maß der Dinge im deutschen Schach und färbt sicher auch auf den gesamten Unterbau ab. Welche Rolle siehst du da für die Schachbundesliga?

NH: Nun ja, die Bundesliga ist ganz einfach das Aushängeschild Nummer eins des Schachs in Deutschland und die Bundesliga-Mannschaften sind in der Regel die Aushängeschilder ihrer jeweiligen Vereine. Damit ist automatisch auch eine Vorbildfunktion verbunden und die bezieht sich nicht nur auf Titel und ELO-Zahlen, sondern eben auch auf einen ganz bestimmten Verhaltenskodex, ohne den weder der Sport noch die Gesellschaft ganz allgemein funktionieren. Auch da sind wir also gleich schon wieder beim Thema unserer heutigen Aktion.

JW: Jetzt haben wir gerade vor einem halben Jahr unser großes Schulschachprojekt begonnen und sind inzwischen an neun Schulen mit etlichen Schach-AGs unterwegs. Kann die Vorbildwirkung denn auch bis zu den Schulkindern durchschlagen?

NH: Eigentlich doch zu aller erst dorthin, oder? Es ist doch gerade der Nachwuchs, den es gilt, von Anfang an hier ins richtige Fahrwasser zu lenken, und das betrifft natürlich alle Regeln die man „auf und außerhalb des Platzes“, wie es die Fußballerkollegen sagen würden, beachten muss. Außerdem ist Schach an Schulen auch die Basis für eine weitergehende Nachwuchsförderung in den Schachvereinen, und da sollte man unmissverständlich klar machen, dass die Begeisterung für den Schachsport das einzige Kriterium darstellt und alle Kinder gleichermaßen förderwürdig sind, ganz unabhängig von ihrer Herkunft. Ich denke, das ist beim FC Bayern absolut selbstverständlich. Früher oder später werden hier auch Talente dabei sein, die in die Bundesliga-Mannschaft hineinwachsen. Und auch diejenigen, die es nicht bis in die Bundesliga schaffen, nehmen jede Menge positiver Dinge für ihr Leben mit, und sei es nur ein Hobby, das einen ein ganzes Leben lang begleiten kann. Dazu können wir als Spitzenspieler absolut etwas beitragen.

JW: Ein besseres Schlusswort kann man kaum finden. Dann erst einmal vielen Dank und weiter viel Erfolg hier in Karlsruhe.