
FCB Schach Mitglieder
Do., 12.03.26, 20:00
Zum Tode von Andreas Lickleder - Ein Nachruf von Dr. Ferdinand Unzicker
Am 18.02.2026 verstarb im Alter von 61 Jahren Andreas Lickleder. Er war seit Mitte der 2000er Jahre Mitglied unserer Schachabteilung und spielte in verschiedenen überregionalen Mannschaften, zeitweise auch als Ersatzspieler in der zweiten Bundesliga.
Mit Andreas verbinde ich jahrzehntelange Erinnerungen. Wie studierten beide Jura. Da er einige Jahre älter war als ich, war er schon mit der Vorbereitung auf das zweite Examen beschäftigt, als ich gerade mit dem Studium angefangen hatte. Wir begegneten uns in dieser Zeit häufiger in den juristischen Bibliotheken der LMU als auf Schachveranstaltungen, und freundeten uns an. Als dann für mich im Jahre 1994 ein Vereinswechsel anstand, war die Aussicht, unter anderem mit Andreas in einer Mannschaft zu spielen, sicher einer der Gründe, dass meine Wahl auf den TSV Milbertshofen (später Schwabinger SG) fiel. Es folgten dann einige lustige Jahre in der Oberliga in einer Mannschaft mit Leuten im Alter von Anfang/Mitte 20 bis Anfang 30. Zweimal verpassten wir den Aufstieg in die zweite Bundesliga, bis die Mannschaft ab der Jahrtausendwende an Schwung verlor. So kam es, dass ich 2001 beim FC Bayern eingetreten bin, was noch einmal eine grundlegende Weiterentwicklung bedeutete. Wenige Jahre später stieß auch Andreas dazu.
Andreas war ein vielseitig gebildeter Mensch. Er war ein ausgezeichneter Jurist und spezialisierte sich früh auf Strafrecht, arbeitete zunächst einige Jahre als Repetitor – wobei er mir, als ich dann selbst Referendar war, so viel Vertrauen schenkte, dass ich die Leitung eines Klausurenkurses übernehmen konnte – und wurde später als Rechtsanwalt zugelassen. Er entwickelte später als Spezialist für Revisionsverfahren bundesweite Reputation und war in dieser Funktion bis zuletzt in einer angesehenen Strafverteidigerkanzlei tätig. In seiner Freizeit pflegte er Interessen auf hohem Niveau; neben seiner schachlichen Leidenschaft spielte er Konzertgitarre.
Er war immer ein sehr freundlicher und zugleich zurückhaltender Mensch, der nie viel Aufhebens um sich machte und sich nicht in den Vordergrund spielte. Vor drei Jahren erlitt er eine ernste gesundheitliche Krise, von der er sich aber erholte. Es entsprach seinem zurückhaltenden Naturell, dass er, als wir einige Zeit später am Rande einer Schachveranstaltung einen Kaffee miteinander tranken, hiervon gar nichts erzählte, sondern einen ausgeglichenen Eindruck hinterließ. Am Ende hatten wir uns – wie es immer so ist, wenn jeder mit seinem Leben beschäftigt ist – schon längere Zeit nicht mehr gesehen. Umso schockierender ist es dann, wenn die nächste Nachricht schon die von seinem frühen und überraschenden Tode ist.
Die Beisetzung fand am 02.03.2026 in Altötting, wo er aufgewachsen ist, unter großer Anteilnahme statt.
Dr. Ferdinand Unzicker