Mitreißend, unwiderstehlich, denkwürdig

Der FC Bayern Basketball ist Deutscher Pokalsieger 2021

Increase font size Schriftgröße

Die Basketballer des FC Bayern sind deutscher Pokalsieger 2021! Das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri besiegte am Sonntag im Finale des Top Four im Audi Dome nach einem mitreißenden Fight den großen Rivalen Alba Berlin 85:79 (41:39). Nur rund 20 Stunden nach dem 104:102-Thriller im Halbfinale gegen Ulm machten die Bayern – angeführt von Nationalspieler Paul Zipser - einen frühen 15-Punkte-Rückstand gegen die zunächst frischeren Berliner noch vor der Pause wett. Mit unwiderstehlichem Einsatz in der Defense rang man den Titelverteidiger trotz einiger angeschlagener Spieler wie Zan Mark Sisko und Vladimir Lucic nieder. Der Serbe lieferte mit denkwürdigen Blocks gegen Lammers und Fontecchio wieder die entscheidenden Plays und wurde als MVP des Finalturniers ausgezeichnet. Zu den ersten Gratulanten auf dem Court zählte Präsident Herbert Hainer, der wieder live im Audi Dome zusah.

Nach einem freien Montag geht es für die Bayern ab Mittwoch im Audi Dome mit der Playoff-Serie gegen die Crailsheimer Merlins.

Die Stimmen

Andrea Trinchieri: „Heute war es eine großartige Perfomance von der gesamten Mannschaft. Wir haben gestern 50 Minuten gespielt, aber wollten den Titel so sehr. Berlin hat in den ersten sieben Minuten alles getroffen. Doch wir sind nicht auseinandergefallen. Wir haben uns dann in die einzig mögliche Position gebracht, um das Spiel zu gewinnen. Mit solider Defense, großem Kampf und viel Einsatz. Es ist immer schwer einen Titel im ersten Jahr zu gewinnen. Mit diesen Spielern einen zu holen, schmeckt besonders süß. (…) Es ist sehr schwer, gleich im ersten Jahr bei einem neuen Verein, mit neuen Spielern einen Titel zu gewinnen, aber mein Team hat heute einen fantastischen Job gemacht. Am Anfang waren wir etwas schüchtern, Alba hat mit 15 Punkten geführt, aber wir haben nicht aufgegeben und dann angefangen, zu spielen, wie wir es uns vorgestellt haben - als Team und mit einer sehr soliden Defense. Unsere Voraussetzungen waren alles andere als optimal, wir haben gestern zehn Minuten mehr gespielt, müssen bei unseren Guards rotieren und hatten Foul-Probleme gleich zu Beginn des ersten Viertels. Es ist ein toller Sieg, ich bin so stolz und ich glaube, dass mein Team es verdient hat, heute zu gewinnen und einen Titel zu holen. Natürlich ist die Saison noch nicht vorbei, aber diese Spiele sagen viel über uns aus. Ich möchte noch einmal all meinen Spielern gratulieren: wie sie gespielt haben, dass sie mir vertraut haben und wie viel Anstrengung sie in das Spiel gesteckt haben. Es war der einzige Weg das Spiel zu gewinnen.

Meine Gedanken - und das ist kein Klischee - gehen an JaJuan Johnson, Nick Weiler-Babb, Diego Flaccadori und Nihad Djedovic: Auch sie haben eine Hand am Pokal und sind Teil des Teams, ohne sie hätten wir keinen Titel gewonnen. Unser Teamchemie ist überragend. (…) Wir sind nicht perfekt in basketballerischer Hinsicht, doch wir sind perfekt als eine Gruppe von Personen. Wir sind ein großartiges Team in den kleinen Dingen. Wir sind jeden Tag zusammen. Wenn du so viele Zeit miteinander verbringst, bildet sich eine menschliche Chemie, die mehr ist als nur Basketball. Feiern werde ich mit eine oder zwei guten Flaschen Wein und einer guten Zigarre.“

Leon Radosevic: „Es war sehr, sehr anstrengend. Ich muss mich in erster Linie bei unseren Physios und Doktoren bedanken. Die haben die ganze letzte Nacht gearbeitet, um uns zu regenerieren. Ich bin sehr dankbar, heute spielen zu können. Wir haben gestern gefühlt fast alle über 35 Minuten gespielt, weshalb das heute sehr wichtig für uns war. Das ist die erste Krönung für alles, was wir diese Saison machen. Wir wussten, dass wir mit unserer Spielweise in der deutschen Liga etwas Probleme haben. Aber nach der EuroLeague können wir uns jetzt voll auf die Playoffs fokussieren und können es schaffen, uns darauf einzustellen.“ 

Paul Zipser: „Hier zuhause zu gewinnen, fühlt sich einfach supergeil an. Wir hatten hier noch eine Rechnung offen und es ist so schön, dass wir uns jetzt mit dem ersten Titel belohnen. Ich bin gestern nicht mit mir zufrieden gewesen. Ich habe aber danach viel mit Andrea Trinchieri und Daniele Baiesi geredet, um heute mit dem richtigen Mindset reinzugehen. Es haben alle von Anfang wirklich alles gegeben. Egal ob die Rotation von gestern oder heute: Es war einfach eine riesige Teamleistung. Was uns besonders macht: Wenn bei uns jemand einen schlechten Tag hat, dann ist jeder hinter einem. Man kann füreinander einstecken. Wir sind einfach da und helfen uns gegenseitig bis zum Schluss.“

Vladimir Lucic: „Das hier ist alles, wofür wir arbeiten. Momente wie diese sind der Lohn für die harte Arbeit seit August. Ich denke, bisher haben wir eine großartige Saison. Doch wir haben Spiel fünf in den EuroLeague-Playoffs verloren und ich denke, daher wollen wir einfach Titel gewinnen. Einen haben wir jetzt und einer steht noch aus.  Alba ist ein großartiges Team, eines der besten Teams zum Zuschauen. Es ist immer besonders, wenn zwei der besten Mannschaften in Deutschland aufeinandertreffen. Es ist immer ein harter Kampf zwischen uns. Wir wollten es heute vielleicht ein bisschen mehr und haben uns den Titel verdient. Ich weiß noch nicht, wie wir das feiern können. Es ist der erste Titel unter diesen besonderen Umständen. Es wird daher keine große Feier geben. In drei Tagen beginnen die Playoffs und die vergangenen zwei Tage waren schwer. Wir müssen uns erholen und bereit für die Playoffs sein. Vielleicht können wir aber ein kleines bisschen was organisieren.“

Marko Pesic, Geschäftsführer: „Nach dem Spiel gestern und nach dem ersten Viertel heute hat eigentlich keiner geglaubt, dass wir das gewinnen können. Doch wir haben gekämpft und gekämpft und gekämpft und sind in einen Rhythmus gekommen. Als wir den dann hatten, haben wir so gespielt wie in der EuroLeague. Ich glaube, die Mannschaft hat sich diesen Titel verdient. Mit allem, was sie in den letzten zwei Monaten gemacht hat. Ich glaube, das ist auch eine Belohnung für die tolle EuroLeague-Saison. Mal sehen, ob uns das in die Playoffs hineintragen kann. Für den gesamten Verein ist es glaube ich eine weitere Motivation, an sich zu glauben und ein Zeichen, dass man immer die Chance hat, etwas zu gewinnen. Feiern werden wir im Moment aufgrund von Corona nicht können. Das ist ein Nachteil, vor allem auch ohne Fans. Aber es gibt auch noch einen zweiten Titel zu holen.“

FC Bayern Basketball vs Alba Berlin 85:79 (41:39)

  • FCBB:

    Paul Zipser (18 Punkte), Wade Baldwin (12), Leon Radosevic (12), D.J.Seeley (11/ 4 Assists), Vladimir Lucic (9), Jalen Reynolds (9), Zan Mark Sisko (7/6 Rebounds/ 4 Assists), James Gist (6), Robin Amaize, Sasha Grant, David Krämer und Jason George


  • Topscorer Berlin:

    Jayson Granger (17 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Anne Panther, Martin Matip, Steve Bittner

Das Spiel

Wade Baldwin, Robin Amaize, Paul Zipser, James Gist und Jalen Reynolds hieß die Starting Five für das Pokalfinale. Die Berliner fanden in Marcus Eriksson und Jayson Granger direkt ihre freien Schützen und begannen mit einem 8:0-Lauf. Andrea Trinchieri gefiel das gar nicht, weshalb er schon nach zwei Minuten die Auszeit nahm. Und diese zeigte Wirkung: Zipser, Reynolds und Baldwin brachten die Bayern auf das Scoreboard (10:17/7.). Doch trotz hoher Intensität in der Münchner Defensive kam Alba nur selten aus dem früh gefundenen Rhythmus und somit zu 29 Punkten im ersten Viertel (17:29).

Wie so oft ließ sich das Team von Trinchieri auch diesmal nicht von einem unrunden Start aus der Ruhe bringen und startete, angeführt von Zipser (13 Punkte ohne Pause in der ersten Hälfte), mit Feuer in das zweite Viertel (25:31/13.). Während Berlin in dieser Phase nur schwere Würfe gestattet wurden, dirigierte Sisko die daraus resultierenden Fastbreaks. Ein 13:2-Lauf war die Folge (30:31/15.) Jayson Granger setzte seine Routine gegen die Drangphase der Bayern. Doch die hielten die Physis hoch und kamen kurz vor dem Ende der ersten Hälfte zur ersten Führung der Partie (41:39).

Bayern übernimmt die Kontrolle und bleibt bis zum Ende abgezockt

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich zunächst ein unruhiges Siel, bei dem beide Teams in zwei Minuten je zwei Mal den Ball wegwarfen. Wieder erwies sich Zipser als bärenstarke Option, weshalb er bis zur 25. Minute durchspielte (50:49). Und die Offensive der Hausherren blieb heiß – Lucic zog mit Macht zum Korb und auch Reynolds ließ es krachen. Für das Team von Coach Aito versuchte Peyton Siva zu übernehmen, kam allerdings nur mühsam zu seinen Punkten. Mit einem Vierpunktspiel von D.J. Seeley gelang es den Münchnern, sich im dritten Viertel einen kleinen Vorsprung zu erarbeiten (65:58).

Im abschließenden Viertel versuchten die Albatrosse viel Tempo ins Spiel zu bekommen und früh anzupressen. Die Bayern antworteten mit einer starken Defense und forcierten drei Angriffe ohne Abschluss in Serie– Auszeit Aito (72:63/34). Der Druck des Trinchieri Teams blieb extrem hoch. Immer wieder schafften sie es, sich abgezockt aus der Presse zu befreien und die entstehenden Freiräume über Baldwin zu nutzen (78:72/38.). Siva versuchte es mit zahlreichen Attacken zum Korb, ließ aber einige daraus resultierenden Freiwürfe liegen. Seeley und Radosevic machten es auf der anderen Seite besser und nutzten die Fouls zur Acht-Punkte-Führung (81:73/noch 90 Sekunden). Ein schwerer Dreier von Granger und ein Freiwurf von Eriksson verkürzten vierzig Sekunden vor dem Ende nochmal auf drei Zähler Rückstand. Doch Tim Schneider schickt kurz darauf Sisko an die Linie und der blieb eiskalt. Ein Monsterblock von Lucic gegen Simone Fontecchio setzte dem Ganzen die Krone auf. Der Pokalsieg war den Bayern nicht mehr zu nehmen. (85:79).

 

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Eirich, Duda, Stickel

Auch Interessant