Sensation in Moskau

Die Bayern-Basketballer gewinnen erstmals überhaupt gegen ZSKA

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Die Bayern-Basketballer des FC Bayern haben tatsächlich die große Sensation vollbracht: Das von Personalsorgen geplagte Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri gewann am Freitagabend bei EuroLeague-Titelverteidiger ZSKA Moskau nach einem unglaublichen Kraftakt im Schlussviertel 69:66 (40:39) und besiegte damit im achten Duell erstmals überhaupt den großen Favoriten. Damit kehren die Münchner nach dem 95:93 bei Khimki mit zwei Erfolgen aus der Double-Week in Russland heim und schrauben ihre Bilanz auf 14:9 Siege.

Die bislang beste EuroLeague-Ausbeute eines deutschen Teams, vor zwei Jahren von den Bayern aufgestellt, ist damit schon am 23. Spieltag erreicht. Und: Nach dem Doppelerfolg im Oktober mit den ersten Auswärtssiegen überhaupt bei Fenerbahce und in Tel Aviv brachten die Bayern das Kunststück fertig, erneut beide Partien einer Doppelspielwoche in fremder Halle zu gewinnen.

Zwei Siege in der Double-Week, denn ZSKA werden im vierten Viertel nur sechs Punkte gestattet        

Vor 4.516 Zuschauern zeigte der FCBB in der lärmenden Megasport Arena eine starke erste Hälfte, schien nach dem dritten Viertel entscheidend in Rückstand geraten zu sein (50:60) – ehe die Gäste unnachahmlich zurückfighteten und den letzten Abschnitt 19:6 für sich entschieden.

Dabei fehlten den Bayern beim Favoriten erneut ihre beiden Kapitäne Nihad Djedovic und Vladimir Lucic sowie Zan Mark Sisko (alle im Aufbautraining), Robin Amaize (Wade) und Youngster Matej Rudan (Sprunggelenk) – zudem musste auch Nationalspieler Paul Zipser kurz vor der Halbzeit wegen einer Blessur im Oberschenkel ebenfalls passen.

Die Bayern reisen nun am frühen Samstagmorgen zurück nach München. Am Sonntag (18 Uhr) wartet im Audi Dome schon die nächste Aufgabe: das BBL-Topspiel gegen den formstarken Tabellenzweiten Crailsheim. Ab Mittwoch stehen dann vier Spiele binnen sieben Tagen im Kalender, drei davon auswärts: Am Mittwoch (3.2.) ist um 20.30 Uhr Tip-Off für das BBL-Duell in Würzburg, am Freitag (5.2., 20.30 Uhr) kommt Alba Berlin zum EuroLeague-Derby in den Audi Dome, ehe die Bayern nach Bamberg (7.2., 18 Uhr) und Ulm (9.2., 19 Uhr) müssen.

ZSKA Moskau – FC Bayern Basketball 66:69 (39:40)

  • FCBB:

    Wade Baldwin (22 Punkte), D.J. Seeley (17/5 Assists), Jalen Reynolds (16/8 Rebounds), JaJuan Johnson (8), Paul Zipser (3), James Gist (2/5 Rebounds), Nick Weiler-Babb (1), Diego Flaccadori, Sasha Grant, Leon Radosevic und Jason George.


  • Topscorer ZSKA Moskau:

    Nikola Milutinov (16 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Miguel Angel Perez, Sreten Radovic, Mykola Ambrosov.


  • Zuschauer

    4.516

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 25:27, 15:12, 10:21, 19:6

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote:  44 % (FCBB) // 38% (ZSKA); Dreier-Quote: 36 % //38 %; Freiwurf-Quote:  85 % // 92 %; Rebounds: 24 // 38; Assists:  10 // 15; Ballverluste:  10 // 16.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri, Chefcoach München: „Schon zum zweiten Mal zwei Siege, wir sollten nur noch Double-Weeks spielen! Der unermüdliche Wille war heute der entscheidende Faktor. Wir hatten die perfekte Einstellung im letzten Viertel gefunden. Wir kamen von einem Zehn-Punkte-Rückstand, aber haben nicht aufgegeben und fahren deshalb mit einem unglaublichen Gefühl nach Hause. (…)

Ich bin sehr zufrieden. Wenn Sie nach der Qualität von einem Spiel fragen: Die finden sie vielleicht bei einem guten Wein. Ich bin einfach nur glücklich, dieses Spiel gewonnen zu haben. (…)

Es war ein echter Kampf. Im ersten Viertel sah es nach einem High-Scoring-Spiel aus, Milutinov und Shengelia haben uns zerstört. Aber langsam fanden wir einen Weg, speziell in der Defense besser zu spielen. Und dann haben wir es geschafft, dass ZSKA im letzten Viertel nur sechs Punkte machte, das war der Schlüssel für unseren großen Sieg in Moskau. (…)

Januar und Februar sind ein Albtraum für die Teams in der EuroLeague. ZSKA haben Clyburn und James gefehlt, aber bei uns waren Sisko, Lucic, Djedovic und dann während des Spiels Zipser nicht dabei. Die Müdigkeit hatten beide Teams zu bewältigen. Keiner hat aufgegeben und das war kein Spiel der Offense, sondern der Defense – und das haben wir gewonnen. Entscheidend war: Als ZSKA mit 60:50 führte und Hilliard zwei Dreier traf, die jedem Team unglaublich Sauerstoff liefern – in diesem Moment kann dir das Spiel entgleiten, doch wir sind dringeblieben. Wir haben im schwierigsten Moment des Spiels nicht aufgegeben.“

Wade Baldwin: „Die zweite Hälfte hat es entschieden. Dort haben wir eine starke Mentalität bewiesen und somit gegen zwei starke Teams aus Moskau zwei Siege geholt. Damit sind wir sehr zufrieden. Heute war es ein echter Kraftakt. Jeder hat einen großen Teil dazu beigetragen.“

D.J. Seeley: „Ich bin immer noch super aufgeregt. Wir haben nicht so gut gespielt, wie wir es wollten, aber wir haben den wichtigen Sieg geholt, weil wir uns im letzten Viertel vollkommen auf die Defensive konzentriert haben - das hat uns heute sehr geholfen. Das ist ein großes Ding.“

Das Spiel:

Schlau sein und mit hoher Intensität verteidigen, das war die Ansage von Chefcoach Trinchieri vor dem Spiel, bei dem er Wade Baldwin, Nick Weiler-Babb, Paul Zipser, James Gist und Jalen Reynolds in die Starting Five beorderte. Mit diesem Motto forcierten die Münchner zwei frühe Ballverluste und nutzten diese für einen guten Start (7:3/3.). Die Gastgeber suchten dagegen Nikola Milutinov (14 Punkte im ersten Viertel) unter dem Korb und glichen zum 11:11 aus (5.). Bemerkenswert: Bis auf einen Dreier nahm Moskau jeden Wurf des ersten Viertels aus der Zone heraus. Mit guten Impulsen von D.J. Seeley gelang es den Bayern dranzubleiben (25:27/10.).

Das zweite Viertel entwickelte sich von Beginn an diametral zu den ersten zehn Minuten: Zunächst übernahm Baldwin und traf zwei Mitteldistanzwürfe zur 29:27-Führung (13.).  In der Verteidigung reagierten die Gäste auf den angriffslustigen Basketball und machten es den Russen deutlich schwerer zu Punkten zu kommen (38:36/ 17.). Doch auch die Mannschaft von Dimitris Itoudis erhöhte den Druck in der Defensive, weshalb die Bayern-Basketballer es verpassten, das Spiel deutlicher auf ihre Seite zu ziehen. Eine knappe Halbzeitführung war die Folge (40:39).

Zipser bleibt in der Kabine, doch die Bayern kämpfen ZSKA nieder

Die zweite Hälfte begann mit einer Hiobsbotschaft: Paul Zipser kam wegen einer Oberschenkelverletzung nicht mehr aus der Kabine zurück.  Reynolds sprang in die Bresche und erarbeitete sich variabel seine Chancen gegen Moskaus Topscorer Milutinov (46:46/24.). ZSKA nutzte dagegen teilweise unglückliche Aktionen in der Münchner Defensive aus und ging mit einem 12:0-Lauf in das letzte Viertel (50:60). Drei Dreier trafen die Gastgeber – die Entscheidung?

Nein, denn im Schlussabschnitt gelang es dem FCBB, trotz aller Personalsorgen aggressiv zu verteidigen, während man sich im Spielaufbau wieder einmal auf Baldwin verlassen konnte (56:62/34.). Dank großem Einsatz der Bayern war der Korb plötzlich wie vernagelt und es gab für ZSKA länger als sieben Minuten nur zwei Punkte zu holen (62:62/37.). Ein Dreier von Seeley krönte den furiosen 14:4-Lauf (66:64/39.). Der Bayern-Guard war es auch, der seine Mannschaft sieben Sekunden vor dem Ende mit einem getroffenen Freiwurf mit 69:66 in Führung brachte. Der letzte lange Dreier von Darrun Hilliard ging daneben – die große Überraschung war perfekt.

 

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Serbin

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