103:105-Niederlage nach Verlängerung gegen Crailsheim

Dem Notaufgebot der Bayern geht im vierten Spiel der Woche die Energie aus

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Nach drei Siegen, darunter zwei EuroLeague-Erfolgen in Moskau, haben die Bayern-Basketballer das vierte Spiel seit vergangenem Sonntag verloren: Dem letzten Aufgebot der arg ersatzgeschwächten Münchner ging im BBL-Topspiel gegen den Tabellenzweiten Crailsheim nicht ganz unerwartet die Energie aus und unterlag nach Verlängerung 103:105 (92:92, 46:44). Die Bayern lieferten den ausgeruhten Gästen einen packenden Kampf und gaben sich in einer hochintensiven Partie mit 22 Führungswechseln erst mit dem letzten Wurf geschlagen. Wie die EuroLeague-Konkurrenten Fenerbahce, Kaunas, Panathinaikos und Mailand, die in ihren Heimatligen ebenfalls verloren, musste somit auch der FCBB dem Raubbau deiner Doppelspiel-Woche Tribut zollen. Für die Bayern war es in der BBL die dritte Niederlage.

Bei den Bayern gab Kapitän Nihad Djedovic nach vier Wochen Pause ein kurzes Comeback, dennoch fehlten Cheftrainer Andrea Trinchieri diesmal gleich sechs angeschlagene Spieler: Zu Vladimir Lucic, Zan Mark Sisko (im Aufbautraining), Robin Amaize (Wade) und Youngster Matej Rudan (Sprunggelenk) gesellten sich mit Blessuren aus dem ZSKA-Spiel noch Wade Baldwin (Zehenverletzung) und Paul Zipser (Oberschenkel).

Die Lage bleibt demnach kompliziert, denn: Ab Mittwoch stehen nicht weniger als vier Spiele binnen sieben Tagen im Kalender, drei davon auswärts. Am Mittwoch (3.2.) ist um 20.30 Uhr Tip-Off für das BBL-Duell in Würzburg, am Freitag (5.2., 20.30 Uhr) kommt Alba Berlin zum EuroLeague-Derby in den Audi Dome, ehe die Bayern nach Bamberg (7.2., 18 Uhr) und Ulm (9.2., 19 Uhr) müssen.

FC Bayern Basketball - Hakro Merlins Crailsheim 103:105 (92:92/46:44) n. V.

  • FCBB:

    D.J. Seeley (29/ Punkte/4 Dreier), Nick Weiler-Babb (24/6), JaJuan Johnson (12/8 Rebounds), Jalen Reynolds (9/7 Reb), Leon Radosevic (8/6 Reb), Diego Flaccadori (7/7 Assists), James Gist (6), Sasha Grant (5), Nihad Djedovic (3) und Jason George


  • Topscorer Crailsheim:

    Trae Bell-Haynes (31 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Anne Panther, Christof Madinger, Enrico Streit

Die Punkteverteilung nach Vierteln: 22:21, 24:23, 26:21, 20:27, 11:13.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 51% (FCBB) // 54% (Crailsheim); Dreier-Quote: 38% // 40%; Freiwurf-Quote: 73% // 79%; Rebounds: 42 // 37; Assists: 22 // 15; Ballverluste: 13 // 11.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Ich gratuliere Crailsheim. Natürlich haben wir unser Bestes versucht, aber uns sind die Energie und die Spieler ausgegangen. Wir haben gekämpft und einen Weg gefunden, in der regulären Spielzeit gewinnen zu können und auch in der Verlängerung. Wir haben dann nicht die richtigen Sachen in der Verteidigung gemacht, deswegen haben wir verloren. Aber mein Team hat nie aufgegeben und Charakter gezeigt, sie haben alles versucht. Wir haben mehr als fünf Spieler draußen sitzen, mehr als eine Starting Five. Hoffentlich können uns die Ärzte bald helfen, wir müssen Spieler zurückbekommen, denn der weitere Zeitplan ist sehr schwierig, wenn du alle zwei Tage spielst. Aber ich komme halt in die Halle und dann sagen sie mir: ja oder nein, kaputt oder lebendig. Unsere Rotation ist sehr kurz, deswegen kann ich meinen Spielern keine Vorwürfe machen. Natürlich können wir einige Sachen beste machen, aber so ist es eben sehr, sehr schwer.“

Nick Weiler-Babb: „Crailsheim hat am Ende glücklicher agiert, weil wir defensiv aus dem Tritt geraten sind. Aber fürs Verlieren gibt es keine Entschuldigung. Wir haben gekämpft, aber es hat nicht gereicht. Also können wir mit unserem Spiel nicht zufrieden sein. Jetzt müssen wir in der nächsten Partie zurückkommen.“

Tuomas Iisalo, Coach Crailsheim: „Glückwunsch an meine Spieler zum Sieg, sie haben hart gekämpft. Wir haben am Ende der regulären Spielzeit schon die Chance gehabt, das Spiel zu gewinnen, aber da hat Bayern einfach seine Qualität gezeigt. Doch in der Overtime haben wir dann unsere Identität gezeigt: wir spielen und kämpfen einfach immer weiter.“

Das Spiel:

Coach Trinchieri meinte angesichts der Belastungen und den Verletzten vor dem Spiel: „Jammern hat keinen Sinn, wir müssen uns der Herausforderung einfach stellen.“ Er begann gegen das Überraschungsteam der BBL mit Nick Weiler-Babb, D.J. Seeley, Sasha Grant, James Gist und Leon Radosevic. Crailsheims Plan war von Beginn an offensichtlich: mit möglichst viel Tempo von der Müdigkeit der Bayern profitieren. D.J. Seeley zeigte nicht den Hauch einer Erschöpfung und glänzte mit sieben Punkten in der Anfangsphase (9:9/4. Spielminute). Doch dann waren die Gäste aber agiler und treffsicherer aus der Distanz, München kassierte einen 0:10-Lauf (9:19/7.). Nihad Djedovic kam zum ersten Mal im Jahr 2020 aufs Parkett und verwertete gleich seine erste Ballberührung zum Korberfolg. Der FCBB drehte an beiden Enden des Spielfeldes auf und schnappte sich mit einem 11:0-Run die erste Führung - 22:21 nach dem ersten Spielabschnitt.

Die Hakro Merlins blieben ihrer Devise des schnellen Spiels treu und nahmen den Bayern ihre Vorteile in der Zone weg - Crailsheim war wieder vorn (27:29/13.). Das Trinchieri-Team reagierte über die Verteidigung, bremste die Merlins aus und holte sich mit zwölf Punkten in Folge die Führung zurück (39:31/17.). Die Partie war flott und unterhaltsam, denn die Baden-Württemberger kamen mit ihrem quirligen Playmaker Trae Bell-Haynes wieder heran, aber nicht vorbei (46:44).

Nick Weiler-Babb, der frischgebackene MVP der Woche in der EuroLeague, traf den Dreier zum 49:48 und hätte die Zuschauer anschließend mit einem sensationellen Block in der Verteidigung mit Sicherheit von den Sitzen gerissen. Seeley steuerte dank seiner geballten Erfahrung und bewundernswerten Zuverlässigkeit Punkte mit Ansage: 21 schon zu diesem Zeitpunkt (55:54/25.). Das Spitzenspiel der BBL erfüllte die Erwartungen mit vielen Führungswechseln. „Dauerläufer“ Weiler-Babb versenkte seinen vierten Dreier zum 65:61 (27.). Auch Grant bewies Mumm, als er nach vier Fehlversuchen dennoch warf und per Drei-Punkte-Treffer erfolgreich war (68:61/29.). Nach 30 Minuten hatten sich die Münchner mit der 72:65-Führung eine gute Ausgangsposition erarbeitet.

JaJuan Johnson zur Verlängerung

Alle wussten: Jetzt kam es darauf an, die letzten Kraftreserven zu mobilisieren. Weiler-Babbs fünfter Dreier war kein schlechter Auftakt ins letzte Viertel (75:68/31.). Leider erlaubten sich die Bayern in dieser so wichtigen Phase drei Ballverluste, Crailsheim rückte heran (77:76/33.). Obwohl die Merlins auch von verletzungsbedingten Ausfällen geplagt waren, glichen sie zum 79:79 aus (35.). Der Akku blinkte längst dunkelrot, aber die Münchner kämpften (82:79/36.). Bell-Haynes auf Crailsheimer Seite übernahm das Spiel und wendete das Blatt just zu Beginn der Crunchtime (82:83/37. - 84:85/38.). Reynolds traf mit mächtigem Selbstbewusstsein zum 86:85, doch kurz darauf unterlief ihm sein fünftes Foul. Merlin Lasisi hatten die Münchner nicht auf dem Zettel - er nutzte unglückliche Aktionen des FCBB zu sechs Punkten in Folge (86:91/noch 30 Sekunden). Seeley steuerte cool einen Dreier ins Ziel (89:91/noch 17 Sekunden). Bell-Haynes traf von zwei Freiwürfen nur einen (89:92). Mit vier Sekunden auf der Uhr glückte den Münchnern durch JJ Johnson das Kunststück, durch einen absichtlich verworfenen zweiten Freiwurf drei Punkte zu erzielen, Verlängerung!

Crailsheims Stuckey eröffnete die Zugabe mit einem Dreier, München – nach dem fünften Foul auch ohne Leon Radosevic - antwortete, geschickt die körperliche Überlegenheit nutzend, mit einem 6:0-Lauf (98:95/43.). Stuckey brachte die Merlins erneut in Führung, Seeley konterte (100:99/44.). Weiler-Babb steuerte nach dem Führungswechsel durch Bell-Haynes einen Dreier zum 103:101 in den Korb der Gäste (noch 72 Sekunden). Aber Bell-Haynes war an diesem Abend einfach nicht zu stoppen, 1,2 Sekunden vor dem Ende versenkte er den alles andere als einfachen, spielentscheidenden Floater.

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Rauchensteiner, Stickel, Eirich, Gamel

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