Trinchieris Männer geben nie auf

Die Bayern ringen Berlin im Overtime-Derby nieder - 101:95

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Die Bayern-Basketballer haben mit einem fantastischen Finish das schon verloren geglaubte EuroLeague-Derby gegen Alba Berlin mit 101:95 (89:89, 33:43) Punkten nach Verlängerung gewonnen. Die Münchner lagen zwischenzeitlich mit 16 Zählern und gut viereinhalb Minuten vor der vermeintlich letzten Sirene 67:80 hinten – ehe sie durch Wade Baldwins weiten Dreier und Punkte zuvor von Paul Zipser (insgesamt ein 20:7-Run) noch in die Overtime kamen. Auch hier entwickelte sich ein episches Drama mit vielen Wendungen. Beim 94:95 gut 40 Sekunden vor Schluss gelang Vladimir Lucic ein großer Dreier und Topscorer Jalen Reynolds (24) kurz darauf das entscheidende Defense-Play. Für die Bayern war es im 24. Spiel bereits der 15. Sieg – so viele Erfolge hat noch kein deutsches Team in der Königslasse während einer Saison geholt. 

 

Der Weg dahin war steinig: Die Männer von Chefcoach Andrea Trinchieri erwischten ohne die nötige Energie einen schlechten Start, erzielten ihren ersten Feldkorb erst nach sieben Minuten und lagen nach dem ersten Viertel bereits 10:26 hinten. Im dritten Abschnitt stemmte sich der FCBB in einer guten Phase und auch zum Schluss der regulären Spielzeit mit Charakter und Kämpferherz gegen den Spielverlust.

 

Für die Bayern, denen erneut Zan Mark Sisko, Robin Amaize (beide im Aufbau), Youngster Matej Rudan (Sprunggelenk) und im Spiel früh auch Nihad Djedovic fehlten, geht es weiter Schlag auf Schlag: In knapp zwei Tagen, am Sonntagabend (7.2., 18 Uhr), müssen die Münchner in der BBL in Bamberg und dann schon am Dienstag in Ulm (9.2., 19 Uhr) antreten.

FC Bayern Basketball – Alba Berlin 101:95 (87:87, 33:43) n.V.

  • FCBB:

    Jalen Reynolds (24 Punkte), Wade Baldwin (21/7 Assists), Paul Zipser (20), Vladimir Lucic (20), D.J. Seeley (10), Nick Weiler-Babb (4), Diego Flaccadori (2), James Gist, JaJuan Johnson, Nihad Djedovic, Sasha Grant und Leon Radosevic.


  • Topscorer Berlin:

    Simone Fontecchio (21 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Damir Javor, Spiros Gkontas, Jurgis Laurinavicius.

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB): 10:26, 23:17, 25:23, 29:21, 14:8

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote:   53 % (FCBB) // 65 % (Berlin); Dreier-Quote: 44% //35 %; Freiwurf-Quote:  75 % // 70 %; Rebounds: 28//32; Assists: 25//24; Ballverluste: 10 //19.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Manche Spiele können dich killen, andere laden dich unheimlich auf. Berlin war 35 Minuten besser, hatte viel mehr Energie. Wir waren schwer, haben keinen Druck gemacht. Aber dann haben wir in den letzten fünf Minuten und in der Overtime unseren besten Einsatz gebraucht; wir hatten dann große Plays und einige Stopps. Das ist ein Spiel, das uns nach vorn bringen kann. (…) Wir haben das zweite, dritte, vierte Viertel und die Overtime gewonnen – aber das erste Viertel hat uns sehr viel gekostet. Wir hatten keine richtige Energie, aber du siehst, was ein Tag mehr Erholung ausmacht; wir haben einen Tag später als sie in der BBL gespielt, vor 48 Stunden. Es war ein hartes Spiel gegen einen sehr guten Gegner, der den Ball hervorragend wirft. Es war wirklich hart zurückzukommen. (…) Das ist ein sehr großer Sieg, eine Niederlage hätte unser Leben in der EuroLeague angesichts der anderen Ergebnisse verkompliziert. (…) Ich will heute nicht an Sonntag denken, denn ich weiß nicht, wer spielen kann. Aber wir waren leer und alle sehen, wie bei uns jeder versucht, sein Maximum zu erreichen. Heute haben wir Weiler-Babb verloren, der ein Problem mit seinem Fuß hatte und nicht mehr laufen konnte. Dieser Spielplan ist nicht menschlich.“      

Paul Zipser: „Das war eine tolle Show beider Teams, ich bin einfach nur erschöpft. Wir waren am Anfang viel zu lahm, so können wir hier nicht in ein erstes Viertel gehen, schon gar nicht gegen so ein Team. Aber wir sind zurückgekommen, das war stark; auch sie sind dann am Ende noch mal zurück gewesen. Es war beeindruckend, was beide Mannschaften geleistet haben.“

Vladimir Lucic: „Das ist die Mentalität unseres Teams. Wir haben es schon einige Male diese Saison gezeigt, dass wir ein Comeback liefern können. Wir trainieren so hart und geben einfach nie auf. Das ist ein großer Sieg für uns. Wir haben so unsere großartige Auswärtsreise der letzten Woche in Moskau bestätigt. Wir wissen, wie gut Alba ist, sie haben viel Talent. Es wird ein Kampf bis zum Ende der Saison mit ihnen.“

Jalen Reynolds: „Wir hätten besser spielen müssen, mit unserer Leistung können wir nicht zufrieden sein. So können wir bei uns in der Halle nicht auf den Court gehen und uns selbst besiegen. Sie dagegen haben mit viel Schwung gespielt. Aber am Ende hat sich jeder gesteigert, wir sind über die Defense reingekommen und haben die Rebounds geholt. Es tut gut, den Sieg zu haben.“

 Das Spiel:

Chefcoach Trinchieri begann mit Baldwin, Nick Weiler-Babb, Vladimir Lucic, James Gist und Leon Radosevic. Den Bayern steckte das schwere Spiel gegen Würzburg (74:70) noch in den Knochen, weshalb sie nur schleppend in die Partie kamen und nicht wach wirkten. Lucic sorgte erst nach vier Minuten für die ersten Punkte von der Freiwurflinie, während Ex-Münchner Maodo Lo früh seine Würfe traf (2:11).  Nur mühsam fanden die Münchner zu ihrer gewohnten Intensität und konnten den furiosen Start der Berliner, gerade von der Dreierlinie, nicht verhindern (10:26/10.).

Das zweite Viertel begann mit mehr Schwung in der Offensive. Diego Flaccadori bewegte den Ball, Weiler-Babb und Zipser trafen die ersten Dreier und Baldwin attackierte den Korb (18:29/13.). Doch die Mannschaft von Coach Aito machte es den Gastgebern schwer, zu Punkten zu kommen und nutzte Ballverluste, um ihr schnelles Spiel zu etablieren (25:37/27.). Jalen Reynolds (12 Punkte in der ersten Halbzeit) brachte in dieser Phase viel Energie und sorgte dafür, dass die Münchner nur noch mit einem Zehn-Punkte-Rückstand in die Pause gingen (33:44).

Bayern erhöht die Schlagzahl und erzwingt die Overtime

Irgendwoher Energie finden war der Wunsch von Trinchieri für die zweite Halbzeit - und die Spieler erhörten ihn. Reynolds, Zipser, Seeley und Lucic sorgten für schnelle Punkte und eine frühe Auszeit (46:48/24.). Doch wieder fanden die Gäste die passende Antwort und behielten trotz dem entfachten Feuer der Münchner ihren Vorsprung (58:66/30.). Nur 37 Sekunden dauerte es im letzten Abschnitt bis Bayerns Chefcoach nach einem 5:0-Lauf der Berliner zur Auszeit bat. Der spätere Topscorer der Gäste, Simone Fontecchio, traf zwei schnelle Dreier - Reynolds und Zipser antworteten (65:74/37.). Der Einsatz der müden Münchner sorgte für schwere Berliner Würfe, die aber immer wieder ihren Weg in den Korb fanden (71:80/36.).

Paul Zipser und Wade Baldwin stemmten sich aber jetzt mit aller Macht gegen die drohende Niederlage und brachten ihr Team nochmal auf 81:84 ran (39.). Ein irrer Dreier aus der Drehung von Lucic machte es 16 Sekunden vor dem Ende dramatisch (84:86) - und Baldwin brachte das verloren geglaubte Spiel aus vollem Lauf heraus in die Verlängerung (87:87).

Paul Zipser und Wade Baldwin vor, Vladimir Lucic in der Verlängerung

In der Overtime machte Baldwin da weiter, wo er aufgehört hatte und brachte sein Team zum ersten Mal in Front (91:89/42.). Mit hoher Intensität in der Defensive und einem Dreier von Seeley war der Sieg zwei Minuten vor dem Ende plötzlich greifbar. Doch ein Fünf-Punkte-Spiel Albas drehte alles wieder auf den Kopf (94:95/44.). Erneut war es Lucic, der einen wichtigen Dreier nahm und zur Führung traf. Drei Ballverluste der Berliner später – den entscheidenden Steal holte Reynolds - fand das spektakuläre EuroLeague-Derby seinen Sieger.

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Rauchensteiner, Gamel, Pahnke

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