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Die Bayern bejubeln mit dem 80:79-Triumph über Efes die große Sensation

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Die Basketballer des FC Bayern haben die große Sensation geschafft und die Siegesserie von EuroLeague-Favorit Anadolu Efes Istanbul beendet: Das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri bezwang den zuletzt achtmal hintereinander erfolgreichen türkischen Champion mit einer beeindruckenden Willensleistung 80:79 (37:46). Es war am 30. Spieltag bereits ihr 19. Sieg der zweite gegen Efes, die Bayern sind bei vier noch ausstehenden Partien (in Valencia, gegen Fener und Kaunas sowie in Barcelona) als Fünfter weiterhin blendend in der Spitzengruppe der Königsklasse platziert. Bisher hat noch nie eine deutsche Mannschaft die Playoffs erreicht.

Die Münchner lagen gegen den turmhohen Favoriten kurz vor der Pause bereits mit 15 Punkten zurück (31:46/19.). Doch der FCBB nahm dem Starensemble mit cleverer Defense mehr und mehr die Sicherheit im Angriff und ging im dritten Viertel erstmals mit 56:55 in Führung (26.). Zwölf Sekunden vor dem Ende lag Efes 79:78 vorn, ehe Topscorer Vladimir Lucic (18) zwei von drei Freiwürfen traf. Im letzten Angriff von Efes – Wade Baldwin (12) war längst ausgefoult - blockte James Gist Istanbuls Superstar Shane Larkin (16) – und die Bayern drehten durch.

Viel Zeit bleibt nicht: AmSonntag tritt der FCBB in der Liga beim BBL-Vierten Crailsheim an, der zuletzt Tabellenführer Ludwigsburg bezwang; am Dienstag folgt ein Heimspiel gegen den MBC.

FC Bayern Basketball – Anadolu Efes 80:79 (37:46)

FCBB:

Vladimir Lucic (18 Punkte/4 Rebounds), Jalen Reynolds (14/9 Rebounds), Wade Baldwin (12), Paul Zipser (12), D.J. Seeley (10/ 4 Assists), James Gist (5), Zan Mark Sisko(4), Nick Weiler-Babb (2/4 Assists), JaJuan Johnson (2), Diego Flaccadori, Leon Radosevic und David Krämer

Topscorer Efes:

Vasilije Micic (19 Punkte)

Schiedsrichter

Olegs Latisevs, Emilio Perez, Milos Koljensic

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 44 % (FCBB) // 60 % (Efes); Dreier-Quote: 46 % //34 %; Freiwurf-Quote: 90 % // 88 %; Rebounds: 29 // 26; Assists: 18 // 13; Ballverluste: 10 // 15.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Die letzten Tage ging unser GM im Audi Dome auf und ab vor diesem großen Spiel und sagte zum Coaching Staff: ‚Wenn du keine Chance hast, ist das die Chance, die du hast.' Er hatte recht. Wir haben gegen die aktuell beste europäische Mannschaft gespielt, das habe ich auch während des Spiels so empfunden. Sie bestrafen jeden Fehler, den du machst, sie sind so effizient. Wir mussten über unsere Limits gehen. Wir hatten Probleme, aber wir wollten nicht aufgeben. Und langsam, sehr langsam konnten wir einige Dinge ändern, Spieler tauschen und haben erneut ein Comeback geschafft. Wir hatten Big Plays am Ende, sie aber auch. Unser letztes war unglaublich: Es war ein doppelter Block von Nick und James beim Drive von Larkin. Das spiegelt unser Spiel perfekt wider. Ein Spiel, in dem wir die ganze Zeit zurücklagen, aber keinen Platz für Frustration ließen nach großen Würfen. Das ist ein großartiger Sieg für uns. Ich kenne nicht die Tabelle, ich weiß nur, dass wir ein Team geschlagen haben, das acht Spiele in Serie gewann und jeden zerstörte. Ich bin stolz auf meine Spieler und möchte ihnen zu ihrem großartigen Einsatz und diesem unglaublichen Sieg gratulieren. (...) Ich habe keine Ahnung, ob wir es in die Playoffs schaffen. Jedes Mal, wenn ich vom Training nach Hause komme, lege ich mich auf die Couch und überlege, was passieren könnte. Und jedes Mal passiert genau etwas Anderes. Dafür möchte ich meine Energie nicht verschwenden." Ergin Ataman, Coach Efes: „Gratulation an Bayern, sie haben unser reguläres Spiel gestoppt. Wir hatten 15 Turnovers, das ist für mich der Schlüssel gewesen gegen eine Switching-Mannverteidigung. Bayern hatte ein gutes Spiel, wir haben nicht unseren Basketball zeigen können. Bayern hat in der Defense sehr kluge Entscheidungen getroffen." Marko Pesic: „Manchmal hast du keine Chance und dann ist das deine einzige Chance. Wir haben im positiven Sinne eine verrückte Mannschaft, ich muss meinen nicht vorhandenen Hut ziehen angesichts dessen, was sie zu leisten imstande ist. Schon wieder lagen wir klar hinten, dazu hatte Wade das ganze Spiel Foulprobleme, Sisko ebenfalls, so dass wir das zweite Viertel praktisch ohne Point Guard gespielt haben. Ich bin überwältigt und stolz. Man darf nicht vergessen, wo wir im Sommer standen, deswegen ist mir so eine Leistung der Mannschaft und ihre Einsatzbereitschaft Stand heute viel, viel wichtiger als mögliche Playoffs. Leider waren unsere Fans nicht im Audi Dome und haben hoffentlich reichlich bei MagentaSport zugeschaut. Was wir auch nicht vergessen dürfen: Bis zum nächsten EuroLeague-Spiel in Valencia haben wir noch zwei Spiele in der Bundesliga. Deswegen müssen wir im Heute bleiben. Wir sind alle unglaublich stolz auf diese Mannschaft." Paul Zipser: „Efes hat zuletzt gut gespielt und damit acht Siege in Serie geholt, aber irgendwann reist so ein Streak auch mal. Wir sind ein sehr unangenehmes Team. Sie spielen mit viel Bewegung. Wir wollten mit einer großen Aufstellung dagegenhalten, das hat aber erst nicht so gut funktioniert. Ich bin sehr stolz auf uns heute. Ich glaube, wir haben bewiesen, dass wir in die EuroLeague gehören. Jetzt ist gerade eine wichtige Phase und alle legen nochmal eine Schippe drauf, das müssen wir auch. Darauf kommt es an. So müssen wir weitermachen. Wir sind extrem motiviert. Jedes Spiel ist extrem wichtig. Es geht darum, sich mit viel Energie auf jedes Spiel vorzubereiten. Den nächsten Schritt zu machen; egal, ob mit guter Abstimmung oder Koordination. Ich weiß zwar nicht, ob ich in Valencia schon einmal gewonnen habe, aber da hätte ich ehrlich Lust drauf. (...) Das (*Gists Block*) ist genau das, was wir brauchen. Diesen zweiten dritten Einsatz von allen. Larkin hat uns immer über die linke Seite geschlagen. Das wir im letzten Play dann so da sind ist stark, sehr stark." Jalen Reynolds: „Für uns ist es wichtig, immer einen Schritt nach dem anderen zu machen. Das ist die Art, wie wir auch trainieren. Wir versuchen immer den richtigen Einsatz und Leidenschaft für jedes Spiel zu finden. Jeder war heute 100 Prozent im Spiel und hat sein Bestes gegeben. Jeder versucht, uns zu besiegen, aber wir bleiben immer fokussiert. Das ist unsere Stärke zurzeit. Jeder will fokussiert bleiben und dem Team damit helfen."

Das Spiel:

Wade Baldwin, Vladimir Lucic, Paul Zipser, JaJuan Johnson und Leon Radosevic, das war die erste Fünf. Die Offensive der Gäste war sofort auf Betriebstemperatur und kam über Rodrigue Beaubois und Krunoslav Simon zu schnellen Punkten (4:13/5.). Die Münchner kamen zunächst nur aus der unbeliebten Mitteldistanz zu ihren Würfen – bis Lucic übernahm und sich mit viel Energie zum Korb arbeitete (10:13/7.). Ab diesem Zeitpunkt waren auch die Hausherren im Spiel. Nick Weiler-Babb übernahm Shane Larkin in der Defense, doch Efes blieb gefährlich - 18:23 nach zehn Minuten.

Im zweiten Viertel verlagerte sich das komplette Spiel der Türken auf ihren Topstar Larkin, der zehn Punkte am Stück einstreute, zu viel für Trinchieri - Auszeit (25:33/14.). Die Gastgeber versuchten nach Kräften das kongeniale Guard-Duo in den Griff zu bekommen (Micic und Larkin zusammen 21 Punkte im zweiten Viertel). Doch offensiv gab es meist nur schwere Würfe für Trinchieris Team. Zipsers Vierpunktspiel machte den Rückstand gerade noch einstellig (37:46).

Topscorer Lucic bringt die Führung zehn Sekunden vor Schluss

Das von Zipser entfachte Feuer blieb den Bayern erhalten. Mit einem viertelübergreifenden 13:0-Lauf, inklusive starken Block von Weiler-Babb gegen Sertac Sanli, kam man wieder an Istanbul heran (44:47/23.). Und die Gastgeber machten unbeirrt weiter: Zipser zog unnachahmlich zum Korb, Seeley traf den Dreier und Reynolds sorgte mit seinem Dreipunktspiel für die erste Führung seit der ersten Minute (54:53/26.). Doch langsam schlichen sich kleine Unachtsamkeiten ins Spiel der Münchner. Dank Buzzer-Beater von Lucic hielt sich der Schaden in Grenzen (59:63).

Auch im letzten Viertel stimmte die Einstellung der Bayern, die sich auch vom frühen vierten Foul von Baldwin nicht beeindrucken ließen (63:63/32.). Doch immer, wenn es schien, als wenn Anadolu wackelte, fanden die Türken, wie in diesem Fall mit Dreiern von Beaubois und Micic, die passende Antwort (66:71/35.). Mit bis dahin einem perfekten Visier von der Freiwurflinie (15 von 15) blieben die Hausherren dennoch hartnäckig dran. Auch defensiv stimmte die Einstellung auf den Punkt. Ein schwerer Fehlwurf von Micic endete in einem krachenden Lucic-Dunk zum 77:73 (38.). Doch Efes kam wieder ran und ging 12 Sekunden vor dem Ende mit einem Punkt in Führung (78:79). Lucic bekam nochmal drei Freiwürfe und stellte auf 80:79. Larkin hatte den Ball für den letzten Angriff und wurde beim Zug zum Korb mit voller Wucht durch einen massiven Block von James Gist gestoppt. Die Sensation war perfekt (80:79/40.).

 

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Eirich, Stickel, Pahnke


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