78:76 bei Roter Stern

Baldwin und Lucic pushen die Bayern zum wertvollen Auswärtssieg in Belgrad

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Die Basketballer des FC Bayern haben ihrer bewegenden EuroLeague-Saison den nächsten Krimi mit Happy End hinzugefügt: Die Mannschaft von Cheftrainer Andrea Trinchieri bestand am Dienstagabend die Bewährungsprobe bei Roter Stern Belgrad mit einem wertvollen 78:76 (31:35)-Auswärtserfolg und holte damit am 27. Spieltag bereits den 17. Sieg. Dadurch rückten sie vorläufig auf Rang vier des Tableaus vor. Lange fehlten den Münchnern der offensive Rhythmus und Mittel in der Guard-Verteidigung, kurz vor dem Schlussviertel lag man gegen physisch starke Serben 47:57 zurück (30.). Doch dann übernahm Wade Baldwin, der in der 28. Minute sein viertes Foul kassierte – und danach 16 seiner 27 Punkte erzielte. Ihm assistierte im Finish der lange glücklose Vladimir Lucic, er sammelte seine zehn Punkte in den letzten drei Minuten.           

Für die Bayern geht es schon am Donnerstag weiter, der griechische Meister Panathinaikos Athen ist ab 20.30 Uhr der Gast im Audi Dome. Am Sonntag (15 Uhr) geht die Woche mit dem BBL-Auswärtsspiel bei Rasta Vechta zu Ende.

Roter Stern Belgrad – FC Bayern Basketball 76:78 (35:31)

  • FCBB:

    Wade Baldwin (27 Punkte), Jalen Reynolds (13), Vladimir Lucic (10/4 Rebounds/3 Steals), Zan Mark Sisko (9/3 Dreier), James Gist (6), Nick Weiler-Babb (6), D.J. Seeley (3/4 Assists), Paul Zipser (2), Leon Radosevic (2), JaJuan Johnson (4 Rebounds), David Krämer und Robin Amaize


  • Topscorer Roter Stern Belgrad:

    Jordan Loyd (26 Punkte)

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB): 15:10, 16:25, 19:22, 28:19

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 62 % (FCBB) // 55 % (Belgrad); Dreier-Quote: 4 7% // 36%; Freiwurf-Quote: 6 3% // 87 %; Rebounds: 24 // 31; Assists: 13 // 11; Ballverluste: 14 // 15

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Es war ein sehr schweres Spiel, Roter Stern hat eine starke Leistung gebracht. Wir hatten ein gutes erstes Viertel. Die zwei danach waren schlecht, aber es ist immer auch ein Gegner auf dem Feld, das wird oft vergessen. Sie hatten sehr gute Phasen, haben schwere Würfe getroffen, clever gespielt und den Ball gut bewegt. Wir haben dagegen im zweiten Viertel komplett die Balance in der Defense verloren. Aber im letzten Viertel haben wir wieder eine Aufstellung gefunden, die funktionierte und die richtigen Plays lief. Wir haben nicht aufgegeben, selbst als Loyd einen unglaublichen Dreier traf, der dich emotional sehr treffen kann. Aber wir haben weitergespielt und große Körbe durch Baldwin und Lucic getroffen. Das ist ein wichtiger Auswärtssieg für uns.“      

Wade Baldwin: „Wir haben am Ende gut gespielt, die Jungs haben sich in der entscheidenden Phase gesteigert, speziell defensiv. Wir haben dann auch schwere Würfe getroffen und ich bin happy, dass auch ich dazu beitragen konnte. Zum Schluss haben wir es gut über die Bühne gebracht mit den Freiwürfen und Stopps geholt.“

Vladimir Lucic: „Das ist ein sehr wichtiger Sieg für uns. Für wollen die Playoffs der EuroLeague angreifen und deswegen war es wichtig, auf diesem Pfad zu bleiben. Wir hatten ein hartes Spiel erwartet, so wie immer gegen Roter Stern, das eine physische Verteidigung spielt unter Coach Radonjic, den wir alle kennen. Wir haben wieder bis zum Ende gekämpft, wie schon oft in dieser Saison haben wir nicht aufgegeben. Deswegen finde ich, haben wir den Sieg verdient. Wir haben lange offene Würfe nicht getroffen, angefangen bei mir, dadurch verloren wir auch den Fokus in der defensiven Aufstellung mehrfach. Doch das Wichtigste ist, dass wir wieder nicht aufgegeben haben bis zur letzten Minute.“

Das Spiel:

Trinchieri vertraute zunächst auf Baldwin, Nick Weiler-Babb, Lucic, JaJuan Johnson und Leon Radosevic. Die Trefferausbeute beider Teams war in den ersten Minuten schwach - 4:0 aus Sicht der Bayern nach fünf Minuten. Jalen Reynolds, der Münchner Center mit dem Zusatz „Mr. Zuverlässig“ in der Fußnote, kam von der Bank und traf jeden Wurf (8:4/7.). Sisko bewies sein seit der langen Verletzungspause wiedererstarktes Selbstbewusstsein mit dem Dreier zum 13:7 (9.). Zwei Ballverluste verhinderten eine deutlichere Führung als das 15:10.

Belgrad nutzte eine schwächere Phase der Münchner zu einem 10:2-Lauf und ging zum ersten Mal in Führung (17:20/13.). Der FCBB produzierte mangels Konzentration viel zu viele Ballverluste, ganze acht waren es zu diesem frühen Zeitpunkt. Baldwin stemmte sich dagegen und sorgte mit sieben Punkten in Serie für den Anschluss (24:27/17.), nahm dann aber aufgrund seines zweiten Fouls auf der Bank Platz. Sisko sprang in die Bresche, versenkte zwei weitere Drei-Punkte-Würfe und zwang Bayerns ehemaligen Trainer Radonjic zur Auszeit (31:33/19.). Die Bayern sehnten dennoch die Sirene zur Halbzeit herbei, um sich zu sammeln und neu zu fokussieren - 31:35 nach 20 Minuten.

Im Halbzeit-Interview betonte Trinchieri die unbedingte Notwendigkeit einer besseren Verteidigung - sein Team spurte zunächst. Vorne war Reynolds nicht zu stoppen und kümmerte sich im Alleingang um den Führungswechsel (36:35/22.). Das Vergnügen war allerdings von kurzer Dauer und die Schiedsrichter waren nicht unbedingt behilflich, 8:0-Run Roter Stern (36:43/25.). Nach der FCBB-Auszeit versenkte Weiler-Babb einen wichtigen Wurf von jenseits der 6,75-m-Linie, aber von Rhythmus konnte noch keine Rede sein - vor allem defensiv: Der Rückstand wurde zweistellig (41:51/28.). München agierte verkrampft, immerhin traf Baldwin den weiten Buzzerbeater-Dreier zum 50:57 nach dem dritten Viertel. Ein Signal?

Crunchtime-Lucic entscheidet das Spiel mit zehn Punkten

Die Serben nutzten die Lücken in der Münchner Defensive und tankten dadurch Selbstbewusstsein (54:62/33.). Wie aus dem Nichts legte der Gast dann aber den Hebel um, hatte jeweils den Blick für den besser postierten Mitspieler und pirschte sich heran (59:62/33.). Jordan Loyd, Belgrads Ein-Mann-Show (26), machte weiter Probleme – aber der erste Treffer von Lucic war mehr als ein Fingerzeig, durch den Dreier rückte der FCBB auf 66:68 heran (37.). Zwei Minuten vor dem Ende brachte der Serbe die Bayern tatsächlich 72:70 in Führung, Loyd konterte mit einem eigentlich unmöglichen Dreier (70:71/noch 108 Sekunden). Lucic ließ sich das nicht gefallen und versenkte den nächsten Dreier (73:71/noch 90 Sekunden). Nach dem gelungenen Stopp von Weiler-Babb wurde die Zeit clever von der Uhr gespielt, Baldwin traf den entscheidenden Dreier aus gut und gerne neun Metern (76:71/ noch 39 Sekunden). Die Schwäche von der Freiwurflinie machte es noch einmal unnötig spannend, aber der FCBB feierte am Ende den so wichtigen Sieg.

Foto-Credit: Metlas | EuroLeague

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