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Trinchieris Bayern drehen wieder spätes Zehn-Punkte-Defizit

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Die Basketballer des FC Bayern haben keine 48 Stunden nach dem schweren EuroLeague-Spiel in Spanien mit faszinierender Moral das hochklassige BBL-Topspiel gegen Oldenburg gewonnen: Das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri lag im letzten Viertel bereits 73:83 hinten (23.), glich aber nur gut zwei Minuten später aus und hatte in einer packenden Offensiv-Show den längeren Atem. Am Ende konnte man sogar im vierten Spiel binnen einer Woche noch den direkten Vergleich für sich entscheiden (Hinspiel: 95:100). In der Tabelle festigte der FCBB (36:8 Punkte) somit Rang drei und rückte aufgrund der Niederlage von Ludwigsburg (40:4) in Crailsheim wieder etwas näher an die Spitze heran. Oldenburg ist nun mit 34:12 Zählern auf Distanz.

Beste Werfer gegen die EWE Baskets waren Nationalspieler Paul Zipser mit seinem neuen BBL-Bestwert von 28 Punkten und Wade Baldwin (21), der im Schlussviertel zwölf der 39 (!) Münchner Zähler sammelte. Das Rebound-Duell gewannen die Gastgeber 38:19 (16:2 offensiv). Trinchieri verzichtete diesmal auf D.J. Seeley, Nick Weiler-Babb und Diego Flaccadori, Nihad Djedovic (Knie) ist weiterhin verletzt.

In der BBL geht es für die Bayern bereits am Dienstagabend weiter: Ab 20.30 Uhr sind die Telekom Baskets Bonn im Audi Dome zu Gast. Das weitere Programm: Freitag in der EuroLeague gegen das derzeitige Überflieger-Team Efes Istanbul, am Sonntag beim BBL-Fünften Crailsheim, Dienstag gegen den MBC, Donnerstag in Valencia, Samstag in Hamburg und so weiter und so fort . . .

FC Bayern Basketball - EWE Baskets Oldenburg 108:102 (46:42)

FCBB:

Paul Zipser (28 Punkte), Wade Baldwin (21/8 Assists), Jalen Reynolds (14/6 Rebounds), Vladimir Lucic (14/7 Reb), JaJuan Johnson (13/6 Reb), James Gist (6/6 Reb), Zan Mark Sisko (5), Robin Amaize (3), David Krämer (2), Leon Radosevic (2), Sasha Grant und Jason George

Topscorer Oldenburg:

Keith Hornsby (28 Punkte)

Schiedsrichter

Anne Panther, Benjamin Barth, Christof Madinger

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 18:20, 28:22, 23:32, 39:28 Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 61 % (FCBB) // 65 % (Oldenburg); Dreier-Quote: 40 % // 52 %; Freiwurf-Quote: 9 2% // 74 %; Rebounds: 38 // 19; Assists: 21 // 21; Ballverluste: 12 // 11

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Zunächst war es nicht das Spiel, das haben wir haben wollten mit diesem Highscore. Aber wenn du Spieler auf der anderen Seite hast wie Hornsby und Pressey hast, die fast das Spiel ihres Lebens machen und zusammen mehr als 50 Punkte, ist das natürlich schwer zu vermeiden. Es war ein toller Sonntag für uns, da wir nach zehn Punkten Rückstand im letzten Viertel zurückgekommen sind und auch den direkten Vergleich noch gewonnen haben. Das war sehr wichtig. Und: Wir haben ein Highscore-Spiel gewonnen, das Oldenburg mehr liegt als uns. Wir haben vor weniger als 48 Stunden in Vítoria gespielt, wir hatten eine lange Rückreise und konnten trotz einer ungewöhnlichen Aufstellung so performen. Dafür muss ich meinen Spielern gratulieren – sie hatten eine großartige Widerstandskraft und haben Haltung bewahrt, als Oldenburg schwere Würfe traf und wir mit zehn hinten lagen. Am Ende haben wir starke individuelle Aktionen gehabt mit Baldwin, Lucic, Gist und Zipser. Es war schwierig, sie zu stoppen, aber sie haben uns nicht gestoppt. Für die nächsten Spiele bedeutet das nichts. Ich bin jedenfalls kein Optimist, ich bin Nihilist und das ist noch schlimmer als Pessimist. Allerdings bin ich sehr froh, diese Spieler zu haben, sie sind einfach großartig, denn sie hassen es, zu verlieren". Paul Zipser: „Wir haben gegen extrem offensivstarke Oldenburger, die 102 Punkte erzielt haben, vor allem hinten raus sehr gut gekämpft. Das Team hat alles gegeben und das gut gemacht."

 

Das Spiel:

Wade Baldwin, Vladimir Lucic, David Krämer, JaJuan Johnson und James Gist erkor Trinchieri zur ersten Fünf. Der FCBB brauchte zwei Minuten für den ersten Korberfolg, Gist traf zum 2:5. Die Bedeutung der Partie war an der Frequenz der Fouls abzulesen, nach drei Minuten hatten die Unparteiischen bereits acht Mal gepfiffen. Die Oldenburger, die zuletzt in Berlin gewinnen konnten, führten – die Münchner blieben aber dran (8:9/5.). Die Bayern konnten sich auf Zipser verlassen sein erster Dreier saß (14:15/8.). Ein echter Rhythmus wollte sich aber bei den Bayern nicht einstellen - 18:20 nach zehn Minuten.

Das 73:83 gleicht der FCBB in gut zwei Minuten aus

Der FCBB intensivierte die Verteidigung und bewegte den Ball vorne wesentlich cleverer. Auf diese Weise war der Führungswechsel nur eine Frage der Zeit - 140 Sekunden, um genau zu sein: Sisko per Dreier zum 25:23. BBL-Legende Rickey Paulding hielt die Niedersachsen im Spiel und glich mit sechs Punkten in Serie zum 29:29 aus (15.). Die gute Defensive der Bayern provozierte Oldenburger Ballverluste, Trinchieris Männer setzten sich 39:31 ab (18.). Braydon Hobbs ist immer gern gesehener Gast im Audi Dome - außer er trifft verrückte Dreier wie den zum 45:42. Nach dem zweiten Viertel lagen die Münchner 46:42 vorne.

Obwohl die Bayern giftig verteidigten, fanden die Gäste Lösungen und glichen zum 48:48 aus (23.). Doch ein rasanter 10:2-Lauf zwang die Baskets zur Auszeit (25.). Zipser dominierte in dieser Phase – von zwölf Punkten erzielte er zehn. Das Spitzenspiel erfüllte jetzt sämtliche Erwartungen. Der FCBB behielt die Oberhand (62:58/27.). Nahezu jeder Wurf beider Teams war ein Treffer, Baldwin versenkte wieder mal einen aus neun Metern Entfernung. Aber auch die Oldenburger trafen alles und vor allem die eigentlich Unmöglichen und gingen wieder in Führung (67:68/29.). Sämtliche Würfe der Gäste fanden in den Korb - 69:74 nach dem dritten Spielabschnitt nach vier Dreiern in Serie und einem 50:58 nur viereinhalb Minuten zuvor.

Baldwin übernimmt in der Crunchtime, Zipser mit BBL-Bestwert

Das Momentum war nun komplett auf Seiten der Baskets (71:80/32.). Vor allem Keith Hornsby war nicht zu stoppen. Lucic setzte aber per Dreier zum 79:85 ein Zeichen (34.) – und auch Zipser war da mit fünf Punkten (84:85/34.). München glich in nur 2:20 Minuten ein 73:83 aus. Baldwin gefiel mit artistischen Korblegern aus vollem Sprint (97:97/39.). Sisko bewies Courage, endlich die Führung (99:97/noch 85 Sekunden). Der Stopp gelang, Baldwin umtänzelte seinen Gegenspieler (101:97/noch 52 Sekunden). Oldenburgs Phil Pressey zog schnell zum Korb und dunkte durchaus ansehnlich – doch im nächsten Angriff holte Baldwin den Offensivrebound und Zipser versenkte mit bewundernswerter Seelenruhe den Dreier zum 104:99 (noch 12 Sekunden). Das Crunchtime-Monster aus München ließ sich mehr nicht bezwingen.

 

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Stickel, Matzke, Eirich


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