79:86 im vierten Finale

Die epische Saison der Bayern-Basketballer endet im 90. Einsatz

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Für den FC Bayern Basketball hat eine grandiose wie epische Saison im vierten Playoff-Finale um den BBL-Titel ihr Ende gefunden: Der ersatzgeschwächte Pokalsieger und EuroLeague-Viertelfinalist unterlag vor der stimmungsvollen Kulisse der 1.300 Fans im Audi Dome nach einem aufopferungsvollen Fight 79:86 (30:38), somit geht eine packende Serie 3:1 an Berlin - der FCBB gratuliert dem Gewinner herzlich zur Deutschen Meisterschaft 2021.

Die Bayern, bei denen sich D.J. Seeley trotz einer Kapselblessur zur Verfügung stellte, lagen von Beginn an hinten. Bis zu 16 Punkte betrug der Vorsprung der Gäste, doch 16 Sekunden vor dem Ende verkürzte Vladimir Lucic per Dreier auf 77:78. Im Spiel der Freiwürfe am Ende hatten die Bayern wenig Fortune, nach dem sehr emotionalen Finish galt der Applaus dann aber dem Sieger und einer unvergesslichen Saison des eigenen Teams von Cheftrainer Andrea Trinchieri.

FC Bayern Basketball – Alba Berlin: 79:86 (30:38)

  • FCBB:

    Wade Baldwin (18 Punkte/ 5 Assists), Leon Radosevic (16/6 Rebounds), Jajuan Johnson (15), D.J.Seeley (10), James Gist (8), Vladimir Lucic (4), Zan Mark Sisko (3/ 4 Assists), Nihad Djedovic (2), Robin Amaize, Sasha Grant, David Krämer und Jason George


  • Topscorer Berlin:

    Jason Granger (29 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Robert Lottermoser, Gentian Cici, Anne Panther


  • Zuschauer

    1.300

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht FCBB)9:21, 21:17, 22:20, 27:28

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote:  46% (FCBB) // 51% (Berlin); Dreier-Quote: 36% //42 %; Freiwurf-Quote: 81% // 81%; Rebounds: 33//33; Assists:  15//17; Ballverluste: 10//12.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Das ist die letzte Pressekonferenz dieser sehr langen Saison. Gratulation an Alba, sie hatten etwas mehr Energie als wir. Aber es gibt von mir nichts zu bedauern, wir haben alles gegeben, was wir hatten, und sogar noch mehr. Wir hatten 90 Spiele, und mindestens 60 wurden am Ende entschieden. Das nimmt dir sehr viel Energie, aber nochmal: Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Das war keine Saison des Neuaufbaus – das war etwas völlig anderes. Wir waren in der EuroLeague bis zum Ende dabei und nur einen Wurf vom Final Four entfernt; wir haben den Pokal gewonnen und waren hier im Finale. Keiner kann es uns wegnehmen, dass dies eine großartige Saison war. Sicher, wir sind nicht happy, aber es ist ein anderes Gefühl, wenn du weißt, dass du alles gegeben hast. Deswegen ist da jetzt keine überwältigende Enttäuschung oder Traurigkeit, es eher eine rationale Enttäuschung. Das gehört dazu und ist immer eine Möglichkeit. Aber wir haben toll gespielt, haben gekämpft, hatten Teamgeist. Wir hätten gern einen weiteren Titel, aber ich glaube, dass wir mit sehr vielen Werten heimgehen. Das ist mir sehr wichtig. Es heißt: Trophäen sind von Staub umgeben und Erinnerungen leben ewig – das stimmt haargenau. Wir sind durch so viele Dinge gegangen, vor allem in den letzten zehn Tagen - und wir haben zusammengehalten in einer sehr schweren, unglaublich schweren Situation. Wir haben zwei Spieler mit einem Fingerschnipp verloren für das nächste Spiel. Ich bin ein stolzer Trainer und möchte allen Spielern danken, den Coaches, den Physios, alle waren unglaublich, einfach unglaublich. (…) Ich weiß nicht, wie sie diese Situation um Paul verarbeitet haben, ich habe keine Ahnung. Nichts ist jetzt wichtiger als dass Pauli gesund wird und zurück ins Leben findet.“     

Nihad Djedovic: „Wir haben alles gegeben und bis zum Letzten gekämpft. Leider hat es nicht gereicht. Glückwunsch an Alba, sie haben eine gute Serie gespielt und waren besser. Wir hatten unsere eigenen Probleme, viele verletzte Spieler, aber auf die ganze Saison können wir stolz sein. Am Ende gab es heute ein paar Entscheidungen, bei denen wir dachten, dass sie nicht korrekt waren. Es war etwas unglücklich, dass uns die Unparteiischen aus der Bahn geworfen haben. Da kamen dann eben am Ende ein bisschen zu viel Emotionen raus. Es ist nicht normal, 90 Spiele zu spielen. Wenn uns jemand fragen würde, würden wir unsere Meinung sagen. Aber wir haben alles gegeben und das ist das Wichtigste. Ich bin mir sicher, dass sie Serie auf unsere Seite gegangen wäre, wenn wir komplett gewesen wären. Wir hatten auch Erfolge mit dem Pokalsieg und den EuroLeague-Top8 und wären fast ins Final Four gegangen. Trotzdem, Glückwunsch an Alba.“

Aíto, Coach Berlin: „Ich bin sehr glücklich, die BBL gewonnen zu haben und wir sich die Spieler in dieser schwierigen Saison verhalten haben, mit so vielen Reisen und Spielen. Sie waren sehr gut, auch im Finale und in den Playoffs. Ich bin sehr glücklich für sie, meinen Staff und unsere Fans.“

Herbert Hainer, Vereinspräsident: „Unsere Mannschaft hat eine unglaubliche Saison gespielt, sie war als erste deutsche Mannschaft in den EuroLeague-Playoffs und fast im Final Four, hat den Pokal gewonnen. Was sie über die ganze Saison ausgezeichnet hat, ist, dass wir immer wieder zurückgekommen ist. So auch heute, nach dem ersten Viertel sah es ja nicht sehr gut aus. Ich will es am Ende nicht auf die Schiedsrichter schieben, aber ich finde schon, dass das eine oder andere Foul gegen uns nicht hätte gepfiffen werden müssen. Trotzdem: Glückwünsch an Alba.“

Marko Pesic, Geschäftsführer: „Auch von mir Riesenrespekt und Glückwunsch an Alba für eine verdiente Meisterschaft. Wenn wir es geschafft hätten, auch noch diesen Titel zu holen, wäre es fast eine perfekte Saison gewesen; so ist es in meinen Augen eine großartige Saison, mit vielen wichtigen Erfahrungen auch für uns als Verein. Aber zum Schluss ist Alba verdient Meister geworden. (…) Was unsere Mannschaft, die Trainer und der ganze Verein die letzten sieben Tage durchgemacht haben, ist unfassbar.“     

Das Spiel:

In Saisonspiel 90 standen Zan Mark Sisko, Nihad Djedovic, Vladimir Lucic, JaJuan Johnson und Leon Radosevic in der Starting Five und brauchten eine Weile, um in ihr eingespieltes System zu kommen. Nur ein Dreier von Radosevic waren die magere Ausbeute zur ersten Auszeit Trinchieri (3:13). Die Berliner waren dagegen in der Partie und scorten im Kollektiv. Ohne Treffer aus dem Zweierbereich (0von 11) mühten sich die Gastgeber durch ein unglückliches erstes Viertel (9:21).  

Auch im zweiten Viertel fehlte Fortune, während die Müdigkeit in vollen Zügen zu spüren war. Erst ein Traumanspiel aus dem Handgelenk Baldwins auf den abhebenden Lucic brachte die Leichtigkeit ein wenig zurück. Zwei schnelle Dreier von Jason Granger sicherten zunächst die komfortable Alba-Führung (15:29/14.). Doch die Münchner fuchsten sich über die Defensive zurück in die Partie und schickten nach zwei Berliner-Ballverlusten Gist und Baldwin auf die Reise- der Beginn eines 11:3-Laufs (24:32/18.). Mit Mühe und viel Einsatz hievte das Trinchieri-Team den Rückstand zur Pause in den einstelligen Bereich – 30:38.

Lucic trifft 16 Sekunden vor Schluss zum 77:78, aber das Happy End bleibt aus

Mit viel Energie kamen die Bayern aus der Kabine und brachten den Ball über Seeley und Gist unter den Korb. Aber auch Coach Aito hatte sein Team noch einmal gut nachgeschärft. Gerade Topscorer und Finals-MVP Jason Granger hatte sein heißes Händchen gefunden und erstickte damit die Aufholversuche (37:46/24.). Johnson nahm mit einem Statement-Dunk über Luke Sikma hinweg den nächsten Anlauf gegen die Zonenverteidigung. Doch trotz tatkräftiger Unterstützung von Sisko und Seeley blieb am Ende des dritten Viertels ein knapper Vorsprung von Alba bestehen (52:58).

Auch im Schlussviertel hatte JJ Johnson spürbar etwas gegen eine Niederlage, traf zweimal in Serie aus der Mitteldistanz und blockte Sikma unter dem Korb (60:63/33.). Die Gäste nutzten einen hektischen Angriff, inklusive unglücklichem technischen Foul gegen Baldwin, um über Granger zu antworten (65:71/36.). Ein schwerer Dreier aus der Ecke von Radosevic brachte die Münchner zwei Minuten vor Schluss wieder auf drei Punkte ran. In der Crunchtime zeigten dann sowohl der Bayern Center als auch Sikma Nerven von der Freiwurflinie (72:76/noch 60 Sekunden). Lammers behielt allerdings die Ruhe und blockte zwei Würfe in Serie (72:77/noch 40 Sekunden). Und dann kam Lucic! Aus dem Nichts warf der Serbe einen Dreier gegen Sikma und verkürzte 16 Sekunden vor dem Ende auf 77:78. Mit zehn Sekunden auf der Uhr wurde es dramatisch: Nach einem harten Rempler gegen Fontecchio bekam Lucic, der vorher vergebens auf einen notwendigen Foulpfiff gegen sich gewartet hatte, nicht sehr überraschend ein disqualifizierendes Foul. Zusätzlich wurden gegen Radosevic zwei technische Fouls ausgesprochen.

Als die Emotionen wieder abebbten, entschied Alba mit vier Freiwürfe eine umkämpfte Partie und somit die Finalserie.

 

Foto-Credit: Eirich, Stickel, Duda, Sampics

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