85:82-Triumph im Krimi von Tel Aviv

Lucic führt die Bayern zum ersten Sieg überhaupt bei Maccabi

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Die Bayern-Basketballer haben für die große Überraschung des dritten Spieltags in der  EuroLeague gesorgt: Das Team von Chefcoach Andrea Trinchieri gewann nach einer überragenden kämpferischen Vorstellung 85:82 (34:25) beim Favoriten Maccabi Tel Aviv um Topstar Scottie Wilbekin (27 Punkte) und damit erstmals überhaupt auswärts beim israelischen Rekordchampion. Die Bayern verteidigten über die gesamten 40 Minuten auf sehr hohem Niveau. In einer dramatischen Schlussphase brachten sich die Münchner durch mehrere Unkonzentriertheiten beinahe noch um den Lohn für den hohen Aufwand. Ein Offensivrebound von Leon Radosevic und ein Freiwurf von Nick Weiler-Babb sorgten dann jedoch für den heftig umjubelten zweiten Sieg. Überragender Mann des FCBB war Vladimir Lucic, der mit 26 Punkte und einem Ranking-Wert von 29 persönliche Bestleistungen erzielte und wie schon in Berlin zum „Player of the game“ gekürt wurde.

Am Donnerstagmorgen reisen die Bayern nun weiter nach Istanbul, wo es am Freitag (19.45 Uhr) gegen en nächsten Final Four-Anwärter Fenerbahce mit Danilo Barthel geht.

Maccabi Tel Aviv - FC Bayern Basketball 82:85 (25:34)

  • FCBB

    Vladimr Lucic (26/4 Dreier, 7/8 aus dem Feld), Paul Zipser (16), Jalen Reynolds (14/4 Rebounds), Wade Baldwin (13/5 Rebounds/3 Steals), JaJuan Johnson (6), Leon Radosevic (4), TJ Bray (3), Nihad Djedovic (2), Nick Weiler-Babb (1/4 Assists), Malcolm Thomas, Zan Mark Sisko und Diego Flaccadori.


  • Topscorer Maccabi

    Scottie Wilbekin (27 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Borys Ryzhyk, Petri Mantyla, Uros Nikolic

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 15:15, 19:10, 26:30, 25:27.

Zahlen & Fakten: Zweier-Quote: 56% (FCBB) // 54% (Maccabi); Dreier-Quote: 34% // 33%; Freiwurf-Quote: 79% // 81%; Rebounds: 27 // 34; Assists: 15 // 12; Ballverluste: 11 // 18.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Das war ein seltsames Spiel. Ich denke, man hat heute gesehen, was meine Mannschaft leisten kann, im positiven, aber auch im negativen Sinne. Wir hatten das Spiel unter Kontrolle und waren sehr gut in der Verteidigung. Aber wir haben nicht an den Sieg geglaubt und in den letzten 50 Sekunden so viele Fehler gemacht, die auf diesem Level eigentlich nicht akzeptabel sind. So kam Maccabi noch einmal zurück ins Spiel. Aber ich stehe fest zu meinem Team, wenn ich sehe, was sie für einen Einsatz bringen und wie die Jungs über das Parkett nach dem Ball hechten. Wir haben tonnenweise Fehler gemacht, zwischendurch hatte ich Kopfweh und ich versuche, dass wir uns weiter verbessern. Aber bei so einer Einstellung kann ich mit den Fehlern leben. Es gibt einfach keinen Ersatz für ein Team, dass so über das Parkett fliegt. Lucic ist schon so lange im Verein, er ist unser Che Guevara. Er spricht vielleicht nicht so viel, aber ich bin glücklich über einen Spieler, der so seine Leistung sprechen lässt. Ich freue mich sehr für ihn. Für die ganze Mannschaft bin ich happy. Jetzt muss ich neue Spieler finden, neue Rotationen, dass wir am Freitag wieder frisch sind. Aber heute freuen wir uns erst mal über diesen Sieg gegen ein großes Team.”

Vladimir Lucic: „Ich bin wirklich sehr glücklich, dass wir heute gewonnen haben. Wir starteten von der ersten Minute vor allem defensiv sehr gut ins Spiel. Die Würfe sind gefallen - das ist ein großartiger Sieg für uns.“

Paul Zipser: „Wir standen von der ersten Sekunde an zusammen, egal ob auf dem Feld oder auf der Bank. Wir haben zusammen gekämpft und vor allem in den ersten drei Vierteln sehr gut verteidigt. Das Ende war verrückt, aber jetzt sind wir einfach wahnsinnig glücklich über diesen Sieg hier.“  

Das Spiel:

Die Bayern starteten mit großem Willen, Lucic markierte fünf Punkte zur frühen Führung (5:2/3. Spielminute). Maccabi behauptete dann aber in einer defensiv orientierten Partie einen knappen Vorsprung (11:12/8.). Der FCBB war vor allem in der Verteidigung unwiderstehlich. Paul Zipser schnappte sich den Offensivrebound und erzielte den Korb zum 15:15-Ausgleich am Ende des ersten Viertels.

Trinchieri präparierte sein Team in der Viertelpause optimal, mit einem 7:0-Lauf (22:15/12.) ging man in Front. Auf der Basis einer sensationellen Defensive zwangen die Bayern Tel Aviv zu zahlreichen Ballverlusten (14 in der ersten Halbzeit, 11 FCBB-Steals) und enteilten in den zweistelligen Bereich - 34:23 (18.). Ärgerlich war lediglich, dass offene Würfe vergeben wurden (2:10 Dreier) und auf diese Weise ein noch größerer Vorsprung verschenkt wurde. 34:25 führten die Münchner zum Seitenwechsel.

Maccabis Aufbäumen war erwartbar, der Playoff-Kandidat kam heran (38:34/24.). Die Bayern blieben aber ruhig und verließen sich auf ihre Defense - vorne war auf Lucic Verlass, der erneut mit fünf Punkten in Serie die Kehrtwende erzwang (43:34/24.). Das Spiel nahm nun auch offensiv deutlich an Fahrt auf, nahezu jeder Angriff mündete in einen Korberfolg. So behielt München die zweistellige Führung (51:41/27.). Obwohl Wade Baldwin in dieser Phase scheinbar mühelos acht Punkte erzielte, rückten die Gastgeber unter dem Kommando von Scottie Wilbekin plötzlich mit einem 7:0-Lauf auf 57:53 (29.) heran. Doch Zipser hatte noch einen Trumpf im Ärmel: Mit der Sirene zum Viertelende versenkte er den Dreier aus gut und gerne neun Metern Entfernung zum 60:55.

Dieser Treffer war wie ein Befreiungsschlag, nun trafen die Münchner plötzlich von jenseits der Drei-Punkte-Linie und waren durch wunderbar herausgespielte Treffer rasch zehn Punkte vorne (68:58/32.). Maccabi ließ sich nicht groß beirren und blies zur Aufholjagd, da war Lucic auf dem Posten und steuerte den Dreier zielsicher in den Korb (73:62/35.). Jalen Reynolds packte den Monster-Block gegen Tyler Dorsey aus - Entschlossenheit pur. Tel Aviv spielte klein und setzte auf Distanzwürfe, Wilbekin war jetzt überall und kaum zu stoppen: Mit neun Punkten brachte er sein Team heran (77:73/38.). Lucic verlor fast den Ball und warf aus Verzweiflung - der Dreier war drin (80:74/39.). Die Bayern gerieten in Foulprobleme, bewahrten aber die Nerven und kämpften - Lucic nervenstark mit drei blitzsauberen Freiwürfen zur 84:78-Führung 67 Sekunden vor Ablauf der Spielzeit. Durch zwei überflüssige Ballverluste durch Zipser und Weiler-Babb in der letzten Minute brachten sich die Münchner fast noch um den Sieg. Dann packte Radosevic vorn noch einmal beherzt zu – der zweite Sieg in der noch jungen EuroLeague-Saison war vollbracht.

 

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: EuroLeague Basketball

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