Bitteres 73:74 bei Zalgiris

Die Bayern verlieren den Krimi von Kaunas mit dem letzten Wurf

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Die Bayern-Basketballer haben am Mittwochabend eine bittere Niederlage hinnehmen müssen: Die Münchner unterlagen am 16. Spieltag der EuroLeague beim litauischen Rekordmeister Zalgiris Kaunas mit dem letzten Wurf in der Schlusssekunde unglücklich 73:74 (35:40). Das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri lag fast über die gesamte Dauer dieses Nervenspiels in Rückstand. Doch mit viel Leidenschaft und einem gewonnenen Rebound-Duell (32:30) wurde der lange fehlende Rhythmus in der Offense kompensiert und spät die Führung erkämpft. Nick Weiler-Babbs Drei-Punkte-Spiel vier Sekunden vor dem Ende konterte Kanuas‘ Topscorer Marius Grigonis aber noch mit einem finalen Sprungwurf. Die Gäste mussten erneut auf Vladimir Lucic verzichten, Playmaker Zan Mark Sisko fiel für die zweite Halbzeit mit muskulären Problemen aus. Die Bayern weisen nun eine Bilanz von 10:6 Siegen auf.           

Zalgiris Kaunas - FC Bayern Basketball 74:73 (40:35)

  • FCBB

    FCBB: Jalen Reynolds (17 Punkte/7 Rebounds), Nick Weiler-Babb (16/5 Reb), Paul Zipser (14), D.J. Seeley (8), Wade Baldwin (6), JaJuan Johnson (6), Nihad Djedovic (2), Leon Radosevic (2), James Gist (2), Zan Mark Sisko, Sasha Grant (dnp) und Diego Flaccadori (dnp).


  • Topscorer Kaunas

    Marius Grigonis (22 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Miguel Angel Perez, Fernando Rocha, Joseph Bissang

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 16:22, 19:18, 16:16, 22:18.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 46% (FCBB) // 55% (Kaunas); Dreier-Quote: 35% // 40%; Freiwurf-Quote: 80% // 84%; Rebounds: 32 // 30; Assists: 17 // 19; Ballverluste: 16 // 20.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri, Chefcoach München: „Es war ein hartes, etwas zerfahrenes Spiel. Wir hatten die Chance zu gewinnen, doch Grigonis macht einen großen Wurf. Ich denke, wir haben solide verteidigt. Aber er war im letzten Angriff besser. Es tut weh, auf diese Art und Weise zu verlieren. Am Ende des Tages denke ich aber, dass Zalgiris den Sieg verdient hat. Wir haben im ersten Viertel nicht unsere Leistung gebracht, das war unglaublich. Es war unglaublich, wie wir dort aufgetreten sind. Dann haben wir einen Weg ins Spiel gefunden und uns die Chance auf den Sieg erarbeitet. Am Ende war ein Angriff der Schlüssel. Wir haben unseren letzten Angriff sehr gut umgesetzt. Doch dann traf Grigonis einen hart verteidigten Wurf. Im letzten Angriff gab es keine Taktik, wir haben kein Missmatch zugelassen und der letzte Wurf war wirklich bedrängt. Es ist wie es ist. Gratulation an Zalgiris und weiter geht’s.“

Paul Zipser: „Wir haben mit jeder Minute ein bisschen besser ins Spiel reingefunden. Wir hatten sehr schwere Phasen. Gegen Kaunas ist es immer schwer, weil sie mit viel Energie und Struktur spielen. Wir haben heute nicht unser bestes Spiel gemacht als Team und hatten trotzdem eine sehr gute Chance, das Spiel noch zu gewinnen.“

Das Spiel:

FCBB-Coach Andrea Trinchieri begann mit Wade Baldwin, Nihad Djedovic, D.J. Seeley, JaJuan Johnson und Leon Radosevic beginnen. Die Münchner fanden schnell ins Spiel und führten 4:0 (2. Spielminute), doch Zalgiris sammelte sich und beeindruckte die Gäste mit einer aggressiven Defensive und einem konsequenten Nachsetzen bei den Offensivrebounds. Die Bayern suchten an beiden Enden des Spielfeldes nach Lösungen, der Rückstand wuchs bereits im Auftaktviertel in den zweistelligen Bereich (11:22/9.). Ein Jumper von Johnson und ein Dreier von Reynolds verkürzte zum Ende des Viertels auf 16:22.

Im zweiten Viertel war noch keine Minute gespielt, da musste Trinchieri bereits zur Auszeit bitten (16:26/11.). Paul Zipser belebte und stabilisierte das Spiel der Bayern, mit fünf Punkten in Folge brachte er sein Team auf 24:27 heran (14.). Der ein oder andere Ballverlust verhinderte ein weiteres Verkürzen, doch langsam, aber sicher gewannen die Münchner defensiv an Sicherheit und machten den Litauern das Entfalten ihrer Offensive schwer. Jalen Reynolds spielte seine Klasse am offensiven Brett aus und erzielte wichtige Treffer (30:33/17.). Eine kurze Schwächephase stoppte Nick Weiler-Babb mit viel Energie und fünf Punkten, Bayern war wieder 35:38 dran (19.). Einen Grigonis-Korbleger konnte nicht einmal Reynolds verhindern - 35:40 nach 20 Minuten.

Ballverluste und Grigonis verhindern den Sieg

Für den ersten Korb nach dem Seitenwechsel brauchte der FCBB über zwei Minuten, Seeley tänzelte an den Litauern vorbei zum Korbleger (37:42/23.). Die Bayern arbeiteten jetzt am offensiven Brett wesentlich besser und erarbeiteten sich zweite Chancen. Einen 5:0-Zwischenspurt von Kaunas konterte Baldwin mit zwei geschmeidigen Treffern (43:47/26.). Die Litauer bewegten den Ball besser - dies war zu diesem Zeitpunkt an den Assists abzulesen, sie hatten mit zwölf Vorlagen vier mehr auf dem Konto. Die Bayern hielten aber dagegen und blieben stets in Schlagdistanz, Zipser per Dunking zum 45:51 (28.). Ein starker Dreier von „Paule“ verkürzte zum 51:56 nach dem dritten Viertel.

Mit Beginn des letzten Spielabschnitts waren die Bayern wie auf Knopfdruck voll da und zwangen den Zalgiris-Coach Schiller nach 35 Sekunden zur Auszeit (55:56/31.). Aber die Münchner ließen sich den aufgenommenen Rhythmus nicht stören und waren jetzt vor allem defensiv absolut auf dem Posten: Sie schnappten sich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder die Führung - Reynolds erackerte sich das 57:56 (32.). In der Offensive war noch Luft nach oben, denn Ballverluste spielten den Gastgebern in die Karten, die mit zwei Dreiern ihre gefürchtete Spezialität auspackten (59:64/35.). Die Antwort der Münchner trug den Namen Weiler-Babb, der zwei Drei-Punkte-Würfe in Folge in den Korb der Litauer steuerte (65:64/36.). Plötzlich agierten die Münchner aber mit erneuten Ballverlusten und einer bescheidenen Wurfauswahl recht unglücklich, Zalgiris war umgehend zur Stelle und setzte sich etwas ab (65:70/39.). Doch die Bayern gaben natürlich nicht auf: Ein Reynolds-Korbleger und ein Dreier von Seeley verkürzten 45 Sekunden vor dem Ende auf 70:72. Der Stopp des litauischen Angriffs gelang, so ergab sich noch eine Siegchance. Die Mannschaft von Coach Trinchieri bewies starke Nerven. Nick Weiler-Babb zog beherzt zum Korb, traf und wurde gefoult, der Bonus-Freiwurf zur Führung saß (73:72). Zum Entsetzen der Bayern nutzte Marius Grigonis die vier verbliebenen Sekunden doch tatsächlich und verwandelte einen schwierigen Sprungwurf zum Sieg der Litauer.

 

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Alius Koroliovas

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