100:81 über Bonn: Bayern per Ausrufezeichen zurück an die Spitze

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Die Basketballer des FC Bayern sindzurück an der BBL-Tabellenspitze: Trotz desvierten Spiels in acht Tagen setzte die Mannschaft von Cheftrainer Andrea Trinchieri beim 100:81 (49:42) im direkten Duell mit dem bisherigen Ersten Bonn nach dem ersten Viertel ein Ausrufezeichen. Für die Telekom Baskets (24:10) war es die fünfte Niederlage, die Münchner weisen 24:8 Punkte auf.

Die Gäste um Alleinunterhalter Jackson-Cartwright (30 Punkte, 25 Würfe) begannen temporeich, lagen 15:9 vorn. Aber die Defense adaptierte und die Offense lieferte die erste Führung (31:27/14.). Bonner Rebounds am Münchner Brett brachen bisweilen den Rhythmus, doch acht von neun Dreiern (am Ende 19/29 - neuer Saisonrekord in der Basketball-Bundesliga!) sowie 14 Assists (26) saßen bis zur Pause.

Auch im dritten Viertel konnten die Telekom Baskets die FCBB-Schützen nicht stellen, bis auf 73:53 (29.) enteilten die Bayern mit einem sehenswerten 21:5-Run. Der kampfstarke Youngster Jason George machte die 100 voll, sechs Akteure scorten zweistellig (Deshaun Thomas 18).

Für den FCBB geht es ab Freitag verschärft weiter: Abends tritt man in Spanien bei Baskonia an, am Sonntag in Heidelberg, Dienstag in Villeurbanne sowie wiederum Freitag in der EuroLeague gegen Berlin.

FC Bayern Basketball - Telekom Baskets Bonn 100:81 (49:42)

FCBB

Deshaun Thomas (18 Punkte, 5 Assists), Andreas Obst (14, 5 Rebounds), Vladimir Lucic (14), Zan Mark Sisko (12, 7 Assists), Nick Weiler-Babb (12), Corey Walden (10), Othello Hunter (8), Jason George (8), Gavin Schilling (2), Joshua Obiesie (2), Marvin Ogunsipe, Leon Radosevic.

Topscorer Bonn

Parker Jackson-Cartwright (30 Punkte)

Schiedsrichter

Gentian Cici, Carsten Straube, Andreas Bohn

Die Punkteverteilung nach Vierteln (ausSicht des FCBB):20:21, 29:21, 29:21, 22:18. Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 62% (FCBB) // 55% (Bonn); Dreier-Quote: 66% // 29%; Freiwurf-Quote: 89% // 80%; Rebounds: 30 // 23; Assists: 26 // 14; Ballverluste: 18 // 12.

Die Stimmen:     

Andrea Trinchieri: „Das war der FC Bayern, den ich heute sehen wollte. Wir haben eine gute Verteidigung gezeigt, Jason George war sehr gut und effektiv, Gavin Schilling ebenfalls eine gute Hilfe. Ich glaube, wir haben sehr gut reagiert und das Spiel über unsere Verteidigung kontrolliert. (...) Bonn ist sehr gut gecoacht und spielt guten Basketball, deswegen sind wir glücklich, dass wir das Spiel über 30 Minuten kontrollieren konnten. Es war ein schwieriges Spiel, denn im letzten waren wir sehr frustriert und Bonn hatte eine Woche, sich vorzubereiten. (..) Sechs Spieler haben zweistellig gepunktet, zwei hatten acht, wir haben das Duell um die Rebounds gewonnen, 26 Assists gespielt und Würfe getroffen, die im letzten Spiel fehlten. Das war also ein Sieg des Teams und wir haben Vorteile daraus gezogen, dass ihnen Spieler wie Tadda fehlten. (...) Wir mussten einen großen Body gegen Jackson setzen, der ein interessanter Spieler ist. Er hat 30 Punkte gemacht, aber ihre Offense war unter Kontrolle. Unsere Defense hat uns erlaubt, 100 Punkte zu erzielen. (...) Wir haben viel Selbstvertrauen daraus gezogen, das getan zu haben, was wir in der Defense tun wollten. Und dann ist der Ball in der Offense leichter und wenn du ihn schnell passt, ist der Ball mit Liebe gespielt. (...)

Eine Sache möchte ich noch sagen: Jede Liga will die besten Spieler, die Fans wollen sie sehen. Doch wenn das das Level ist, wie man sich um die besten Spieler dieser Liga kümmert – und ich spreche über Lucic und sein Technisches Foul nach einem dicken Foul gegen ihn beim Dreier, ich habe das Replay gesehen -, dann besorgt mich das. Es geht nicht um die Technischen Fouls an sich. Aber wir müssen solch Talent bewahren, denn die Fans wollen es sehen, wenn sie hoffentlich bald wieder Tickets kaufen können. Dieses Foul beim Dreier nicht zu sehen, heißt, es nichts sehen zu wollen, wenn auch unbeabsichtigt. Denn die Message vor dem Spiel ist offenbar, sich vor allem um Flopping kümmern zu wollen. Das ist ok für mich. Doch wenn du mehr auf die Reaktion fokussiert bist als auf die Aktion, wird die Liga ihre besten Spieler verlieren. Sie arbeiten so hart, um nach ganz oben zu kümmern, und wollen das nicht wegen solchen Fehlern verlieren. Fehler zu machen, ist menschlich, aber es geht um das Prinzip, das diese Fehler fördert."

Nick Weiler-Babb: „Das war eines unserer besten Spiele. In der ersten Hälfte hat Bonn sehr gut gespielt, aber in der zweiten Halbzeit haben wir offensiv in den Rhythmus gefunden. Uns sind Stopps gelungen, als es darauf ankam und ich glaube, die zweiten 20 Minuten waren besser als die ersten. Dieser Sieg könnte die Wende sein oder zumindest der Anfang, denn es ist immer gut, mit einem Sieg und einer guten Vorstellung zu beginnen. Darauf müssen wir aufbauen. Es war ein richtig gutes Spiel, aber nach einigen spielfreien Tagen haben wir eine harte Woche mit wichtigen Spielen vor uns." Andreas Obst: „Wir haben heute als Team gespielt, gut verteidigt, Rebounds geholt und die Ziele, die wir in der Verteidigung vorhatten, gut erreicht. Wir wussten, dass Bonn eine sehr aggressive Mannschaft ist, aber ich denke, wir haben über die Distanz sehr fokussiert gespielt. Wir schaeun natürlich von Spiel zu Spiel, aber unser Anspruch ist es schon, ganz oben zu stehen."

Das Spiel:

Gegen das zu diesem Zeitpunkt einzige BBL-Team mit zwölf Siegen startete FCBB-Cheftrainer Andrea Trinchieri mit Corey Walden, Nick Weiler-Babb, Vladimir Lucic, Deshaun Thomas und Leon Radosevic. Die Partie erfüllte die Erwartungen an ein Spitzenspiel von der ersten Sekunde an, die Führung wechselte während der ersten beiden Minuten drei Mal. Bonn wurde - angeführt vom quirligen Parker Jackson-Cartwright - dominanter und zwang Trinchieri mit einem 8:0-Lauf zur Auszeit (9:15/6. Spielminute). Distanz-Spezialist Andreas Obst traf danach seinen zweiten Dreier, die Defensive der Bayern wurde aggressiver. Sisko fand ebenfalls zur Treffsicherheit von jenseits der 6,75m-Linie, durch seine zwei verwandelten Dreier blieben die Münchner dran (18:19/9.). Dieser Rückstand war auch am Ende des ersten Viertels zu verzeichnen - 20:21.

Die selbstbewussten Bonner vergrößerten ihre Führung scheinbar mühelos wieder, da schaltete sich Lucic mit einem Dreier ein (23:25/12.). Die Offensive der Münchner stabilisierte sich, als hilfreich erwies sich dabei die frühe Team-Foulbelastung der Gäste. Die Bayern erkämpften sich mit einem entschlossenen 6:0-Run die Führung, Auszeit Bonn (31:27/14.). Schlampereien beim Defensivrebound ärgerten Trinchieri erheblich, denn dadurch erhielten die Baskets unnötige zusätzliche Wurfchancen. Lucic unterstrich seine Führungsqualitäten mit dem Treffer zum 36:34 (16.). Die Münchner, die zuletzt mit ihrer Dreierquote haderten, trafen auch den siebten Drei-Punkte-Wurf: Obst erledigte das (41:37/17.). Die Bonner ließen sich davon aber überhaupt nicht beirren und blieben hartnäckig ebenbürtig (42:42/19.). Die verbleibende Zeit vor der Halbzeit gehörte aber mit einem 7:0-Lauf eindeutig den Bayern - 49:42 nach 20 Minuten, gleichzeitig die höchste Führung des Spiels.

Saisonbestmarke in der BBL: 19 Münchner Dreier

Der Tabellenführer aus Bonn blieb brandgefährlich, aber der Tabellenzweite überzeugte auch nach dem Seitenwechsel mit einer überragenden Quote aus dem Dreier-Land: einer von Weiler-Babb und zwei von Lucic (58:50/24.). München bewegte den Ball mustergültig, und, tja, die Dreier fielen an diesem Nachmittag wie am Schnürchen. Zwei weitere Treffer von Weiler-Babb und einer von Thomas bauten die Führung auf 67:53 aus (27.). Die Bonner blieben davon nicht unbeeindruckt, ihre Offensive blieb minutenlang ohne Treffer. Hunter war zwei Mal erfolgreich und schraubte die Führung seines Teams auf 20 Punkte (73:53/29.). Bonn fing sich jedoch und kam durch einen 10:2-Lauf wieder etwas heran. Aber fünf verbleibende Sekunden genügten Passgeber Lucic, um Deshaun Thomas zum Abschluss des dritten Viertels ein wichtiges Statement in Form eines Drei-Punkt-Spiels zu ermöglichen - 78:63 vor dem letzten Viertel.

Machtdemonstration zur Übernahme der Tabellenführung

Bonn schloss weiter auf, doch Weiler-Babb begeisterte den anwesenden Uli Hoeneß mit dem nächsten Dreier, und zwar einem richtig schwierigen (81:67/32.). Als auch Thomas und Sisko weitere Dreier versenkten, begannen die Gäste zu akzeptieren, dass es hier und heute im Audi Dome auch mit einer guten Leistung nicht möglich sein würde, die Punkte zu entführen (87:69/33.). Die Münchner blieben - abgesehen von zwei vermeidbaren Technischen Fouls - fokussiert und verteidigten aufmerksam. Vorne bewegte sich Obst clever und war anspiel- und wurfbereit: nächster Dreier zum 95:73 (37.). Joshua Obiesie erhielt Spielzeit und bedankte sich umgehend mit dem Offensivrebound und dem Treffer zum 97:75 (38.). Spannung kam nicht mehr auf, denn das Spitzenspiel war längst entschieden und der Wechsel an der Tabellenspitze vollzogen.

Fotos: Stickel, Sampics


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