88:98 gegen Piräus

Bayern geht gegen Olympiakos die Kraft aus

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Die Bayern-Basketballer haben ein hochklassiges EuroLeague-Duell mit dem Tabellenvierten Olympiakos Piräus am Ende doch verloren: Vor rund 3.100 Fans im Audi Dome setzte sich der Favorit nach der Pause über seine Defense 98:88 (50:53) durch. Das Team von Andrea Trinchieri, nur 48 Stunden nach dem Hamburg-Spiel in der Schlussphase sichtbar entkräftet, steht nun bei 12:13. Am Sonntag geht es ab 18 Uhr gegen Bamberg.

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Die Gäste um Topscorer Dorsey (25) trafen früh hochprozentig (8:15/4.), gerade gegen ihn fehlte der am Spieltag aus dem Krankenhaus entlassene Defender Weiler-Babb. Aber die Bayern blieben ruhig, mit dem Buzzer-Dreier warf Rückkehrer Jaramaz den FCBB nach vorn (29:28). Die Offense glänzte wie schon in der zweiten Hälfte gegen Hamburg - 50:40 nach einem 12:2-Run.

Piräus konterte jedoch nach dem Wechsel mit enormer Physis, Lucic und Walden erhielten früh Foul vier angehängt; die Ruhe beim Wurf ging verloren (61:68/28.). Die Griechen zeigten in der Crunchtime ihre Klasse, Rubit kam beim BBL-Tabellenführer auf 18 Punkte.

FC Bayern Basketball - Olympiakos Piräus 88:98 (53:50)

  • FCBB

    Augustine Rubit (18 Punkte / 5 Rebounds), Vladimir Lucic (15 / 8), Darrun Hilliard (12), Othello Hunter (12), Ognjen Jaramaz (9), Deshaun Thomas (8), Corey Walden (6), Zan Mark Sisko (4), Leon Radosevic (4), Jason George, Andreas Obst, Nihad Djedovic


  • Topscorer Olympiakos

    Tyler Dorsey (25 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Damir Javor, Emilio Perez, Amit Balak


  • Zuschauer

    3.100

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB): 29:28, 24:22, 16:23, 19:25

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 44% (FCBB) // 76% (Piräus); Dreier-Quote: 46% // 47%; Freiwurf-Quote: 89% // 76%; Rebounds: 24 // 24; Assists:  24//20; Ballverluste:  7//10

Die Stimmen:          

Andrea Trinchieri, Chefcoach München: „Glückwunsch an Olympiakos Piräus. Sie waren sehr gut und haben unsere Fehler bestraft. Sie haben verdient gewonnen. Ihre Guards haben uns wirklich Probleme bereitet. Mein Team hat gekämpft. Wir hatten gute Minuten, aber am Ende hatten wir eine zu kurze Rotation. Wir haben nicht genüg clevere Züge gemacht gegen ein so erfahrenes Team.

Das vierte Foul gegen Lucic wird in 99 Prozent der Fälle offensiv gepfiffen. Er hatte meiner Meinung nach eine gute Position. Aber die Schiedsrichter haben es eben anders gesehen. Das war ein knapper, entscheidender Pfiff. Das hat uns das Momentum gekostet. Aber es gab verschiedene Ursachen. Nick war ganz raus, Walden war nicht in der Verfassung zu spielen und Hilliard kommt nach drei Monaten zurück. All das erklärt das Ergebnis. Wir wollten kämpfen. Ich will die Wahrheit nicht verbergen. Es sind Kleinigkeiten, die uns gekillt haben und die wir besser machen müssen. Wir haben viele Gründe, die ich alle nicht mag, die erklären, warum wir verloren haben. Aber es gibt verschiedene Situationen, die wir noch besser machen können. 25 Minuten war ich sehr beeindruckt von meinem Team. Jetzt müssen wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren. Wir werden weiter kämpfen und dann werden wir sehen, wo wir stehen.   

Doch zurzeit gibt es in der Welt Wichtigeres. Es ist eine menschliche Tragödie sehr nah bei uns."

Georgios Bartzokas, Chefcoach Piräus: "Es war ein qualitativ hochwertiges Spiel, speziell offensiv. Aber in der zweiten Hälfte haben wir auch defensiv viel besser gespielt und nur noch 35 Punkte zugelassen. Wir haben besser gekämpft und es geschafft, das Spiel zu gewinnen. Wenn es etwas gibt, worüber ich mich beschweren muss, dann sind es die Rebounds. Da haben wir zu viele zugelassen und gerade Rubit hat das bestraft. Es war ein wichtiger Sieg für uns, gegen einen Gegner, dessen Spielweise ich sehr respektiere.“

Ich möchte außerdem erwähnen, dass wir uns mitten in einer Krise befinden, die uns alle sehr betrübt. Unschuldige Menschen werden ohne Grund getötet. Lasst uns hoffen, dass das bald endet.“

Darrun Hilliard: „Man muss verstehen, dass es das erste Mal ist, dass wir mit einem nahezu kompletten Kader spielen. Wir hatten aufgrund von Verletzungen und COVID-Fällen bisher nie die Möglichkeit, dass wir alle zusammenkommen, um zu trainieren und zu spielen. Olympiakos ist ein großartiges Team. Sie haben viel Erfahrung, wissen, wie man die Schwächen des Gegners ausnutzt, und geraten nie in Panik. Sie sind sehr gut gecoacht. Natürlich ist es auch schwer zu spielen, wenn beide Spielmacher von uns lange mit vier Fouls belastet sind.

Für mich selbst ist es trotzdem schwer, unzufrieden zu sein, da ich so froh bin, überhaupt wieder spielen zu können. Wenn du lange nicht spielst, vergisst du zwar nicht, wie Basketball geht. Aber wieder in den Rhythmus zu kommen ist trotzdem schwierig. Daran arbeite ich jeden Tag. Ich weiß es sehr zu schätzen und bin dankbar, dass ich wieder spielen kann.“

Das Spiel:

Corey Walden, Ognjen Jaramaz, Vladimir Lucic, Augustine Rubit und Leon Radosevic bildeten bei der Rückkehr in die Königsklasse die Starting Five. Olympiakos begann direkt mit der von Trinchieri befürchteten Physis. Speziell Tyler Dorsey brauchte nur Sekunden, um mit zwei schweren Dreiern auf Betriebstemperatur zu kommen (8:13 aus Sicht des FCBB/3. Minute). Doch die Münchner bekamen die Müdigkeit nach dem emotionalen Abend gegen Hamburg früh aus den Knochen. Lucic ließ sich von zwei frühen Fouls nicht irritieren und brachte sein Team mit viel Einsatz in die Partie (17:21/7.). Der eingewechselte Othello Hunter fand ungewohnte Lücken in der griechischen Verteidigung und nutzte sie für zwei krachende Dunkings. Der Buzzer-Beater von Jaramaz setzte die Krone auf ein spektakuläres Viertel (29:28, 10.).

Auch in den zweiten zehn Minuten ließ die Qualität nicht nach. Darrun Hilliard meldete sich zurück und erzielte seine ersten Euroleague-Zähler seit seiner Bänderblessur im November. Auch wenn die Griechen es häufig schafften, die Münchner spät in die Wurfuhr zu zwingen, fanden diese immer wieder passende Lösungen. Speziell das Tandem Sisko auf Lucic funktionierte mit nahezu blindem Verständnis (44:40/16.). Doch das Team von Georgios Bartzokas zeigte die passende Reaktion eines Tabellenvierten. Angeführt vom erfahrenen Spielmacher Kostas Sloukas verhinderten die Gäste mit einem 8:0-Lauf eine deutlichere Pausenführung – 53:50.  

Olympiakos verlässt sich auf Dorsey, Lucic muss lange mit vier Fouls spielen

Ein nach wie vor brandheißer Tyler Dorsey eröffnete das dritte Viertel und markierte früh seine 25 Punkte. Besonders bitter aus Münchner Sicht: Der so stark aufspielende Lucic bekam trotz guter Verteidigungsposition das vierte Foul gegen sich gepfiffen – Auszeit Trinchieri (59:63/23.).  Die Offensive der Hausherren geriet nun zusehends ins Stocken. Mit viel Wille und Energie erkämpften sich die Bayern zahlreiche Offensiv-Rebounds. Mit Einsatz und keinem einzigen Ballverlust gelang es, Piräus im dritten Viertel nicht enteilen zu lassen (73:69).   

Auch im Schlussabschnitt kämpfte das Trinchieri-Team um jeden Ball. Augustine Rubit versenkte mit Nachdruck einen Dunk zum Dreipunktspiel und ließ einen Mitteldistanzwurf folgen (76:78/33.). Aber die Gäste nutzten nun die frischeren Beine und erspielten sich erfolgsversprechende Würfe. Gerade Sloukas (zehn Assists) fand immer wieder die passenden Optionen in der Offensive (83:91/38.). Auch die Foulbelastung machte sich bei den Bayern nun bemerkbar. Lucic spielte seit langem mit vier, Sisko und Walden mussten mit fünf auf die Bank. Nach einem lange umkämpften Spiel fehlte somit letztlich die Energie für ein weiteres Comeback (88:98, 40.).

(c) FCBB, Stickel, Pahnke

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