Playoffs ab Freitag

78:83 - Bayern müssen Berlin diesmal den Vortritt lassen

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Am Ende wurde natürlich hart um den Sieg gekämpft, ein wenig mehr Fortune hatte diesmal der Gast: Die Bayern-Basketballer haben am Dienstag das ewige Prestigeduell mit Alba Berlin 78:83 (34:41) verloren und beenden die BBL-Hauptrunde vor den am Freitag im Audi Dome beginnenden Playoffs mit 25:9 Siegen. Im vierten Aufeinandertreffen der beiden besten Teams, das diesmal keine Bedeutung mehr für die Tabelle hatte, gewann Berlin vor 3.500 Fans das erste Mal.

Die Bayern mussten allerdings in ihrem dritten Spiel binnen fünf Tagen sehr kurzfristig auf Cheftrainer Andrea Trinchieri verzichten, der bereits in der Halle war, diese wegen Unwohlseins aber vor Tip-Off wieder verließ; aus seinem Kader fehlten wie zuletzt die verletzten Hillard und Walden sowie Hunter.

Obsts Dreier-Show

Das Team begann denn auch unrund, 13:2 führte Alba, nach fünf Minuten scorte Bayern erstmals. Die Rivalen boten weitgehend das bestmögliche Line-Up auf, beim FCBB führten Thomas und dann Kapitän Djedovic ihre Jungs in die Spur (23:20/15.). Unglückliche Fouls führten erneut zu etwas Distanz mit Halbzeit, nach der dann Topscorer Obst  (15) eine Dreier-Show abzog (50:45). Im letzten Viertel kämpften die Gastgeber um offensiven Rhythmus (61:62/33.) und leisteten sich in der Schlusssequenz ein paar Turnovers zu viel.

TICKETS FÜR DIE PLAYOFFS

Andreas Obst konnte mit seinen 5 erfolgreichen Dreiern die Niederlage nicht verhindern (c) Eirich
FC Bayern Basketball - Alba Berlin 78:83 (34:41)

  • FCBB:

    Andreas Obst (15 Punkte, 5/8 Dreier), Leon Radosevic (14), Nihad Djedovic (11), Nick Weiler-Babb (10), Gavin Schilling (9), Deshaun Thomas (6), Vladimir Lucic (5), Zan Mark Sisko (4), Augustine Rubit (2), Ognjen Jaramaz (2), Jason George, Paul Zipser (n.e.).


  • Topscorer Berlin:

    Jaleen Smith (24 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Moritz Reiter, Clemens Fritz, Nesa Kovacevic


  • Zuschauer

    3.516

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 16:20, 18:21, 22:17, 22:25.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 55 % (FCBB) // 53 % (Berlin); Dreier-Quote: 43% // 38 %; Freiwurf-Quote: 92 % // 68 %; Rebounds: 26 // 37; Assists: 19 // 19; Ballverluste: 14 // 15.

Die Stimmen:         

Slaven Rimac, Co-Trainer FCBB: „Ich denke, das Spiel hat sich am Ende durch besseren Fokus und bessere Entscheidungen der Alba-Spieler entschieden. Vielleicht ist das auch normal, nach den Barcelona-Spiel haben wir direkt Ulm gespielt, dann Göttingen – das ist nicht einfach, physisch und mental, vor allem, da wir die erste Playoff-Runde ab Freitag spielen. Wir können nicht unglücklich sein. Natürlich, es ist nie gut zu verlieren, aber wir haben Ziele für die Saison und müssen den Fokus auf das erste Playoff-Spiel legen. Glückwunsch an Alba. Jetzt denken wir schon an Freitag. Wir werden sehen, was uns erwartet – wahrscheinlich Chemnitz.

(…)

Wir haben öfter die Situation, dass wir spontan Lösungen für Probleme finden müssen, und das war heute auch der Fall. Die Situation, dass Coach Andrea nicht da sein würde, kam spät vor dem Tip-Off, aber so etwas passiert. Und abgesehen von den ersten fünf Minuten, als uns Energie gefehlt hat und der Wille zu Punkten, hatten wir ein ordentliches Spiel. Wir hatten eine kleinere Rotation aufgrund der Verletzungen, aber alle auf dem Parkett haben versucht, das Spiel zu gewinnen.

(…)

Wir haben nicht alle Karten auf den Tisch gelegt, sie haben nicht alle Karten auf den Tisch gelegt, mit Sicherheit. Das ist normal. Natürlich wollten wir gewinnen, aber ich hoffe, wir treffen uns noch einmal und dann sind wir zufriedener mit dem Ergebnis. Aber aufgrund der Ansetzung hatte dieses Spiel keinen Wert für die Tabelle.

(…)

Es ist schwierig, sich auf Chemnitz vorzubereiten, wenn alle sagen, man spielt gegen Chemnitz, aber es nicht feststeht. Wir wissen nicht, gegen wen wir spielen. Nach Barcelona müssen die Spieler mental die Euroleague-Saison vergessen und sich auf die BBL-Playoffs neu fokussieren. Ich hoffe, wenn wir uns zum ersten Training treffen, bei dem wir uns auf den Gegner vorbereiten, sind wir fokussiert und konzentriert, damit wir in der Form sind, wie Ihr uns gegen Barcelona habt spielen sehen.“

Andreas Obst: „Es war ein ziemlich wildes Spiel. Ich denke mal, es war wichtig für den Kopf, in gewisser Weise ein Statement abzugeben. Am Ende haben wir dann zwar den Kürzeren gezogen, aber wie gesagt: Wir wollten das Spiel ernst nehmen, denn wir wussten, worum es geht. Das hat eine große Bedeutung. Jetzt gilt es aber, sich auf Freitag zu fokussieren. Wir haben erst zu Anfang des Spiels erfahren, dass Coach Trinchieri nicht coachen wird, daraus muss man dann eben das Beste machen. Die Niederlage ist natürlich nicht die schönste Art, die Hauptrunde zu beenden, aber wir können auch aus den letzten Spielen viel Gutes mitnehmen. Jetzt müssen wir vielleicht einen Tag regenerieren und dann einige Dinge verbessern - dann können wir auch optimistisch auf die Playoffs schauen. Mir ist egal, gegen wen wir in der ersten Runde spielen. Wir müssen an jedem vorbei, von daher nehmen wir, wie es kommt. Uns sind sowohl Chemnitz als auch Ludwigsburg recht.“

Nick Weiler-Babb: „Das war ein guter Einstieg, um für die Playoffs bereit zu sein, ein gutes Spiel. Beide Teams spielten intensiv und zeigten überzeugende Spielzüge. In die Playoffs darf man auch durch diese Niederlage kein negatives Gefühl mitnehmen - das ist wie eine neue Saison: Jeder startet bei null. Wir beginnen am Freitag und legen dann los. Mir ist es egal, gegen wen wir in die Playoffs starten.“

Das Spiel:

Nick Weiler-Babb, Jason George, Vladimir Lucic, Augustine Rubit und Leon Radosevic starteten. Die Münchner begannen verhalten und sahen sich gegen wachere Berliner mit einem 0:10-Lauf konfrontiert. Nach der Auszeit von Trinchieri-Vertreter Slaven Rimac punktete Djedovic nach über fünf Minuten erstmals für den FCBB (2:10/6. Spielminute). Die Bayern wirkten fahrig und unkonzentriert und machten es dem ewigen Rivalen aus der Hauptstadt viel zu leicht. Aber so langsam fand das Münchner Team in den Rhythmus und begeisterte die Fans mit einem flott vorgetragenen 8:0-Run (14:17/10.). Am Ende des Viertels war der Schaden begrenzt, der Rückstand war mit 16:20 moderat.

Alba war jetzt von der Rolle und brachte nichts zustande, aber der FCBB hatte auch seine liebe Mühe. Immerhin gelang Rubit nach drei Minuten des Viertels der 20:20-Ausgleich. Wenig später lötete Radosevic den ersten Bayern-Dreier zur Führung rein (23:20/15.). FCBB-Kapitän Nihad Djedovic gelang eine sehr gute Vorstellung, mit dem Dreier zum 28:25 war er der erste Spieler auf dem Parkett, der eine zweistellige Punkteausbeute zu verzeichnen hatte (17.). Die Münchner waren auf dem Posten und meist in Führung, aber in einer sportlich eher unbedeutenden Partie ließ sich nicht ausblenden, dass keiner gerne gegen den anderen verliert. Also kam Alba mit einem 9:1-Lauf wieder zurück und führte zur Halbzeit - 34:41.

Nihad Djedovic hielt den FCBB in der Anfangsphase im Spiel (Foto: Eirich)

Obst übernimmt

Ein Obst-Dreier läutete die zweite Halbzeit ein, sein nächster Drei-Punkte-Treffer brachte seine Mannschaft auf 42:43 heran (23.). Die Schiedsrichter spielten eine Rolle, und das tut einem Spiel nie gut. Obst war „on fire“ und erzwang mit seinem dritten Dreier in diesem Viertel die Führung, Lucic jagte einen weiteren Distanzwurf hinterher und zwang Berlin zur Auszeit (50:45/25.). Die Münchner handelten sich im Zuge der sehr speziellen Linie der Unparteiischen viele Fouls ein, verteidigten die Führung jedoch mit Zähnen und Klauen (52:47/28.). Das Spiel war jetzt eine eher holprige Angelegenheit, auch nach diesem Viertel führte der amtierende Deutsche Meister - 56:58.

Playoff-Vorgeschmack

Radosevic erzwang mit fünf Punkten in Folge die 61:60-Führung (33.). Berlins Luke Sikmas Übersicht und Passfertigkeit machten den Bayern zu schaffen, und der Ex-Münchner Maodo Lo traf zur Berliner Führung (64:66/35.). Obst hielt sein Team mit seinem fünften Dreier im Spiel, überhaupt fielen jetzt ausschließlich die Dreier. FCBB-Coach Rimac nahm die Auszeit, weil seine Mannen 72:75 hinten lagen (37.). Auf dem Parkett wurde es hitziger - München gegen Berlin eben! Die anstehende Crunchtime war natürlich ein kleiner Testlauf für die Playoffs. Die Führung wechselte während der letzten drei Minuten mit jedem Angriff, und zwar fünf Mal, der Vorsprung betrug nie mehr als ein Pünktchen. München hatte den Angriff zum Sieg, doch ein Ballverlust zerstörte die Hoffnung und genügte den Berlinern als Chance zum Sieg in der Playoff-Generalprobe: Mit acht Sekunden auf der Uhr verfehlte der Lucic-Dreier zum Ausgleich den Korb.

ZUM SPIELPLAN

Fotos: Eirich, Stickel, Pahnke

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