Mit der Kraft am Ende

Bayern gratulieren Berlin zum Titel

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Die Bayern-Basketballer gratulieren Alba Berlin zur Meisterschaft: Die ersatzgeschwächten Münchner konnten den Elan ihres 90:60-Auswärtssiegs vom Freitag nur 44 Stunden später nicht in eine weitere Energieleistung übertragen und verloren im Audi Dome deutlich 81:96 (36:52) zum 1:3-Endstand. Ein Fehlstart wurde den Gastgebern in einem temporeichen Hitzeduell vor 5.500 nimmermüden FCBB-Fans zum Verhängnis - für einen Turnaround fehlte im 84. Saisoneinsatz trotz großem Kampfgeist bis zur Sirene die Kraft.

Erneut ohne vier

Denn wie avisiert blieb der Kader unverändert, da sich Radosevic (Infektion) auch am Spieltag noch im Krankenhaus befand und Lucic (Adduktoren) sowie die seit Monaten vermissten Hilliard und Walden noch nicht fit sind. Ohne das Quartett geriet der FCBB diesmal schnell in Rückstand, 2:13 und im zweiten Viertel 26:48 (18.) lautete die komplizierte Aufgabenstellung.

Doch 17 Ballverluste, zu wenig Rebounds und eine lange klar schlechtere Dreierquote zeugten von der Erschöpfung. Alba traf hochprozentig gegen die Bayern-Defense und überstand auch das letzte Aufbäumen des EuroLeague-Viertelfinalisten (63:76/33.) souverän. Trotzdem honorierte das Publikum den Auftritt seines Teams minutenlang mit viel Applaus.

Fanfest am Montag ab 17 Uhr

Mannschaft und Trainer werden sich am Montag (20.6.) beim Saisonabschluss am Audi Dome noch einmal von den Fans verabschieden: Ab 17 Uhr gibt es neben Autogrammen und Selfies ausreichend Freibier von Paulaner sowie Bratwürste von Feinkost Käfer (begrenzte Anzahl gratis).

Mehr Infos dazu

FC Bayern Basketball - Alba Berlin 81:96 (36:52)

  • FCBB:

    Augustine Rubit (15 Punkte/6 Rebounds), Deshaun Thomas (12), Andreas Obst (11), Nihad Djedovic (11), Nick Weiler-Babb (8), Zan Mark Sisko (8), Othello Hunter (7), Ognjen Jaramaz (6), Paul Zipser (3), Gavin Schilling, Joshua Obiesie und Jason George.


  • Topscorer Berlin:

    Jaleen Smith (23 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Robert Lottermoser, Gentian Cici, Anne Panther


  • Zuschauer

    5.469

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 17:26, 19:26, 18:24, 27:20.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 65% (FCBB) // 54% (Berlin); Dreier-Quote: 39% // 52%; Freiwurf-Quote: 83% // 73%; Rebounds: 27 // 31; Assists: 11 // 29; Ballverluste: 17 // 12.

Die Stimmen:           

Andrea Trinchieri, Chefcoach München: „Zuerst möchte ich Alba gratulieren. In dieser Serie hatten sie mehr Energie und waren in drei von vier Spielen besser als wir. Ich glaube, es macht keinen Sinn, das Spiel zu analysieren, aber einen ausführlichen Blick auf die Saison zu werfen. Es ist nie angenehm, die Saison mit einer Finalniederlage zu beenden, aber es passiert. Ich glaube, ich hätte nicht mehr von meinen Spielern verlangen konnte. Wir haben in Spiel drei unsere Energie konzentriert, wo wir eine sehr starke Leistung abgeliefert haben. Doch heute hatten wir nicht mehr die mentale und physische Energie, die Intensität von Alba mitzugehen. Was ich auch meinen Spielern gesagt habe: Ich bin sehr stolz auf sie. Niemand verliert gerne, aber es gibt Dinge, die wir nicht kontrollieren können. Wir haben viele, viele Widrigkeiten überstanden, fünf, sechs Mal, aber wir haben das nie akzeptiert: dass wir die Saison begonnen haben, als uns der halbe Kader ausfiel; dass Hilliard zwei Mal mit großen Verletzungen raus war, Walden kam nach Corona nicht mehr zurück; Weiler-Babb musste 40 Tage in einem dunklen Zimmer liegen. Wir haben die Finals gespielt, als vier von fünf Startern ausgefallen sind. Wir haben gekämpft, aber es hat nicht gereicht. (…) Sie konnten ganz einfach nicht mehr geben. (…)

Diese Spiele, diese Niederlagen, sollten Kraftstoff für das nächste Finale sein und um besser zu werden. Das ist das Einzige, was ich aus dieser Niederlage mitnehmen will: Ich will Energie, um zurückzukehren. (…)

Berücksichtigt man die Umstände, waren wir unglaublich, wirklich unglaublich. Ich mag dazu jetzt nichts erklären. Denn sie haben gewonnen, wir verloren. Sie haben die Trophäe gehoben und wir versuchen, mit den bitteren Gefühlen klarkommen. Das ist Sport, das ist das Leben. Aber das wäre ein oberflächlicher Blick auf das, was passiert ist. Wir haben Dinge durchgemacht, von denen alle gar nichts mitbekommen haben. Deshalb bin ich sehr stolz, wie meine Mannschaft, wie sie trotz allem zusammengehalten hat – das war der große Erfolg dieser Saison, das definiert sie. Mit allem, was uns gefehlt hat, haben wir trotzdem das fünfte Spiel in Bonn gewonnen, als keiner an uns glaubte; ebenso Spiel drei in Berlin, als wir beim Abflug wussten, dass Leon (Radosevic) im Krankenhaus ist. Ich hoffe nur, dass dieser Teufelskreis endet, denn das hat bereits letztes Jahr angefangen, als die Sache mit Paul (Zipser) passierte. Er ist zurück, aber wirklich zurück ist er nicht. (…) Ich will deshalb nicht über Erfolge reden, sondern über Werte und Kultur und wie stolz ich auf meine Spieler bin. All diese Gefühle jetzt sollten Kraftstoff für uns sein, besser zurückzukommen. (…)

Die Frage, wie wir uns besser auf eine lange Saison (mit EuroLeague-Playoffs und BBL-Finale) vorbereiten können, wird uns in der ganzen Offseason umtreiben.“

Nick Weiler-Babb: „Berlin hat in den Playoffs eine verdammt gute Serie hingelegt und sie haben auch das gesamte Jahr über sehr gut gespielt. Und dann haben sie zur richtigen Zeit noch einen draufgelegt und haben auch als Team großartig gespielt. Wir haben zwar keine Titel geholt in dieser Saison, aber wir hatten auch mit extremen Widrigkeiten zu kämpfen, mit Verletzungen und schwierigen Umständen. Wir haben als Team zusammengehalten und gekämpft. Wir haben uns nie aufgelöst und als Individualisten gespielt. Ich muss meinem Team und dem Coaching-Staff ein sehr großes Kompliment machen, sie haben uns zusammengehalten. Wir werden sehen, was die Zukunft für mich bereithält. (…) Ich freue mich total für Paul Zipser - er kämpft jeden Tag darum, zurückzukommen, und es macht mich einfach glücklich, ihn wieder hier zu haben und da ein Lächeln auf seinen Lippen zu sehen.“

Israel Gonzalez, Coach Berlin: „Als ich das Team übernommen habe, wollte ich sie verbessern, und ich glaube, dass wir uns am meisten über die Saison verbessert haben und Meister geworden sind. (…) Wir hatten keinen guten Start, aber ich hatte keinen Druck. Wir hatten gute Chemie, das ganze Jahr über. Wir sind Pokalsieger, Erster nach der Hauptrunde, was schwierig ist, wenn man Euroleague spielt. Wir haben gewonnen aufgrund unserer Bank - wobei man nicht sagen kann, wer bei uns Bankspieler sind.“

Das Spiel:

In das nächste Alles-oder-nichts-Spiel schickte Trinchieri zunächst wie schon beim Coup in Berlin zwei Tage zuvor Nick Weiler-Babb, Ognjen Jaramaz, Nihad Djedovic, Deshaun Thomas und Augustine Rubit. Alba legte einen 11:0-Blitzstart hin, die Würfe der Bayern verfehlten ihr Ziel. Kapitän Djedovic stoppte den Lauf per Korbleger zum 2:11, da waren bereits drei Spielminuten vergangen. Die Halle war voll da und laut und pushte die Münchner zum 7:0-Lauf, die Stimmung war gigantisch (9:13/5.). Tamir Blatt traf wiederholt vom Dreier und sicherte die Berliner Führung (11:19/6.). Die Bayern haderten mit der Trefferquote, der Vorsprung der Berliner nähere sich der Zweistelligkeit (13:22/8.). Auch waren fünf Ballverluste des FCBB im ersten Spielabschnitt, der mit 17:26  noch glimpflich endete, einfach zu viele.

Die mitgereisten Berliner Fans jubelten, weil sich ihr Team mithilfe von Nachlässigkeiten der Bayern weiter davonstahl - Trinchieri wollte den Trend mit einer Auszeit stoppen (18:32/13.). Die Bayern waren verzweifelt auf der Suche nach dem vielbeschworenen Rhythmus, die kämpferische Einstellung war jedenfalls vorhanden. Die Punkteausbeute war viel zu dürftig - zur Hälfte des Viertels hatten die Münchner erst drei Zähler auf dem Konto. Bei Berlin dagegen schnurrten sowohl Defensive als auch Offensive, die Bayern hatten dem Run der Gäste viel zu wenig entgegenzusetzen. Zum Entsetzen der Fans im Audi Dome wuchs der Rückstand auf 20 Punkte an (28:48/18.). Die Verlockung, die Klatschpappen angesichts der Temperatur in der Halle als Fächer zu benutzen, war zwar groß, aber die Fans entschieden sich für den Lärm und feuerten ihr Team an. Eine Auszeit stabilisierte das Trinchieri-Team. Augustine Rubit wurde gesucht, und er lieferte: Seine Punkte verkürzten auf 36:52 nach 20 Minuten.

Die Bayern kommen in der Offense nicht voran

Halbzeit zwei begann mit einem Paukenschlag - Rubit per Dunking zum 38:52. Weiler-Babb ließ einen erfolgreichen Power-Move folgen, doch die Wende war das nicht, denn Alba reagierte mit einem trockenen 7:0-Lauf, Auszeit Bayern (40:59/22.). Im Prinzip begann sich das Geschehen der ersten Halbzeit zu wiederholen: Die Münchner hatten die Würfe, trafen sie aber nicht. Es war schlichtweg der Wurm drin, die Berliner bauten den Run auf 10:0 aus. Thomas stoppte das mit dem Dreier zum 43:64 (26.). Wenig später bat Trinchieri erneut zur Auszeit, weil Berlin in einem Angriff mehrfach den Offensivrebound holte und dann auch noch mit einem Dreier erfolgreich war (43:67/26.). Im Vergleich mit Spiel drei waren die Vorzeichen umgekehrt: Berlin trat jetzt selbstbewusst auf, die Bayern kamen einfach nicht näher heran (47:69/28.).  Die Niederlage begann sich angesichts des beständig deutlichen Rückstandes über 20 Punkten bereits jetzt abzuzeichnen - die Frustration ließ den ein oder anderen Kopf nach unten gehen. 54:76 ach dem dritten Viertel

Coach Trinchieri ist trotz der Finalniederlage stolz auf sein Team (c) Pahnke

Der FCBB zeigt Charakter - Zipser erzielt den letzten Bayern-Treffer der Saison

Die Münchner mobilisierten sämtliche verbliebenen Reserven und überraschten Alba zur Begeisterung der unermüdlich anfeuernden Fans mit einem 8:0-Lauf - Auszeit Berlin (62:76/32.). „Auf geht’s Bayern, kämpfen und siegen!“ Schallte tausendfach von den Rängen - sollte da tatsächlich noch etwas möglich sein? Die Hauptstädter benötigten über drei Minuten für den ersten Treffer im Abschlusschviertel, aber der Rückstand war nun mal schon beträchtlich. Der fünfte Dreier von Jaleen Smith war ein Stich direkt ins Fanherz - 63:81 und nur noch fünfeinhalb Minuten auf der Uhr. Berlin stabilisierte sich, München musste das zur Kenntnis nehmen. Symptomatisch war ein Dreier von Weiler-Babb, den Oscar Da Silva trocken ebenfalls mit einem Drei-Punkte-Treffer konterte (68:88/37.). Die Entscheidung war gefallen, jetzt ging es höchstens noch um Ergebniskosmetik. Die Münchner Fans erhoben sich und bedankten sich bei den Spielern für einen großartigen Kampf und eine tolle Saison. Paul Zipser belohnte diesen Zuspruch mit dem Dreier zum 81:93.

Herzliche Gratulation nach Berlin zur Deutschen Meisterschaft.

(c) Eirich, Pahnke & Stickel

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