Sechster EuroLeague-Sieg

Bayern trotzen allen Rückschlägen und bezwingen Villeurbanne 73:65

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Was für eine Willensleistung, was für eine Moral: Die Bayern-Basketballer haben am Donnerstag charakterstark den jüngsten Rückschlägen getrotzt und mit dem 73:65 (39:38) über Frankreichs Meister Villeurbanne ihren sechsten Saisonsieg gefeiert. Aus einem kompakten Team ragte Augustine Rubit mit 19 Punkten und zwölf Rebounds heraus.

Den Bayern um Chefcoach Andrea Trinchieri fehlte, wie vorab gemeldet, zu den Rekonvaleszenten Radosevic und Zipser nun auch ihr verletzter Topscorer Hilliard. Neben diesem Tiefschlag setzte den Münchnern anfangs wohl auch der gewöhnungsbedürfte Rahmen mit der sehr eingeschränkten Kapazität zu. 9:2 und 23:12 führten die großgewachsenen Gäste, das Heimteam kämpfte um Orientierung.

Immerhin gab Playmaker Sisko nach sieben verpassten EuroLeague-Partien sein Comeback. Und der FCBB fand offensiven Rhythmus, ging 36:32 in Front (19.) - war endlich im Spiel. Bis auf 58:46 (27.) setzte man sich ab, doch Sisko kassierte Foul Nummer vier. Im Schlussviertel verteidigte man weiter stark, kontrollierte die Rebounds (37:26) und setzte besonders Rubit gut ein.

Für den FCBB geht es Schlag auf Schlag weiter: Samstagabend beim MBC, Montag gegen Heidelberg und Donnerstag gegen Titelverteidiger Efes Istanbul.

FC Bayern Basketball - ASVEL Villeurbanne 73:65 (39:38)

  • FCBB:

    Augustine Rubit (19 Punkte, 12 Rebounds), Vladimir Lucic (18, 8 Rebounds), Corey Walden (9), Nick Weiler-Babb (9), Deshaun Thomas (7), Zan Mark Sisko (4), Andreas Obst (3), Othello Hunter (2, 6 Rebounds), Ongjen Jaramaz (2).


  • Topscorer Villeurbanne

    Okobo (14 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Sreten Radovic, Jurgis Laurinavicius, Jordi Aliaga


  • Zuschauer

    842

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB): 12:20, 27:18, 19:16, 15:11.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 64% (FCBB) // 51% (Villeurbanne); Dreier-Quote: 22% // 16%; Freiwurf-Quote: 82% // 68%; Rebounds: 38 // 32; Assists: 9 // 14; Ballverluste: 12 // 8.

 

Die Stimmen:          

Andrea Trinchieri, Chefcoach FC Bayern Basketball:

„Das ist ein großartiger Sieg mit drei Vierteln auf höchstem Level. Wir haben das erste benötigt, um zu verstehen, wie wir spielen müssen. Wir haben zum ersten Mal gegen solch lange Spieler gespielt, die das Feld in einer ungewohnten Art und Weise abdecken. Aber mit einer tollen Team-Defense haben wir diesen großen Sieg geholt, ich bin sehr happy. Wir hatten zwei schlechte Tage nach Hilliards Verletzung. Denn das ist etwas, was neben dem Basketball-Part – der Rotation und seinen Punkten – eine zusätzliche Auswirkung hatte: Es schien, als hätte die Tristesse der Situation uns übermannt. Weil Darrun zuletzt aufblühte und ein bestes Spiel gefunden hatte. Wir haben heute auch für ihn gespielt, wir haben als Team geantwortet. Wir wollten ein großes Spiel liefern, um zu gewinnen. Alle Gedanken sind natürlich bei Darrun, aber ich möchte auch meinen Spielern gratulieren für eine höllische Leistung. (…) Es ist eine extrem komplizierte Saison, denn du siehst dich immer Dingen gegenüber, auf die du reagieren musst.

Aber die Jungs spielen hart und finden unterschiedliche Wege, Spiele zu gewinnen. Nach dem Spiel bei ZSKA war ich wirklich traurig, weil wir ein kluges Spiel gezeigt hatten, nur das Resultat fehlte. (…) Ich war mir nicht sicher, ob das ZSKA-Spiel, Hilliards Verletzung und die Covid-Probleme größer sein würden als unsere Motivation. Aber so war es eben nicht und deswegen sage ich: Das ist ein sehr großer Sieg. (…) Bei Darrun gibt es jetzt nur ein Rezept: Kein anderer kann seine Torte herstellen, aber wir können die Torte in Stücke aufteilen und jeder kann einen Teil des Jobs machen. Es wird viele Chancen für andere Spieler geben.“

Corey Walden: „Ich habe anfangs Fehler gemacht, das hat es schwieriger gemacht. Aber die Coaches haben mir gesagt, ich soll einfach dranbleiben, dann würde es auch laufen. Und so war es. Villeurbanne hat wirklich gut gespielt heute. Für uns war es wichtig, rauszukommen und einen Sieg zu holen, der uns in eine bessere Position bringt. Das ist ein wichtiger Sieg, der uns sehr glücklich macht. Ohne Darrun Hilliard wird es schwierig. Diese Lücke zu füllen, wird tough. Er gibt unserem Team so viel Härte, Scoring und Talent. Wir müssen als Team zusammenhalten und seinen Verlust kompensieren. Gute Besserung, Darrun!“

Augustine Rubit: „Wir mussten zurückkommen nach einer bitteren Niederlage in Moskau. Es hat sich so angefühlt, dass wir das Spiel hergeschenkt haben und mussten zurück in die Spur kommen. Wir sind rausgekommen und haben gekämpft.“

Das Spiel:

Mit Corey Walden, Nick Weiler-Babb, Vladimir Lucic, Deshaun Thomas und Augustine Rubit startete der Tabellenzwölfte gegen den Tabellenachten aus Frankreich. Das Team von FCBB-Cheftrainer Andrea Trinchieri tat sich gegen die im Schnitt wesentlich größeren Franzosen extrem schwer, Lucic hielt dagegen (4:9/5. Spielminute). Vor allem ein guter Bekannter, James Gist, schenkte seiner letztjährigen Mannschaft sieben Punkte ein. Trinchieri hatte genug gesehen und nahm die Auszeit (6:11/6.). Der FCBB gewann an Sicherheit: Sisko kam nach seiner Verletzungspause erstmals wieder auf den Court. Das Wurfpech der Bayern und einfache Körbe der Gäste waren keine gute Kombination, die nächste Auszeit war fällig (10:18/9.). Nach dem ersten Viertel sahen sich die Bayern mit einem 12:20-Rückstand konfrontiert.

Augustine Rubit gelang ein Drei-Punkt-Spiel, im folgenden Angriff Corey Walden gar ein eher seltenes Vier-Punkt-Spiel (19:25/12.). Die Bayern kämpften um den Anschluss, hatten aber große Probleme, die Größenvorteile des französischen Meisters irgendwie auszugleichen. Eine gute Verteidigung war ein probates Mittel, das zumindest die Zweistelligkeit des Rückstands sicherte. In der Offensive fanden die Münchner dann ebenfalls häufiger Lösungen und kamen auch dank Lucic, dem Spezialisten für derartige Situationen, heran und zum 32:32-Ausgleich (17.). Nach einer Auszeit von Asvel erzielte Lucic die erste Bayern-Führung der Partie (33:32/18.). Leader Lucic war mit zehn Punkten in Folge dermaßen on fire, dass der gegnerische Coach TJ Parker vor Wut schnaubte (36:32/19.). Nach dem zweiten Spielabschnitt waren die Bayern voll im Geschäft und lagen hauchdünn mit 39:38 vorne.

Hinten gallig, vorne treffsicher

Die Münchner blieben auch nach der Pause voll fokussiert und bekamen von den mit sich hadernden Franzosen tatsächlich die Chance, sich abzusetzen. Lucic blieb ohne Fehl und Tadel, versenkte auch den Jumper zum 45:39 (22.). Rubit trug weitere Zähler zum 8:1-Lauf bei, Auszeit Asvel (47:39/23.). Die Bayern hatten die Offensive der Gäste komplett im Griff, vorne fielen die Würfe - Thomas per Dreier zum 50:41 (25.). Rückkehrer Sisko traf zur zweistelligen Führung (54:44/26.). Auch Hunter war auf dem Posten und beim Offensivrebound mit dem Put-Back-Dunk zur Stelle (58:46/27.). Villeurbanne kam kämpfend zurück ins Spiel und stoppte die vorpreschenden Bayern, die über drei Minuten ohne Korberfolg blieben - 58:54 nach 30 Minuten.

Fulminanter 9:0-Lauf der Bayern lässt Asvel in der Crunchtime keine Chance

Die Münchner fanden wieder in die Spur, Jaramaz zog in die Zone und traf zum 62:56 (32.). Die Entscheidungen der Bayern in der Offensive waren in dieser Phase nicht die cleversten, Villeurbanne kam bedrohlich näher (64:63/34.). Regisseur Walden kehrte zurück aufs Parkett, Thomas übernahm Verantwortung und suchte das Eins-gegen-Eins - 66:63. Rubit, dessen Leistung zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem Double-Double voll und ganz überzeugte, zwang Asvel mit seinem Treffer zum 68:63 zur Auszeit (37.). Auf dem Weg Richtung Crunchtime stand die Verteidigung einwandfrei, vorne war Rubit nicht zu stoppen (70:63/38.). Ein Drei-Punkt-Spiel vom quirligen Weiler-Babb war der Haken hinter dem sechsten Sieg in der EuroLeague und ein wichtiger Erfolg auf dem noch weiten Weg in Richtung Playoffs.

ZUM SPIELPLAN

(C) Pahnke, Stickel

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