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Bayern düpiert Champion Efes

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Was für eine Wende, was für eine Sensation: Die Bayern-Basketballer haben am Freitagabend den EuroLeague-Champion Efes Istanbul düpiert und nach einem sagenhaften Schlussviertel 89:81 (36:40) gewonnen. Vor 14.500 Fans in der fast ausverkauften Erdem-Halle lag das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri im dritten Viertel schon mit 16 Punkten hinten – der letzte Abschnitt ging dann jedoch 30:17 an die Münchner. Ihre Aufholjagd initiierten Jaramaz (10 Punkte) und Giffey (11, 3 von 4 Dreiern), der beinahe unfehlbare Routinier Hunter (18 Punkte, 4/6 Dreier und 9 Rebounds), Rubit (14 Punkte, 2/2 Dreier) und Winston (je 14) waren ihre besten Scorer.

Für den FCBB was es der achte Saisonsieg. Der Fokus gilt nun dem BBL-Derby am Sonntag in Bamberg (18 Uhr/MagentaSport), wo die Bayern nach zuletzt zwei Niederlagen ebenfalls auf den Erfolgsweg zurückfinden wollen.

Zum Spielplan

Hunter mit 4 von 6 Dreiern 

Der Gast führte in Istanbul 24:19 (9.) und spielte munter mit, die Dreierquote – nur drei von 15 – verhinderte eine bessere Ausgangslage für die zweite Halbzeit. Der Einstieg in diese missriet völlig (41:57/26.), doch das ließ der FCBB nicht auf sich sitzen – plötzlich nur noch 61:64 (31.) und vor der Crunchtime sogar die erste Führung zum 77:74 (36.)! Schnelles Spiel, Rebounds und Dreier von Giffey, Hunter sowie Rubit entnervten das konsternierte Starensemble um Micic, Larkin & Co.  

Anadolu Efes Istanbul – FC Bayern Basketball 81:89 (40:36)

FCBB:

Othello Hunter (18/9 Rebounds), Cassius Winston (14/8 Assists), Augustine Rubit (14), Niels Giffey (11), Ognjen Jaramaz (10), Nick Weiler-Babb (7), Freddie Gillespie (5/6 Rebounds), Isaac Bonga (4), Corey Walden (4), Elias Harris (2), Paul Zipser und Niklas Wimberg.

Topscorer Efes:

Vasilije Micic (15 Punkte)

Schiedsrichter

Damir Javor, Tomislav Hordov, Maxime Boubert

Zuschauer

14.510

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB): 24:21, 12:19, 23:24, 30:17

Zahlen & Fakten – Zweier-Quote: 58 % (FCBB) // 60 % (Efes); Dreier-Quote: 43 % // 41 %; Freiwurf-Quote: 85 % // 86 %; Rebounds: 36 // 23; Assists:  20 // 15; Ballverluste: 9//8

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Eine Sache, die wir verkraften mussten, war das Verfehlen offener Würfe, dutzendfach. Und dann wird es schwer, wenn du gegen Micic, Clyburn, Larkin und den Rest von Efes spielen musst. Dann verlierst du etwas Zutrauen und kommst aus dem Rhythmus. Das Gute ist, dass wir in unserem schlechtesten Moment, mit 16 Punkten Rückstand, drei Ballverlusten, einem Unsportlichen Foul und wieder freien Würfen – als also jeder in der Arena dachte: finished game over – dass wir nicht aufgegeben haben. Wir haben weitergespielt. (…)

Ich glaube, wir haben jemanden benötigt, der uns den Weg weist. Und gewöhnlich ist das ein Veteran – und Othello hat wie ein Veteran gespielt und dem Team die Richtung gezeigt. Dann war der Ball plötzlich leichter. (…) Der Druck entweicht. (…) In der ersten Halbzeit haben wir gute Würfe genommen, aber alle offenen verfehlt. Im modernen Basketball ist es dann sehr schwierig, zu spielen und mitzuhalten. Dann brauchst du einen Funken und einen Veteran, der dir den Weg zeigt. Wir sind ihm gefolgt und jeder hat ein großartiges viertes Viertel gespielt. (…) Er hat mit dem Willen und mit dem Verlangen geworfen, zu scoren. (…) Wir haben drei Viertel geworfen, weil wir offenstanden – aber ohne das Feuer in den Augen, das Ding auch reinzuhauen. So kamen wir zurück und hatten ein unglaubliches letztes Viertel. Wir haben die Rebounds 36:23 gewonnen, das war wichtig. (…)

Meine Spieler sind die besten der Welt, egal, mit welchen ich spiele. (…) Wir haben einen der jüngsten Starting-Point Guards der EuroLeague, Winston, auch Gillespie hat nie in Europa gespielt. Deshalb brauchst du den richtigen Mix, wie bei einem Cocktail. Rubit und Hunter sind unsere Routiniers, einen anderen großen Veteran, Lucic, vermissen wir noch. Sie sind sehr wichtig, aber ich denke, das hier ist ein Sieg des Teams.“

Othello Hunter: „Es war die zweite Gruppe von der Bank, die im dritten Viertel auf das Parkett kam, die das Spiel heute gedreht hat. Sie haben gute Defense gespielt, sind nach jedem Ball getaucht. Wir haben unseren Glauben nie aufgegeben und dann Würfe getroffen, Würfe bekommen. Meine Teamkollegen haben sie mir gegeben, mehr war es nicht von mir.“ 

Niels Giffey: „Das war ein Sieg, bei dem wir uns in der zweiten Halbzeit von einem großen Rückstand zurückkämpfen mussten. Es war gut, dass wir dabei mental stark geblieben sind und unseren Kopf im Spiel gehalten haben. Denn dann haben wir zusammen guten Basketball gespielt. Wir haben angefangen, unsere Würfe zu treffen. Außerdem haben wir mit höherer Geschwindigkeit gespielt, schnelle Würfe genommen und die schnellen auch gemacht. Das war der Schlüssel. In der ersten Halbzeit fielen die Dreier nicht, es lief nicht für uns. Aber in der zweiten Hälfte haben wir den Ball gepasst, das Spiel beschleunigt.“

Ergin Ataman, Coach Efes: „Wir haben im letzten Viertel aufgehört, Basketball zu spielen. Daher Glückwunsch an Bayern, die ihre Würfe getroffen haben.“

Das Spiel:

Die erste Fünf bildeten, wie schon vor rund einer Woche gegen Fenerbahce Istanbul, Cassius Winston, Nick Weiler-Babb, Isaac Bonga, Augustine Rubit und Freddie Gillespie. Während der Kölner Center Tibor Pleiß die Türken direkt auf die Tafel brachte, war auf der anderen Seite einmal mehr auf Rubit verlass. Gemeinsam mit Weiler-Babb und Winston sorgte er für einen guten Start (11:7 Sicht des FCBB/4. Minute). Der Euroleague-Titelverteidiger brauchte jedoch nicht lange, um den Münchner Drang zu stoppen. Die frühe Foulbelastung und schwache Dreierquote der Gäste kamen Anadolu entgegen. Doch Chefcoach Trinchieri erkannte das Problem und animierte in einer Auszeit zum Zug zum Korb. Dieses Mittel erwies sich als äußert effektiv und wurde mit einer 24:21-Führung zum Ende des ersten Viertels belohnt.

Auch im zweiten Abschnitt blieben die meisten durchaus freien Dreier auf Seiten der Münchner verwehrt (20 Prozent zur Halbzeit), während der Champion langsam warm wurde. Rodrigue Beaubois und Amath M’Baye hießen die ersten Optionen – 26:29. Auch wenn in sechs Minuten nur zwei Punkte gelingen wollten, schaffte es das Trinchieri-Team mit guter Defensive, in der Partie zu bleiben. Niklas Wimberg ging voran und machte es Ante Zizic richtig schwer – Und plötzlich war Othello Hunter da! Der erfahrene Big Man versenkte ohne zu zögern einen Dreier und ließ es kurz darauf nach einem Traumanspiel von Winston krachen. Mit viel Einsatz blieb das Spiel gegen den Favoriten zur Halbzeit offen – 36:40.

Efes kommt engagierter aus der Pause – Bayern antowortet

In der zweiten Hälfte hatten sich Shane Larkin und Vasilije Micic etwas vorgenommen. War das gefürchtete Guard-Duo zu Beginn noch blass, waren die beiden an den ersten acht Punkten im dritten Viertel beteiligt (41:48/24.). Wieder gerieten die Münchner früh in Foulprobleme. Efes nutzte das für einen 17:5-Lauf innerhalb von fünf Minuten. Die Topstars der EuroLeague machten nun einen deutlich engagierten Eindruck und ließen nur noch wenig zu. Doch trotz der scheinbaren Übermacht bewahrten sich die Gäste ihren Kampfgeist. Gillespie brachte mit einem Block und zahlreichen Rebounds viel Energie von der Bank. Jaramaz kümmerte sich hingegen um die Punkte. Ein verloren geglaubtes Viertel wurde plötzlich wieder eng – 59:64.

Energie von der Bank, die Dreier fallen

Nach einem kurzen Ausfall der Lichtanlage kamen die Gastgeber besser in den Schlussabschnitt. Elijah Bryant und Vasilije Micic brachten die Türken in die Spur – Auszeit Trinchieri (61:68/32.). Jaramaz knüpfte an sein gefundenes Scoring an und verwandelte zwei Würfe im Rückwärtsfallen. Fünf Minuten vor dem Ende glich ein weiterer Hunter-Dreier das Spiel aus – 74:74. Endlich schienen die Würfe auch von außen zu fallen. Rubit und Giffey schlossen sich an, ehe Topscorer Hunter seinen vierten Dreier folgen ließ - Auszeit Ataman (83:77/37.). Das Momentum war plötzlich auf Seiten der Bayern. Rubit zerlegte die Defensive, die mit der frischen Spielfreude überfordert wirkten. Die zunehmend hektischen Abschlüsse halfen Istanbul nicht mehr, näher heranzukommen. Die großen Überraschung des Außenseiters war perfekt (89:81).


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