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Bayern bezwingt Champion Efes verdient 81:78

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Die nächste starke Leistung gegen einen Titelanwärter, sogar die bisher beste der Saison – und endlich hat es für den längst verdienten ersten Sieg gereicht! Die Bayern-Basketballer triumphierten am sechsten EuroLeague-Spieltag über den zweimaligen Champion Efes Istanbul im mit 6.500 Fans erneut ausverkauften Audi Dome mit 81:78 (38:39) Punkten. Beste Scorer waren Winston (16/7 Assists) und Bonga (12/8 Rebounds).

Schon am Sonntag, 18 Uhr, geht es für den FCBB mit einem BBL-Heimderby gegen Bayreuth weiter.

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Die Münchner - immer noch ohne Othello Hunter (Oberschenkel) - begannen unbeeindruckt von der Prominenz auf der Gegenseite, führten 36:32 (18.). Nach der Pause lag der Favorit um MVP Micic (24) erstmals etwas klarer vorn beim 55:48 - doch leidenschaftliche Bayern machten mit Unterstützung ihrer Fans aus dem Duell endgültig einen packenden Eurofight und kamen zurück - 59:56 (29.)!

Bis auf 77:67 (35.) preschten sie vor, verloren dann aber Rubit mit fünf Fouls. Bei 25 Sekunden auf der Uhr hieß es 81:78 - diesmal hielt die Führung, auch dank 18 Offensivrebounds.

FC Bayern Basketball – Anadolu Efes Istanbul 81:78 (38:39)

FCBB:

Cassius Winston (16 Punkte/ 7 Assists), Isaac Bonga (12/ 8 Rebounds), Elias Harris (10), Nick Weiler-Babb (9), Vladimir Lucic (9/4 Assists), Andreas Obst (8), Freddie Gillespie (8/7 Rebounds), Paul Zipser (5), Augustine Rubit (4), Ognjen Jaramaz, Corey Walden und Niklas Wimberg.

Topscorer Efes Istanbul:

Vasilije Micic (24 Punkte)

Schiedsrichter

Daniel Hierrezuelo, Saso Petek, Adar Peer

Zuschauer

6.500 (ausverkauft)

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB):18:18, 20:21, 24:22, 19:17

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 54 % (FCBB) // 61 % (Efes); Dreier-Quote: 29 % // 25 %; Freiwurf-Quote: 74 % // 84 %; Rebounds: 40 // 35; Assists: 15 // 13; Ballverluste: 8 / /10

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri, Chefcoach München: „Ich bin sehr happy für meine Spieler, auch für unsere Fans, denn es war eine unglaubliche Atmosphäre. Die maximale Differenz in den Vierteln waren zwei Punkte, das war ein Basketballspiel auf hohem Niveau. Ich bin sehr stolz, dass wir es gewinnen konnten. Wir haben als Team gespielt, haben Fehler überstanden und immer versucht, einen anderen Spieler zu finden, der uns helfen konnte, und das auf beiden Seiten des Courts. Das Reboundduell gewonnen zu haben, war entscheidend. Wir haben nicht gut geworfen, aber alle Dreier waren offen, wir müssen nur in diese Richtung weitergehen. Wir haben uns im letzten Viertel noch mal gesteigert und das Team kommt endlich mit allen Teilen des Puzzles zusammen. (...) Trainer haben eine Menge Narben (...) und es ist besser, dass Coaches sie haben und nicht die Spieler. Meine Spieler haben heute nicht über die fünf Niederlagen nachgedacht, das war großartig. Wir haben uns stets nur auf das nächste Play konzentriert. (...) Bonga hat keine echte Position, im positiven Sinne, er war in vielerlei Sicht großartig; zusammen mit Lucic bist du mit ihm sehr vielseitig. Elias spielt mit einer unglaublichen Energie, aber natürlich ist er frisch – aber er hat ja auch drei Monate nichts gemacht! (...) Die Sehnsucht zu gewinnen war heute größer als der Kummer über die fünf Niederlagen. (...) Das war ein Sieg des Teams."

Ergin Ataman, Chefcoach Efes: „Das Spiel war sehr aufregend. In jedem Viertel gab es zahlreiche Führungswechsel. Wir haben uns einen guten Vorsprung im dritten Viertel herausgespielt, haben dann aber innerhalb von zwei Minuten einen 9:0-Lauf kassiert. Sie haben in der Phase ihre Dreier aus dem Schnellangriff gefunden. Der Grund für die Niederlage liegt aber in den 18 Offensiv-Rebounds, die wir zugelassen haben. Dadurch hat sich Bayern mehr Wurfchancen erarbeitet und den Sieg verdient. Ich wusste, dass es hier schwer wird. Bayern hat hier nur mit einem Punkt gegen Mailand verloren und einige Partien erst im letzten Moment. Es war also klar, dass das ein schweres Auswärtsspiel wird."

Vladimir Lucic: „Wir haben unsere Chancen verpasst, in den vergangenen Spielen zu gewinnen. Es ist daher schön, jetzt einen Sieg zu holen und das gegen den zweifachen Champion. Wir waren nicht glücklich mit dem Start, obwohl wir teilweise eine solide Perfomance gezeigt haben. Das war daher ein wichtiger Sieg für uns."

Issac Bonga: „Es hat sich gut angefühlt nach einer langen Zeit, die ich nicht auf dem Feld stehen konnte. Es war ein schwieriges Spiel gegen den Titelverteidiger. Gegen so ein Team musst du 40 Minuten lang gut spielen und das haben wir heute gemacht. Wir haben viele neue Leute, da braucht es ein bisschen Zeit, bis sich alle untereinander verstehen. Heute sind wir da einen Schritt nach vorne gegangen. Aber Basketball ist ein Spiel der Läufe. Wir hoffen, die Energie auch in die nächsten Spiele nehmen zu können. (...) Das EuroLeague-Spiel gegen Berlin in der kommenden Woche ist aber noch nicht das nächste. Ich schaue jetzt erstmal konzentriert auf das Spiel gegen Bayreuth."

Herbert Hainer, FCB-Präsident: „Das war ein fantastisches Spiel, von beiden Mannschaften mit sehr hohem Tempo und hohem Niveau geführt, dazu unheimlich spannend. Ich glaube, heute man den wahren FC Bayern Basketball gesehen."

Das Spiel:

Die Starting Five von Trinchieri bestand aus Nick Weiler-Babb, Andreas Obst, Vladimir Lucic, Paul Zipser und Freddie Gillespie. In einem munteren Auftakt spielte speziell Zipser groß auf. Ohne zu zögern nahm die Nummer 16 einen Dreier und ließ einen krachenden Dunk folgen. Auch die übrigen Starter blieben angesichts des Starensembles aus Istanbul unbeeindruckt. Lucic und Obst legten nach und sorgten für einen guten Start (11:10/6.). Der Flow änderte sich auch nicht mit den beiden Neuzugängen – Isaac Bonga scorte zehn Sekunden nachdem er auf das Feld kam, Elias Harris zog das Offensiv-Foul gegen Ante Zizic. Bonga beendete wenig später das erste Viertel mit einem Ausrufezeichen, indem er Achille Polonara stehen ließ und per Dunk zum 18:18 ausglich.

Das Spiel blieb auch in den zweiten zehn Minuten auf Augenhöhe. Gillespie dominierte die Bretter und holte innerhalb kurzer Zeit drei Offensiv-Rebounds. Doch der zweifache Eurolegaue-Champion nutzte im Gegenzug seine Klasse auf den Guard-Positionen. Will Clyburn und Vasilije Micic beschäftigen die Defensive mit ihren facettenreichen Bewegungen (29:32/15.). Aber die Bayern hielten das hohe Niveau. Lucic lief nach herausragender Team-Defense zweimal einen perfekten Fastbreak. Nach dem daraus resultierenden Dreier von Cassius Winston blieb Coach Ergin Ataman nur die Auszeit (36:32/18.). Clyburn nahm den 7:0-Lauf der Hausherren persönlich und brachte sein Team mit 14 Punkten zur Pause wieder hauchdünn in Front (38:39).

Winston und Bonga führen einen 9:0-Lauf an

In der zweiten Halbzeit kam Efes mit einem besseren Rhythmus aus der Kabine und brachte die Hausherren früh in Foulprobleme. Ex-Münchner Micic strukturierte den Angriff, sah sich aber immer wieder einer roten Wand gegenübergestellt (45:47/23.). Gleichzeitig schraubte Weiler-Babb an der bis dahin ausbaufähigen Dreierquote (2 von 9 in der ersten Halbzeit). Seine beiden Treffer sorgten dafür, dass die Türken nicht enteilten. Wenig später ließen sich Bonga und Winston anstecken und machten den 9:0-Lauf perfekt - Auszeit Ataman (57:55/27.). Selbst bei dem ausgeglichen Spielstand ließ es sich Lucic nicht nehmen zu zaubern und Gillespie an dem verdutzten Zizic vorbei hinter dem Rücken anzuspielen. Weiler-Babb heizte die Stimmung im Audi Dome weiter an, indem er zum Ende des Viertels seinem eigenen Wurf hinterherging und mit Foul punktete – 62:61.

Die entfachte Euphorie trug die Gastgeber ins vierte Viertel. Obst und Winston trafen von Downtown, Harris schickte Polonara aufs Poster. Diesmal war es der Titelverteidiger, der innerhalb von drei Minuten fünf Fouls sammelte und in Rückstand geriet (72:65/33.). Harris zeigte unterdessen all seine Erfahrung unter dem Korb und ließ die Verteidigung ins Leere fliegen. Doch der Champion ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und kam über Micic wieder heran – Auszeit Trinchieri (77:74/36.). In einer dramatischen Schlussphase holten die Bayern vier immens wichtige Offensive Rebounds und bekamen Harris in Szene gesetzt (80:76/39.). Doch trotz dritter und vierte Wurfchancen wollte der Ball nicht fallen und Clyburn verkürzte 26 Sekunden vor Schluss auf zwei Punkte. Winston stellte eine Sekunde später von der Linie auf 81:78. Doch sowohl Clyburn und Micic vergaben die eng verteidigten Dreier. Harris ließ den entscheidenden Korbleger in den letzten fünf Sekunden zwar liegen, doch Clyburn vergab aus dem Halbfeld und es kam zum ersehnten ersten Saisonsieg in der Euroleague (81:78).


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