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Letztes Aufgebot der Bayern verliert 67:75

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Kein Kunststück in Kaunas: Die ersatzgeschwächten Bayern-Basketballer haben zwar Litauens Aushängeschild Zalgiris vor 15.400 Fans lange einen guten Fight geliefert, verpassten aber beim 67:75 (35:44) den sechsten Saisonsieg in der EuroLeague. Am Tag nach dem Fest sind die Münchner schon wieder im Einsatz, in Mannheim gegen Heidelberg (27.12., 20.30 Uhr).

Zum Spielplan

Ohne Lucic, Obst, Babb und Jaramaz 

Die Bayern boten in Kaunas mit zehn Spielern im Grunde ihr letztes Aufgebot auf, da neben den Ellenbogen-Patienten Lucic und Obst auch Jaramaz und Weiler-Babb (Infekt) erkrankt fehlten. Somit hatte (der später disqualifizierte) FCBB-Coach Trinchieri  in Walden und Winston nur zwei echte Guards dabei, ablesbar an sieben Turnovers allein im ersten Viertel (am Ende 17).

In einem physischen Duell war zunächst Gillespie am Ring die Stütze, ehe Kaunas aus der Distanz traf (18:26/10.). Der FCBB konterte, kassierte aber vor der Pause ab dem 28:26 ein 4:16 - 32:42 (20.).

Topscorer Walden

Der Gast (Walden: 18 Punkte) verpasste nach der Pause viele Chancen, den Unterschied machte letztlich Zalgiris‘ US-Schütze Evans (32) aus - die Defense-Spezialisten Babb und Jaramaz wurden schmerzlich vermisst. 

BC Zalgiris Kaunas – FC Bayern Basketball 75:67 (44:35)

FCBB:

Corey Walden (18 Punkte), Augustine Rubit (17 Punkte/9 Rebounds), Cassius Winston (10/9 Assists/4 Steals), Niels Giffey (10), Paul Zipser (6), Isaac Bonga (4/4 Steals), Freddie Gillespie (2/8 Rebounds), Othello Hunter, Elias Harris und Niklas Wimberg.

Topscorer Kaunas:

Keenan Evans (32 Punkte)

Schiedsrichter

Juan Carlos Garcia, Robert Vyklicky, Maxime Boubert

Zuschauer

15.400

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 21:26, 14:18, 13:16, 15:19

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 34 % (FCBB) // 40 % (Kaunas); Dreier-Quote: 31 % // 43 %; Freiwurf-Quote: 94 % // 65 %; Rebounds: 38 //43; Assists: 14 // 10; Ballverluste: 17 // 19

Die Stimmen:

Corey Walden: „Wir haben mit diesem Team eine gute Leistung gezeigt, aber natürlich zu viele Fehler gemacht. Wir konnten unseren Job in der Defense nicht erledigen. Das Gute ist, dass wir zusammengeblieben sind und nie aufgegeben haben.“ 

Adriano Vertemati, Assistenztrainer FCBB: „Erst einmal Glückwunsch an Zalgiris. Sie haben mit viel Energie in einer großartigen Halle gespielt. Offensichtlich hatten wir Probleme, Evans und Ulanovas zu verteidigen. Unser großes Problem heute war aber vor allem, dass uns mehrere Guards gefehlt haben. Sie haben dagegen ein gutes Momentum aufgebaut, speziell als wir im dritten Viertel nicht viel gepunktet haben. Als wir 17 Punkte hinten waren, wussten wir dennoch, dass jeder Punkt zählt, nicht nur für dieses Spiel. Also haben wir bis zum Ende gekämpft und sind daher stolz auf unser Spiel.“

Kazys Maksvytis, Chefcoach Kaunas: „Unsere Geduld und Physis hat sich heute ausgezahlt, um das Spiel zu gewinnen. Meine Spieler haben viel Druck ausgeübt und haben versucht, keine Punkte durch Schnellangriffe oder Dreier zuzulassen. Das hat über große Teile des Spiels funktioniert. Wir hatten speziell am Anfang den Ball gut unter Kontrolle und haben uns dadurch einen Vorsprung erarbeitet. Glückwunsch an die Spieler und die Fans und fröhliche Weihnachten.“

Das Spiel:

Den Anfang in einer der stimmungsvollsten Hallen der Welt machten Corey Walden, Isaac Bonga, Niels Giffey, Augustine Rubit und Freddie Gillespie. Die Bayern ließen sich nicht einschüchtern. Rückkehrer Giffey zeigte, dass er die Korbanalgen noch kannte und versenkte gleich den ersten Dreier. Walden kannte ebenso nur einen Modus – Attacke! Sieben Punkte legte der Guard in den ersten fünf Minuten auf und zwang Coach Kazys Maksvytis zur Auszeit – 12:8. Keenan Evans hatte etwas gegen den guten Start. Nach der Auszeit drehte der Scorer mit zwölf schnellen Punkten auf. Nach einem Dreier von Roland Smits tobten die gut 15.000 Fans. Sechs Münchner Ballverluste halfen Zalgiris, in einen Rhythmus zu kommen und das erste Viertel für sich zu entscheiden (21:26).  

US-Guard Keenan Evans (32 Punkte) war heute nicht zu stoppen.
US-Guard Keenan Evans (32 Punkte) war heute nicht zu stoppen. (c) Koroliovas

Im zweiten Viertel glich Cassius Winston das Turnover-Verhältnis aus. Gleich zweimal in 60 Sekunden klaute er den Ball und schickte Rubit einsam auf die Reise. Doch nach wie vor gab es scheinbar keine Antwort auf Evans, der die Offensive fast alleine trug (28:33/13.). Mit steigender Aggressivität der Litauer, standen sie jedoch schon nach drei Minuten bei fünf Teamfouls. Die Münchner nutzten das jedoch nur selten und wurden mit Korblegern auf der Gegenseite bestraft. Trinchieri missfiel das und sprach es in einer Auszeit an. Mit einer nachlassenden Dreierquote und einem weiterhin dominanten Evans (21 Punkte in 15 Minuten) ging die erste Hälfte an die Gastgeber – 35:44.

Das Spiel wird hektischer, Evans schwer zu stoppen

Zu Beginn der zweiten Hälfte war es wieder Winston (9 Assists), der seine Mitspieler mustergültig in Szene setzte, Giffey verwandelte ein Traumanspiel des Aufbauspielers und verkürzte auf 40:44 (22.). Allein die Quote aus dem Feld blieb ausbaufähig (33 Prozent). Die Zuschauer in der Zalgirio Arena genossen weiter die Solo-Show von Evans (53:44/16.). Das Spiel wurde nun immer hektischer. Auf beiden Seiten wurde der Ball fast im Sekundentakt weggeworfen. Aus der wilden Phase kam Zalgiris glücklicher heraus und setzte sich auch im dritten Viertel ein Stückchen weiter ab – 48:60.

Niels Giffey (rechts) wurde vor dem Spiel von seinem Ex-Klub verabschiedet.
Niels Giffey (rechts) wurde vor dem Spiel von seinem Ex-Klub verabschiedet.

Im Schlussviertel zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Die Bayern verteidigten solide und spielten sich gute Würfe heraus, verfehlten aber auch die offenen Spots. Bezeichnend dafür: Nach drei Minuten im vierten Viertel stand es 2:1. Die kurze Rotation trug ihr übriges zu der nachlassenden Treffsicherheit bei. Mit der hohen Spiel- und Reisebelastung schienen die Kräfte für eine Aufholjagd zu fehlen. Vier Minuten vor dem Ende musste auch noch Trinchieri nach seinem zweiten technischen Foul die Halle verlassen (54:69).

Die Bayern versuchten in den Schlussminuten – auch ohne Trinchieri, der vergebens auf klare Foulpfiffe wartete und zwei klare Technische erhielt –, die Intensität speziell defensiv hoch zu halten. Mit viel Kampfgeist drückten sie den Rückstand nochmal in den einstelligen Bereich. Es blieb jedoch zu wenig Zeit, um den cleverer Litauern nochmals gefährlich zu werden – 67:75.


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