Was raus muss, muss raus: Basti Schweinsteiger feiert 2009 gegen den BVB.
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Säbener Stories

Bayern gegen den BVB: Das legendäre 71:1 – und immer wieder Kloppo

Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.

Am Samstag steigt in der Allianz Arena wieder der Bundesliga-Clásico Bayern gegen Dortmund. Einst schenkte der FCB den Borussen elf Tore ein. Später trieb uns Jürgen Klopp, heute Bundestrainer, in die Verzweiflung. Immer wieder Kloppo! Doch dann haben wir den Spieß umgedreht, beim „Heiligen Spiel“ 2013 in Wembley. Diese Säbener Story erzählt von einer zerbrochenen Brille, von verrutschten Elfmetern, 120 Prozent Gegenpressing und von einer magischen Nacht gegen Klopps BVB.

Auch wenn es nicht 71:1 ausging, wie 1971 auf der Anzeigetafel – das 11:1 war unser Rekordsieg gegen den BVB.
Auch wenn es nicht 71:1 ausging, wie 1971 auf der Anzeigetafel – das 11:1 war unser Rekordsieg gegen den BVB. | © Imago

1971: Elf Tore, aber 71 auf der Tafel

Am 27. November 1971 zerlegt Bayern den BVB im Grünwalder Stadion mit 11:1 regelrecht in seine Einzelteile. Vier Tore von Gerd Müller! Dortmunds Torwart Jürgen Rynio hadert: „Ich war die ärmste Sau.“ Weil dem Anzeigetaferl in der Westkurve die Einsen ausgehen, muss ersatzweise eine Sieben als Einser herhalten. Am Ende steht 71:1 darauf. Und für die armen Borussen von Trainer Horst Witzler (der drei Wochen später gehen muss) hat es sich tatsächlich beinahe so hoch angefühlt.

Auch diese Säbener Story beginnt in schwarzweiß: Uli Hoeneß und Gerd Müller jubeln 1971 gegen den BVB.
Auch diese Säbener Story beginnt in schwarzweiß: Uli Hoeneß und Gerd Müller jubeln 1971 gegen den BVB. | © Imago

Doch zum Bundesliga-Klassiker wird #FCBBVB (oder umgekehrt) erst, als 2008 Jürgen Klopp in Dortmund übernimmt: „Mr. Gegenpressing“, der Pöhler mit tonnenweise Charisma. Was hat der Kerl uns geärgert – und wir ihn auch!

2009 bis 2011: Erst fünf Tore, dann eine ruinierte Brille

Erstmal läuft alles nach Bayern-Plan. Nach einem FCB-Sieg und einem Remis in der ersten Klopp-Saison überrennt Louis van Gaals Mannschaft Dortmund am 12. September 2009 auswärts mit 5:1. Thomas Müller trifft doppelt. Doch der Pöhler bastelt an einer Waffe, gegen die selbst Franck Ribéry und Arjen Robben zwischenzeitlich kaum ein Mittel finden: 120 Prozent Gegenpressing!

Lass dich umarmen, Trainer! 2009 mit Franck Ribéry und Louis van Gaal war noch alles in Ordnung gegen Dortmund.
Lass dich umarmen, Trainer! 2009 mit Franck Ribéry und Louis van Gaal war noch alles in Ordnung gegen Dortmund. | © Imago

Am 26. Februar 2011 schlägt Klopp zurück: 3:1 in München! Lucas Barrios, Nuri Şahin und Mats Hummels treffen, die Meisterschaft ist für Bayern damit praktisch futsch. Beim Jubeln erwischt Şahin seinen Trainer im Gesicht. Die Brille bricht, Kloppo blutet sogar ein wenig und wundert sich: „Die ist eigentlich unkaputtbar.“

Das Brillen-Wrack landet im BVB-„Borusseum“. Später versuchen Versicherungsbetrüger, mit Fotos davon neue Brillen abzurechnen. Fußballgeschichte mit Durchblick!

Brille futsch, Bayern-Sieg auch! 2011 kommt Kloppos BVB-Erfolgsmaschine ins Rollen.
Brille futsch, Bayern-Sieg auch! 2011 kommt Kloppos BVB-Erfolgsmaschine ins Rollen. | © Imago

Warum Klopps Gegenpressing Bayern auffrisst

Jürgen Klopps Geheimnis? Nach einem Ballverlust greifen seine Spieler sofort gemeinsam an. Nicht zurücklaufen, sondern voll drauf! Zwei, drei Dortmunder nehmen Ribéry oder Robben in die Zange, schließen Passwege und erzwingen Fehler. Der Gegner, in diesem Fall der FC Bayern, erobert den Ball – und verliert ihn gleich wieder. Klopp nennt Gegenpressing den „besten Spielmacher“. Für uns ist es eine Mausefalle.

Jürgen Klopp jubelt, und unsere Stars wie Toni Kroos schauen sparsam. Das passiert zwischen 2010 und 2012 viel zu oft.
Jürgen Klopp jubelt, und unsere Stars wie Toni Kroos schauen sparsam. Das passiert zwischen 2010 und 2012 viel zu oft. | © Imago

Tulpen-General Louis van Gaal hat mit Ballbesitz und Flügelspiel zunächst noch eine Antwort. Doch dauerhaft reicht das nicht: Dortmund wird immer schneller, Bayerns Positionsspiel immer berechenbarer. Von 2010 bis 2012 gewinnt der BVB fünf Pflichtspiele hintereinander gegen uns. Jürgen Klopp hat den Bayern-Code geknackt – vorerst!

2012: Robben verzweifelt, Lewandowski feiert

Am 11. April 2012 trifft FCB-Aspirant Robert Lewandowski daheim in Dortmund in der 77. Minute per Hacke zum entscheidenden 1:0. Arjen Robben könnte in der 86. per Elfmeter ausgleichen – doch Roman Weidenfeller hält. Dortmunds Neven Subotić, neben dem Platz ein überaus feiner Mensch, brüllt unserem Niederländer provokativ ins Gesicht. Selbst Klopp räumt ein: „Das war sicherlich unnötig.“

Hätte es nicht gebraucht: Neven Subotić wirft Arjen Robben Unschönes an den Kopf.
Hätte es nicht gebraucht: Neven Subotić wirft Arjen Robben Unschönes an den Kopf. | © Imago

Der BVB ist mit dem Sieg auf dem Weg zur zweiten Meisterschaft in Folge (aber auch zur bisher letzten). Der angehende Clásico wird immer noch hitziger – falls das überhaupt möglich ist.

2012: Echte Diebe! Der BVB „klaut“ uns den Pokal – und wie!

Am 12. Mai 2012 folgt die nächste Bayern-Abreibung: Dortmund gewinnt das Pokalfinale 5:2! Robert Lewandowski trifft dreimal – der könnte wirklich einer für uns sein! Klopp holt das Double. Vor dem Finale zeigt er seinen Spielern einen Motivationsfilm: Mondlandung, Muhammad Ali, Kennedys Berlin-Rede. Der Haken: Die jungen Kicker kennen vieles davon gar nicht.

Über den Wolken: Jürgen Klopp und Michael Zorc feiern den BVB-Pokalsieg 2012.
Über den Wolken: Jürgen Klopp und Michael Zorc feiern den BVB-Pokalsieg 2012. | © Imago

„Für die Jungs boxten da bloß zwei alte Männer bei schlechter Bildqualität“, spottet Kloppo später. Eine Woche danach verliert der FCB das Champions League-„Finale dahoam“ gegen Chelsea. Blödes Jahr war das.

2013: Ein Jupp gegen Klopps Zauberformel

Jupp Heynckes hat längst genug von Schwarzgelb. Er dreht den Spieß nach und nach um. Bayern holt Javi Martínez, Dante und Mario Mandžukić. Jupp verlangt auch von Franck Ribéry und Arjen Robben noch mehr Defensivarbeit. Der FCB presst nun selbst, gewinnt zweite Bälle und unterbindet die Konter.

Wembley kann kommen: Mario Gómez und Arjen Robben feiern den Sieg im Pokal-Viertelfinale 2013.
Wembley kann kommen: Mario Gómez und Arjen Robben feiern den Sieg im Pokal-Viertelfinale 2013. | © Imago

Mandžukić jagt Verteidiger, Martínez räumt auf, die Offensiv-Helden helfen hinten mit. Die Revanche beginnt. „Franck Ribéry hat noch nie so gut gespielt wie in dieser Saison“, lobt Jupp dessen Defensivarbeit. Am 27. Februar 2013 trifft Robben im Pokal-Viertelfinale aus 18 Metern zum 1:0-Endstand. Der nächste Schritt zum Triple.

Wembley 2013: Der Arjen hat’s gemacht!

Showdown in Wembley, 25. Mai 2013. Bayern und Dortmund treffen sich zum ersten rein deutschen Champions League-Finale. Ach was: Sie prallen aufeinander! 86.298 Zuschauer, ein Pott mit zwei Henkeln, zwei Bundesliga-Mannschaften – und eine gehörige Portion Angst auf unserer Seite, schon wieder Zweiter zu werden.

Es wird Jupps größter Abend. Doch zunächst spielt der BVB, als hätte Klopp seinen Männern Raketen an die Schuhe geschraubt. „Dortmund hat losgelegt wie die Feuerwehr“, erinnert sich Manuel Neuer. Doch Marco Reus, Robert Lewandowski und Kuba Błaszczykowski scheitern am überragenden Manu.

Als Bayern endlich ins Spiel findet, vergeben Robben und Mandžukić. Erst in der 60. Minute gelingt der Durchbruch: Robben tankt sich links durch, bringt den Ball herein, Mandžukić drückt ihn über die Linie. Der Kroate sagt später: „Wenn ich den Ball nur einen Millimeter unsauber treffe, geht er über das Tor.“ Im entscheidenden Augenblick werde das Bein „plötzlich hundert Kilo schwer“.

Flieg, Josef, flieg! Beim unvergesslichen Wembley-Sieg knacken wir den Kloppo-Code.
Flieg, Josef, flieg! Beim unvergesslichen Wembley-Sieg knacken wir den Kloppo-Code. | © Imago

İlkay Gündoğans Elfmeter-Ausgleich acht Minuten später weckt ungute Erinnerungen an Chelsea im Jahr davor. Darauf kann es nur eine Antwort geben: ARJEN! Die magische 89. Minute: Jérôme Boateng spielt einen langen Ball nach vorne. Franck Ribéry legt mit der Hacke ab, Robben schlüpft zwischen Hummels und Subotić durch, schiebt an Weidenfeller vorbei.

Die Kugel kullert beinahe in Zeitlupe ins Tor. 2:1! „Dass der Ball so langsam ins Tor rollte, machte es noch schöner“, erinnert sich Arjen. Der tragische Held von 2012 verwandelt Bayern zum fünften Mal in die Könige Europas.

Für uns ist es die Nacht, in der aus „Vize-Bayern“ endlich wieder Sieger-Bayern werden. Eine Woche später folgt der DFB-Pokal und damit das erste Triple. Der Arjen hat’s gemacht – und Kloppo hat nicht gelacht.

2014: Schach-Duell zwischen Pep und Kloppo

Nach dem Triple darf der große Jupp Heynckes heim zu Iris und Cando, Pep Guardiola wirft seine Zaubermaschine an. Aus dem Clásico wird ein Schachduell: Pep liebt den Ball, Klopp will ihn ihm wegnehmen. Im November 2013 eröffnet Guardiola mit einem 3:0 in Dortmund. Im April 2014 kontert Klopp mit einem 3:0 in München. Jeder Zug ein Risiko!

2013 war unser Jahr! Torschütze Mario Götze und Rafinha jubeln bei unserem 3:0 in Dortmund.
2013 war unser Jahr! Torschütze Mario Götze und Rafinha jubeln bei unserem 3:0 in Dortmund. | © Imago

Im Pokalfinale 2014 zieht Pep die nächste Figur: Dreierkette, bei Ballverlust Fünferkette. Arjen Robben und Thomas Müller treffen in der Verlängerung zum 2:0. Kalle Rummenigge verliebt sich: „Dieser Trainer hat geniale Züge.“

2015: Klopp-Abschied mit Bayern-Ausrutschern

Doch Kloppo hat sich seinen besten Zug bis zum Schluss aufgehoben. Im Pokal-Halbfinale 2015 in der Allianz Arena steht es nach Verlängerung 1:1. Elfmeterschießen! Jetzt kippen bei Bayern die Figuren reihenweise um: Philipp Lahm und Xabi Alonso rutschen weg, Mario Götze scheitert, der nach vorne geeilte Manuel Neuer trifft die Latte.

Adios, mein Freund! 2015 bringt das letzte Duell zweier großer Trainer in Deutschland. In der Premier League geht's weiter. Und wie!
Adios, mein Freund! 2015 bringt das letzte Duell zweier großer Trainer in Deutschland. In der Premier League geht's weiter. Und wie! | © Imago

Vier Bayern-Schützen, null Tore! Dortmund reichen schmale zwei Treffer im Elfmeterschießen fürs Pokalendspiel. Kloppo jubelt: „Es sollte heute sein!“ Das finale Duell endet mit einem Schachmatt für Pep. Es ist der letzte große Streich des scheidenden BVB-Trainers gegen den FC Bayern.

Fazit: Das hat (meistens) verdammt viel Spaß gemacht gegen Euch, Kloppo. Und jetzt viel Erfolg als Bundestrainer! Aber pass bloß gut auf unsere Jungs auf!

Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“

Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.

In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent (und gute Besserung)! Auf geht‘s, Danksy!

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