



Säbener Stories
Do | 29.10.2026 | 12:18
Bayern gegen den BVB: Das legendäre 71:1 – und immer wieder Kloppo
Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.
Am Samstag steigt in der Allianz Arena wieder der Bundesliga-Clásico Bayern gegen Dortmund. Einst schenkte der FCB den Borussen elf Tore ein. Später trieb uns Jürgen Klopp, heute Bundestrainer, in die Verzweiflung. Immer wieder Kloppo! Doch dann haben wir den Spieß umgedreht, beim „Heiligen Spiel“ 2013 in Wembley. Diese Säbener Story erzählt von einer zerbrochenen Brille, von verrutschten Elfmetern, 120 Prozent Gegenpressing und von einer magischen Nacht gegen Klopps BVB.

1971: Elf Tore, aber 71 auf der Tafel
Am 27. November 1971 zerlegt Bayern den BVB im Grünwalder Stadion mit 11:1 regelrecht in seine Einzelteile. Vier Tore von Gerd Müller! Dortmunds Torwart Jürgen Rynio hadert: „Ich war die ärmste Sau.“ Weil dem Anzeigetaferl in der Westkurve die Einsen ausgehen, muss ersatzweise eine Sieben als Einser herhalten. Am Ende steht 71:1 darauf. Und für die armen Borussen von Trainer Horst Witzler (der drei Wochen später gehen muss) hat es sich tatsächlich beinahe so hoch angefühlt.

Doch zum Bundesliga-Klassiker wird #FCBBVB (oder umgekehrt) erst, als 2008 Jürgen Klopp in Dortmund übernimmt: „Mr. Gegenpressing“, der Pöhler mit tonnenweise Charisma. Was hat der Kerl uns geärgert – und wir ihn auch!
2009 bis 2011: Erst fünf Tore, dann eine ruinierte Brille
Erstmal läuft alles nach Bayern-Plan. Nach einem FCB-Sieg und einem Remis in der ersten Klopp-Saison überrennt Louis van Gaals Mannschaft Dortmund am 12. September 2009 auswärts mit 5:1. Thomas Müller trifft doppelt. Doch der Pöhler bastelt an einer Waffe, gegen die selbst Franck Ribéry und Arjen Robben zwischenzeitlich kaum ein Mittel finden: 120 Prozent Gegenpressing!

Am 26. Februar 2011 schlägt Klopp zurück: 3:1 in München! Lucas Barrios, Nuri Şahin und Mats Hummels treffen, die Meisterschaft ist für Bayern damit praktisch futsch. Beim Jubeln erwischt Şahin seinen Trainer im Gesicht. Die Brille bricht, Kloppo blutet sogar ein wenig und wundert sich: „Die ist eigentlich unkaputtbar.“
Das Brillen-Wrack landet im BVB-„Borusseum“. Später versuchen Versicherungsbetrüger, mit Fotos davon neue Brillen abzurechnen. Fußballgeschichte mit Durchblick!

Warum Klopps Gegenpressing Bayern auffrisst
Jürgen Klopps Geheimnis? Nach einem Ballverlust greifen seine Spieler sofort gemeinsam an. Nicht zurücklaufen, sondern voll drauf! Zwei, drei Dortmunder nehmen Ribéry oder Robben in die Zange, schließen Passwege und erzwingen Fehler. Der Gegner, in diesem Fall der FC Bayern, erobert den Ball – und verliert ihn gleich wieder. Klopp nennt Gegenpressing den „besten Spielmacher“. Für uns ist es eine Mausefalle.

Tulpen-General Louis van Gaal hat mit Ballbesitz und Flügelspiel zunächst noch eine Antwort. Doch dauerhaft reicht das nicht: Dortmund wird immer schneller, Bayerns Positionsspiel immer berechenbarer. Von 2010 bis 2012 gewinnt der BVB fünf Pflichtspiele hintereinander gegen uns. Jürgen Klopp hat den Bayern-Code geknackt – vorerst!
2012: Robben verzweifelt, Lewandowski feiert
Am 11. April 2012 trifft FCB-Aspirant Robert Lewandowski daheim in Dortmund in der 77. Minute per Hacke zum entscheidenden 1:0. Arjen Robben könnte in der 86. per Elfmeter ausgleichen – doch Roman Weidenfeller hält. Dortmunds Neven Subotić, neben dem Platz ein überaus feiner Mensch, brüllt unserem Niederländer provokativ ins Gesicht. Selbst Klopp räumt ein: „Das war sicherlich unnötig.“

Der BVB ist mit dem Sieg auf dem Weg zur zweiten Meisterschaft in Folge (aber auch zur bisher letzten). Der angehende Clásico wird immer noch hitziger – falls das überhaupt möglich ist.
2012: Echte Diebe! Der BVB „klaut“ uns den Pokal – und wie!
Am 12. Mai 2012 folgt die nächste Bayern-Abreibung: Dortmund gewinnt das Pokalfinale 5:2! Robert Lewandowski trifft dreimal – der könnte wirklich einer für uns sein! Klopp holt das Double. Vor dem Finale zeigt er seinen Spielern einen Motivationsfilm: Mondlandung, Muhammad Ali, Kennedys Berlin-Rede. Der Haken: Die jungen Kicker kennen vieles davon gar nicht.

„Für die Jungs boxten da bloß zwei alte Männer bei schlechter Bildqualität“, spottet Kloppo später. Eine Woche danach verliert der FCB das Champions League-„Finale dahoam“ gegen Chelsea. Blödes Jahr war das.
2013: Ein Jupp gegen Klopps Zauberformel
Jupp Heynckes hat längst genug von Schwarzgelb. Er dreht den Spieß nach und nach um. Bayern holt Javi Martínez, Dante und Mario Mandžukić. Jupp verlangt auch von Franck Ribéry und Arjen Robben noch mehr Defensivarbeit. Der FCB presst nun selbst, gewinnt zweite Bälle und unterbindet die Konter.

Mandžukić jagt Verteidiger, Martínez räumt auf, die Offensiv-Helden helfen hinten mit. Die Revanche beginnt. „Franck Ribéry hat noch nie so gut gespielt wie in dieser Saison“, lobt Jupp dessen Defensivarbeit. Am 27. Februar 2013 trifft Robben im Pokal-Viertelfinale aus 18 Metern zum 1:0-Endstand. Der nächste Schritt zum Triple.
Wembley 2013: Der Arjen hat’s gemacht!
Showdown in Wembley, 25. Mai 2013. Bayern und Dortmund treffen sich zum ersten rein deutschen Champions League-Finale. Ach was: Sie prallen aufeinander! 86.298 Zuschauer, ein Pott mit zwei Henkeln, zwei Bundesliga-Mannschaften – und eine gehörige Portion Angst auf unserer Seite, schon wieder Zweiter zu werden.
Es wird Jupps größter Abend. Doch zunächst spielt der BVB, als hätte Klopp seinen Männern Raketen an die Schuhe geschraubt. „Dortmund hat losgelegt wie die Feuerwehr“, erinnert sich Manuel Neuer. Doch Marco Reus, Robert Lewandowski und Kuba Błaszczykowski scheitern am überragenden Manu.
Als Bayern endlich ins Spiel findet, vergeben Robben und Mandžukić. Erst in der 60. Minute gelingt der Durchbruch: Robben tankt sich links durch, bringt den Ball herein, Mandžukić drückt ihn über die Linie. Der Kroate sagt später: „Wenn ich den Ball nur einen Millimeter unsauber treffe, geht er über das Tor.“ Im entscheidenden Augenblick werde das Bein „plötzlich hundert Kilo schwer“.

İlkay Gündoğans Elfmeter-Ausgleich acht Minuten später weckt ungute Erinnerungen an Chelsea im Jahr davor. Darauf kann es nur eine Antwort geben: ARJEN! Die magische 89. Minute: Jérôme Boateng spielt einen langen Ball nach vorne. Franck Ribéry legt mit der Hacke ab, Robben schlüpft zwischen Hummels und Subotić durch, schiebt an Weidenfeller vorbei.
Die Kugel kullert beinahe in Zeitlupe ins Tor. 2:1! „Dass der Ball so langsam ins Tor rollte, machte es noch schöner“, erinnert sich Arjen. Der tragische Held von 2012 verwandelt Bayern zum fünften Mal in die Könige Europas.
Für uns ist es die Nacht, in der aus „Vize-Bayern“ endlich wieder Sieger-Bayern werden. Eine Woche später folgt der DFB-Pokal und damit das erste Triple. Der Arjen hat’s gemacht – und Kloppo hat nicht gelacht.
2014: Schach-Duell zwischen Pep und Kloppo
Nach dem Triple darf der große Jupp Heynckes heim zu Iris und Cando, Pep Guardiola wirft seine Zaubermaschine an. Aus dem Clásico wird ein Schachduell: Pep liebt den Ball, Klopp will ihn ihm wegnehmen. Im November 2013 eröffnet Guardiola mit einem 3:0 in Dortmund. Im April 2014 kontert Klopp mit einem 3:0 in München. Jeder Zug ein Risiko!

Im Pokalfinale 2014 zieht Pep die nächste Figur: Dreierkette, bei Ballverlust Fünferkette. Arjen Robben und Thomas Müller treffen in der Verlängerung zum 2:0. Kalle Rummenigge verliebt sich: „Dieser Trainer hat geniale Züge.“
2015: Klopp-Abschied mit Bayern-Ausrutschern
Doch Kloppo hat sich seinen besten Zug bis zum Schluss aufgehoben. Im Pokal-Halbfinale 2015 in der Allianz Arena steht es nach Verlängerung 1:1. Elfmeterschießen! Jetzt kippen bei Bayern die Figuren reihenweise um: Philipp Lahm und Xabi Alonso rutschen weg, Mario Götze scheitert, der nach vorne geeilte Manuel Neuer trifft die Latte.

Vier Bayern-Schützen, null Tore! Dortmund reichen schmale zwei Treffer im Elfmeterschießen fürs Pokalendspiel. Kloppo jubelt: „Es sollte heute sein!“ Das finale Duell endet mit einem Schachmatt für Pep. Es ist der letzte große Streich des scheidenden BVB-Trainers gegen den FC Bayern.
Fazit: Das hat (meistens) verdammt viel Spaß gemacht gegen Euch, Kloppo. Und jetzt viel Erfolg als Bundestrainer! Aber pass bloß gut auf unsere Jungs auf!
Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“
Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.
In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent (und gute Besserung)! Auf geht‘s, Danksy!
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