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Der Präsident im Interview - Teil 2

Herbert Hainer: „Die Fans bedeuten schlichtweg alles“

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Im zweiten Teil unseres Interviews mit Herbert Hainer zieht der Präsident ein Fazit der Saison im Männer- und Frauenfußball sowie im Basketball. Zudem erläutert er die Ziele für die Zukunft, blickt auf die EM voraus und sagt, warum die Rückkehr der Fans in die Stadien für den Fußball so bedeutsam ist.

Das Interview mit Herbert Hainer

Herr Hainer, im Fußball hat der FC Bayern das Double von Männern und Frauen gefeiert, die Basketballer stehen im Finale um den Titel – es könnte ein Triple der besonderen Art werden. Was bedeutet das für den Klub?
„Das ist nach den historischen sechs Titeln im vergangenen Jahr eine Gesamtleistung, auf die alle stolz sein können, die dazu beigetragen haben. Dass unsere Fußballer nach diesen großen Erfolgen nicht nachgelassen haben und weiterhin so erfolgshungrig sind, zeugt von einem einzigartigen Charakter. Die Frauen haben eine unglaublich dominante Bundesliga-Saison gespielt und sind im Champions League-Halbfinale nur unglücklich ausgeschieden. Bei den Basketballern haben wir den Pokal gewonnen und sind beim Sprung in die internationale Spitze enorm vorangekommen, wir waren der erste deutsche Klub in den Playoffs der EuroLeague. Der FC Bayern kann mit dieser Saison einmal mehr wirklich sehr zufrieden sein.“

Wie wichtig ist es für den FC Bayern, eine erfolgreiche Frauenfußball-Abteilung zu stellen?
„Der FC Bayern muss immer das Ziel haben, die Nummer 1 zu sein. Und diesem Anspruch wird unsere Frauen-Abteilung absolut gerecht. Wir sind in Deutschland Spitze und zählen mittlerweile auch in Europa zu den Top-Adressen. Der Frauenfußball gewinnt international mehr und mehr an Bedeutung. Wir haben eine Tradition von über 50 Jahren Frauenfußball beim FC Bayern, das können in Europa die wenigsten Spitzenklubs von sich behaupten, und es ist heute für einen Top-Verein elementar, auch im Frauen-Bereich höchsten Ansprüchen gerecht zu werden. Diesem Ziel kommen wir immer näher.“

Wie sieht die Zukunft der Basketballer aus – mit der neuen Halle will Geschäftsführer Marko Pešić München zur Basketball-Hauptstadt von Europa machen. Ist das realistisch?
„Wir haben im vergangenen Sommer im Basketball unser Ziel in einem Dreijahres-Plan definiert, und das lautet, dass wir in Europa Schritt für Schritt in die absolute Spitze vorstoßen wollen. Der SAP Garden wird eine der modernsten Hallen der Welt, sie bietet in der Vermarktung und Digitalisierung noch einmal ganz neue Möglichkeiten, und ich denke schon, dass dieses Ziel, eine der besten Adressen in Europa zu werden, herausfordernd, aber realistisch ist. In dieser Saison haben wir eine ausgezeichnete EuroLeague gespielt, die uns alle motiviert, genau so weiterzumachen. Die sportliche Leitung, der Trainerstab sowie die Mannschaft sind top – und die Infrastruktur wird international Maßstäbe setzen.“

Herbert Hainer
„Die Krise hat unsere Abteilungen noch enger zusammengeschweißt, da wir als Klub immer versucht haben, alle zu unterstützen.“

Wir blicken auf eine ganze Saison ohne Zuschauer zurück – was bedeutet das für den Sport allgemein?
„Das war eine schwere Zeit für uns alle, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen zahlreich in die Stadien zurückkommen werden, sobald es für die Gesundheit bedenkenlos ist. Jeder sehnt sich ja nach diesen Emotionen und diesem Gemeinschaftsgefühl, wie wir es vor Corona in den Stadien erleben konnten. Es wird aber trotz allem sicher eine große Herausforderung für alle, im Profi- wie im Amateur- und Juniorenbereich, den aktiven Sport aufs Neue zu beleben. Mir macht Sorge, dass die Bolzplätze eineinhalb Jahre leerbleiben mussten, dass Schulsport kaum möglich war – es wird die Aufgabe für die Politik, die Gesellschaft, die Verbände, die Vereine und jeden Einzelnen, vor allem die Kinder und Jugendlichen wieder für den Sport zu begeistern.“

Wie kann man da konkret vorgehen?
„Wir haben in unseren Amateurabteilungen genauso unter den Einschränkungen wie jeder andere Sportverein gelitten. Mein großer Dank gilt unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die der Situation mit Kreativität, großem Engagement und enormer Anpassungsfähigkeit begegnet sind. Wir haben das Beste daraus gemacht, mit Cybertrainingseinheiten, abteilungsübergreifendem Austausch, dem Erschließen neuer Bewegungsräume in der Stadt oder virtuellen Motivationstalks mit beispielsweise David Alaba und 200 Kids aus allen Abteilungen. Letztendlich hängt viel an der Motivation der einzelnen Verantwortlichen, und wenn es etwas Positives an dieser Pandemie gibt, dann, dass die Krise unsere Abteilungen noch enger zusammengeschweißt hat, da wir als Klub immer versucht haben, alle zu unterstützen.“

Wie hat der FC Bayern in dieser Pandemie den Kontakt zur Basis gehalten?
„Wir sind seit Beginn der Pandemie verstärkt im aktiven Austausch mit unseren Mitgliedern und Fans. Die Digitalisierung erleichtert da vieles. Auf unsere Videos, Umfragen, Mailings und Botschaften bekommen wir sehr gutes Feedback, genauso darauf, dass wir die Basis immer wieder bei vielen Fragen miteinbeziehen.“

Um noch einmal auf die Zuschauer im Stadion zu kommen: Beim letzten Saisonspiel lud der FC Bayern Pandemie-Helfer ein – wird es diese Aktion noch öfter geben?
„Ja. Es war uns wichtig, einen großen Teil der 250 Plätze an Menschen zu vergeben, die sich in dieser Pandemie so großartig für die Gesellschaft eingesetzt haben. Das war sicher nicht unsere letzte Aktion dieser Art.“    

Schärft so eine Pandemie noch einmal den Fokus, dass sich ein Verein mit der Strahlkraft eines FC Bayern auch für die Gesellschaft engagieren muss?
„Das hat unseren Verein ja schon immer ausgezeichnet, und ich finde, dass wir in dieser Pandemie eine Menge bewirken konnten. Erst neulich haben wir 150.000 Euro für Schülerinnen und Schüler gespendet, die morgens ohne Frühstück in den Unterricht müssen. Wir haben die bayerischen Amateurvereine und den Landessportverband finanziell unterstützt, waren mit den Basketballern bei der Münchner Tafel, und auch unsere Spieler haben von sich aus Initiativen gestartet, wenn ich da nur an Joshua Kimmich und Leon Goretzka mit „WeKickCorona“ denke. Das alles sind Dinge, die ein Verein wie der FC Bayern leisten muss.“ 

Wann rechnen Sie mit einer vollen Auslastung in den deutschen Stadien?
„Ich gehe davon aus, dass wir zum Saisonstart eine Teilauslastung genehmigt bekommen und schrittweise, möglichst zeitnah, wieder auf eine Vollauslastung hoffen dürfen. Oberstes Gebot ist natürlich der Schutz der Gesundheit der Menschen.“

Was bedeutet die Rückkehr der Fans in die Stadien?
„Wenn man es auf den Punkt bringen will: Es bedeutet schlichtweg alles. Erst durch die Fans wird Sport zum Spektakel, sie entfachen und multiplizieren die Emotionen, die ein Stadionerlebnis so einzigartig machen. Unsere Spieler erzählen mir immer wieder, wie sehr sie die Atmosphäre vermissen. Wir alle sehnen uns nach der vertrauten Stadion-Normalität. Erst dann ist es wieder der Fußball, den wir alle so lieben.“

Bei der EM werden Zuschauer in den Stadien sein – Sie auch?
„Ja, ich werde beim Auftaktspiel der DFB-Auswahl gegen Frankreich in der Allianz Arena sein und freue mich auf die Kulisse mit 14.000 Zuschauern.“

Was erwarten Sie von der deutschen Nationalmannschaft, in der viele Bayern stehen?
„Ich persönlich bin optimistisch, was die deutsche Nationalmannschaft betrifft. Der Kader ist sehr gut, zudem glaube ich, dass die Spieler Joachim Löw einen tollen Abschied ermöglichen wollen. Die Gruppenspiele finden bei uns in München statt, und alles, was ich so aus der Vorbereitung gehört habe, ist, dass die Stimmung gut ist – ich denke, dass Deutschland weit kommen wird. Wir sind eine Turniernation.“

Also kommt ein Vorrunden-Aus trotz der schweren Gegner nicht in Frage?
„Nein. Daran verschwende ich keinen Gedanken.“

Wird ein Spieler des FC Bayern Europameister?
„Wir haben insgesamt 13 Spieler im Rennen, und Deutschland und Frankreich zählen immer zu den Top-Anwärtern. Die Chancen stehen also gut.“ 

Wer wird Europameister?
„Es gibt die üblichen Verdächtigen wie Frankreich, Portugal, England – aber ich bin optimistisch, was Deutschland betrifft.“

Blicken wir noch auf die Zeit nach der EM: Was bedeutet das angesprochene mögliche Triple für die neue Saison? Droht dem deutschen Sport eine bayerische Dauerdominanz?
„Der FC Bayern hat sich seine Erfolge über Jahrzehnte hart erarbeitet – und wir werden keinen Millimeter nachlassen. Jeder Titel bedeutet bei diesem Klub immer eine Motivation und eine Verpflichtung. Ich hätte nichts gegen eine bayerische Dauerdominanz auf allen Ebenen. Es ist das FC Bayern-Gen, immer alles gewinnen zu wollen. Das wird nicht jedes Mal gelingen – aber die anderen müssen sich enorm anstrengen, um das zu verhindern. Titel sollten immer nur über den FC Bayern führen. Daher ist natürlich auch jetzt die zehnte Deutsche Meisterschaft das erklärte Ziel.“

Was entgegnen Sie Skeptikern, die die große Langeweile befürchten/beklagen?
„Ich finde nicht, dass die vergangene Saison langweilig war. Leipzig hat uns lange gefordert, Dortmund hat mit dem starken Schlussspurt gezeigt, was in ihnen steckt. Die Meisterschaft wird auch 2021/22 kein Selbstläufer, und ich erwarte ein Titelrennen, in dem uns alles abverlangt wird. Bei den Frauen und den Basketballern war es ohnehin bis zum letzten Spieltag offen, auch da stimmt das Niveau in der Spitze. Ich freue mich auf die neue Saison.“

Im ersten Teil des Interviews sprach Herbert Hainer über die Zukunft des FCB unter Oliver Kahn und Julian Nagelsmann sowie über Transfers im Sommer:

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