RotgegenRassismus2103

Ein Club für Vielfalt

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Heute ist der „Internationale Tag gegen Rassismus". Die fundierte Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema ist ein Prozess des stetigen Lernens und Verstehens - und hört nie auf. Immer am Ball zu bleiben, ist nicht nur auf den Sportplätzen dieser Welt von entscheidender Bedeutung. Es geht um das Zusammenspiel. Der FC Bayern hat in diesem Jahr anlässlich des „Internationalen Tags gegen Rassismus" am 21. März wie bereits vor zwei Jahren Persönlichkeiten seines Vereins wie Julian Nagelsmann, Robert Lewandowski, Leroy Sané, Karin Danner, Bianca Rech, Jens Scheuer, Giulia Gwinn, Saki Kumagai, Marko Pesic oder Othello Hunter im Zuge von „Rot gegen Rassismus" mit den Shirts der Initiative abgelichtet, um mit seinen Teams im Fußball wie Basketball einmal mehr für Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit zu sensibilisieren.

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„Der Sport lebt vor, was die gesamte Gesellschaft verkörpern sollte", meinte die japanische Nationalspielerin Saki Kumagai von den FC Bayern-Frauen während des Shootings: „Wir kommen aus vielen verschiedenen Ländern, gehen aber als ein Team auf den Platz und halten zusammen. Wir respektieren und schätzen uns alle untereinander. Auch den Gegner, egal wo er herkommt. Jeder im Sport bringt einen anderen kulturellen Hintergrund mit - aber anstatt manches vielleicht befremdlich zu finden, hat man immer die Wahl, offen und mit Interesse auf Mitmenschen zuzugehen. Ich persönlich habe durch meine Zeit in anderen Ländern sehr viel gelernt, ich bin so vielen Menschen mit unterschiedlichen Geschichten begegnet. Das ist etwas Wunderbares."

Jeder im Sport bringt einen anderen kulturellen Hintergrund mit - aber anstatt manches vielleicht befremdlich zu finden, hat man immer die Wahl, offen und mit Interesse auf Mitmenschen zuzugehen.

Saki Kumagai

Jennifer Danquah war im vergangenen März eine zentrale Impulsgeberin bei dem Round Table, zu dem der FC Bayern anlässlich seines Jahrestags von „Rot gegen Rassismus" eingeladen hatte. Gemeinsam mit Präsident Herbert Hainer, Serge Gnabry, der französischen Nationalspielerin Viviane Asseyi und Demond Greene von den FC Bayern-Basketballern diskutierte die Bildungswissenschaftlerin die Muster, die Rassismus zugrunde liegen. Dass der FC Bayern bei dem Thema am Ball bleibt, sei wichtig, sagt sie, denn das Grundproblem ist noch immer, dass die Debatten, sofern sie überhaupt geführt werden, „leider viel zu oft an der Oberfläche bleiben", sagt die 28-Jährige. „Wir brauchen ein tieferes Verständnis." Es sei hilfreich, wenn ein Club mit einer Reichweite wie der FC Bayern durch symbolträchtige Aktionen Aufmerksamkeit erzeuge, man dürfe aber hier nicht stehen bleiben.

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Wir alle haben die Verantwortung, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, lautet das Credo von Präsident Herbert Hainer. Und man müsse sich in unserer Zeit bewusst sein, dass nicht nur physische Gewalt verletzend ist, erklärte Viviane Asseyi aus dem FC Bayern-Frauenfußball-Team beim Round Table im vergangenen Jahr. Die Formen von Alltagsrassismus seien vielen weißen Menschen einfach gar nicht bewusst, so Jennifer Danquah. Etwa die Frage, woher jemand kommt, löse umgehend einen Rechtfertigungsreflex aus, denn die Betroffenen werden ja unmittelbar als nicht deutsch markiert. Auch das Greifen in die Afrohaare stellt eine Grenzüberschreitung dar. In solchen Momenten werden Betroffene als ein weniger wertvolles Anderes gesehen, so die Expertin. Erschwerend kommt hinzu, dass vielen Schwarzen eine Anlaufstelle, beispielsweise in ihrem Arbeitsumfeld, fehlt. Ihre rassistischen Erfahrungen bleiben somit unsichtbar. Auch fehlende Empathie für betroffene Menschen sorgt für eine Stagnation im Kampf gegen Rassismus.

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Rassismus ist nicht nur der laute, schockierende Skandal, der Schlagzeilen verursacht, erklärt Jennifer Danquah. Rassismus sei oft leise, allgegenwärtig und unterschwellig. Daher sei es so wichtig, ein kollektives Verstehen für die zugrunde liegenden Funktionsweisen zu entwickeln. Als der FC Bayern im März 2020 die Initiative „Rot gegen Rassismus" gestartet hatte, formulierte der Club im Namen des Vereins und der gesamten FC Bayern-Familie einen Appell an alle Menschen. Im Stadion, in der Halle, auf der Straße, überall: Hört in eurem Alltag hin, steht auf, diskutiert, widersprecht - helft! Wichtig ist: Die Menschen, die gegen Rassismus sind, sind in der Mehrheit. Sie dürfen aber im Zweifel nicht schweigen. Denn ein Wegschauen mindert den Rassismus nicht.

Bilder: © Fritz Beck

Alle Bilder findet Ihr in der aktuellen Ausgabe des Club-Magazins „51":