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Gelebte Integration am FC Bayern Campus

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Seit dem 24. Februar erschüttert der russische Angriffskrieg auf die Ukraine Europa. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Der FC Bayern engagiert sich unter anderem mit Spenden mit seinem Partner SOS-Kinderdörfer weltweit, einem gemeinsamen Wohnprogramm mit der Stadt München für Geflüchtete mit Behinderung sowie seinem Sportförderprogramm „We move together". Anlässlich des heutigen internationalen Weltflüchtlingstags skizziert das Beispiel von Bohdan, Dmytro und Artem, wie Integration beim FC Bayern gelebt wird. Die drei flohen Mitte März aus ihrer ukrainischen Heimat und fanden auf dem FC Bayern Campus eine Heimat - sportlich sowie darüber hinaus.

Flucht über Polen

Es lief alles schnell ab: Nur wenige Tage nach der Kontaktaufnahme mit den Scouts des FC Bayern Campus waren die Jugendlichen bereits da. Sie kamen über Polen nach München, mit dabei hatten sie lediglich je einen Rucksack, mit dem Nötigsten gepackt: Zahnbürste, Trainingskleidung, Fußballschuhe. Das war alles, was sie zu dem Zeitpunkt hatten - neben der Hoffnung, beim FC Bayern eine Bleibe zu finden. Für wie lange, das ist auch drei Monate später nicht wirklich absehbar. Die Situation in der Heimat lässt kaum Prognosen zu.

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Die jungen Talente aus der Ukraine (von links): Stürmer Artem, Linksverteidiger Dmytro, Mittelfeldspieler Bohdan (vorne rechts) und Torhüter Vladyslav.

Bohdan, Dmytro und Artem, alle 15 Jahre jung, versuchen 1.400 Kilometer von zuhause entfernt, Alltag zu leben - und ihren Traum, Fußballprofi zu werden. Ihre Familien sind in der Ukraine geblieben, nur Artem wurde von seiner Mutter und Schwester begleitet, die über den FC Bayern inzwischen auch eine Wohnung vermittelt bekommen haben. Die drei Jugendlichen wurden vor dem Krieg in der Akademie von Schachtjor Donezk gefördert, zuletzt in der Nähe von Kiew, dort hatte man die Talente nach der Annexion der Krim in Sicherheit gebracht. Bis es auch in der Hauptstadt gefährlich wurde. In der Ukraine gab es zu dem Zeitpunkt, als die drei geflohen sind, „überhaupt keine Möglichkeit, zu trainieren", erzählt Artem. Als sich die Option mit dem FC Bayern ergab, „haben wir sofort zugesagt", ergänzt Bohdan. „Wir sind sehr froh, dass wir auf dem FC Bayern Campus sein dürfen", so Dmytro: „Hier können wir uns auf den Fußball konzentrieren."

Deutschunterricht und Training

Das Trio ist seit der Ankunft in München extrem auf den Sport fokussiert - über die Hintergründe des Kriegs oder ihre Flucht möchten sie bisher nicht sprechen, was jeder auf dem FC Bayern Campus respektiert. Vonseiten der Pädagoginnen und Pädagogen gibt es das Angebot, das Thema jederzeit aufgreifen zu können, aber in den ersten Wochen besteht die Unterstützung darin, einen möglichst geregelten Alltag zu gewährleisten. Die drei teilen sich zwei Zimmer im Internat, lernen drei Mal die Woche Deutsch und sind zudem bestens in den Trainingsbetrieb der FCB-Junioren integriert. Auch ihre fußballerischen Qualitäten haben dazu beigetragen, dass sie von ihren neuen Teamkollegen schnell aufgenommen wurden.

Das „51 - Das FC Bayern Magazin" hat dem Team von Pädagogen am FC Bayern Campus bei der täglichen Arbeit über die Schulter geschaut:

Die Kommunikation ist die größte Herausforderung. Anfangs war noch der ältere Torhüter Vlad dabei, dessen ausgezeichnetes Englisch eine Brücke bildete. Er ist inzwischen in die Ukraine zurückgekehrt, und auf dem Campus verständigt man sich mit den Geflüchteten jetzt mit dem neugelernten Deutsch, Übersetzungsprogrammen auf dem Smartphone, Mimik, Zeichen- und Körpersprache sowie durch Beobachtungen. Die drei sind hochinteressiert, den FC Bayern und ihre neue Wahlheimat kennenzulernen. Bei Radltouren, um etwas über die Entstehungsgeschichte des deutschen Rekordmeisters zu erfahren, waren sie genauso schnell dabei wie bei den Besuchen der Profispiele in der Allianz Arena oder bei einem Ausflug ins FC Bayern Museum. „München ist eine sehr schöne Stadt", schwärmt Bohdan. „Hier herrscht eine tolle Atmosphäre - wir sind alle drei begeistert."

Schlüsselerlebnis mit Herbert Hainer

Bei der Einweihung des Denkmals des ersten FCB-Stadions in München-Schwabing mit der Kurt-Landauer-Stiftung traf das Trio Präsident Herbert Hainer - ein Schlüsselerlebnis. Danach waren alle drei zutiefst beeindruckt, mit dem Clubchef des FC Bayern sogar ein gemeinsames Foto bekommen zu haben. In diesen Momenten merkt man, wie dankbar diese Jungen sind und wie demütig. Im Leben nicht immer alles als selbstverständlich zu nehmen, das lässt sich sehr gut von ihnen lernen.

Wie es langfristig weitergeht, ist noch nicht definitiv geklärt. Sportlich und menschlich würden alle drei zum FC Bayern passen, und sie fühlen sich auf dem FC Bayern Campus wohl. Das Trio treibt an, niemals gesättigt zu sein - und eine Freude, Neues zu entdecken. Auf dem Campus versuchen alle, ihnen eine Heimat zu geben: Die drei sollen das Gefühl bekommen, ein wirklicher Teil der FC Bayern-Familie zu sein. Während der Pfingstferien besuchten sie ihre Lieben, zuhause und an der polnischen Grenze. Es gehe ihnen gut, ließ Dmytro wissen. Bohdan berichtete, wie er mit seinen Geschwistern Fußball spiele und die Zeit mit seinen Großeltern genieße. Was der größte Wunsch für die Zukunft wäre, beantwortet Artem so: „Ich möchte auf höchstem professionellem Niveau Fußball spielen - und dass wir alle glücklich und gesund zusammen unter einem friedlichen Himmel leben!"

In Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat der Stadt München organisiert der FC Bayern speziellen Wohnraum für Geflüchtete mit Behinderung:


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