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Herber Hainer und Charlotte Knobloch in einer Synagoge in München, Knobloch hält Blumen in der Hand
© FC Bayern

Herbert Hainer: „Begegnung statt Blase, Begegnung statt Parole“

Magda Eriksson, Mala Grohs und Katharina Naschenweng von den FC Bayern Frauen waren erstmals dabei, manche Gäste nahmen viele Stunden Anreise auf sich, insgesamt lagen 500 Bewerbungen vor – die gemeinsame Schabbatfeier, die der FC Bayern mit der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKGM) anlässlich des internationalen Holocaust Gedenktags nun schon seit vier Jahren organisiert, wird immer mehr zum Magneten. Das Wochenende im Zeichen der Erinnerungskultur rundeten erneut Stadtführungen des FC Bayern Museums ab; dieses Jahr gab es erstmals eine spezielle Version für den TEENS CLUB des Deutschen Meisters.

Magdalena Eriksson, Katharina Naschenweng und Mala Grohs schauen auf ein Plakat bei einer Stadtführung im Rahmen des Holocaust-Gedenken
Magdalena Eriksson, Katharina Naschenweng und Mala Grohs von den FCB-Frauen nahmen im Rahmen des Erinnerungswochenendes an einer Stadtführung teil. | © FC Bayern

Bei seiner Initiative „Rot gegen Rassismus“ habe der FC Bayern als Leitmotiv „Raum für Begegnungen“ ins Zentrum gestellt, erklärte Herbert Hainer bei seiner Rede zu Beginn in der Ohel-Jakob-Synagoge: „Wir brauchen mehr Austausch: Nicht im Netz – sondern vor Ort! Daher sind wir so dankbar für diese Tradition, die wir mit der IKGM aufgebaut haben. Hier kommt es zum Austausch zwischen Menschen, bei denen es im Alltag selten Überschneidungen gibt. Und nur wer miteinander spricht, versteht sich – und findet zueinander. Begegnung statt Blase, Begegnung statt Parole.“ Dr. h. c. mult. Charlotte Knobloch, die als IKGM-Präsidentin gemeinsam mit dem FCB-Präsidenten erneut als Schirmherrin fungierte, mahnte mit Blick auf den wachsenden Antisemitismus in Deutschland, „das Gedächtnis der Welt ist nicht mehr intakt – ein neuer, alter Hass hat sich nach Jahrzehnten unter der Oberfläche wieder Raum verschafft“. Man dürfe nie vergessen, „was Menschen Menschen antun können“, erinnerte sie und wählte ein anschauliches Beispiel: „Die jüdische Gemeinde in Oberbayern ist so klein, sie würde die Allianz Arena nicht einmal zu einem Drittel füllen. Wir brauchen Schutz, Beistand und Freunde – und zum Glück haben wir im FC Bayern und seinen Mitgliedern Freunde.“

Herbert Hainer hält eine Rede in einer Synagoge

Unter den 130 Mitgliedern und Mitarbeitenden befanden sich unter anderen der neue FCB-Vorstand Rouven Kasper, die stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsbeirats Alexandra Schörghuber, Verwaltungsbeirat Georg Fahrenschon, Adrian Sarmiento (Geschäftsführer FC Bayern Basketball) sowie die Geschäftsführung des FC Bayern eV, Benny Folkmann und Kiki Hasenpusch. Sie freue sich sehr, sagte Charlotte Knobloch, „dass so viele vom FC Bayern seit Jahren zu dieser Veranstaltung kommen, und ich bin stolz, dass mein FC Bayern nicht nur auf dem Spielfeld einen Blick für den anderen hat – ich bin Ihnen allen so dankbar, wie weitsichtig Sie sind: Das ist heute so wichtig wie noch nie.“ Vor einem Jahr hatte FCB-Torhüter Daniel Peretz an dem Event teilgenommen, der aktuell an den FC Southampton ausgeliehen ist. Dieses Jahr meinte Mala Grohs nach der Stadtführung, man lerne in der Schule einiges über die NS-Zeit – „aber so spezifisch auf den Verein und die Stadt bezogen ist es jetzt noch einmal etwas ganz Besonderes“. Der FC Bayern sei im gesellschaftlichen Bereich sehr aktiv, lobte die Torfrau, „da möchte ich mich immer gerne einbringen, wenn es mir möglich ist“. Ihre Teamkollegin Katharina Naschenweng fügte an, „man muss auf dieses Thema aufmerksam machen“, und die schwedische Abwehrspielerin Magda Eriksson ergänzte, es sei „wichtig, sich auszutauschen und sich weiterzubilden. Es war heute vor allem sehr interessant für mich, mehr über den Präsidenten Kurt Landauer zu erfahren und was er für die Versöhnung unter den Menschen geleistet hat.“

Entsprechend lag am Sonntag bei den Stadtführungen der FC Bayern-Mitarbeitenden Alexa Gattinger und Michael Hellstern auf den Spuren der NS-Zeit ein Fokus auf speziellen Ausführungen für den TEENS CLUB des deutschen Rekordmeisters. Zum Verarbeiten der Eindrücke gab es ein gemeinsames Essen im jüdischen Restaurant „Nash“, das Daniel Gitbud gegenüber der Synagoge betreibt. „Wir wollen Barrieren abbauen und helfen, die Begegnung untereinander zu fördern“, sagte er, daher habe er auch die Initiative „Coffee with a Jew“ ins Leben gerufen, um im lockeren Austausch Fragen zum Judentum zu besprechen. „Es geht darum, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen – so wie bei diesem gemeinsamen Wochenende mit dem FC Bayern.“ IKGM-Vorstand Guy Fränkel, Mitinitiator des gemeinsamen Erinnerungswochenendes, ergänzte: „In den vergangenen Jahren erleben wir leider ein Erdbeben an Antisemitismus, daher wird der Dialog wichtiger denn je.“

Mitglieder des FC Bayern TEENS CLUB bei einer Stadtführung im Rahmen des Holocaust-Gedenken
Das Wochenende im Zeichen der Erinnerungskultur rundeten erneut Stadtführungen des FC Bayern Museums ab; dieses Jahr gab es erstmals eine spezielle Version für den TEENS CLUB. | © FC Bayern

Ilan Brilovitch stammt eigentlich aus einer Gemeinde südlich von Tel Aviv, studiert aber aktuell in Dortmund. Extra für das Event war er über 14 Stunden mit elf verschiedenen Zügen nach München gereist, weil er seit Kindestagen Fan des deutschen Rekordmeisters ist. „Sie können sich nicht vorstellen, was es mir bedeutet, dass mein Verein FC Bayern mich zu so einem Ereignis eingeladen hat“ erzählte er und schickte nach dem Wochenende noch eine WhatsApp: „Danke für alles und Danke dafür, mir durch die große FC Bayern-Familie zu zeigen, was ,Mia san Mia‘ bedeutet.“ Unter den Teilnehmenden am Wochenende waren auch Eberhard Schulz, Gründer der Aktion „!Nie wieder!“ und Maximilian Lütgens von der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die IKGM vertraten neben Guy Fränkel auch Vizepräsident Peter Guttmann sowie Geschäftsführer Steven Guttmann, die „Rot gegen Rassismus“-Initiative wurde neben Andreas Werner aus der Leitung des Weiteren von den Team-Mitgliedern Erik-Maurice Böhm, Theresa Grosfeld, Susan Theis, Harry Unwin, Lena Hoof und Barbara Reischl repräsentiert.

Charlotte Knobloch und Herbert Hainer im Gang der Erinnerung
Herbert Hainer: „Nie wieder! Nicht heute, nicht morgen – und vor allem nicht mit uns! Wer ausgrenzt, verliert – im Sport wie im Leben. ,Nie wieder‘ ist kein Satz von gestern - sondern ein Auftrag für die Zukunft.“ | © FC Bayern

Der langjährige jüdische Präsident Kurt Landauer sei „ein einzigartiges Vorbild der Versöhnung, weil er den Deutschen trotz aller Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs die Hand gereicht hat“, erinnerte Hainer: „Er ist eine Inspiration für Generationen. Gerade als junger Mensch kann man lernen, was wir als Sportverein vermitteln können: Zivilcourage beginnt mit Mut – und zwar im Kleinen, nicht im Rampenlicht.“ In diesem Sinne werde er „nicht müde, im Namen der ganzen FC Bayern-Familie in einer Zeit, in der spaltende Kräfte unsere Demokratie gefährden, klarzustellen: Nie wieder! Nicht heute, nicht morgen – und vor allem nicht mit uns! Wer ausgrenzt, verliert – im Sport wie im Leben. ,Nie wieder‘ ist kein Satz von gestern - sondern ein Auftrag für die Zukunft.“

Hier gibt es alle Informationen zur Initiative ,Rot gegen Rassismus‘:  

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