Harry Kane applaudiert in Richtung der Fans nach dem 2:2 zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund
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Nicht nur Enttäuschung

Was Bayern aus diesem Klassiker mitnimmt

„Steht auf, wenn ihr Bayern seid“, schallte es lautstark durch die Allianz Arena. Und die FCB-Fans erhoben sich. Gerade hatte Borussia Dortmund unserem FC Bayern mit dem späten Ausgleich zum 2:2 den Sieg im Bundesliga-Klassiker genommen. Unten auf dem Rasen wurde diskutiert, gestikuliert, nach Erklärungen gesucht.

An diesem turbulenten Samstagabend gab es erstmal keine Bilder der Zufriedenheit nach Abpfiff. Aber auch keine der Resignation. Dafür hatte der FC Bayern in den 90 Minuten zuvor zu viel investiert und immer wieder bewiesen, dass er sich von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lässt.

Aleks Pavlovic und Konrad Laimer lachen gemeinsam nach dem 1:0 im Bundesliga-Spiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund
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Es war ein Spitzenspiel, das den Münchnern körperlich und emotional einiges abverlangte. Und eines, das einmal mehr zeigte, wie schmal der Grat zwischen Sieg und Enttäuschung sein kann.

„Natürlich sind wir am Ende enttäuscht, dass wir nicht gewonnen haben. Aber ich muss den Spielern auch vermitteln, dass die Leistung gestimmt hat. Wir haben uns die richtigen Momente erarbeitet“, bilanzierte Trainer Aaron Danks, der einmal mehr das krankheitsbedingte Fehlen seines Chefs Vincent Kompany an der Seitenlinie kompensierte.

Dabei hatte der FC Bayern lange wirklich vieles richtig gemacht. Gegen kompakt verteidigende Dortmunder kontrollierte unsere Mannschaft über weite Strecken das Geschehen, verschob das Spiel geschickt über die Außenpositionen und fand auch auf engem Raum immer wieder Lösungen. Konrad Laimer und Alphonso Davies sorgten auf den Flügeln für Bewegung, im Gegenpressing waren die Münchner hellwach. Nur die letzte Präzision fehlte zunächst. Der BVB hielt jedoch bissig dagegen und machte deutlich, warum er vor diesem Gipfeltreffen ebenfalls noch ungeschlagen war. Wenn die Gäste nach vorne kamen, wurde es durchaus gefährlich.

Kimmichs Rückkehr gibt Bayern Halt

Einer, der dem Münchner Spiel sofort wieder seinen Stempel aufdrückte, war Joshua Kimmich. Nach drei Partien Pause aufgrund eines Trauerfalls im engsten Familienkreis kehrte der Kapitän direkt in die Startelf zurück. Er forderte Bälle, dirigierte seine Mitspieler und gab den Rhythmus vor. Seine Präsenz war nach den schwierigen vergangenen Tagen alles andere als selbstverständlich.

„Es war eine sehr harte Woche. Ich bin froh, wieder auf dem Platz zu stehen. Unabhängig vom Ergebnis muss man sagen, dass wir gerade durch schwierige Wochen gehen. Jetzt zeigt sich, ob wir ein Team sind. Da müssen wir zusammenstehen“, stellte Kimmich klar.

Innerhalb weniger Minuten mussten Ismael Saibari und Serge Gnabry angeschlagen ausgewechselt werden. Zwei weitere Rückschläge für eine Mannschaft, die personell ohnehin schon einiges aufzufangen hatte. Doch die Bayern machten weiter.

Ismael Saibari versucht den Ball an Gregor Kobel vorbeizulupfen im Bundesliga-Spiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund.
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Und sie fanden gegen die Dortmunder Defensive erstaunlich oft einen Weg. Das 1:0 durch Laimer nach einem herrlichen Doppelpass mit Michael Olise (38.) war nur ein Beispiel dafür, wie sich die Münchner mit Tempo, Bewegung und spielerischer Präzision auch auf engstem Raum durchsetzen konnten. Dass die Bayern am Ende 23 Torschüsse abgegeben hatten, 18 davon aus dem Strafraum, war kein Zufall.

Sechs Großchancen und ein Expected-Goals-Wert von 4,18 unterstrichen, wie viel sich unsere Mannschaft gegen einen starken Gegner herausgespielt hatte. Dortmund kam dagegen lediglich auf einen xG-Wert von 0,63.

Die Bayern hatten genügend Möglichkeiten, den Klassiker für sich zu entscheiden. Das Aluminium war oft im Weg, wie bei Harry Kane mit seinem Handelfmeter in der zweiten Halbzeit (56.) oder Lennart Karl kurz vor Schluss. Von 23 Abschlüssen kamen nur fünf auf das Dortmunder Tor. Auf der anderen Seite zeigte der BVB, wie wenig es manchmal braucht, um ein Spiel zu drehen.

Doch mindestens so bemerkenswert wie die spielerische Überlegenheit war die Reaktion der Münchner auf die Rückschläge. Als nach Kanes verschossenem Elfmeter auch noch Serhou Guirassy zum 1:1 getroffen hatte (60.), stand das Spiel plötzlich auf der Kippe. Die Bayern verloren jedoch weder ihre Ordnung noch den Glauben an die eigene Stärke. Stattdessen suchten sie weiter entschlossen den Weg nach vorne und kamen durch Dayot Upamecano nach Vorarbeit von Kane erneut zur Führung (66.).

Diese Nehmerqualitäten hatten den FC Bayern schon in den vergangenen Wochen ausgezeichnet. Auch gegen Dortmund waren sie zu spüren. Nur reichten sie diesmal nicht zum Sieg. Denn Dortmund blieb gefährlich, gab sich auch nach dem zweiten Rückstand nicht geschlagen und belohnte seine Beharrlichkeit durch Fábio Silvas späten Ausgleich.

„Gerade wenn man sich den Spielverlauf in der zweiten Halbzeit anschaut, war das aus meiner Sicht kein gerechtes Unentschieden. Aber so ist es manchmal im Fußball. Der BVB hat nicht aufgegeben. Am Ende müssen wir den Punkt mitnehmen, auch wenn wir natürlich hätten gewinnen müssen“, resümierte Kimmich.

Dass schließlich auch noch Olise angeschlagen vom Platz musste, machte diesen Abend für die Münchner zusätzlich bitter.

Der nächste Kraftakt steht bevor

So blieb ein Unentschieden, mit dem der FC Bayern die Tabellenführung verteidigte, das aber vor allem eines deutlich machte: An spielerischer Qualität und Zusammenhalt mangelt es dieser Mannschaft nicht. In einem Spitzenspiel wie diesem braucht es manchmal jedoch noch etwas anderes: die Konsequenz, sich für all den Aufwand auch zu belohnen.

„Wir haben es alle schon oft betont: Wir brauchen jeden Einzelnen. Wir wollen in allen Wettbewerben bis zum Schluss dabei sein, und dafür brauchst du den gesamten Kader. Gerade jetzt kommt eine Phase, in der jeder Einzelne wichtig ist. Wir halten zusammen und hoffen, dass wir die beiden Spiele vor der Länderspielpause noch gewinnen“, blickte Laimer kämpferisch nach vorne.

Viel Zeit, sich über das Ergebnis zu ärgern, bleibt in der Tat nicht. Schon am Dienstag (21 Uhr) wartet bei Atlético Madrid in der Champions League die nächste große Herausforderung.

Eine neue Gelegenheit, all das, was die Bayern gegen Dortmund ausgezeichnet hat, wieder auf den Platz zu bringen - und sich diesmal auch dafür zu belohnen.

Die Stimmen zum Heimspiel gegen Borussia Dortmund:

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