

An die letzten Spiele gegen Werder Bremen dürften die FC Bayern Frauen noch immer mit einem Lächeln zurückdenken. Da war dieser Maitag in Köln im vergangenen Jahr, ein Pokalfinale im Sonnenschein, das mit dem ersten Pokaltriumph seit 2012 endete. Die Trophäe glänzte im Kölner Stadion und die Mannschaft belohnte sich mit dem ersten Double der Vereinsgeschichte überhaupt. Und auch an das bis dato letzte Duell dürften die Münchnerinnen nur gute Erinnerungen haben; vor heimischer Kulisse gewannen die Bayern in der Hinserie souverän mit 4:0 gegen die Werderanerinnen.
Doch wer Jovana Damnjanović und Georgia Stanway zuhört, spürt, dass die Erinnerungen an den SVW weit über jene beiden Partien, jene Ergebnisse, hinausgehen. Sie sind verbunden mit zwei ganz besonderen Momenten. Es waren diese beiden Schüsse im April 2024, die den Fußball für Augenblicke in Poesie verwandelten.
Ein grauer Abend, der sich öffnet

Montagabend im April 2024, Bundesliga-Alltag. 2.500 Zuschauer hatten in der Spielstätte am FC Bayern Campus Platz genommen. Sie sahen eine erste Halbzeit, die nur wenig Anlass zur Begeisterung bot: Werder, diszipliniert und kompakt, verteidigte mit großer Hingabe, während die Münchnerinnen sich mühten, aber nicht durchkamen. Das Spiel wirkte zäh, sperrig, beinahe wie eine Übungseinheit. Ein Abend, der drohte, unbemerkt in den Archiven zu verschwinden. Dann kam die 48. Minute: eine Ecke, ein Kopfball von Magdalena Eriksson. 1:0. Es war ein Tor, das die vermeintliche Pflichtaufgabe in geregelte Bahnen zu lenken schien. Doch an diesem Abend hatte der Fußball noch etwas Größeres vor.
Damnjanović macht den Kane

Zehn Minuten nach Erikssons Kopfballtor kam der Augenblick, der dieses Spiel besonders machen sollte. Damnjanović, sonst im Strafraum gefürchtet für ihre Robustheit und ihr Stellungsspiel, fand sich weit in der eigenen Hälfte wieder. Ein Zweikampf, ein eroberter Ball, ein kurzer Blick nach vorn. Es war dieser Augenblick, der den Unterschied machte: kein Zögern, kein Abwägen, nur der Impuls, das Wagnis einzugehen. Knapp 50 Meter lagen zwischen ihr und dem Tor. Doch die Serbin schien für einen Moment nicht den Ball, nicht die Linien, nicht die Gegnerin vor Augen zu haben, sondern allein die Flugbahn, die sich im Kopf bereits zeichnete.
Sie legte den Fuß unter den Ball, und was dann geschah, war weniger Torschuss als Kunstwerk. Der Ball stieg, beinahe schwerelos. Werders Schlussfrau Livia Peng, mutig weit vor ihrem Kasten postiert, schaute zurück, machte einen Schritt, zwei und wusste doch: Dieser Ball gehörte nicht mehr ihr. Er segelte über sie hinweg und senkte sich mit unaufhaltsamer Eleganz ins Netz. Dann brach Jubel los, wild, euphorisch. Solche Tore, das wissen alle, die den Fußball lieben, sind einmalig.

Doch der Abend hatte noch ein weiteres Highlight parat. Als wäre es festgeschrieben gewesen, dass jenes Damnjanović-Tor nicht nur einmal, sondern gleich zweimal in diesem Spiel erzielt werden sollte. Und so rückte Georgia Stanway in der Nachspielzeit in den Mittelpunkt. Vom Anstoßkreis aus, keine Minute mehr auf der Uhr, hob die zweifache Europameisterin den Kopf. Wieder diese Idee, wieder dieses Wagnis. Und erneut der Schuss, hoch, weit, der sich in den Münchner Nachthimmel schraubte.
Die Szene, nahezu eine Kopie: Peng eilte zurück, die Zuschauer erhoben sich. Der Ball flog, segelte über die Torhüterin hinweg und schlug ein. Wieder Staunen, wieder dieses Reiben der Augen, wieder dieses Gefühl. Zwei Tore wie Zwillinge. An jenem Aprilabend verwandelten Damnjanović und Stanway den Nord-Süd-Gipfel in ein Stück Fußballromantik.
📽️ Die Traumtore von Damnjanović & Stanway nochmal zum Genießen:
Heute, knapp zwei Jahre später, wirkt dieses 3:0 wie mehr als ein Sieg auf dem Weg zur späteren Meisterschaft. Harry Kane hatte im Oktober 2023 mit einem nahezu identischen Treffer beim 8:0-Kantersieg der Bayern gegen Darmstadt Schlagzeilen gemacht. Er wurde zum FC-Bayern-Tor der Saison 2023/24 gekürt. Damnjanović und Stanway taten es ihm gleich, erzielten nahezu denselben Treffer. Jedoch gleich zweimal in einer Partie.
Gute Erinnerungen vor dem nächsten Nord-Süd-Gipfel
So bleibt der SV Werder in München doppelt präsent: als Kontrahent, gegen den der Pokal geholt wurde, und als unfreiwilliger Statist. Tabellen, Punkte, Pokale, all das verliert mit den Jahren seine Strahlkraft. Aber diese beiden Schüsse, die an jenem Aprilabend vom Mittelfeld aus aufstiegen, sie bleiben. Am Montagabend (18 Uhr) kommt es einmal mehr zum Duell gegen Werder, gegen die Mannschaft der SVW-Cheftrainerin Fritzy Kromp. Und wer weiß, vielleicht hat der Fußball auch diesmal wieder etwas Besonderes auf Lager.
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