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Momoko Tanikawa während einer Trainingseinheit der FC Bayern Frauen.
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Manchester United

Die Unscheinbare, die entscheidet: Wie Titelsammlerin Momoko Tanikawa das Spiel des FCB prägt

SheBelieves-Cup-Siegerin, Gold bei den Asienspielen, Torschützenkönigin bei der U17-WM. Und dann sind da noch die Titel auf Vereinsebene: Deutsche Meisterin, DFB-Pokal- und Supercup-Siegerin, der Erfolg beim World Sevens Football in Portugal. Die Meisterschaft mit dem FC Rosengård in der Spielzeit 2023/24 nicht zu vergessen.

Man muss sich die Titelsammlung von Momoko Tanikawa einmal vor Augen führen: Pokale, Medaillen, Erinnerungsstücke an Spiele in aller Welt. Die 20-jährige Japanerin, von allen nur liebevoll Momo genannt, steckt vermeintlich noch in den Kinderschuhen ihrer Karriere, und doch liest sich ihre Auflistung an Erfolgen bereits wie die einer Spielerin, die im Spitzenfußball schon seit vielen Jahren zu Hause ist. In jüngster Zeit sind zwei weitere Auszeichnungen hinzugekommen. Die Vitrine wird nicht leerer werden. Ganz im Gegenteil. 

Leise Töne, große Taten

Zunächst ist da der Triumph beim Asien-Cup mit Japan. Für sie selbst „der größte Erfolg bislang“ mit der Nationalmannschaft, und doch spricht sie darüber, wie sie über alles spricht: leise, zurückhaltend, fast vorsichtig. „Das Wichtigste ist, dass wir in Sydney als Team gewonnen haben. Der Titel macht mich unheimlich glücklich und auch stolz“, sagt sie. 

🏆 Im Zuge des Viertelfinal-Hinspiels gegen Manchester United wurde Tanikawa als „Player of the Match“ ausgezeichnet: 

Und dann, in der vergangenen Woche, eine Trophäe anderer Art: Zum zweiten Mal in der laufenden Saison wurde sie in der Königinnenklasse zur „Spielerin des Spiels“ gewählt – im Duell gegen Manchester United, im Theatre of Dreams. Trotz Jetlag, trotz kaum vorhandener Erholungszeit nach dem gewonnenen Titel in Australien wenige Tage zuvor, waren doch nur vier Tage zwischen jenen beiden Partien vergangen. Mit einem Assist und ihrem Siegtreffer in der 84. Minute drückte sie dieser Partie ihren Stempel auf. Wieder ein Pokal, wieder ein Stück Silber für die Vitrine. Und vor allem ein weiterer Beweis dafür, wie ernst man diese junge Spielerin längst nehmen muss. Am Mittwochabend möchte sie ihre Klasse einmal mehr unter Beweis stellen, wenn die Bayern United zum Rückspiel in der Allianz Arena empfangen (18.45 Uhr im kostenfreien Liveticker & Webradio). 

Der Ursprung

Momoko Tanikawa bejubelt mit ihren Mannschaftskolleginnen den Gewinn des Asien-Cups.
Erfolge über Erfolge: Erst vor etwas mehr als zwei Wochen kürte sich Tanikawa mit ihrem Heimatland zur Asien-Cup-Siegerin. | © Imago

Der Ursprung von Tanikawas Geschichte liegt fernab der großen Fußball-Bühnen, in Nagoya, der Hauptstadt der japanischen Präfektur Aichi. Dort wächst sie in einem Umfeld auf, das von Fürsorge und Hingabe geprägt ist. Ihre Eltern arbeiten im sozialen Bereich, kümmern sich um ältere Menschen, zwei ihrer drei Schwestern schlagen ähnliche Wege ein. Die eine als Krankenschwester, die andere im Pflegedienst. Momo wächst in einem Umfeld auf, in dem man aufeinander achtet. Vielleicht erklärt genau das ihre besonnene Art, mit der sie sich selbst stets hinter das Team stellt.

Mit drei oder vier Jahren beginnt sie, Fußball zu spielen: „Meine Begeisterung wurde durch eine Fußballschule geweckt.“ Der prägende Moment folgt 2011, als Japan – ausgerechnet in Deutschland – Weltmeister wird. Ein Spiel im Fernsehen, ein Bild, das sich einbrannte. „Vielleicht war es sogar das Endspiel“, sagt Momo rückblickend. Für die heute 20-Jährige steht von da an fest: Eines Tages will ich genau dort stehen.

Der Traum von Europa

Momoko Tanikawa im Dribbling gegen Bremens Michelle Ulbrich.
Technisch brillant: Tanikawa gilt als Edeltechnikerin, die im Dribbling kaum vom Ball zu trennen ist. | © Imago

Früh richtet sich ihr Blick nach Europa. Der Kontinent ist für Tanikawa nicht bloß Sehnsucht, sondern ein klares Ziel. Schritt für Schritt arbeitet Momo sich in Japan nach oben, jede Station ein Baustein auf dem Weg in die große Fußballwelt: Zunächst die Nagoya FC Ladies, dann die NGU Nagoya FC Ladies, es folgen Nagoya Grampus Miyoshi und Grampus Miyoshi, zuletzt die renommierte JFA Academy Fukushima. Überall sammelte Tanikawa Erfahrungen, überall wächst sie. Sowohl als Spielerin, als auch als Persönlichkeit.

Europa bleibt dabei mehr als nur eine Fantasie. „Es war mein Traum, seit ich jung war, in Europa zu spielen“, sagt die Kreativspielerin. Die großen Stadien, die unterschiedlichen Spielstile, die Möglichkeit, sich mit den Besten der Welt zu messen. All das übte von Beginn an eine enorme Faszination auf Momo aus.

Momoko Tanikawa bejubelt den Triumph in der schwedischen Damallsvenskan.
Erfolgreiche Schaffenszeit in Schweden: Mit dem FC Rosengård holte Tanikawa in der Spielzeit 2023/24 den Meistertitel in der Damallsvenskan. Dabei hatte sie als Torschützenkönigin erheblichen Anteil am Triumph ihrer damaligen Mannschaft. | © Imago

Als sich das Interesse des FC Bayern konkretisiert, war die Sache für sie rasch entschieden. „Dieser Verein ist so groß, auf der ganzen Welt bekannt, natürlich auch bei mir zu Hause in Japan“, sagt Tanikawa. Nach ihrem Wechsel in die bayerische Landeshauptstadt im Januar 2024 führt ihr Weg zunächst per Leihe zum FC Rosengård. Dort reift sie weiter, setzte sich durch, wurde Torschützinnenkönigin in der schwedischen Damallsvenskan. „Es war eine besondere Zeit, in der ich mich entwickeln durfte“, sagt sie rückblickend. Momo lernte, allein zu sein, Verantwortung zu übernehmen, sich zu behaupten. Eine Phase, die sie formte und vorbereitete auf das, was in München auf sie zukam. 

Ankommen in München, zuhause im Team

Bei den FC Bayern Frauen, zu denen sie seit Anfang 2025 gehört, findet sie mehr als nur eine sportliche Adresse. „Seitdem ich hierher gekommen bin, fühle ich mich unheimlich wohl“, sagt sie. Ein auf den ersten Blick belangloser Satz, aber einer, der viel verrät: von einem Umfeld, das sie aufgefangen hat, von Menschen, die ihr den Start so leicht gemacht haben, wie es in einem neuen Land nur möglich ist. „Jede Mitspielerin ist wie eine gute Freundin für mich, auf dem Platz und daneben“, fügt sie hinzu.

🇯🇵 Momoko Tanikawa zeigte Ena Mahmutovic im vergangenen Jahr ihr Heimatland Japan:  

Besonders eng ist die Verbindung zu Ena Mahmutovic. Die Schlussfrau ist von Beginn an Zimmernachbarin, Freundin, Wegbegleiterin. „Ena ist ein sehr witziger und herzlicher Mensch. Ich verbringe sehr gerne Zeit mit ihr“, sagt Momo mit einem Lächeln im Gesicht. Mahmutovic besuchte sie im vergangenen Jahr in Japan, lernte ihre Familie kennen, ihre Kultur, die Straßen, in denen Momo aufgewachsen ist. „Es war so schön, ihr meine Heimat, meine Familie, aber auch unsere drei Hunde zu zeigen“, sagt Tanikawa. Und doch ist es nicht die einzige Form von Halt, die sie in München von Beginn findet.

Harder, ein Stück weit Mentorin

Momoko Tanikawa und Pernille Harder gemeinsam im Einsatz für die FC Bayern Frauen.
Teamkollegin, Ansprechpartnerin, vielleicht sogar ein wenig Mentorin: Pernille Harder und Momoko Tanikawa verstehen sich auf und abseits des Platzes hervorragend - auch weil die Dänin sich von Beginn an um die 20-Jährige kümmerte. | © Imago

Denn dann ist da noch Pernille Harder. Eine zentrale Figur in ihrer Entwicklung, eine, die den Weg in den europäischen Spitzenfußball selbst früh gegangen ist und die in Tanikawa von Beginn an etwas erkannte. „Ich sehe mich in Momo ein wenig selbst. Ich bin auch in jungem Alter nach Deutschland gekommen und habe diese Erfahrungen gemacht. Momo ist unheimlich talentiert, sie hat eine große Zukunft vor sich“, sagt Harder. 

Tanikawa weiß diese Nähe zu schätzen. „Pi (Anm. d. Red.: Pernille) kümmert sich immer um mich, seitdem ich hierher gekommen bin. Sie ist eine sehr gute Person. Ich lerne viel von ihr“, sagt Momo. Europas Fußballerin der Jahre 2018 und 2020 gibt ihr Tipps, stellt Fragen, hört zu. Für eine junge Spielerin wie Tanikawa ist das unbezahlbar. Und diese Nähe endet nicht an der Kabinentür. Die beiden verbringen auch abseits des Platzes Zeit miteinander. „Wir haben zuletzt zusammen Gyoza gekocht“, erzählt Momo und lacht. Ein gemeinsamer Abend und mit Sicherheit auch ein Abbild dafür, wie sehr Harder für sie längst so etwas wie eine Mentorin geworden ist.

Fußball als Rätsel, das es zu lösen gilt

Momoko Tanikawa bejubelt ein Tor gegen Eintracht Frankfurt.
Einer dieser magischen Tanikawa-Momente: Im letztjährigen DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt sorgte Tanikawa in der Verlängerung als Torschützin und Assistgeberin für Furore. | © Imago

Wenn Tanikawa über ihr Spiel spricht, tut sie das mit Klarheit. Sie spricht von Räumen, Möglichkeiten, die es zu erkennen gilt. Mit jedem Ballkontakt stellt sie sich bewusst Fragen: „Wo ist der freie Raum? Wo ist die Chance, zu schießen?“ Für sie ist Fußball ein wenig wie ein Rätsel, das es zu lösen gilt. Immer wieder neu, in jedem Angriff, in jeder Umschaltsituation. Ihre Vorbilder passen dazu: Kevin De Bruyne, Andrés Iniesta oder auch Harry Kane. Spieler, die das Spiel lesen, nicht nur spielen.

Zwischen Flutlicht & Erwartung

Für Tanikawa und ihre Mannschaft wartet am Mittwochabend das Rückspiel gegen Manchester United an. Allianz Arena. Flutlicht, mehr als 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Das 3:2 aus dem Hinspiel ist mit Sicherheit ein Vorteil, getragen auch von Momos Einfluss. Doch sie bleibt nüchtern: „Wir wollen gewinnen. Aber wir wissen genau, wie schwer es werden wird.“ Ihr ist bewusst, was von den Red Devils zu erwarten ist: ein Gegner mit Wucht, mit hoher individueller Qualität in der Offensive, mit Spielerinnen wie Jess Park und Ella Toone, die aus wenigen Momenten Gefahr erzeugen.

Momo weiß, dass die Erwartungen an sie wachsen, dass man auf sie schaut. Und doch ist ihr Fokus klar: „Wir wollen ins Halbfinale. Das Wichtigste für uns ist, das Spiel für uns zu entscheiden, mit unseren Fans in der Allianz Arena.“ Und wer weiß, vielleicht kommt am Mittwochabend die nächste kleine Trophäe hinzu. Momo wird definitiv alles dafür tun.

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ℹ️ Alle Infos zum Arena-Spiel der Frauen gegen Manchester United: 

Das Quiz zum Duell gegen Manchester United:

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