



Achte Meisterschaft der Vereinsgeschichte
Do. | 23.04.26 | 07:45
Willensstärke, Rekordserie & ein nie endender Zug: So sicherten sich die FCB-Frauen den Titel bei Union
Am Ende dieses denkwürdigen Mittwochabends hallte jenes Lied durch die Katakomben der Alten Försterei, das wohl wie kein anderes für die Erfolge der FC Bayern Frauen in den vergangen Jahren steht: „Der Zug hat keine Bremse“ – jener Partykracher, der längst zur inoffiziellen Hymne dieser Mannschaft geworden ist. Die Bayern hatten es einmal mehr geschafft, der Meistertitel war erneut eingetütet. Und doch spiegelte die ausgelassene Atmosphäre nach Abpfiff nur bedingt wider, wie hart dieser Erfolg zuvor erarbeitet werden musste. Union Berlin hatte den Doublesiegerinnen alles abverlangt, was an diesem Abend im Bereich des Möglichen lag.
Denn als um 18:48 Uhr der Pausenpfiff ertönte, dachte kaum jemand ernsthaft an Feierlichkeiten. Dabei war eigentlich alles angerichtet für den historischen Eintrag in die Geschichtsbücher: die vierte Meisterschaft in Folge, ein Kunststück, das zuvor nur Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg vorbehalten gewesen war; das erste Auswärtsspiel in der Hauptstadt unter Flutlichtatmosphäre. Doch die Eisernen hatten ihre ganz eigenen Pläne für diesen Abend. Wie ein gallisches Dorf stemmte sich das Team aus dem Süden der Hauptstadt, getragen von der einzigartigen Stimmung in der Alten Försterei, gegen die vermeintliche Fußballmacht aus München. Mit unbändigem Kampfgeist, taktischer Disziplin und einer bemerkenswerten mentalen Widerstandskraft verlangten die Köpenickerinnen der Elf von José Barcala alles ab.
Dabei erwischten die Bayern einen Einstand nach Maß: Bereits nach sechs Minuten machte Edna Imade dort weiter, wo sie bei den Länderspielen für Spanien aufgehört hatte, und brachte die amtierenden Titelverteidigerinnen auf die Zielgerade. Doch die Euphorie der Führung sollte nicht lange anhalten. Vielmehr entfachte das frühe Tor noch mehr Energie bei den 13.220 Zuschauern im Hexenkessel von Köpenick und ließ den ohnehin schon beachtlichen Lautstärkepegel noch einmal um ein Vielfaches ansteigen – mit direkter Wirkung. Nur drei Minuten nach dem Rückstand setzte Sophie Weidauer zum Konter an und vollendete im Eins-gegen-eins gegen die machtlose Ena Mahmutovic zum Ausgleich. Ein Treffer, der neben der Dämpfung im Meisterrennen auch das erste Gegentor gegen einen Aufsteiger seit zehn Spielen markierte.
Dunst belohnt die Bayern

Unbeirrt vom schnellen Rückschlag übernahmen die Münchnerinnen fortan die Kontrolle über das Spiel und drängten mit allen Feldspielerinnen in die gegnerische Hälfte vor. Doch Union stand wie eine Mauer. Jeder Pass wurde kurz vor dem Ziel abgefangen, Schüsse blockiert. Der Defensivriegel der Eisernen schien schier undurchdringlich. „In der ersten Halbzeit hatten wir viel Kontrolle im Mittelfeld, aber vorne hat die letzte Konsequenz gefehlt“, resümierte auch Cheftrainer Barcala die erste Halbzeit.
Nach dem Seitenwechsel drohte sich ein ähnliches Bild zu bilden. Doch die Münchnerinnen blieben geduldig, lauerten auf jede noch so kleine Unaufmerksamkeit. Der Antrieb war klar: die Titelverteidigung in Berlin zu besiegeln und den persönlichen Rekord von 18 ungeschlagenen Bundesligaspielen auszubauen. Die Belohnung folgte in der 50. Minute: Mit einem Distanzschuss überwand Barbara Dunst die Berliner Defensive und brachte die Bayern erneut auf Meisterkurs: Der Österreicherin fehlten nach Schlusspfiff ein wenig die Worte, war es doch die erste Deutsche Meisterschaft für die 28-Jährige: „Es ist echt der Wahnsinn. Nach meiner langen Verletzung ist es wie eine Belohnung.“

Doch der Abpfiff war noch in weiter Ferne. Die Unionerinnen, befeuert von einem Stadion, das jeden Ballgewinn wie einen Treffer bejubelte, gaben sich nicht auf und glaubten weiterhin an die Sensation. Wie ein Schuss ins bayerische Herz überwand Lia Kamber Mahmutovic aus dem Nichts und glich in der Schlussphase einmal mehr aus. Doch wenn sich die Mannschaft um Kapitänin Glódís Viggósdóttir in dieser Saison durch eines immer wieder ausgezeichnet hatte, dann waren es Resilienz, Willenskraft und der unerschütterliche Glaube aneinander. Das galt auch für Trainer Barcala, der in der 71. Minute mit der Einwechslung von Giulia Gwinn das perfekte Händchen bewies.
Gwinn mit der Entscheidung

Die Kapitänin der DFB-Auswahl, die vor einer Woche noch von der Nationalmannschaft abreisen musste, wurde sechs Minuten vor Schluss per Flanke von Bühl bedient und versenkte den Ball per Direktabnahme herrlich ins Netz. „Am Ende ist es ein sehr schöner Abend. Es war nicht das Spiel, das wir uns erhofft hatten. Aber trotzdem ist es natürlich schön, dass wir es geschafft haben, das große Ziel, die Deutsche Meisterschaft, heute verteidigt zu haben“, blickte die Torschützin auf ein Duell zurück, in welchem sie und ihre Mannschaft erneut bewiesen haben, dass sie nicht unterzukriegen sind und immer einen Weg finden. In der Hauptstadt, bei Flutlicht und vor großer Kulisse lieferten sie einen letzten Beweis dafür, dass sie es verdient hatten, sich zum achten Mal zu Meisterinnen zu küren.
Bereit für die nächsten Wochen

Bianca Rech unterstrich im Anschluss an die Partie, dass vier Deutsche Meisterschaften in Folge „unglaublich“ seien und die in dieser Saison gelebte Kontinuität auf „allerhöchstem Niveau“ diese Spielzeit zu einer ganz besonderen mache. Zugleich machte die Direktorin deutlich, wie wichtig es ist, solch seltene Momente bewusst zu genießen – für Spielerinnen, Trainerteam und Staff gleichermaßen.
Cheftrainer José Barcala erklärte, dieser Titel sei der verdiente Lohn einer langen Reise und er sei unbeschreiblich stolz auf seine Spielerinnen, vor allem darauf, wie sie zurückgekommen seien, als es schwierig wurde. Und Präsident Herbert Hainer sprach gar von der „nächsten historischen Großtat“, gratulierte „den erfolgreichsten Titelsammlerinnen in der Geschichte des FC Bayern“, auf die der gesamte Verein mit großem Stolz blicke. Zugleich richtete er den Blick bereits nach vorne auf das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona (hier Tickets sichern!), das den nächsten großen Auftritt des neuen Deutschen Meisters in der Allianz Arena markieren wird.

Bereits am Samstagabend wartet vor großer Kulisse das Duell in der Königinnenklasse – eine Aufgabe, die kaum größer sein könnte: Der dreimalige Titelträger aus Spanien, ebenfalls seit Mittwochabend Meister, trifft auf den frisch gebackenen Deutschen Meister aus München. Gerade diese Herausforderung auf höchstem europäischen Niveau lässt die Vorfreude der Münchnerinnen spürbar wachsen: Sie fiebern diesem Abend entgegen, diesem Duell mit einem der besten Teams der Welt, getragen vom Rückenwind ihrer Fans, die sich einmal mehr in ein rot-weißes Fußballtheater verwandeln dürfte.
Und wer weiß, vielleicht wird es erneut einer jener ganz besonderen Abende in München, wie schon bei den drei vorherigen Arena-Auftritten in dieser Spielzeit, die sich tief in das kollektive Gedächtnis des Vereins eingeprägt haben und von denen man noch Jahre später erzählen wird. Eines jedoch steht außer Frage: Die neuen und alten Deutschen Meisterinnen werden abermals alles auf dem Platz lassen, jeden Zweikampf annehmen und mit jener Intensität, Entschlossenheit und Willensstärke auftreten, die sie in dieser Saison ins dritte Halbfinale der Champions League der Vereinsgeschichte geführt hat, man denke nur an das jüngste Spiel gegen Manchester United. Dies alles mit der großen Hoffnung, jener Geschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.
🗞️ Der Spielbericht zum Aufeinandertreffen mit Union Berlin:
🗯️ Die Glückwünsche zur achten Deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte:
🗞️ Die Meilensteine auf dem Weg zum Titelgewinn:

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