

Abschied nach 7 Jahren
Mi., 20.05.26, 11:30
Der linke Fuß, der eine Ära schrieb: Wie Carolin Simon die FCB-Frauen prägte
Wirft man einen Blick auf die Mannschaftsaufstellungen der FC Bayern Frauen in den vergangenen sieben Jahren, sticht auf der linken Seite eine Konstante ins Auge: die 30, Carolin Simon. Doch sie ist weit mehr als nur eine Rückennummer. Mehr als 160 Pflichtspiele bestritt sie in Rot und Weiß – stets verlässlich, belastbar, leistungsstark. Ihr Einfluss endete jedoch nie an der Seitenlinie. Mit ihrer Erfahrung und ihrer Menschlichkeit prägte sie auch das, was neben dem Platz wuchs: eine Mannschaft, die zusammenrückte, reifte – und den Verein mitformte zu dem, was er heute ist.
Als sie 2019 nach München kam, war vieles noch im Werden: der Campus jung, die Ränge oft halbleer, die Mannschaft auf der Suche nach einer klaren Identität. Simon hätte die freie Auswahl gehabt. Mit dem französischen Überflieger Lyon war sie Champions-League-Siegerin geworden – und entschied sich dennoch für das Projekt in München.
📸 Eine Auswahl der schönsten Momente der Schaffenszeit von Caro Simon beim FC Bayern:
Zur Münchnerin geworden
Auf den Wechsel folgte keine unscheinbare Karriere im Hintergrund, sondern eine mit klarer Handschrift. Ihr linker Fuß wurde in der Liga berüchtigt: für butterweiche Flanken, Freistöße wie aus dem Lehrbuch und lange Bälle, die sich in Bögen über den Platz zogen, als hätte sie die Physik kurz außer Kraft gesetzt. Doch Simon war nie nur ihr linker Fuß. Es war ihre Haltung, die sie von anderen abhob. Eine gute Laune, die nie aufgesetzt wirkte. Eine Präsenz, die eine Mannschaft trug, ohne sich in den Mittelpunkt zu drängen.
Sie war keine Anführerin klassischer Prägung, die pausenlos laut das Wort ergreift. Sie war eine, die voranging – und der die Taten hinterherkamen. „Ich habe das Mia san mia gelebt, gefühlt und gespürt“, sagt sie selbst. Man nimmt es ihr ohne Zögern ab.
Neben Caro Simon verlassen auch Georgia Stanway & Mala Grohs die FCB-Frauen zum Saisonende:
Sieben Jahre war sie Teil der Münchnerinnen. Eine Zeit, die im Fußball noch ein wenig länger wiegt als anderswo. Eine Spanne, in der sie maßgeblich daran mitwirkte, dass aus einer Mannschaft, die zwar wollte, aber noch die nächsten Schritte zu gehen hatte, ein Team wurde, das Highlightspiele in der Allianz Arena bestritt und Hunderte Fans auf Auswärtsfahrten mitzog. Simon war immer da. In den Momenten, die nach Konfetti riechen. Und in denen, die Charakter verlangen.
„Es ist immer leicht, in den guten Zeiten zusammenzuhalten, aber wir haben es auch in den herausfordernden getan“, sagt sie. Die Bilanz gibt ihr recht: fünf Meistertitel, zwei Pokalsiege, zwei Supercup-Erfolge – und das Fundament für eine neue Ära. So etwas fällt nicht einfach vom Himmel.

Ein Beitrag zum Verein, der bleibt
Ihren Anteil am Erfolg leistete die Außenverteidigerin auf eine Weise, die in der Liga schnell Respekt einflößte – und ihren Gegenspielerinnen das Fürchten lehrte. Die linke Seite gehörte ihr, das machte sie unmissverständlich klar. Es dürfte kaum eine Spielerin geben, die sich in dieser Zeit nicht an Simon die Zähne ausgebissen hat. Doch ihre Stärken endeten längst nicht im Defensivzweikampf. Sie prägte auch das Offensivspiel, öffnete Räume, bevor andere sie überhaupt erkannten, und schlug Hereingaben in den Strafraum, so präzise, dass sie den Torschützinnen die Arbeit denkbar leicht machten.
Jetzt geht sie. Doch ein Abschied ist das nur auf dem Papier. Denn was Caro diesem Klub, dieser Mannschaft, dieser Stadt hinterlässt, bleibt. In den Aufstellungen wird ihr Name fehlen. Aber in dem, was diese Mannschaft heute ist – auf und neben dem Platz – wird ein Stück von ihr weiterleben. „Die Reise ist noch nicht zu Ende“, sagt sie zum Schluss. Sie hat recht. Für den Verein nicht. Und für sie schon gar nicht.
Auch Mala Grohs verabschiedet sich nach sieben Jahren vom FC Bayern – ein Rückblick auf eine außergewöhnliche Zeit:
Die Nummer 31 verlässt die FCB-Frauen zum Saisonende – ein Blick zurück auf Stanways erfolgreiche Zeit in München:

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