

Zum Abschied aus München
Mi., 20.05.26, 11:40
Wo das Leben wichtiger wurde als Meisterschaften – Mala Grohs’ besondere Zeit beim FC Bayern
Es ist kurz vor Anpfiff am Campus. Die Luft riecht nach Rasen, Bratwurst und dieser leicht nervösen Erwartung, die Fußball immer mit sich bringt. Irgendwo klackern Stollen über Beton. Aus einer Kabine dringt Gelächter, „Diese Tage voller Sonne“ ist zu hören, laut genug, um zu verraten: Hier drin wird gearbeitet, aber bitte nicht humorlos. Und dann kommt sie. Nicht mit großem Auftritt. Sondern eher so, als hätte jemand Vernunft und Wärme in ein Bayern-Trainingsoutfit gesteckt. Mala Grohs.
📸 Die schönsten Bilder von Mala Grohs bei den FC Bayern Frauen:
Sieben Jahre FC Bayern Frauen, das sind im Fußball ungefähr drei Generationen, ein halber Umbruch und mindestens fünf neue taktische Trends. Als sie 2019 in jungen Jahren aus Bochum nach München kam, war da erstmal: zweite Mannschaft, Geduld, lernen, warten. Kein roter Teppich, eher roter Ascheplatz. Während andere vielleicht unruhig geworden wären, hat Mala Grohs etwas getan, das im Profifußball fast schon eine Ausnahme ist: Sie hat einfach weitergemacht. Training. Entwicklung. Wieder Training. Immer ein bisschen besser, immer ein bisschen näher. Näher an der ersten Mannschaft.

Sie kämpfte sich Stück für Stück ins Tor des FC Bayern. Nicht mit großen Parolen, sondern mit der stillen Beharrlichkeit einer Person, die offensichtlich schon früh verstanden hat: Talent ist nett, aber auf Dauer gewinnt oft der längere Atem – und die harte Arbeit. Und irgendwann stand sie da nicht mehr als Perspektivspielerin oder gute Alternative. Sondern als Nummer eins. Das ist vielleicht das Bemerkenswerteste an Mala: Sie wirkte nie so, als müsse sie irgendwem etwas beweisen – und tat es gerade deshalb permanent.
📺 Neben Mala Grohs verlassen auch Georgia Stanway & Caro Simon die Münchnerinnen:
Sie ist nicht nur Torhüterin, sondern auch eine unheimlich wichtige Person und Ansprechpartnerin in der Kabine. Diese seltene Sorte Mensch, die ein Team nicht mit Lautstärke ordnet, sondern mit Präsenz. Warmherzig, verlässlich, humorvoll, klug. Eine, bei der man sofort merkt, wie wertvoll sie für ein Team sein kann. Weil Mannschaften nicht nur aus Pässen und Laufwegen bestehen, sondern aus Blicken, kleinen Gesprächen, geteilten Nervositäten und dem Gefühl: Zusammen ist alles irgendwie leichter.

Dann kam 2024. Die Diagnose eines bösartigen Tumors. Zwei Wörter, die jede sportliche Dramaturgie mit einem Schlag lächerlich klein aussehen lassen. Von einem Moment auf den anderen ging es nicht mehr um Titel, Stammplatz oder die Frage, wer am Wochenende im Tor steht. Sondern um Gesundheit. Um Endlichkeit.
Es gibt Geschichten im Sport, die man schnell mit reichlich Emotionen übergießt, bis sie kaum noch zu erkennen sind. Diese hier braucht das nicht. Denn Grohs tat auch hier, was sie offenbar am besten kann: weitermachen. Mit Mut, mit bemerkenswerter Klarheit, mit Offenheit. Sie sprach über ihre Narbe, über Angst, über Respekt vor Nachsorgeterminen, über mentale Erschöpfung. Nicht als Heldengeschichte, sondern als Mensch. Das machte ihre Rückkehr so eindrucksvoll.

Als sie im März 2025 gegen Lyon ihr Comeback feierte, Elfmeter hielt und spielte, als wäre sie nie schwer krank gewesen, war das sportlich stark. Aber eigentlich ging es um etwas anderes. Darum, dass jemand zurückkommt. Nicht nur ins Tor, sondern ins eigene Leben. Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte von Mala Grohs beim FC Bayern: nicht die fünf Meisterschaften, nicht die beiden Pokalsiege, nicht die zwei Supercups, nicht die gehaltenen Elfmeter. Sondern diese Mischung aus Ehrgeiz und Gelassenheit, aus Professionalität und Menschlichkeit. Sie hat sich hochgearbeitet, durchgesetzt, wurde Stammtorhüterin, fiel hin, stand wieder auf, kehrte zurück und blieb dabei immer erkennbar sie selbst.

Oder, wie sie es selbst einmal sagte: „So wie ich bin, ist es gut.“ Wie viel Lebenserfahrung doch manchmal in nur sieben Wörtern steckt. Nun geht sie also. Nach sieben Jahren verlässt Mala München, den Campus, die Kabine, die vertrauten Gesichter, dieses kleine Biotop aus Fußball und Freundschaften.
Das ist der kleine Schmerz jedes guten Abschieds: Man merkt erst beim Gehen so richtig, wie sehr jemand Teil des Ganzen geworden ist. Mala Grohs verlässt die FC Bayern Frauen als Meisterin, Pokalsiegerin, mit einer Comeback-Geschichte und viel wichtiger: als eine Person, die diesem Klub in sieben Jahren etwas gegeben hat, das in keiner Statistik auftaucht: Haltung. Und echte Vorbilder kann ein Verein bekanntlich nie genug haben.
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