Glodis Viggosdottir lächelnd nach dem Duell gegen Bayer Leverkusen.
© FC Bayern / Alexander Scheuber

Vor dem CL-Auftakt gegen ManCity

Viggósdóttir & der Beginn einer neuen Bayern-Heimat

Am Dienstagabend bekommt Unterhaching Besuch aus der europäischen Fußballwelt. Manchester City kommt, die Champions League hält erstmals Einzug. Und für die FC Bayern Frauen beginnt auf einem neuen Stück Heimaterde ein Abend, der unvergesslich werden soll (ab 18:45 Uhr im Liveticker auf fcbayern.com & in der FC Bayern App). Flutlicht, Champions League-Hymne: Erstmals in einem Pflichtspiel wird die Spielstätte südlich von München zu einer großen europäischen Bühne. Doch Unterhaching soll für die Münchnerinnen um Glódís Perla Viggósdóttir mehr sein als die Kulisse für ein einzelnes Spiel. Hier wird eine neue Heimat des Frauenfußballs entstehen. 

Islands Rekordnationalspielerin spricht über das Vorhaben des Clubs mit großer Überzeugung. Die Kapitänin sieht die Möglichkeit, einen Ort zu schaffen, an dem sich Mannschaft, Publikum und Verein über Jahre hinweg verbinden können. „Für mich geht es nicht nur um das Stadion, es geht um den Gesamtkontext“, sagt sie. Denn die 31-Jährige weiß, dass eine Heimat im Fußball nicht einfach eröffnet wird. Sie entsteht durch Wiederholung, durch Menschen, durch Erinnerungen. 

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Eine Reise, die in der Nacht begann

Die FC Bayern Frauen im Kreis vor einer Partie in der Bundesliga.
Weiß, wie man eine Mannschaft anführt: Viggósdóttir fungiert sowohl in der Nationalmannschaft als auch bei den Bayern als Kapitänin. | © FC Bayern

Ihre eigene Champions League-Geschichte startete in der Saison 2012/2013. Viggósdóttir war 16 Jahre alt. Mit Stjarnan Garðabær spielte sie gegen Sorki Krasnogorsk, zunächst zuhause, dann folgte ihr erstes Auswärtsspiel in der Königinnenklasse. Schon die Reise dorthin war abenteuerlich. Zunächst flog die Mannschaft nach Finnland, anschließend ging es über Estland weiter. Danach folgte eine mehrstündige Zugfahrt durch Russland. 

Auch die erste Bühne war weit entfernt von dem, was man inzwischen mit europäischem Spitzenfußball verbindet. Sie erinnert sich an ein schönes Stadion. Gespielt wurde allerdings auf einem Platz dahinter. Das Gras sei hoch gewesen, der Untergrund uneben. Ein bemerkenswertes erstes Bild von der Champions League, das im Rückblick fast symbolisch wirkt. Jahre später ist Viggósdóttir Kapitänin der FC Bayern Frauen und eine der besten Innenverteidigerinnen Europas. 

Eine Kapitänin als Ruhepol

Viggosdottir nach dem Champions Viertelfinale bei Manchester United.
Eine der Dienstältesten bei den Münchnerinnen: Glódís Perla Viggósdóttir steht seit 2021 beim FCB unter Vertrag. | © FC Bayern

Dass sie die Münchnerinnen durch große Abende in der Champions Leauge führen darf, empfindet sie als „ein besonderes Gefühl“ und als „eine wirklich große Ehre“. Ihre Vorstellung von Führung ist dabei bemerkenswert. Sie wolle keine große Inszenierung, sondern vor allem Verlässlichkeit bieten. „Ich versuche, Ruhe und Stärke zu geben und für die Mädels da zu sein, wenn sie mich brauchen.“ Sie wolle jemand sein, „auf den sie sich verlassen können“.

Viggósdóttir versucht nicht, den Lärm eines wichtigen Spiels zu übertönen. Die Isländerin versucht, ihm etwas entgegenzusetzen: Ruhe. Vielleicht erklärt sich daraus auch ihre bemerkenswerte Konstanz. Trotz ihrer großen Erfahrung betrachtet sie sich selbst nicht als fertige Spielerin. „Ich bin nie wirklich zufrieden.“ Nicht, weil sie das Erreichte kleinreden würde, sondern weil sie davon ausgeht, dass Entwicklung niemals abgeschlossen ist. „Ich weiß, dass ich mich verbessern kann.“ Auch 14 Jahre nach ihrem ersten Champions League-Spiel bleibt sie offen für Impulse.

👀 Manchester City im Gegnercheck:

Der Scherz, den die Auslosung ernst nahm

Mit dieser Haltung passt sie gut zu einer Champions League-Saison, die Bayern bereits bei der Auslosung vor eine anspruchsvolle Aufgabe stellte. Vor der Ziehung saßen die Münchnerinnen im Fitnessraum und rätselten darüber, welche Gegner ihnen zugelost werden könnten, wie Viggósdóttir beschreibt. City aus Topf drei? Real Madrid aus Topf zwei? „Ein bisschen als Witz“, erzählt sie. Dann wurde aus dem Scherz Realität: Manchester City und Real Madrid. Manchmal braucht der Fußball keine Drehbuchautoren. „Das ist die Champions League. Du musst gegen die besten Mannschaften spielen.“ Natürlich sei die Ligaphase schwierig. Aber genau darin liege auch eine Chance. „Der schwere Weg könne wirklich gut für die Mannschaft sein.“ Das Ziel ist klar: Bayern möchte unter die ersten vier der Ligaphase kommen. Doch Viggósdóttir denkt bewusst nicht weiter als bis zum nächsten Spiel. „Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen.“ Das erste Kapitel folgt am Dienstag in Unterhaching.

Viggosdottir im Einsatz für die FC Bayern Frauen gegen Union Berlin.
Die Münchnerinnen bekommen es in der Champions League mit dem FC Barcelona, Real Madrid, Manchester City, Paris Saint-Germain, Benfica Lissabon und Austria Wien zu tun. | © FC Bayern / Eva Dippold

Viggósdóttir kennt den Sportpark bereits. Beim ersten Spiel vor zwei Jahren gegen Juventus fühlte sich der Ort für sie noch neu und ungewohnt an. Auch weil sie es liebt, gewohnte Abläufe zu haben. Beim Spiel gegen Paris FC im August änderte sich dieses Gefühl. Vor allem die Zuschauer machten den Unterschied. „Die Atmosphäre war unglaublich, es hat sich schon nach kurzer Zeit sehr gut angefühlt.“

Eine Investition in die nächsten Generationen

Was Viggósdóttir an dem Projekt besonders beschäftigt, ist nicht nur die Frage, wie viele Menschen auf den Rängen sitzen. Ihr Blick richtet sich auf die Strukturen, die der FC Bayern für den Frauenfußball aufbauen will. „Ich finde es unglaublich attraktiv für zukünftige Spielerinnen, was der Verein hier macht.“ Darin steckt die eigentliche Dimension dessen, was sie an Unterhaching fasziniert. Eine neue Heimat bedeutet nicht nur einen Ort, an dem die heutige Mannschaft spielt. Sie bedeutet auch einen Ort, an dem die nächste Mannschaft entstehen kann. Die Richtung, die der FC Bayern eingeschlagen hat, begrüßt sie deshalb ausdrücklich. „Es ist eine Investition in die Zukunft.“

Manchester City als erste große Prüfung

Viggosdottir nach ihrem Tor im CL-Viertelfinale gegen Manchester United.
Jubelte im vergangenen Jahr im Champions League-Viertelfinale gegen den Stadtrivalen der Cityzens: Glódís Perla Viggósdóttir. | © FC Bayern

Manchester City wird für den FC Bayern zur besonderen Prüfung, wie auch die Kapitänin weiß. Die Engländerinnen lassen den Ball laufen, rotieren und besetzen Räume immer wieder neu. Viggósdóttir erwartet ein „sehr ausgeglichenes Spiel“ zwischen zwei Mannschaften, die sich in ihrer Spielidee ähneln.

Auf diese Konstellation freut sich die Kapitänin. Ebenso auf das erste Duell mit Khadija Shaw, die Toptorjägerin der Skyblues. Am Dienstag wird sie ihre Mannschaft erneut auf den Platz führen. Ihre Reise durch die Champions League begann als 16-Jährige mit einem Flug nach Finnland und einer Zugfahrt durch Russland. Heute ist der Weg kürzer, der Anspruch größer. Unterhaching soll dabei nicht nur Spielort sein, sondern die neue Heimat der Bayern-Frauen werden.

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Alle wichtigen Fan-Infos zum Duell gegen die Citizens: 

Das Quiz zum Duell gegen Manchester City:

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