



3:0 bei Benfica binnen 14 Minuten
Do | 01.10.2026 | 09:00
Bühl bricht den Bann, Harder schreibt Geschichte: So fand Bayern den späten Weg zum Sieg
Das Estádio da Luz ist für den FC Bayern kein gewöhnliches Stadion. Es ist ein Ort mit Gedächtnis. 2020 reichte den Herren im Champions League-Endspiel gegen Paris Saint-Germain ein einziger Kopfball von Kingsley Coman, um den Henkelpott nach München zu holen. Seitdem trägt diese Kathedrale des portugiesischen Fußballs auch einen bayerischen Stempel.
Auch die FC Bayern Frauen verließen Lissabon an diesem Mittwochabend als Siegerinnen. Allerdings brauchten sie bis in die Schlussphase, um für vermeintlich klare Verhältnisse zu sorgen. Beim 3:0 gegen Benfica fiel Klara Bühls Zauberstreich aus der Distanz erst in der 74. Minute. Bis dahin war die Partie weniger Festspiel als Geduldsprobe: Benfica verteidigte leidenschaftlich und störte die Münchnerinnen empfindlich. Dann ging es plötzlich schnell. Pernille Harder erzielte ihr 50. Champions League-Tor und Franziska Kett setzte den Schlusspunkt. Drei Tore in 14 Minuten. Das klingt auf dem Papier nach Münchner Überlegenheit. Der Weg dorthin war allerdings eher ein Hindernislauf mit gelegentlichen Stolperern.
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Ein Abend für Menschen mit Geduld

Benfica war vorbereitet. Wie eigentlich immer, wenn es gegen die Münchnerinnen geht. Der portugiesische Serienmeister hatte am ersten Spieltag bei Juventus Turin gewonnen und damit bereits klargemacht, dass er in dieser Spielzeit nicht vorhatte, lediglich dekorativ am Rand zu stehen. Entsprechend verteidigten die Gastgeberinnen tief und mit einer bemerkenswerten Begeisterung für Zweikämpfe. Vor dem eigenen Strafraum entstand phasenweise eine portugiesische Stadtmauer, nur mit deutlich mehr Körpereinsatz. Flanken fanden selten ihr Ziel, der letzte Pass kam nicht immer dort an, wo er angekündigt war, und im Zentrum fehlten die Bewegungen, die eine tief stehende Defensive aus ihrer Komfortzone hätten locken können. „Benfica hat es uns sehr schwer gemacht“, sagte Bühl nach dem Spiel. Die Portugiesinnen seien „super eklig in den Zweikämpfen“ und sehr athletisch gewesen.
📺 Die Highlights der Partie im Video:
Viel Ball, wenig Gefahr
Harder hatte in der 37. Minute die beste Münchner Chance im ersten Spielabschnitt. Kurz vor der Pause senkte sich eine Flanke von Bühl gefährlich in Richtung Tor, doch Lena Pauels lenkte den Ball über die Latte. Die Münchnerinnen waren also durchaus anwesend. Es fehlte nur der Moment, in dem aus Anwesenheit Bedrohung wurde. Den hätte Benfica beinahe geliefert. Nach einem abgeblockten Pass von Giulia Gwinn kam Frøya Dorsin aus rund 20 Metern zum Schuss. Ena Mahmutović musste sich ordentlich strecken und bewahrte den FCB vor dem Rückstand. Es war die beste Gelegenheit der ersten Hälfte und ein Hinweis darauf, dass die Partie keineswegs so einseitig war, wie der Münchner Ballbesitz von 65 Prozent vermuten ließ.
Benfica wird mutiger
Nach dem Seitenwechsel wollte Bayern die Sache beschleunigen. Benfica hatte jedoch andere Pläne: Andreia Norton prüfte Mahmutović im kurzen Eck, kurz darauf wurde eine Ecke gefährlich verlängert. Catarina Amado verpasste am zweiten Pfosten nur knapp. Die Münchnerinnen mussten nun aufpassen, dass aus Geduld keine Passivität wurde. Die Partie war nunmehr offen - unangenehm offen. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt sicher sagen, ob die Münchnerinnen irgendwann die Ordnung finden oder Benfica den Abend an sich reißen würde. Cheftrainer José Barcala beschrieb seine Mannschaft später als das Team, das im Laufe des Abends gewachsen sei.

Dann macht Bühl eben Bühl-Sachen
In der 70. Minute deutete sich an, dass Bayern eine Tür gefunden hatte. Eine Kombination durchs Zentrum führte über Momoko Tanikawa und Linda Dallmann zu Harder, die per Hacke in Szene gesetzt wurde. Ihr Abschluss scheiterte an Pauels, aber: Bayern fand erstmals eine Lösung zwischen den Linien. Vier Minuten später passierte es. Nach einem Abschlag von Lissabons Schlussfrau landete der Ball bei Bühl. Die 25-Jährige ließ ihre Gegenspielerin mit einem Haken ins Leere laufen, schuf sich an der Strafraumgrenze Raum und zog mit rechts ab. Der Ball prallte an den linken Innenpfosten und sprang ins Tor. Ein typischer Bühl-Moment: Plötzlich war das zähe Spiel um eine entscheidende Pointe reicher. „Ich dachte erst, dass der Ball wieder herausspringt“, sagte Bühl später lachend. Sie habe mit Zug ins kurze Eck schießen wollen. Das hat funktioniert.
🎙️ Die Stimmen zum Spiel:
Harder schreibt Geschichte - und hält sich nicht lange damit auf
Mit dem 1:0 war Benficas Ordnung dahin. Harder hätte schon kurz nach dem Führungstor erhöhen können. In der 80. Minute bekam sie ihre Gelegenheit dann serviert. Benfica konnte eine Hereingabe nicht konsequent klären, der Ball fiel der Dänin vor die Füße und sie erledigte den Rest mit der ihr eigenen Sachlichkeit. Ihr 50. Champions League-Tor. Einzig Ada Hegerberg und Anja Mittag liegen damit noch vor der 33-Jährigen, Eugénie Le Sommer hat ebenso viele. Die Dänin ist damit in einem exklusiven Kreise angekommen. Anschließend wurde sie folgerichtig zur Spielerin des Spiels gewählt. Viel Zeit, den historischen Moment zu genießen, wollte sie sich allerdings nicht nehmen. Natürlich sei es schön, einen solchen Meilenstein zu erreichen, sagte sie. Aber sie wolle weitere Tore schießen, Spiele gewinnen und der Mannschaft helfen. Harder eben. Andere rahmen sich ihr 50. Tor ein. Die 33-Jährige ist da anders.
Kett macht den Deckel drauf

Benfica war geschlagen, doch erst der dritte Treffer gab dem Abend die Eindeutigkeit, die sein Verlauf lange vermissen ließ. Franziska Kett leitete den Angriff selbst ein, bekam den Ball von Bühl im Strafraum zurück und schloss technisch sauber ins rechte Eck ab. 3:0 in der 88. Minute. Ein Ergebnis wie aus einer überzeugenden Zusammenfassung, auch wenn das Spiel deutlich mehr Geduld erfordert hatte. Linda Dallmann sagte nach der Partie, Bayern habe in der Schlussphase den Kopf bewahrt. Das trifft den Nagel auf den Kopf: Die Münchnerinnen spielten lange nicht ihr Level von Fußball, verloren aber nie die Nerven noch den Glauben an ihre Chancen. Sie blieben im Spiel und warteten, bis Benfica die entscheidenden Räume nicht mehr schließen konnte.
Nicht glänzend, aber wertvoll
Aus diesem 3:0 sollte niemand eine sehr gute Münchner Leistung machen. Dafür war der Auftritt über weite Strecken zu unpräzise und zu wenig zwingend. Im Spielaufbau verlor die Barcala-Elf unter dem Druck der Portugiesinnen zu häufig den Ball. Im letzten Drittel fehlten Tempo, Bewegung und die entscheidende Idee. Aber ebenso falsch wäre es, den Sieg schlechtzureden. Benfica war kein Statist, sondern ein ernstzunehmender Gegner in Europas Beletage. Bayern musste sich diesen Sieg erarbeiten.

Nach dem 2:2 zum Auftakt gegen Manchester City holten die Münchnerinnen ihren ersten Dreier in der Ligaphase. Das verschafft der Mannschaft ein kleines Polster, wie Bühl sagte. Ein Polster ist allerdings noch kein ganzes Sofa, ausruhen sollte sich darauf niemand. Am 28. Oktober wartet Real Madrid, danach folgen unter anderem Paris Saint-Germain und Titelverteidiger FC Barcelona. Zunächst geht es am Wochenende aber zum Topspiel nach Frankfurt. Dort wartet der Tabellenzweite.
Der Sieg in Lissabon bringt deshalb nicht nur drei Punkte. Er liefert auch etwas, das in einer langen Saison mindestens ebenso wichtig ist: das Gefühl, eine schwierige Partie nicht unbedingt schön, aber erfolgreich zu Ende bringen zu können. Bayern hat im Estádio da Luz bei weitem keine perfekte Leistung gezeigt. Doch die Münchnerinnen blieben aufrecht stehen, als der Abend unangenehm wurde. Dann kam Bühl mit ihrem Zauberstück. Harder setzte den historischen Akzent, Kett schloss die Angelegenheit ab. Das 3:0 war deshalb weniger eine Demonstration als ein Beweis von Widerstandskraft. Bayern gewann nicht, weil alles leicht aussah. Bayern gewann, weil die Mannschaft weitermachte, obwohl lange wenig ging.
🗞️ Zum Spielbericht gegen Benfica:
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