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Leon Radosevic im Interview

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Er ist derjenige, der in dieser Saison an der Seite von Devin Booker und Danilo Barthel unter dem Brett aufräumen soll: Leon Radosevic, kroatischer Center mit deutschem Pass. Ein Gespräch über seine neue Umgebung – und vage Pläne für ein erstes Tattoo.

>> Spielerprofil Leon Radosevic

"Meine sportlichen Ziele sind es dann natürlich, im Idealfall das nationale Double mit den Bayern zu wiederholen und in der EuroLeague soweit wie möglich zu kommen. Zumindest bis in die Playoffs, das wäre stark."

Leon Radosevic

Der Wechsel nach München

Leon, einst Berlin, zuletzt Bamberg und jetzt München, Du hältst Dich nun schon länger in der Bundesliga auf. Wie fiel Deine Entscheidung zugunsten des FC Bayern?

Sie fiel schnell, das war für mich überhaupt keine schwere Entscheidung. Als ich gehört habe, dass der FC Bayern mich will und ich dann wusste, dass sie in der EuroLeague spielen und dort auch eine gewisse Rolle spielen wollen, war für mich klar, dass ich nach München wechsele. Denn ich will immer auf dem höchsten Niveau spielen und mich mit den Besten messen.

Was hast Du Dir hier sportlich vorgenommen?

Erst einmal möchte ich mich weiter gut in der Mannschaft integrieren und meinen Teil zu einer perfekten Teamchemie beitragen. Meine sportlichen Ziele sind es dann natürlich, im Idealfall das nationale Double mit den Bayern zu wiederholen und in der EuroLeague soweit wie möglich zu kommen. Zumindest bis in die Playoffs, das wäre stark.

Wie siehst Du dabei Deine Rolle im Team?

Natürlich bin ich da, um mit meiner Erfahrung, die ich bereits in der EuroLeague sammeln konnte, dem Team zu helfen. Aus den vergangenen Jahren weiß ich, wie schwer diese Saison wird. Wir werden sehr viel spielen und reisen und wenig zuhause sein. Aber wir alle lieben diesen Sport und sollten das auch während so einer harten Saison nicht vergessen.

Wie ist Dein Eindruck von München?

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bisher noch nicht viel gesehen habe. Nur nach dem Medizincheck war ich ein bisschen in der Innenstadt unterwegs. Da war ich echt überrascht, wie schön es hier ist. Der erste Eindruck ist also bestens. Mal schauen, ob ich die Stadt in den nächsten Wochen noch besser kennenlernen kann. In der Vorbereitung waren wir auch viel unterwegs, demnächst kommen die vielen Reisen. Aber ich glaube, als abwechslungsreicher Rückzugsort ist diese schöne, entspannte Millionenstadt perfekt.

Du bist zwar in eine neue Stadt gezogen, einige Teamkollegen kennst Du aber schon länger . . .

. . . genau, vor allem Alex King kenne ich schon seit meiner Zeit in Berlin (King und Radosevic spielten 2013 und 2014 zusammen bei Alba/Anm.d.Red.). Seit dem ersten Jahr dort sind wir befreundet und waren sogar schon gemeinsam im Urlaub. Ich kann nur sagen: Ein super Typ, den ich fast wie einen Bruder liebe.

Deinen Kollegen auf der Center-Position, Devin Booker, kanntest Du bisher nur als Gegner. 2014 hast Du mal in einem Interview gesagt, dass es bis dahin keinen BBL-Center gab, der Dich beeindruckt habe. Wie war das mit Devin letztes Jahr?

Devin ist ein toller Spieler und Typ; sehr talentiert, stark und schnell. Er hat alle Eigenschaften, die ein Big Man mitbringen muss: ein sehr vielseitiger Spieler und deshalb hart zu stoppen. Er war im letzten Jahr in der BBL sicher mein unangenehmster Gegenspieler, unter Umständen hat er mich sogar ein wenig beeindruckt . . . (lacht). Dennoch sehe ich mich als Defensivspezialist und finde meistens einen Weg, gegen jeden Big Man zu bestehen. Devin und ich können deshalb dieses Jahr sicher Einiges voneinander lernen.

Vorbilder

Von wem hast Du sonst in der Vergangenheit lernen können? Wir wissen zum Beispiel, dass Cristano Ronaldo ein Sportler ist, den Du tatsächlich bewunderst.

Das stimmt. Ich bewundere Ronaldo vor allem für seine Einstellung zu seinem Sport. Mit welcher Leidenschaft und mit welcher Disziplin er seine Ziele verfolgt, wie professionell er immer ist. Das ist schon sehr beeindruckend, daran kann man sich orientieren.

Und im Basketball? Gibt oder gab es da für Dich in Deiner Karriere prägende Persönlichkeiten?

Ja, da gab es zum Beispiel Dino Radja (ehemaliger jugoslawischer und kroatischer Profi, der in den 90ern für die Boston Celtics in der NBA spielte/Anm.d.Red.). Ich habe mit ihm gearbeitet, bevor ich nach Berlin gegangen bin und auch in der Zeit zwischen Berlin und Bamberg. Er war von der Einstellung her so ein Typ wie Ronaldo: Sein ganzer Fokus galt dem Sport. Es gab für ihn nur den Basketball. Familie und alles Andere wurden hintenangestellt. Sein ganzes Leben war dem Sport untergeordnet. Ich kann jetzt nicht über mich sagen, dass ich zu hundert Prozent dieser Typ bin, aber ich gebe mir Mühe.

Persönliches

Was bist Du privat für ein Typ?

Zuhause bin ich eher ein ruhiger Typ, während ich auf dem Court auch mal emotionaler werden kann. Das hängt von der Situation ab. Auch auf dem Platz bin ich ja meistens ruhig, doch nur bis zu einem gewissen Punkt . . .

Woher kommt es, dass du auf dem Platz schon mal emotional reagierst? Gehört das auch zur kroatischen Mentalität?

Ja, es ist wirklich bei mir so eine Mischung aus allem. Ich kann über mich wirklich nicht sagen, dass ich immer gleich reagiere. Doch ich versuche inzwischen auch in schwierigen, emotionalen Situationen, auf dem Court die passende Reaktion zu zeigen. Das haben mir meine Eltern, früheren Trainer und eben auch Dino so beigebracht.

Was machst Du in Deiner Freizeit, wenn Du nicht auf dem Court bist?

Also wenn ich mal zuhause bin und meine Familie (Leon ist verheiratet und hat eine zweijährige Tochter/d.Red.) gerade nicht da ist, spiele ich gerne auf der Playstation. Wenn sie da sind, verbringe ich meine gesamte Freizeit mit ihnen. Wir gehen raus, eine Runde spazieren und solche Sachen. Ganz unspektakulär, wie andere Leute auch.

Wie bist Du damals in Sisak in Kroatien aufgewachsen? Du hast ja auch erst mit 14 mit dem Basketball angefangen. . .

Das stimmt, aber ich war trotzdem schon davor ein Sportverrückter. Egal, ob Rennen, Schwimmen, Tennis, Fußball, Basketball oder Volleyball - ich war immer draußen. Doch ehrlich gesagt habe ich früher lieber Fußball als Basketball gespielt. Ich war mit meinen Freunden in jeder freien Minute beim Kicken, egal wo. Mit unseren Schultaschen haben wir Tore gemacht und dann ging es los. Ich war auch da schon sehr ehrgeizig, wollte mich stetig verbessern und immer gewinnen.

Kommt aus dieser Zeit auch Dein Spitzname Lion?

Ja, so in etwa. In der Jugend, als ich mit 15 noch in Kroatien gespielt habe, hat ein Coach mir den Spitznamen Lion verpasst, weil ich auf dem Feld immer alles gegeben und wie ein Löwe gekämpft habe. Im Gegensatz dazu war ich vor allem bei den Trainingseinheiten am Morgen immer müde und wollte auch sonst die ganze Zeit nur schlafen; ähnlich wie ein Löwe, der sich nach der Jagd im Schatten ausruht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Basketballprofis hast Du noch kein Tattoo. Wäre da der Löwe nicht eine gute Idee?

Ich denke da wirklich schon sehr lange darüber nach! Vielleicht wird es ein Löwe oder ein Tiger auf der Brust. Wenn, dann wird es auf jeden Fall kein kleines Tattoo, das macht für mich keinen Sinn. Ich bin mir wegen dem Motiv einfach immer noch nicht sicher, obwohl ich schon seit Jahren mit meiner Frau darüber spreche. Aber ich möchte mir da einfach zu 100 Prozent sicher sein.

Und was macht Leon Radosevic nach seiner aktiven Karriere?

Ich hoffe wirklich, dass ich dann erst einmal gar nichts mehr machen muss (lacht). Ich würde gerne Zuhause oder am Strand chillen und einfach das Leben genießen. Neben der Familie kommt das als Profisportler nämlich einfach zu kurz.


Leon Radosevic im Trikot des FCBB

(Foto Credits: Rauchensteiner, Stickel)


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