
In einer Zeit, in der sich Menschen in der ganzen Welt sehr schwierigen Umständen ausgesetzt sehen, ist einer unserer Spieler bereits erfahren, Katastrophen zu bewältigen und kann eine Menge in Sachen Ausdauer und Widerstandsfähigkeit in solchen Situationen weitergeben.
Unser Center Greg Monroe musste die Erfahrung, wie man in einer für die gesamte Gesellschaft schwierige Situation durchkommt, erster Hand machen. Als Teenager wurde er von einem Hurrikan aus seinem Haus vertrieben. Monroe wurde in New Orleans geboren und wuchs dort auf. Als er 15 Jahre alt war, wurde die gesamte Stadt durch Hurrikan Katrina urplötzlich zum Katastrophengebiet – einer der stärksten Stürme, der die USA jemals traf.
„Ich war gerade ein Sophomore in der High-School. Wir lebten ca. 15 Minuten entfernt vom Zentrum von New Orleans“, erinnert sich Greg an diese traumatische Zeit. „Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als meine Familie entschied, zu evakuieren und die Stadt zu verlassen. Wir haben die Nachrichten wie immer verfolgt, es gab wie jedes Jahr Hurrikan-Warnungen und immer, wenn ein Hurrikan den Golf von Mexiko erreichte, mussten wir sehr wachsam sein.“
„Dieses Jahr war es ein ganz besonders schlimmer Sturm und die Stadtverwaltung empfahl, dass evakuiert werden solle. Also sind wir nach Houston (ca. 500 km westlich von New Orleans). Wir sind mit der ganzen Familie geflohen und wir waren glücklich, dass wir alle zusammenbleiben konnten. Ich erinnere mich noch immer daran und denke rückwirkend, dass wir sehr viel Glück hatten, zusammenbleiben zu können und dass jedem geholfen werden konnte. Viele andere Familien hatten in dieser Hinsicht nicht so viel Glück.“

Ursprünglich nahmen Monroe und seine Familie – genau wie viele andere Evakuierte – an, dass ihre Flucht an einen anderen Ort nur temporär sei und dass sie schon bald wieder nach Hause könnten, sobald der Sturm durchgezogen war. Aber die Brutalität von Hurrikan Katrina, welche fast 2.000 Menschen tötete und einen materiellen Schaden von mehr als 100 Milliarden Dollar anrichtete, machte das unmöglich.
„Wir sind nach Houston und dachten, dass wir da so drei, vier Tage bleiben würden. Am Ende haben wir dort eineinhalb Monate ausgeharrt.“
Als Greg und seine Familie endlich nach Hause konnten, gab es sehr viel Arbeit zu erledigen: man musste das ganze Haus wieder in die Reihe bringen und versuchen, seine gewohnten Lebensweisen wiederaufzunehmen.
„Es war so viel kaputt. Das Erdgeschoss wurde komplett geflutet, wir mussten alles neu machen – die ganzen Möbel, den Boden, die Elektrik. Außerdem mussten wir ein Loch im Dach flicken. Allerdings hatten wir eher noch Glück überhaupt in unser Haus zurückzukehren – noch heute gibt es Häuser in der Stadt, die einfach zurückgelassen wurden.“
Nicht überraschend, betrachtet unser Center diesen Punkt in seinem Leben als einen „Life-Changing-Moment“.
„Danach habe ich definitiv einen anderen Blick auf das Leben bekommen – ich habe das „Big Picture“ besser gesehen. Ich habe die kleinen Dinge im Leben mehr geschätzt. Obwohl ich zu der Zeit ein Teenager war, war ich alt genug, all das was um mich herum passiert ist, zu verstehen und meine Einstellung zum Leben entsprechend anzupassen. Jeder, der durch diese harte Zeit gegangen ist, kam erwachsener wieder raus. Du musst einfach gestärkt rauskommen, um deinem Leben überhaupt wieder nachgehen zu können.“

„Viele Sportler in unserer Stadt waren zu dieser Zeit großartige Vorbilder. Jungs wie Drew Brees oder Chris Paul…wie die unsere Stadt unterstützt haben mit allem was sie hatten, um den Wiederaufbauprozess zu beschleunigen. Die Stadt wird ihnen für immer dankbar sein.“
„Dieses Verhalten und diese Führungsqualitäten sind mir in Erinnerung geblieben. Ich versuche daher auch so viel ich kann zurückzugeben, mich stets mit dem richtigen Mindset zu zeigen und entsprechend zu verhalten. Und letztlich zu verstehen, dass es ein großes Privileg ist, ein Profisportler zu sein. Leute schauen zu uns auf. Deswegen ist es unsere Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen und Vorbilder für die junge Generation zu sein.“
© Interview von Andy West, Euroleague.net // deutsche Fassung teils gekürzt, ENG-Originalfassung hier