Business Circle Expertentalk

Rainer Winter | Inhaber, Trainer & Coach der Leaders Academy München

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Was ist Ihre größte Herausforderung bei der Führung Ihrer Mitarbeiter*innen? Diese Frage, die wir im Rahmen unserer Kennenlernworkshops unseren Kunden gestellt haben, hat bis vor einem Jahr regemäßig sehr ähnliche Ergebnisse geliefert: Mitarbeitermotivation, Teamspirit, Zeitmanagement.

Dann kam Corona. Unsere Erwartung war, dass sich die Herausforderungen in der Führung nun ändern würden; ein Irrtum. Die Herausforderungen sind die gleichen geblieben, sie sind nur anders gelagert und werden anders wahrgenommen. War bis vor einem Jahr das „Wie mache ich das überhaupt?“ die Herausforderung so heißt sie jetzt „Wie komme ich eigentlich an meine Mitarbeiter*innen ran, damit ich das „WIE“ überhaupt anwenden kann?“.

„Führen auf Distanz“ wird als die große Herausforderung wahrgenommen. Dabei ist Führen auf Distanz kein neues Thema. Schon seit Jahrzehnten werden Teams ohne direkte persönliche Begegnung geführt. Denken Sie nur an große Außendienstorganisationen in Vertrieb und Service. Hier sehen sich Mitarbeiter*innen und Führungskräfte vielleicht einmal im Monat. Der Unterschied zu heute ist jedoch: Sie konnten sich frei entscheiden, wann und wie oft sie sich sehen. Gab es ein Problem, hat man sich persönlich getroffen und das Problem aus der Welt geräumt. Das geht heute nicht mehr so ohne weiteres und das ist für viele die eigentliche Herausforderung. Wir haben oftmals den Eindruck, wir könnten nicht frei entscheiden, wie nah und persönlich wir unser Team führen und seien auf „Gedeih und Verderb“ den äußeren Umständen ausgeliefert. Das ist ein Trugschluss. Tatsächlich hat es jeder selbst in der Hand, wie er die Situation für sich bewertet und welche Schlüsse er daraus zieht.

Mindset

Das eigene Mindset, also die Art und Weise, wie wir Situationen bewerten und wie wir darauf reagieren können wir stärker beeinflussen, als wir uns selbst eingestehen. Das eigene Mindset zu verändern bedeutet nicht nur mein Denken, sondern auch die Ergebnisse meines Tuns zu verändern. „Immer das gleiche zu tun und dann andere Ergebnisse zu erwarten“ fand schon Einstein nicht besonders pfiffig.

Was tun?

Die Frage ist also: „Was kann ich jetzt tun?“ Übrigens auch eine gute Frage, wenn ein Fehler passiert ist. Die meisten Fragen zuerst: „Wie konnte das passieren?“. Hilft zwar bei der Aufarbeitung dient aber nicht dazu schnell ins Handeln zu kommen.

Um Mitarbeiter*innen auch auf Distanz gut führen zu können, ist es wichtig sich klarzumachen, welchen Führungsstil man selbst bevorzugt. Wir unterschieden einerseits zwischen „Führen über Vertrauen“ und „Führen über Kontrolle“ und andererseits zwischen „Führen über Ziele“ und „Führen über Arbeitsanweisungen“. Jemand der eher geneigt ist über Vertrauen und Ziele zu führen tut sich in der Führung auf Distanz leichter als jemand der über Kontrolle und Arbeitsanweisungen führt. Sie werden vermutlich denken: „Na ja, ich mach das mal so und mal so – je nachdem welchen Mitarbeiter*in ich vor mir habe“. Und das ist auch völlig in Ordnung. Es geht hier um die Tendenz und das Bewusstsein dafür, zu welchem Führungsstil Sie neigen. Erst wenn Sie das für sich geklärt haben, können Sie weitere Maßnahmen ergreifen, um Ihr Führungsverhalten stärker auf die aktuelle Situation anzupassen. Es gibt hier übrigens kein Falsch und kein Richtig was die unterschiedlichen Ausprägungen angeht, sondern nur um eine unterschiedliche Herangehensweise bei der Änderung des Führungsverhaltens.

Tipps für das Führen auf Distanz:

  1. Führen Sie über Ziele
  • Formulieren Sie für alle Mitarbeiter*innen SMARTe Ziele
  • Alle Ziele sollen direkt oder indirekt auf die Quartals- und Jahresziele des Teams einzahlen – Identifikation zählt
  • Viele Wege führen nach Rom – Lassen Sie Ihre Mitarbeiter*innen den für sich besten Weg finden und bieten Sie sich im bei Bedarf als Navigator an
     
  1. Feste Meeting Strukturen führen zum Erfolg
  • Tauschen Sie sich mit Ihren Mitarbeiter*innen so oft wie möglich aus. Z.B. über „Dailys“. Das Team trifft sich virtuell und jeder hat eine Minute, um zu berichten, wie es ihm geht, was er gestern gemacht hat, was er heute vorhat und wo er Unterstützung braucht
  • Führen Sie feste wöchentliche Meetings ein, um die Mitarbeiter*innen stärker an sich, untereinander und an das Unternehmen zu binden.
  • Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, 1:1 Gespräche mit Ihren Mitarbeiter*innen zu führen, um sich ein Bild von der emotionalen Stimmung und den Herausforderungen zu machen
  • Sprechen Sie auch über privates. (Es hilft enorm, wenn alle, die an einer Videokonferenz teilnehmen 1. ihre Kamera einschalten und 2. keinen virtuellen Hintergrund verwenden. Das schafft Nähe und Vertrauen, weil man sich auch mal über die Wickelkommode im Hintergrund oder die durchs Bild laufende Katze unterhalten kann.)
  • Seien Sie Vorbild

Von der Kontrolle ins Vertrauen

Welche Wege gibt es, um Mitarbeiter*innen mehr Vertrauen zu schenken. Um Vertrauen zu haben, brauchen Mitarbeiter*innen in ihrem Arbeitsumfeld psychologische Sicherheit, Zuverlässigkeit und Sinnhaftigkeit in ihrem Tun. Sie haben als Führungskraft darauf direkten Einfluss.

  1. Zeigen Sie Wertschätzung – mehr als sonst
  2. Seien Sie berechenbar – Mitarbeiter*innen müssen sich auf Ihr Wort verlassen können
  3. Zeigen Sie echtes Interesse an Ihren Mitarbeiter*innen
  • Führen Sie Vertrauensgespräche – auch digital
  • Seien Sie präsent – Lassen Sie Ihre Mitarbeiter*innen mit Fragen und Herausforderungen nicht allein
  • Schaffen Sie Raum für lockeren Austausch – z.B. virtuelle Kaffeepause, OnlineGaming etc.
  1. Seien Sie mutig - übergeben Sie Mitarbeiter*innen kleinere Projekte, um sich zu beweisen

Weitere Informationen zur Leaders Academy München finden Sie hier.

 

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