Business Circle Talk

Julia Willer | Human Rescources Manager FC Bayern München

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In unserer Rubrik „BC-Talk“ verraten erfolgreiche Unternehmer, Kreative und bekannte Persönlichkeiten ihre Tipps zum Thema Netzwerken, Karriere und Arbeitsleben. In unserem ersten Business Circle-Talk der Saison 2020/21 verrät uns Julia Willer – Human Resources Manager | FC Bayern München, Ihre persönlichen Ansichten zum Thema Recruiting.

 

1. Warum ist das Recruiting heute so wichtig für Unternehmen?

„Mitarbeiter tragen einen erheblichen Teil zum Unternehmenserfolg bei. Internes und externes Recruiting ist entscheidend, vor allem für Unternehmen im Bereich People Business, bei denen die Potentiale der Menschen das Kerngeschäft bilden. Wir möchten Kolleginnen und Kollegen finden, die zu uns passen, deren Werte mit unseren übereinstimmen, die motiviert und qualifiziert sind. Wir suchen also den richtigen Spieler auf der richtigen Position auf und neben dem Platz.“

 

2. Wie rekrutiert ihr beim FC Bayern ganz konkret?

„Wir rekrutieren über unser Job Portal, einen Talentpool sowie über interne Bewerbungen. Vor allem im sportlichen Bereich ist es kein klassischer Recruiting Prozess. Wir konzentrieren uns auf objektive Kriterien, die zuvor definiert wurden. Die richtige Qualifikation ist für uns Grundvoraussetzung, aber auch Persönlichkeit sowie die Einstellung zum Job sind ausschlaggebend. Wir suchen Bewerber, die wissen wo ihre Stärken liegen und motiviert sind diese auszubauen und einzusetzen. Charaktere, die ein Spiel lesen können, proaktiv und nicht reaktiv auf Veränderungen reagieren.“

 

3. Hast du ein Patentrezept für die Bildung einer starken Arbeitgebermarke?

„Als FC Bayern München dürfen wir uns sehr glücklich schätzen, von der Strahlkraft unsere Marke zu profitieren. Im Kern geht es um die authentische Darstellung der Marke. Wer sind wir wirklich, wer passt zu uns und welche Versprechungen machen wir. Welche Unternehmensstrategie verfolgen wir und wen brauchen wir dazu? Das sind alles Fragen, die ehrlich beantwortet werden sollten, bevor eine Arbeitgebermarke auf der Website verkauft wird, die sich zwar spannend anhört, am Ende aber eine falsche Erwartungshaltung weckt.“

 

4. Wo siehst du die größten Herausforderungen im Recruiting?

„Die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist eine der größten Herausforderungen. Als Personaler ist es nur bedingt möglich die Qualifikation der Kandidaten zu beurteilen. Die Fachabteilung, vor allem aber das Team, muss mit der Auswahl zufrieden sein. Wir können unterstützen, Aspekte der Diversität mit einbringen, objektive Kriterien, Stellenprofile und Kompetenzen definieren. Die wirkliche Performance zeigt sich am Ende aber erst in der Zusammenarbeit mit dem Team.

Auch Themen wie der Fachkräftemangel, demografischer Wandel, New Work etc. sind wichtige Faktoren, mit denen wir uns beschäftigen. Gerade im IT-Bereich stellt uns das bereits jetzt vor Herausforderungen. Strategische Personalplanung und Personalentwicklung spielen daher ebenfalls eine immer wichtigere Rolle.“

 

5. Was erwarten heute Talente von ihrem Arbeitgeber? Und was hat sich an den Ansprüchen in den vergangenen zehn Jahren verändert?

„Der Arbeitsmarkt verändert sich stetig. Vor der Corona Krise haben die Ansprüche der Arbeitnehmer den Arbeitsmarkt wesentlich bestimmt. Das hat sich wieder ein Stück weit relativiert. Trotzdem sollte man sich an die veränderten Erwartungen anpassen. Generell wird die Anfrage nach Entscheidungsspielraum größer. Wie viel Verantwortung man als Mitarbeiter bekommt – die berühmte Frage nach dem Sinn. Es ist das Gefühl etwas bewegen zu können und Teil von etwas zu sein, was uns als sinnvoll erscheint.

Mitarbeiter erwarten also Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die Möglichkeit sich einzubringen sowie sich fortbilden zu dürfen. Grundsätzlich ist es schwer diese Frage nach den Ansprüchen pauschal zu beantworten, da es hier um Individuen geht, die alle unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Erfahrungen mit sich bringen. Im ersten Schritt ist es also wichtig diese zu verstehen, um dann auf jeden Einzelnen individuell eingehen zu können.

Ich persönlich ziehe meine Motivation aus der Begeisterung der Fans und der Strahlkraft unseres Clubs. Es reicht der Blick bzw. das Gefühl, welches wir aktuell alle unheimlich vermissen, in der Allianz Arena zu stehen und 75.000 Zuschauer zu beobachten, wie sie gespannt auf den Platz blicken und daraufhin fiebern, dass ein Tor fällt. Alle mit der gemeinsamen Leidenschaft. Das macht mich immer wieder sprachlos.“

 

 

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