Zurück aus Mailand

„Es gab so viele verrückte Momente mit uns dieses Jahr!“

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Um kurz nach zehn verließen die Bayern am Mittwochmorgen ihr Mailänder Quartier an der Porta Romana. Die Enttäuschung über die knapp verpasste Sensation einer Final Four-Teilnahme wird noch ein Weilchen andauern, das war dem Münchner Mienenspiel zu entnehmen. Doch die vielen Komplimente von allen Seiten für eine famose wie denkwürdige Saison mit 23 Siegen in 39 EuroLeague-Partien haben die Bayern sehr wohl vernommen, wie auch Nationalspieler Paul Zipser, 27, bestätigt. Ein letztes Interview auf italienischem Boden über den größten internationalen Erfolg der Bayern.     

Paul, wie lange konntest Du schlafen nach diesem Drama von Spiel fünf?

Paul Zipser: „Ich weiß es gar nicht genau. Weniger als sonst natürlich, das auf jeden Fall. Ein paar Stunden waren es wohl.“

Die Reise ins Ungewisse begann mit der Vorbereitung im schönen Bruneck Anfang September, acht Monate später endet eine unglaubliche EuroLeague-Spielzeit im fünften Playoff-Spiel. Was ist seit Bruneck passiert mit dieser Gruppe?

„Diese EuroLeague-Saison war auf jeden Fall etwas sehr, sehr Besonderes. Wenn ich daran denke, wo wir in all den Rankings vor der Saison standen – da wurden wir ja auf dem letzten oder vorletzten Platz geschätzt. Jetzt waren wir in den Playoffs und das passt einfach zu den Charakteren dieser Mannschaft: Wir kämpfen, wir hassen es, zu verlieren. Wir sind zusammengewachsen und so oft zurückgekommen in den Spielen, ob das nun auswärts oder zuhause war, selbst nach großen Rückständen . . .“
 


. . . elfmal habt ihr zweistellige Rückstände noch in einen Sieg gedreht . . .

„ . . . auch jetzt in den Playoffs und dass wir so einen Fight in der Serie abgeliefert haben, hat offenbar auch viele Fans zuhause beeindruckt, ob das nun Bayern-Fans waren oder Basketball-Fans allgemein. Ich glaube, die Leute hatten viel Spaß mit uns in dieser EuroLeague-Saison. Und das ist ja unser Job und darauf können wir sehr stolz sein, wie wir auch in den letzten Spielen nach einem 2:0 für Mailand gekämpft haben, hierhin zurückgekommen sind und am Ende die Chance hatten, sogar ins Final Four zu kommen.“

Du erwähnst die Anteilnahme und die Aufmerksamkeit für die Leistungen der Mannschaft, sie war und ist enorm.

„Ja, auch ich habe nach Spielen unheimlich viele Reaktionen bekommen und gehört, dass wohl bei den Zuschauerzahlen im Fernsehen Rekorde aufgestellt wurden. Das versuchst du natürlich auszublenden, um dir nicht unnötig darüber Gedanken und Druck zu machen. Aber man hat schon mitbekommen, dass uns viele in Deutschland sehr gern zugeschaut haben. Das ist ein gutes Gefühl.“

Paul Zipser
„Es geht jetzt um zwei Titel“

Wann habt Ihr, wann hast Du gemerkt, dass das ein besonderes Team ist, dass es click gemacht hat?

„Solche Momente gab es immer wieder. Aber wie wir zum Beispiel in Tel Aviv bei Maccabi und dann in der gleichen Woche auch noch bei Fenerbahce beide Auswärtsspiele gewonnen haben (Mitte Oktober; Anm.d.Red.), auch in Istanbul nach einem Comeback . . .“

. . . bei Fener waren es 21 Punkte Rückstand . .

„ . . . ja, und das waren die Momente, in denen wir plötzlich gemerkt haben: Okay, wir sind nicht nur nah dran, wir können die Dinger auch gewinnen.“

Was war für Dich der verrückteste Moment der Saison?

„Da gab es einige! Die Playoff-Serie jetzt war schon spektakulär, Spiel drei ist in meinem Kopf und natürlich Spiel vier mit den irren Aktionen am Ende. Es gab so viele verrückte Momente mit uns dieses Jahr in der EuroLeague! Da brauche ich wohl noch ein paar Tage, um das alles im Kopf zu sortieren.“
 

Wie schwer wird es jetzt, auf die BBL umzuschalten?

„Das haben wir ja die ganze Saison schon gemacht. Bis jetzt lag der Fokus natürlich auf den EuroLeague-Playoffs – aber sobald das ein bisschen aus den Köpfen der Jungs ist, werden wir das gut hinbekommen. Es geht um zwei Titel, die wir holen können. Da wird es uns nicht schwer fallen, uns neu zu fokussieren.“   

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