„Es steht ein sanfter Umbau bevor“

Bayern-Chefcoach Andrea Trinchieri präsentiert sich erstmals in München

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Seit Mittwochmittag ist Andrea Trinchieri in München, am Donnerstagvormittag stellte sich der neue Head Coach der Bayern-Basketballer gemeinsam mit Geschäftsführer Marko Pesic und Sportdirektor Daniele Baiesi den Fragen der Medien.

Andrea Trinchieri über . . .

. . . seine ersten Eindrücke vom FCBB und die nächsten Ziele:

„Es ist ein großer Klub mit viel Tradition. Der FC Bayern ist eine Marke, die mehr ausdrückt, als ich das je beschreiben könnte. Die DNA des Klubs beschreibt, was und wie wir es machen müssen.“

. . . den sogenannten Erfolgsdruck beim FC Bayern:

„Gestern hat mir jemand erzählt, dass Druck Diamanten entstehen lässt. Im Ernst: Druck ist etwas, was zu diesem Business gehört und es macht dich besser. Ich fühle einen normalen Druck, das Beste zu machen, was ich kann.“

. . . über die zunächst vereinbarte Vertragslaufzeit von einem Jahr:

„Wenn Sie sich umsehen, sehen Sie Masken, richtig? Man kann sowas (die Laufzeit) immer positiv oder negativ sehen. Es ist für jeden auf der Welt eine besondere Situation in dieser Pandemie. Wir haben aktuell auf viele Fragen keine Antworten; auf Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Wieso sollte man es also noch komplizierter machen? Wichtig ist der Erfolg für den FC Bayern. Und es ist nicht ein Schritt, es ist der erste Schritt.“

. . . die Situation der deutschen Kaderplätze:

„Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir deutsche Spieler haben werden, die uns weiterhelfen werden. Wir müssen etwas kreativ werden und uns vorstellen, was uns die Spieler geben können und nicht nur darauf konzentrierten, welcher Spieler er jetzt ist. Wir haben junge Spieler, die uns viel Energie geben werden. Davon bin ich überzeugt.“

. . . seine Eindrücke der vergangenen FCBB-Saison:

„Ich möchte nicht über die vergangene Saison sprechen, das wäre nicht fair als jemand Unbeteiligter. Solche Saisons passieren jedem und ich bin mir sicher, dass dennoch jeder sein Bestes gab. Ich möchte über die nächsten Schritte sprechen und was wir zu tun haben, um erfolgreich zu sein.“

. . . seine Vorstellungen vom Kader:

„EuroLeague-Kader haben normal 15 Spieler. Wir werden aber nicht nur auf 15 Veteranen setzen können, die alle schon EuroLeague gespielt oder Titel in der Liga gewonnen haben. Ich möchte auch mit Talenten spielen. Ich möchte, dass sich die jungen Spieler entwickeln – das ist der Plan von Marko, Daniele und mir. Wir müssen uns als Team Schritt für Schritt entwickeln. Es steht ein sanfter Umbau bevor.“

„Wir wollen ein athletisches und flexibles Team sein“

Foto-Credit: Hans Rauchensteiner

. . . seine Philosophie und die nächsten Aufgaben:

„Das Zusammenführen eines athletischen, variablen Kaders mit Talenten und mit der bestmöglichen Teamchemie; mit klaren Zielen und Herangehensweisen, wie die Ziele zu erreichen sind. Zuerst hast du eine Philosophie, dann eine Strategie und am Ende die Taktik. Wir wollen ein athletisches Team sein und flexibel auf den einzelnen Positionen. Außerdem werden wir frisches und junges Blut dazubekommen. Es wird keinen Kompromiss darin geben, jeden Abend wirklich alles zu geben und hart zu spielen. Wir werden alles geben und sollte ein Gegner mal besser sein, muss er es sich auf dem Court verdienen, zu gewinnen. Unsere Stärke wird unser voller Einsatz jeden Abend sein.“

. . . ob er sich seit seiner Zeit in Bamberg verändert habe:

„Das hoffe ich, das hoffe ich doch sehr. Denn im Leben geht es um Entwicklung. Ich habe einige Entscheidungen in meinem Leben getroffen, um diese Entwicklung zu beschleunigen. Zuletzt nach Belgrad gegangen zu sein, war eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffen konnte. Ich hoffe es also wirklich, denn es wäre langweilig, die gleiche Person zu bleiben – und ich möchte nicht langweilig sein.

Marko Pesic über . . .

. . . Andrea Trinchieri:

„Andrea war zuletzt an drei Standorten tätig, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und überall hatte er Erfolg. Man hat immer ein System erkannt, sein Basketball hat mir an jedem Standort imponiert. Das Anforderungsprofil für einen Trainer hier ist klar: Wir wollen jedes Spiel, in das wir gehen, gewinnen. Seine Mannschaften bringen klar rüber, wofür sie stehen.“

. . . die Vertragslaufzeit von einem Jahr:

„Es gab verschiedene Optionen. Aber wir kamen gemeinsam zur Erkenntnis, dass wir das Schritt für Schritt angehen wollen. Wir konzentrieren uns darauf, das Projekt anzuschieben, dann sehen wir weiter.“

. . . die Zielsetzung in der kommenden Saison:

„Jetzt darüber zu sprechen, was vielleicht im April, Mai passiert, möchte ich nicht. Ich weiß, dass die Spieler, die zurückkommen sehr, sehr motiviert sein werden. Die Spieler, die wir neu holen werden, bringen den Hunger mit sich, zu beweisen. Wir werden angreifen ohne Ende, denn wir haben etwas zu beweisen. Wir werden Contender sein, egal, gegen wen wir spielen. Doch bevor wir über Titel sprechen, müssen wir unseren Plan einhalten, dass uns das, was im Final-Turnier passiert ist, nicht wieder passiert. Wir brauchen Spieler, die Hunger und Verlangen haben und dem Verein und Trainer folgen. Wir werden aber angreifen und attackieren.“

„Herr Hainer ist eine große Stütze in dieser schwierigen Zeit“  

. . . über den überhitzten Markt in der EuroLeague und Zielsetzungen:

„Unsere mittel- und langfristigen Ziele haben sich nicht geändert. Wir werden keine Risiken eingehen, um kurzfristig verrückte Sachen zu machen. Was die letzten Wochen auf dem Spielermarkt passierte, da wundert man sich. Wir sind hier in einer anderen Situation. Wir können uns nicht davon treiben lassen, was Barcelona, Mailand, ZSKA Moskau oder andere große Vereine machen; wir müssen einen eigenen Weg finden. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, werden wir das auch hinbekommen. (…) Herr Hainer ist eine große Stütze in dieser schwierigen Zeit. Gemeinsam mit unserem Präsidenten haben sich Andrea, Daniele und ich zusammengesetzt und einen Plan gemacht. (…) Wir dürfen aber niemals vergessen, dass wir uns in einer sehr speziellen Situation befinden, in der wir so viele Risiken wie möglich ausschließen wollen, dass der Verein weiterhin gesund wirtschaftet und funktioniert. Auf der anderen Seite möchten wir eine Mannschaft zusammenstellen, die begeisternden Basketball spielt. Und hier geht es nicht immer um Sieg oder Niederlage, sondern darum, dass die Mannschaft immer 100 Prozent gibt und das gesamte Potential ausschöpft. Das haben wir letztes Jahr nicht geschafft.“

. . . die finanzielle Situation in Zeiten von Corona:

„Es hilft uns sehr, dass die BayWa um ein Jahr verlängert hat. Wenn man weiß, wie viel wir im Ticketing einnehmen, ist eine seriöse Planung jetzt schwierig. Die Bundesliga hat einen guten Job mit der Verschiebung des Saisonstarts in den November gemacht. Dennoch wissen wir nicht, wann wir wieder Zuschauer in den Hallen haben werden. Ohne Fans ist es nicht dasselbe. All das beeinflusst die Prozesse, die vor uns liegen.“

. . . die Weggänge von Danilo Barthel und Maodo Lo:

„Beide Abgänge haben unterschiedliche Hintergründe. Maodo ist ein Spieler, der mir persönlich sehr ans Herz gewachsen ist; ich glaube, die persönlichen Gründe für seinen Wechsel nach Berlin sind bekannt. Danilo hatte einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen und sich dann für Fenerbahçe entschieden, weil er dort sehr viel verdienen wird. Wir haben genug deutsche Spieler unter Vertrag. Vielleicht ist das auch eine Chance für die jungen Spieler, nutzen müssen sie diese selbst. Wir bauen uns durch die Abgänge von Maodo und Danilo aber keinen Druck auf.“

Daniele Baiesi über . . .

. . . den alten, neuen Weggefährten Trinchieri:

„Wir kennen und verstehen uns, wir sprechen dieselbe Sprache; alles macht die Dinge natürlich einfacher. Wenn wir über Spieler reden oder wonach wir suchen, verstehen wir uns blind.“

. . . ob sich Trinchieri seit seiner Zeit in Bamberg verändert habe:

„Er sieht zumindest noch genauso aus, aber Andrea hat natürlich einige Erfahrungen gemacht. Jemand hat mal gesagt: Wenn du aus einem Sturm kommst, bist du nicht mehr die gleiche Person, die den Sturm betrat. Andrea ist ein kluger Mann, er hat von seinen Erfahrungen profitiert und sie schätzen gelernt. Wenn er sich nicht auch etwas verändert hätte, wäre er wahrscheinlich nicht hier. (…) Andrea ist einer der drei besten Coaches in Europa, ganz zweifelsfrei. Er hat durch seine Erfahrungen, die er durchlebte – einige mit mir, einige allein –, einige interessante Kapitel seiner Biografie hinzugefügt. Es wird mal ein sehr interessantes Buch zum Lesen sein.“

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