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Ein Neuzugang namens Leon

Zuletzt war das ein amüsantes Ritual, im Training oder auch vergangenen Sonntagabend in Bamberg: Die Kollegen, die sich bereits aufwärmten auf dem Court, begrüßten den langen Blonden mit Applaus und mit einem Grinsen: Da ist er ja endlich wieder – welcome back, Leon!

Als potentielles „Weihnachtsgeschenk“ hatte Trainer Andrea Trinchieri seinen Center Leon Radosevic vor einigen Wochen angekündigt, und so kam es dann: Am zweiten Feiertag in Crailsheim gehörte er erstmals nach 196 Tagen wieder zum Kader und stand auch zweieinhalb Minuten auf dem Parkett. Beim Auswärtssieg in Bamberg steckte ihn Trinchieri sogar schon in die Starting Five und gab ihm 14 Minuten – „zwei mehr als geplant“, wie der Italiener anschließend erklärte. „Denn Leon hatte in der Defense einige sehr gute Plays.“ Seine Spezialität.

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Nach 196 Tagen erstmals wieder im Kader: Center Leon Radosevic (c) dieLICHTBUILDER

Zwei Operationen, einmal Corona

Die Bayern haben diese Saison mit so manchem Personalproblem zu kämpfen gehabt. Corona torpedierte den wichtigen Einstieg ins neue Spieljahr, nicht nur die Leitfigur Vladimir Lucic fehlte wochenlang. Dazu mehrere Verletzungen mit dem Gipfel des noch aktuellen Ausfalls von Topscorer Darrun Hilliard. Und so weiter: Paul Zipser, der beste deutsche EuroLeague-Spieler der vergangenen Saison, schuftet immer noch für ein Comeback. Und dann war da also noch Radosevic, dessen Fehlen mancherorts ja doch eher eine Randnotiz war.

Bei den Bayern beging niemand diesen Irrtum. Sie wussten und wissen, was Leon Radosevic gerade in der vergangene Saison geleistet hat für den EuroLeague-Viertelfinalisten und Pokalsieger. Welchen Wert er hat; einen Wert, den der Statistikzettel selten mitteilt. Und wie er sich aufopferte, bis zum bitteren Ende, nach dem erst mal gar nichts mehr ging – 195 Tage lang.

Anfang Juni, im vierten Playoff-Halbfinale gegen Ludwigsburg (der Anfang auch von Zipsers persönlichem Drama) knickte Leon Radosevic unglücklich um. Der linke Knöchel schwoll auf Größe einer Ananas. „Ich denke, es waren alle Bänder durch und nicht nur die“, sagt er heute im Rückblick. Mit dem Gelenk hatte er eh schon länger Probleme gehabt. Die Ärzte, die Physios, alle winkten damals ab: keine Playoff-Finals mehr für Leon.

„Eigentlich ging es nicht mehr“, sagt auch Radosevic und schiebt dann nach: „,Eigentlich gibt es im Finale halt nicht.“

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Bei den Bayern weiß man, was Leon Radosevic in der Saison 20/21 geleistet hat (c) Eirich

Zwei Finalspiele trotz ruiniertem Fuß

Und so stellte sich der 31-jährige Deutsch-Kroate acht Tage nach dem Malheur tatsächlich noch einmal zur Verfügung in den Finalspielen drei und vier: Einmal 22 Minuten und im letztlich finalen Endspiel gegen Alba Berlin sogar knapp 31 Minuten schleppte er seine 112 Kilo auf dem lädierten Gehapparat übers Parkett. Im für lange Zeit letzten Einsatz war er mit 16 Punkten sogar bester Werfer eines ermatteten, ersatzgeschwächten Teams.

Dann war erst mal Schluss: der Fuß nun endgültig ruiniert und eine Operation notwendig.

„Die OP verlief sehr gut, nach vier Tagen konnte ich schon gehen, nach drei Wochen habe ich wieder etwas trainiert“, berichtet Leon. Er war zum Saisonstart eingeplant. Doch der Schein trog, leider hatte er sich bei dem Eingriff eine Infektion zugezogen: „Eine zweite OP, drei Monate Antibiotikum.“ Und zu guter Letzt, Mitte November: „Corona, wieder konnte ich zwei Wochen nichts machen.“

„Das Ziel ist, dass ich mich bald so fühle, dass ich wieder richtig da bin.“

Leon Radosevic nach seiner langen Verletzungspause

Somit haben die Bayern tatsächlich ein halbes Jahr auf einen Schlüsselspieler ihres Defensiv-Systems verzichten müssen. Denn wohl niemand sonst als er war vergangene Saison so mobil und klug unterwegs in jener Switch-Verteidigung, welche der FCBB gerade in der EuroLeague vielfach nah der Perfektion aufführte. Und so fehlten weit mehr als jene 7,1 Punkte im Schnitt oder 3,2 Rebounds in knapp 19 Minuten Spielzeit, die Radosevic etwa in der Bundesliga holte. In 37 der 42 BBL-Spielen hatte er 2020/2021 in Trinchieris Startformation gestanden. Aus gutem Grund.

„Die Neuen müssen mich erst kennenlernen“

Doch nun haben der Trainer und das Team „im Grunde einen neuen Spieler“, sagt Radosevic grinsend, einen späten Neuzugang, obwohl er ja schon im vierten Jahr in München ist. Mitsamt seinen nicht für jedermann sofort ersichtlichen Qualitäten, mit seinem Kampfgeist und auch mit seinem Schalk. „Gerade die neuen Spieler müssen mich ja erst jetzt kennenlernen und ich sie, wie sie laufen, was sie machen.“

Ein wenig Zeit werde er nach so langer Pause noch brauchen, sagt Leon Redosevic: „Ich habe noch keine Energie, das dauert. Aber das ist das Ziel: Dass ich mich bald so fühle, dass ich wieder richtig da bin.“

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Kennen sich schon lange: Die Bayern-Urgesteine Radosevic & Kapitän Nihad Djedovic (c) Eirich

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