220917_EuroDiary_7

Niederlagen, die dich motivieren

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Während die Bayern in der Preseason schuften, kämpfen Andreas Obst und Nick Weiler-Babb am Sonntag um EM-Bronze; Vladimir Lucic und Ognjen Jaramaz erholen sich derweil noch vom Sommer im nationalen Auftrag. Im „Euro-Diary" berichten (nicht nur) sie vom Abenteuer EuroBasket 2022 – heute der Kapitän der enttäuschten Serben.

„Sechs Tage liegt unser EM-Aus gegen Italien nun zurück. Aber die Enttäuschung ist noch da. Sie ist riesengroß. Natürlich auch in der Öffentlichkeit, aber was da gesprochen und geschrieben wird, kümmert uns Spieler eher wenig. Wir hatten doch selbst die größten Erwartungen an uns selbst gestellt.

Deswegen wird der Frust auch nicht verschwinden. Ich fühle heute noch die Enttäuschung der Finalniederlage von 2017 gegen Slowenien in mir. Du kannst das nächste Spiel wieder gewinnen, einen Titel holen. Aber solche Niederlagen behalten wir für immer in uns.

Das klingt dramatisch, doch ich sehe auch die positiven Seiten. Denn es sind solche Niederlagen, die dich wieder aufs Neue motivieren; die dich das nächste Ziel anpeilen lassen – die dich überhaupt erst wieder motivieren, am nächsten Tag noch härter trainieren zu gehen.

Und stehen solche Spiele wie unseres gegen Italien nicht für die Schönheit unseres Sports?

Du kannst in der Vorrunde fünf Spiele gewinnen – und gehst doch raus in der Runde der letzten 16. Weil du plötzlich nicht triffst und die anderen ihre Würfe treffen. Oder die Polen: Wir haben sie in den ersten Minuten zerstört, sie haben mit 30 verloren und gegen Finnland sogar mit 40 Punkten. Und dann besiegen sie Slowenien und kämpfen jetzt immer noch um eine Medaille, nach einer haushohen Niederlage gegen Frankreich.

Die EuroBasket 2022 zeigt es wieder mal: Basketball ist crazy. (c) FIBA
Die EuroBasket 2022 zeigT es wieder mal: Basketball ist crazy. (c) FIBA

Basketball ist speziell. Da hast du eigentlich schon verloren, aber dann verwirft der Gegner am Ende beide Freiwürfe, wie die Türken, wie später die Italiener. Basketball ist crazy: In einem Spiel kann alles passieren.

Deswegen würde ich auch nicht von einer EM der großen Überraschungen sprechen. Solche Resultate gab es immer schon. Ja, die Polen sind eine Überraschung. Doch ich habe schon vor dem Turnier gesagt, dass Deutschland alles für eine Medaille hat; viel Talent, Leader und gute Rollenspieler wie Andi, der ein X-Faktor geworden ist. Frankreich: Sie haben in der Gruppe etwas gelitten, aber unbestritten einen der besten Kader überhaupt. Und Spanien besitzt über die erfahrenen Spieler, einfach die Mentalität des Champions. Sie wurde nun an die nächste Generation weitergegeben. Jetzt spielen sie wieder um Gold.

Ich hoffe natürlich, dass Andi und Nick eine Medaille holen. Wir haben uns im Teamhotel in Berlin viel gesehen und auch bis zum Spanien-Spiel geschrieben. Nach dem Halbfinale habe ich mich aber nicht mehr gemeldet.

Denn ich weiß ja, wie sich diese Enttäuschung anfühlt. Und wir werden diese Saison noch reichlich Zeit zusammen verbringen. Dann quatschen wir."

Vladimir Lucic, 33, steigt nächste Woche wieder ins FCBB-Training ein. Die beiden EM-Finalspiele schaut er im Familien-Kurzurlaub in Österreich.


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