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Svetislav Pesic und Barça-Legende Juan Carlos Navarro
© EuroLeague Basketball

„Barcelona wird immer sein zweites Zuhause sein“

Mit einem Auswärtsspiel beim FC Barcelona endet am Freitagabend (20.30 Uhr/MagentaSport) die internationale Saison der Bayern-Basketballer. Nachdem Svetislav Pesic erklärt hat, dass seine Trainerzeit im Sommer nach 44 Jahren endet, kehrt der 76-Jährige somit punktgenau ein letztes Mal als EuroLeague-Trainer in den Palau Blaugrana zurück – dorthin, wo er 2003 mit dem Gewinn des Triples aus EuroLeague, Copa und Meisterschaft seine größten Erfolge als Vereinscoach feierte, bis heute auch die ruhmreichste Saison für Barça. Neben seiner ersten Amtszeit (2002–2004, eine weitere Meisterschaft) hatte er eine zweite bei den Katalanen von Februar 2018 bis 2020 (zwei Pokalsiege).    

Barcelonas Legende Juan Carlos Navarro („La Bomba“) stand damals in Pesics Teams. Der langjährige Barça-Guard, Welt- und Europameister mit Spanien, erzielte in der EuroLeague 4.152 Punkte für seinen Heimatverein und war auch beim zweiten Triumph 2010 als Finals-MVP eine Schlüsselfigur. Unter Pesic beendete Navarro, 45, im Sommer 2018 seine große Karriere und ist seit 2021 Barças General Manager.

Ein Gespräch anlässlich des letzten Duells zweier Weggefährten über den Trainer Pesic.

Juan Carlos, welche Begriffe schießen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an den Coach Pesic denken?

Juan Carlos Navarro: Legende. Ein großer Charakter.

Sie haben 2003 gemeinsam das Triple inklusive des ersten von bislang zwei EuroLeague-Titeln für Barça gefeiert. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit? 

Pesic hat immer so viel Herzblut und Leidenschaft für den Basketball gezeigt, jeden Tag. Das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und EuroLeague hatte und hat für den Verein natürlich eine große Bedeutung und konnte danach nie wieder erreicht werden. Dieses Triple hat bis heute maßgeblichen Anteil am Ansehen des Basketballs beim FC Barcelona und es ist für immer mit ihm verbunden. Ja, wir hatten damals ein starkes Team, welches dafür gemacht war, Titel zu gewinnen mit Spielern, die in entscheidenden Phasen ein Duell entscheiden können. Mit Pesic ist es gelungen.

Die Spieler von Barcelona lassen Coach Svetislav Pesic hochleben
Coach Pesic nach dem Gewinn der EuroLeague im Jahr 2003 | © EuroLeague Basketball

Pesic kam nach einer langen Ära unter Aito, der eher ein ruhigerer Charakter war, nicht nur beim Game-Coaching. Wie haben Sie diese Veränderung wahrgenommen?

Jeder Trainer hat seine ganz eigene Art zu arbeiten. Natürlich nutzte Aito in den Jahren davor mehr Worte und achtete mehr auf die Details. Pesic war anders. Er forderte mehr von den Spielern ein. Mehr Disziplin und Physis. Das ist sein Stil . . .

. . . der 2003 zum Erfolg führte: Im Halbfinale des Final Four, das im Palau Blaugrana stattfand, wurde zunächst ZSKA Moskau (76:71) bezwungen. Wie kann man sich ihn vorstellen nach dieser ersten Etappe und bei der Vorbereitung auf das große Finale?

Immer gleich. Bereits das Semifinale war ja sehr akribisch vorbereitet gewesen. Die Trainingswochen im Vorfeld waren sowieso geprägt von intensiver Vorbereitung und extra Arbeit für diesen einen Moment. Das war bei ihm ein längerer Prozess, der nicht erst mit dem Final Four begann. Das Team war vor dem Finale im Hotel bereits sehr fokussiert. Coach Pesic hat von allen immer höchste Konzentration gefordert, auch vor dem Finale.

„Bei der Party hat er sich rausgehalten“

Dann der Triumph über Benetton Treviso (76:65). Der Trainer Pesic hat gerne alles unter Kontrolle, galt das auch für die Party?

Nein, die Party haben die Spieler organisiert. Dieser Triumph wurde mit der gesamten Stadt Barcelona gefeiert. Pesic hat sich da eher rausgehalten und zurückgezogen – um bereits das nächste Ligaspiel vorzubereiten. Gefeiert haben wir Spieler.

Wie beschreibt man seine Idee vom Basketball am besten?

Sein Hauptanliegen ist ganz klar eine gute und intensive Defense. Die Verteidigung ist seine Basis. Offensiv lag der Fokus auf extra Pässe und Ballmovement. Ich denke, das hat sich nicht verändert.

Pesic hat viele Stars gecoacht, 2003 einen Dejan Bodiroga und im serbischen Nationalteam in den letzten Jahren Nikola Jokic. Wie handelt er diese großen Namen?

Schon anders als die anderen. Er hat eine spezielle Verbindung zu solchen großen Spielern und Namen. Denn sie waren sein verlängerter Arm auf das Spielfeld. Sein Lieblingsspieler war bei uns damals ganz klar Bodiroga.

2004 haben Sie zusammen noch einmal die spanische Meisterschaft gewonnen, dann kehrte er im Februar 2018 zurück – eine Woche später wurde die Copa del Rey gewonnen. Was hat er so schnell verändert?

Er hat eben klare Normen und Werte, die er vorgibt. Diese Art kam damals genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Trainerwechsel hat neue Impulse gebracht, die das Team nötig hatte. Es war das letzte Jahr meiner aktiven Karriere und meine Rolle war bereits deutlich kleiner. Danach wurde entschieden, dass mein Vertrag nicht mehr verlängert wird; das war auch mit eine Entscheidung des Trainers. Alles hat seine Zeit.

Es lagen 15 Jahre zwischen beiden Amtszeiten – hatten sich er als Person und seine Sicht auf den Basketball verändert?

Zum Beginn, als er 2002 begann, waren wir von seiner fordernden Mentalität auch ein wenig geschockt. Bei seiner zweiten Amtszeit 2018 wussten wir, was uns erwartet und was er einfordert, auch ich. Alle konnten sich darauf einstellen. Jeder verändert sich natürlich etwas mit der Zeit. Was aber bei ihm auch nach 15 Jahren gleich geblieben war, war seine große Passion und Hingabe für den Basketball.

2018 äußerte Pesic, er habe vor der zweiten Amtszeit in Barcelona eigentlich vorgehabt, sich vom Basketball zurückzuziehen. Nun soll aber unwiderruflich Schluss sein mit 76.

Es wirkt schon so, als wäre seine Entscheidung diesmal final, das ist auch mein Gefühl. 100-prozentig glauben kann ich es aber nicht, weil ich ihn ja kenne. Bei ihm weißt du nie.  

Am Freitag kehrt er noch einmal als Trainer in den Palau zurück. Was hat er in Barcelona hinterlassen außer den Erfolgen?

Seine Art hat die Leute beeindruckt. In Barcelona ist er weiterhin sehr beliebt und wird immer herzlich willkommen sein. Er ist häufig hier, seine Tochter arbeitet im Klub und auch Marko ist ja öfters hier. Barcelona wird immer sein zweites Zuhause sein.

Timeout Coach Pesic
Von 2018 bis 2020 war Coach Pesic zum zweiten Mal Trainer beim FC Barcelona | © EuroLeague Basketball

„Keine Geschenke“ am Freitagabend

Es scheint demnach so zu sein, dass sich mit dem letzten Spiel ausgerechnet im Palau Blaugrana ein Kreis schließt, Barcelona als perfekte Bühne für sein letztes EuroLeague-Spiel.

Ich weiß nicht, ob das so perfekt für uns ist … (lacht). Es ist sein letztes Spiel als Coach in der EuroLeague und das Ende einer großen Karriere. Für uns ist das Spiel jedoch sportlich sehr wichtig . . .

. . . weil Barça im Fernduell mit Dubai gewinnen muss, um die Play-Ins zu erreichen. Coach Pesic ist vermutlich nicht die Person, die Geschenke überreicht?

Nein. Wir werden ihm nach dem Spiel viel Erfolg und alles Gute für seine Zukunft wünschen, aber auch wir können und werden keine Geschenke verteilen.

 

Señor Navarro, vielen Dank für das Gespräch

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