
Wenyen Gabriel spielt seine erste Saison bei den Bayern-Basketballern, die am Sonntag im BMW Park (16.30 Uhr) ihre Playoff-Generalprobe gegen den Play-In-Kandidaten Oldenburg absolvieren.
Der 29-jährige Center ist aber mehr als ein Profisportler – er engagiert sich im Kampf gegen die Armut in seiner Heimat Südsudan. Ein Porträt.
Gibt es das überhaupt: einen Tag ohne sein strahlendes Lächeln, ein Tag, an dem er sogar weint?
Wenyen Gabriel lächelt breit, natürlich, er überlegt kurz und dann fällt es ihm ein. Im Sommer 2024 war das, in Juba, der Hauptstadt des Südsudan. Die Nationalhelden waren heimgekehrt nach ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris, der ersten überhaupt für den jungen, ostafrikanischen Binnenstaat. Gabriel lachte an diesem Tag sehr viel, die Begeisterung der Menschen über das Nationalteam öffnete sein Herz, und das ist sehr groß.
Doch mehrfach kamen ihm eben auch Tränen, daran erinnert er sich noch sehr genau. „Südsudan ist eines der ärmsten Länder der Erde“, sagt Wenyen. „Und wenn du siehst, wie sie dort leben, bist du den Tränen schnell nah.“

Für das UN-Hilfswerk zuhause im Südsudan
Wenyen Gabriel ist ein emphatischer junger Mann, das zeigt der Bayern-Center nicht nur auf dem Court, wo er sich mit Hingabe verausgabt, immer. Vor allem aber ist er Mensch. Ihm, dem einstigen Flüchtling, geht es heute sehr gut. Doch er hat nie vergessen, wo seine Wurzeln liegen.
Wenyen öffnet das Fotoalbum seines Handys. Sein Cousin, der vor Jahren in den Südsudan heimkehrte und für ihn dort die Dinge regelt, hat ihm frisch etwas reingeschickt: Ein Outdoor-Basketballcourt inmitten eines kargen Wohngebiets in Juba, im Mittelkreis sein Logo, W32G. Seine Initialen und seine Triokotnummer.
„Ich möchte etwas zurückgeben“, sagt Wenyen und erzählt von seinem großen Projekt, dem Bau einer Schule im Südsudan, deren Planung im Sommer abgeschlossen sei könnte. „Diese Schule ist mein großer Traum.“
Wenyen Gabriel hat seinen Weg gemacht, von Rumbek, wo er aufwuchs und wo die Oma noch lebt, bis auf die berühmtesten Basketballcourts der Welt. Die Eltern flohen einst mit den sechs Kindern aus dem Südsudan, wo Armut herrscht und Millionen aufgrund der ethnischen Konflikte sowie von Überschwemmungen und Dürren infolge des Klimawandels vertrieben wurden.

Als Flüchtling in die USA
Als er zwei war, ging es über eine Zeit in Ägypten in die USA. Dank der Hilfe des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen, Wenyens Vater arbeitete als Volunteer für das UNHCR. Seit 2020 ist der Sohn nun Botschafter des UN-Hilfswerks, im Sommer 2022 besuchte der ehemalige Flüchtling ein Flüchtlingscamp im Südsudan und organisierte ein Basketballcamp.
Man kann sich vorstellen, was für eine Aufregung herrschte: Weynen war damals Profi der LA Lakers. Er sagt: „Ich möchte, dass die Menschen über den Südsudan Bescheid wissen und ihn nicht vergessen. Es ist wichtig, Menschen zu helfen, die gezwungen sind, aus ihrer Heimat zu fliehen, weil dort große Unsicherheit herrscht, Korruption und Instabilität.“
Wenyen begann mit elf Jahren in Manchester, New Hampshire, mit Basketball. Mit 18 spielte er für die Uni von Kentucky in der NCAA und zwei Jahre später in NBA. 164 Einsätze hatte er bisher drüben in der Heldenliga; die meisten davon (68) eben für die Lakers (5,5 PpS, 4,2 RpS), an der Seite von LeBron James und Dennis Schröder. Im Nationalteam machte er als bester Shot-Blocker der WM 2023 und auch in Paris für die Olympia-Sensation auf sich aufmerksam. Vorige Saison wechselte der 2,09 Meter große Athlet mit den schmalen Beinen erstmals nach Europa, zum damaligen EuroLeague-Champion Panathinaikos.
Workshops und Stipendien
Damit es auch andere schaffen, baute er vor zwei Jahren in Arizona eine Agentur auf. Sie soll nach seiner Karriere ein festes Standbein sein. Die Agentur vergibt bereits jetzt an Jugendliche Stipendien, organisiert Camps und Workshops organisiert. Auch in Juba fand schon ein Camp statt, „ein paar hundert Jugendliche waren dabei“, berichtet er, sie nahmen im Winter an Wenyens „Holiday Olympics“ teil.
Er selbst konnte nicht kommen, versteht sich, er hatte Jobs in der EuroLeague und der Bundesliga zu erledigen. Aber sehr bald, im nahenden Sommer 2026, will Wenyen wieder in Juba sein und mitbringen, was alle infizieren wird: sein Lachen, sein Herz.