

Seit dem 1. Juli ist Thorsten Leibenath im Amt als neuer Geschäftsführer Sport der Bayern-Basketballer. Wie er sich eingefunden hat, wie er seinen neuen Job versteht und einschätzt und welche personellen wie strukturellen Schritte noch anzugehen sind vor dem Start der Saison 2026/2027 – das erläuterte der 51-jährige Rheinländer bei einer ersten Medienrunde im BMW Park. An seiner Seite saß Präsident Herbert Hainer, auch der kaufmännische Geschäftsführer Adrian Sarmiento stand im vollbesetzten Media Center Rede und Antwort.
Hier einige Aussagen – die komplette Pressekonferenz gibt es auch als Video.
Herbert Hainer über . . .
Thorsten Leibenath:
„Ich persönlich verfolge ihn schon seit vielen Jahren, weil mir das Konzept in Ulm unheimlich gut gefallen hat; mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln, es immer wieder zu schaffen, auch in Deutschland an der Spitze zu sein, sogar deutscher Meister zu werden, uns zu schlagen mit jungen, innovativen Spielern, die man noch nicht kennt, die noch beweisen wollen, dass sie hungrig sind, dass sie nach vorne kommen. (…) Ich kann mich noch gut erinnern, als wir uns zum ersten Mal bei mir hier in meiner Wohnung in Schwabing getroffen haben. Das war, glaube ich, eine Chemie, die von Anfang an gestimmt hat, weil mir da natürlich seine Erfahrung, die Expertise sowohl als Trainer wie auch als Sportdirektor in Ulm sehr, sehr gut gefallen hat.“
Die Ziele des FCBB:
„Natürlich hat der FC Bayern, wo immer er antritt, ambitionierte Ziele. Und es ist keine Frage, dass, wie ich schon mehrfach gesagt habe, diese Saison enttäuschend verlaufen ist, weil wir keines unserer drei Ziele erreicht haben. Aber deswegen gehen wir nicht weg von unseren Ambitionen. Und es ist ganz klar, dass wir Deutscher Meister werden wollen, dass wir den Pokal gewinnen wollen und natürlich wollen wir auch in der Euroleague in die Playoffs oder in die Play-Ins.“
Die Konkurrenz in Europa:
„Gerade die letzten Wochen zeigen wieder, dass wir ein Budget haben, das in etwa im letzten Drittel der EuroLeague ist. Es war aber immer der Weg des FC Bayern München, maximalen sportlichen Erfolg zu holen auf einer wirtschaftlich stabilen Basis. Und davon werden wir auch nicht weggehen. Das haben wir in den letzten 50 Jahren im Fußball bewiesen, dass wir trotz geringerer Mittel wie manch anderer Verein, der von Oligarchen, von ganzen Staaten oder Investoren unterstützt wird, trotzdem sportlich sehr erfolgreich sein können und wirtschaftlich sehr, sehr stabil sind. Ich glaube, es gibt außer Real Madrid keinen Verein, der finanziell sich alles selber erwirtschaftet und der so gut aufgestellt ist wie wir.
Wir werden unsere Ziele nicht zurückstreichen. Aber haben Sie immer im Kopf, dass wir mit einem relativ kleinen Budget in der EuroLeague kämpfen. Und da müssen wir auch überperformen, wenn wir in die Playoffs kommen wollen. (…) Mike James ist jetzt wohl für drei Millionen zu Efes gegangen. Drei Millionen sind bei uns 6,5 Millionen brutto – das ist für einen Spieler mehr als 50 Prozent des gesamten Budgets, das wir haben. Das können und wollen wir uns auch nicht leisten, sondern wir wollen das finanziell vernünftig und verantwortungsvoll machen. Aber deswegen schrauben wir unsere Ziele nicht zurück. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit Anton Gavel und Thorsten Leibenath eines der ambitioniertesten und innovativsten Trainerteams oder Sportteams in der Bundesliga, aber auch in Europa haben.“

Thorsten Leibenath über . . .
Seine ersten Tage beim FCBB:
„Ich bin bei einem ganz beeindruckenden Unternehmen gelandet. Das ist ein erster Eindruck, aber das was, Herr Hainer, was Adrian hier auf die Beine gestellt haben, ist mehr als beeindruckend. Ich freue mich unglaublich auf die Arbeit. Ich finde, hier wird sehr strategisch gearbeitet, hier wird visionär gearbeitet, hier wird aber gleichzeitig auch bodenständig gearbeitet: mit dem nötigen Weitblick, aber auch mit der der nötigen Bodenhaftung. Und das gefällt mir extrem gut. Ich freue mich unglaublich auf die Aufgabe. Ich glaube auch, dass mir hier die Möglichkeiten gegeben werden, kreativ tätig zu werden. Wir werden mit Sicherheit versuchen, teilweise auch mit unkonventionellen, außergewöhnlichen Maßnahmen, für besondere Resultate zu sorgen. (…) Jeder in der Basketballwelt weiß, was für ein angesehener Standort München ist. Der FC Bayern München wird sehr hoch angesehen für das, was er in der Vergangenheit geleistet hat und natürlich auch für das Potenzial, was hier noch schlummert.“
Die bisherigen Neuzugänge:
„Ich bin nicht federführend verantwortlich für alle Transfers, aber gleichwohl sehr glücklich darüber, wie wir zum Beispiel ein junges und in meinen Augen sehr aufstrebendes Talent wie Tobias Jensen verpflichtet haben. Wir haben dazu gleichzeitig in Duane Washington einen jungen, aber absolut etablierten Spieler aus der EuroLeague verpflichten können. Wir haben Austin Wiley verpflichtet, der noch keine EuroLeague-Erfahrung hat, aber aus jeder Liga, in der er gespielt hat, als Rebound-König hervorgegangen ist. Auf den freuen wir uns auch sehr, da er uns am Brett mit Sicherheit verstärken wird. Und dann haben wir mit Johannes Thiemann, glaube ich, einen absoluten Glücksgriff gemacht. Mit einem Spieler, der, und das sage ich ohne irgendwelche Übertreibung, sowohl als Typ als auch als Spieler jeder Mannschaft gut zu Gesicht steht. Er verkörpert extrem viel, was erfolgreichen Basketball ausmacht, und ist variabel einsetzbar.“

Das Wettrüsten in der EuroLeague:
„Ich würde auch sagen, dass wir nicht zu den Teams gehören, die ganz oben finanziell mitspielen. Das finde ich auch gut und tut mir persönlich überhaupt nicht weh – ich finde es eher spannend, mit etwas geringeren Mitteln auf EuroLeague-Ebene zu hantieren. Mein Anspruch ist es und ich hoffe, dass es mir gelingt, ihn auf alle zu betragen: zu overperformen. Wir wollen in der EuroLeague overperformen. Wir wollen am Ende der Saison nicht da landen, wo wir am Budget gemessen landen müssten.“
Das Thema Identität und Identifikation:
„Was mir jetzt im Recruiting-Prozess ganz wichtig ist, dass wir Spieler sind, die sich zu 100 Prozent mit dem FC Bayern identifizieren können. Mit der Aufgabe, die hier vor ihnen steht. Und dann wird es die Aufgabe von Anton sein, zusammen mit den Spielern, dem Staff und mit mir eine Identität zu entwickeln. Wie die aussieht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Was aber Pfeiler einer solchen Identität sein müssen, da habe ich schon eine klare Vorstellung: immer mit maximaler Intensität und Leidenschaft all das zu machen, was von einem verlangt wird. Und da geht es eben nicht nur um die Spieler, da geht es um Trainingseinheiten, da geht es um Promotions, da geht es um Fannähe. All das müssen wir mit maximaler Leidenschaft, mit maximaler Intensität machen. Und wenn dieser Pfeiler vorhanden ist, dann wird sich daraus eine Identität entwickeln.“

Adrian Sarmiento über . . .
Die Projekte des FCBB:
„Wir werden ja das Top Four der BBL wieder im SAP Garden haben. Natürlich wollen wir vom Erlebnis für die Fans, für die Partner wieder einen draufsetzen und schauen, dass wir das bestmögliche und tatsächlich auch spannendste Basketballformat im deutschen Markt da hinstellen. Wir beschäftigen uns darüber hinaus aber auch mit vielen anderen Großevents, die alle großes Interesse zeigen, nach München zu kommen. Auch die LGCY Series kommt nach München. Das ist ein weiteres Beispiel für viele Projekte, die da gerade entstehen. (…) Und das, was uns jetzt bevorsteht mit einem Basketball-Performance-Center, das am Campus kommen wird, wird uns in Zukunft sportlich noch einmal ganz andere Möglichkeiten geben. Mit noch mehr infrastrukturellen Möglichkeiten wollen wir dort noch mehr Talente entwickeln und auch dadurch andere Nachteile, die wir wie erwähnt vielleicht in finanzieller Natur haben, ausgleichen.“
Die allgemeine Lage beim FCBB:
„Ich glaube, was uns immer ausgezeichnet hat über die vielen letzten Jahre, ist, dass wir jedes Jahr versuchen, das Beste aus den Möglichkeiten rauszuholen; mit viel Kreativität, mit einem großen Office, mit einem großen Ansporn, mit vielen Ideen, uns weiterzuentwickeln. Basketball ist immer noch beflügelt von den erfolgreichen letzten Jahren, und dem unglaublichen Aufschwung. (…) Wir machen das alles, damit wir hier eine tolle Mannschaft haben, damit wir ein tolles Erlebnis für unsere Fans, für unsere Partner, für alle, die Basketball lieben und interessiert daran sind. Wir versuchen, das bestmöglich zu machen und sind voller Vorfreude und Euphorie.“