Anton Gavel Media Talk FC Bayern Basketball
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Anton Gavel

„Es schließt sich ein kleiner Kreis“

Die erste Trainingswoche liegt bald hinter Anton Gavel und seinem neuen Team – und auch den ersten Media Talk hat der 41-jährige Bayern-Coach bereits bewältigt. Neben Gavel standen auch Sportchef Thorsten Leibenath sowie kurzfristig auch Johannes Voigtmann anlässlich seines DBB-Rücktritts Rede und Antwort.

Anton Gavel Media Talk FC Bayern Basketball
Headcoach Anton Gavel bei seinem ersten Media Talk für den FCBB. | © FCBB

Anton Gavel über . . .

… seine enorme Power beim Training und seinen ersten Eindruck vom Team:

„Leidenschaft wollen wir ja selber einfordern. Deswegen machen wir (Trainer) das mit – wenn wir was machen, machen wir das mit Leidenschaft, das überträgt sich auch auf die Spieler. Ich finde, sie machen es jetzt am Anfang ziemlich gut. Sie sind alle voll dabei. Es ist viel Neues für sie, und wir sind sicherlich vom Taktischen her noch nicht da, wo viele andere Mannschaften schon sind, weil wir jetzt nur ein paar Tage gehabt haben. Aber qualitativ haben wir sicherlich sehr gute Spieler – sie treffen die Bälle auch, wenn wir gute Defense spielen.“

… seine Rückkehr in den BMW Park:

„Ich kenne ja tatsächlich noch viele Leute hier, gerade aus dem Office oder auch im Trainerstab. Deswegen ist es schön, wieder hierhin zu kommen und zurück zu sein – jetzt aber auf einer anderen Stelle; nicht als Spieler, sondern als Trainer. Es ist ein kleiner Kreis, der sich jetzt wieder schließt. (…) Trainer von Bayern zu sein, ist eine Herausforderung, sicherlich auch eine Ehre. Aber es geht nicht um mich, sondern darum, wie die Mannschaft am Ende performt. Dafür bin ich zuständig, und daran werde ich gemessen.“

… Rokas Jokubaitis, der nach knapp einem Jahr Verletzungspause wieder trainiert:

„Ich habe natürlich keinen Vergleich zur letzten Saison, er hat ja nicht gespielt. Aber er macht jetzt mit, und wir steigern ständig seine Belastung und sind guter Dinge, dass er ganz normal am Anfang der Saison dabei ist. Das zeigt, wie viel er in der Offseason und auch schon in der letzten Saison investiert hat. Wir haben erfahrene Leute mit unseren Physios, Ärzten und unserem Athletiktrainer, die uns mit Infos zur Steuerung seiner Einsatzzeit versorgen. Aber es wird natürlich auch Spieler treffen, die kerngesund sind und trotzdem mal aussetzen müssen, weil der Kader tief ist. Und dazu haben wir auch noch die jungen Spieler mit den Doppellizenzen, die sich anbieten möchten. Es wird also nicht nur Rokas bei der Steuerung treffen. (…) Idealerweise ist es schon so gedacht, dass er der Kopf wird, aber ich glaube, es wäre nicht fair ihm gegenüber, jetzt sofort die Leistung zu erwarten, die er damals bei der EM gezeigt hat. Wir haben ja auch andere Jungs, die das erst mal übernehmen können.“

… die neue Zeitrechnung beim FCBB und die Zielsetzung:

„Ich habe ja noch nicht den kompletten Kader hier, JT (Thiemann) und Oscar (da Silva) habe ich noch gar nicht gesehen. Mit diesem Pensum an Spielen und unter der Belastung durch die Reisen in der EuroLeague wartet auf uns natürlich schon ein Monsterprogramm, was auch für uns als Trainerstab so neu ist. (…) Ich möchte erst mal die Ziele mit der Mannschaft besprechen. Aber wir wissen alle, wofür der FC Bayern steht und was hier allgemein die Ziele sind. Weitere persönliche Ziele habe ich momentan absolut keine, denn es ist schon eine Aufgabe, hier in der EuroLeague Fuß zu fassen. Aber wir wollen in beiden Wettbewerben gut performen, auch die BBL und der Pokal haben eine enorme Wichtigkeit für uns. So ein Programm hat keine andere Mannschaft in der Bundesliga. Meine Aufgabe ist es, die Spieler auf wirklich jedes Spiel vorzubereiten.“

„Es hat sich viel verändert – aber nicht die Ziele“

… die EuroLeague als für ihn neuen Wettbewerb als Coach:

„Sie ist neu. Ich habe selber diese Form der EuroLeague nie erlebt. Dieses Pensum an Spielen, wenn ich mir den Oktober und November anschaue – das ist wirklich nur Spiel, Pause, Spiel, Pause, Spiel. (…) Ich habe Respekt vor der Aufgabe; keine Angst, aber Respekt. Vor der EuroLeague, der BBL und vor den Erwartungen, die auf uns alle zukommen. (…) Und da gibt es auch keine Eingewöhnungsphase, sondern es geht sofort los, und da müssen wir einfach bereit sein, das zu stemmen. (…) Aber trotzdem ist da auch eine Vorfreude. Denn die EuroLeague ist irgendwann mal das, was man sich als Ziel setzt. Das war damals als Spieler mein Ziel, und das habe ich sechs Jahre machen dürfen. Jetzt in der EuroLeague zu coachen, ist für mich das absolute Highlight.“

… die Begleitumstände seines Wechsels:

„Es wurden sicherlich Behauptungen und Sachen gesagt, die mich persönlich nicht glücklich gemacht haben. Aber auf der anderen Seite bin ich sehr glücklich, dass sich die Vereine einvernehmlich einigen konnten. Das liegt jetzt hinter uns, und es wurde schon genug gesprochen. Wir sollten uns auf die neue Saison konzentrieren. Man kann zu allem sagen, dass viele Fehler gemacht wurden. Aber noch mal: Das ist jetzt zweitrangig, und jetzt konzentrieren wir uns alle auf die Aufgaben, die vor uns stehen.“

… das, was er von den Spielern einfordern wird:

„Wir werden viel Taktisches verlangen, aber das Erste ist, dass sie einfach Respekt zueinander haben und andere so behandeln, wie sie auch selbst behandelt werden wollen; dass sie pünktlich sind und auf und außerhalb des Courts eine gewisse Disziplin zeigen. Trotzdem wollen wir den Spielern die Möglichkeit geben, sich zu zeigen und dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.“

… das, was er nach all den Jahren bei seiner Rückkehr in München vorfand:

„Ich habe den SAP Garden vorgefunden. Und es sind neben dieser EuroLeague noch ein paar Banner dazugekommen, seitdem ich gegangen bin. Es hat sich viel verändert – aber nicht die Ziele.“

… den Wegbegleiter Thorsten Leibenath:

„Ich habe mit Thorsten und Arne (Woltmann) auch jemanden, den ich schon kenne. Auch Mihajlo (Mitic) war damals da, als ich hier aufgehört habe. Aber klar, mit Thorsten habe ich in Ulm fünf Jahre zusammengearbeitet. Deswegen weiß ich, wie er tickt und wie wir in den zwei Jahren in der ersten Liga rekrutiert haben. Allgemein verbindet uns schon einiges, wir kennen uns ja wirklich seit den Gießener Zeiten. Schön, dass er auch da ist.“

… Jo Voigtmanns Rücktritt aus dem Nationalteam:

„Wir sind froh, dass er aufgehört hat! (lacht) Denn für unsere Mannschaft ist es gut, dass er die Fenster nicht mehr mitmacht. Aber erst mal Glückwunsch und Hut ab vor dem, was er für die Nationalmannschaft geleistet hat. Wir reden bei ihm ja von den größten Erfolgen, die die deutsche Mannschaft je erreicht hat. Er war immer dabei und hat immer extra für die Nationalmannschaft die Knochen hingehalten. Dafür gebührt ihm der Respekt, und dass er jetzt geehrt wird, spricht für ihn. Er hat sich das absolut verdient, und wir können nur Glückwunsch und Danke sagen. Seine Erfahrung hilft uns nächste Saison sicherlich. Er muss nun gesund bleiben, das ist erst mal das Wichtigste. Ich hoffe sowieso, dass wir gesund durch die EuroLeague kommen. Aber eigentlich ist das unmöglich.“

Thorsten Leibenath Sportchef FC Bayern Basketball Media Talk
Auch Sportchef Leibenath stand Rede und Antwort. | © FCBB

„Man muss ihn manchmal bremsen“

Thorsten Leibenath über …

… Gavels verschwitzte T-Shirts beim Training:

„Das, was ich von Anton schon kannte, ist, dass er mit einer unglaublichen Energie und einer unglaublichen Leidenschaft Trainings leitet und begleitet. Es macht sehr viel Spaß. Er arbeitet wie ein Verrückter, und diese Energie überträgt sich auf die Spieler. Die ersten fünf Tage Trainingsarbeit waren sehr energiegeladen und sehr positiv. Er ist ein Basketball-Besessener im positiven Sinne, dem es Spaß macht, sich selbst die ganze Zeit zu challengen. Ihm macht es Spaß, die Mannschaft weiterzuentwickeln, Spieler zu entwickeln und sie besser zu machen. Man merkt, dass er eigentlich über nichts anderes als Basketball nachdenkt. Ich habe eher den Eindruck, dass man ihn manchmal so ein bisschen bremsen muss und sagen: ‚Mach mal locker.‘ Aber diese Begeisterung und diese Besessenheit, dass alles perfekt läuft, das macht ihn aus. Das sieht man besonders in diesen Trainingseinheiten, und das wird man auch in den Spielen und in der Vorbereitung sehen. Er möchte, dass es perfekt funktioniert. Das hat ihn übrigens auch als Spieler ausgezeichnet. Deswegen hat er es geschafft, mit – ohne despektierlich sein zu wollen – überschaubarem Talent auf ein extrem hohes Niveau zu kommen. Auch das hätte wahrscheinlich niemand erwartet, der ihn als 16-Jährigen erlebt hat, der aber dann nach ein paar Jahren oder nach ein paar Monaten ein ganz anderes Bild von ihm hatte. Denn er hat einfach diese herausragende Arbeitseinstellung.“

… das, wofür der FCBB künftig stehen soll:

„Wenn es nach mir geht, sind es diese Begeisterung, diese Leidenschaft und dieser unbedingte Wille zum Erfolg. Das ist jetzt nichts komplett Neues, aber das müssen wir sehr sichtbar machen. Ich wünsche mir, dass uns das gelingt.“

… die Möglichkeit, dass der FCBB ohne die spektakulären Toptransfers unterschätzt werden könnte:

„Ich möchte mich jetzt nicht daran beteiligen, die Äußerung zu werten, dass es keine Topleute sind. Ich finde, wir haben sehr gute neue Spieler verpflichtet. Wenn man sie in Relation zu Spielern setzen will, die meinetwegen Dubai oder Fenerbahçe verpflichtet haben, dann sind die vielleicht nicht in der gleichen Preisklasse – aber sie stehen definitiv für Qualität. Nichtsdestotrotz muss unser Anspruch sein, Spieler auch immer weiterzuentwickeln. Und wenn man sieht, in welchen Jahrgängen wir verpflichtet haben, kann man sagen, dass es überwiegend Spieler sind, die wirklich auch noch entwickelbar sind.“

… die fünf Nachwuchstalente im erweiterten Kader:

„Mit Sicherheit spielt hier eine Rolle, dass Anton gerne mit Nachwuchsspielern arbeitet. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir eine Plattform für junge Spieler sind, die es sich erarbeitet haben, auf dem nächsten Level erste Erfahrungen zu sammeln. Diese fünf haben es sich mit guten Leistungen in der vergangenen Saison verdient. Deswegen war es eine Selbstverständlichkeit, dass es uns gelingen muss, sie auch in den Trainingsalltag zu integrieren.“

… Jo Voigtmann:

„Sowohl für den DBB als auch für die Bayern ist Jo eine herausragende Persönlichkeit. Und ich benutze das Wort Persönlichkeit als Erstes, obwohl er natürlich auch ein herausragender Sportler ist. Aber was für mich noch offensichtlicher und noch wichtiger ist: Er ist eine herausragende Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit hat er auch immer als Marke gelebt. Und die war auch ein entscheidender Mitgrund für den Erfolg, den beide Teams hatten oder noch haben. Ich glaube, er kann unserer Mannschaft noch eine ganze Menge geben. Das muss man natürlich monitoren. Und das ist in einem Klub wie dem FC Bayern durchaus möglich, weil wir eine herausragende medizinische Betreuung und Top-Athletiktrainer haben, die da wirklich ein sehr gutes Auge drauf haben. Wenn er in einem fitten Zustand ist, ist er ein Spieler, der einer Mannschaft in vielerlei Bereichen Stabilität gibt. (…) Und natürlich ist er auch eine brutale Hilfe im Locker Room, also um junge Spieler an die Hand zu nehmen. (…) Ich glaube nicht, dass es ohne solche Führungsspieler wie ihn geht.“

Johannes Voigtmann FC Bayern Basketball Media Talk
Johannes Voigtmann nahm anlässlich seines DBB-Rücktritts am Media Talk teil. | © FCBB

„Anton macht einen grandiosen Job“

Jo Voigtmann über …

… seinen DBB-Abschied:

„Ich habe es mir natürlich nicht leicht gemacht. Mir war aber auch bewusst, dass irgendwann Schluss sein muss. Alles Gute kommt irgendwann zu einem Ende. Und ich habe mir gedacht, es kommen so viele Faktoren zusammen: dass wir in den letzten Jahren super erfolgreich gewesen sind, dass es unfassbar viel Spaß gemacht hat, aber mein Körper eben jetzt auch nicht mehr so frisch ist, wie er mal war. Und ich habe gemerkt, wie halt auch die Zeit, die ich in den letzten Sommern nicht mit meinen Kindern verbracht habe, ein bisschen an einem zehrt. So kamen viele Faktoren zusammen. Deshalb ist genau jetzt der richtige Moment. Ich hatte meinen Abschluss, und das war super. Der Trainer hat jetzt auch viele weitere Spieler, die sich anschicken, eine Rolle in der Nationalmannschaft zu spielen. Ich glaube, es ist auch ganz wichtig, dass da jetzt viele nachkommen.“

… das, was mit 33 noch in ihm steckt:

„Mir geht’s super. Ich hatte jetzt zum ersten Mal seit mehreren Jahren einen langen Sommer und konnte mich komplett darauf konzentrieren, die letzte Saison ein bisschen zu verarbeiten und dann ganz viel Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau zu verbringen. Und ich konnte zum ersten Mal seit Langem wieder so richtig an meinem Körper arbeiten, ohne irgendeine zusätzliche Belastung auf bestimmte Gelenke. (…) Für die neue Saison steckt, denke ich, noch ziemlich viel in mir.“

… den Neuanfang im BMW Park:

„Das Team ist meiner Meinung nach gut zusammengestellt, aber das zeigt sich eben erst, wenn es dann ernst wird. Anton macht einfach einen grandiosen Job. Er hat vom ersten Tag an sehr viel Energie eingebracht. Manchmal macht man sich fast ein bisschen Sorgen, wie lange er das durchhält. Es ist beeindruckend und schwappt auf das Team über. Er war ja schon als Spieler nicht kaputtzukriegen. Das hat er auf den Trainerstuhl mitgenommen. (…) Man wird aber Zeit brauchen, bis sich alles eingespielt hat. Deshalb müssen wir die Vorbereitung gut nutzen.“

… mögliche Emotionen beim offiziellen Abschied am Donnerstag in Köln:

„Ich freue mich natürlich sehr, die Jungs mal wieder zu sehen, weil sie halt so ein Faktor sind, der nicht so einfach abzuschließen war. Die Zeit mit ihnen werde ich vermissen. Wie emotional es wird, werden wir sehen. Eigentlich bin ich keiner, den es übermannt, aber ich war auch noch nicht so oft in so einer Situation. Und ich bin eigentlich gerne auf Sachen vorbereitet. Wir haben aber einige in meiner Familie, die näher am Wasser gebaut sind als ich.“

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