ZSKA hat den längeren Atem

FCBB muss sich Favoriten aus Moskau 81:89 geschlagen geben

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Die Basketballer des FC Bayern haben die nächste Überraschung verpasst: Nur 48 Stunden nach dem fulminanten Auswärtssieg bei Efes Istanbul (das am Donnerstag 105:77 bei Khimki Moskau gewann) verlor das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri nach einem lange ausgeglichenem Spiel 81:89 (39:36). Für die Bayern war es im zehnten Spiel erst die dritte Niederlage. Der russische Topfavorit profitierte letztlich vom gewonnenen Duell am Brett (39:26), offensiv holte ZSKA 17 Bälle und in der zweiten Hälfte insgesamt 53 Punkte. Dabei dufte der Gast 41 Mal von der Freiwurflinie werfen, mehr als doppelt so viel wie der FCBB (20). Wade Baldwin war mit 19 Punkten der erfolgreichste Werfer der Bayern, die auf Kapitän Nihad Djedovic verzichten mussten (Adduktoren).

Für die Bayern bleibt in dieser Power-Woche mit vier Spielen keine Zeit zum Durchatmen: Bereits Sonntag (22.11.) empfängt der FCBB im BBL-Spitzenspiel die ebenfalls unbesiegten Ludwigsburger (ab 17.45 Uhr live bei MagentaSport). Nach ein paar spielfreien Tagen reisen die Bayern dann zur nächsten EuroLeague-Partie nach Athen bei Panathinaikos (Freitag, 27.11., 20 Uhr).

FC Bayern Basketball - ZSKA Moskau 81:89 (39:36)

  • FCBB

    Wade Baldwin (19 Punkte/6 Assists), Jalen Reynolds (18/8 Rebounds), Vladimir Lucic (9), Nick Weiler-Babb (7), Paul Zipser (7), JaJuan Johnson (6), Zan Mark Sisko (5), Robin Amaize (4), Malcolm Thomas (2), Diego Flaccadori (2), Leon Radosevic (2) und TJ Bray.


  • Topscorer ZSKA

    Mike James (25 Punkte)


  • Schiedsrichter

    Daniel Hierrezuelo, Uros Nikolic, Milan Nedovic

Die Punkteverteilung nach Vierteln: 17:18, 22:18, 21:28, 21:25.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 53% (FCBB) // 55% (Moskau); Dreier-Quote: 37% // 23%; Freiwurf-Quote: 80% // 80%; Rebounds: 23 // 35; Assists: 17 // 16; Ballverluste: 12 // 12.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri, Chefcoach München: „Glückwunsch an ZSKA, sie haben sehr gut gespielt. Aber ich möchte auch meine Spieler beglückwünschen, denn sie haben fantastisch gekämpft. Die Geschichte des Spiels ist leicht erzählt: Wir waren heute einfach schlecht im Rebound-Verhalten, 17 Offensiv-Rebounds sind einfach zu viel für ZSKA. Das hat uns sehr geschadet. Wir haben zwar neun Würfe mehr genommen, aber nur acht Dreier und davon wenig getroffen. Aber ich will es auch ganz offen sagen: 41 Freiwürfe für Moskau, dazu 32:18 Fouls – es ist unmöglich, mit diesen Stats ein Spiel zu gewinnen. Es gab kaum Unterschiede in unserem und dem Spiel von Moskau, deshalb sind diese Zahlen sehr ungewöhnlich. Deswegen muss ich zu meinen Spielern stehen. Moskau war dann besser und hat gewonnen. Es ist klar, dass im Basketball viele Fehler passieren. Aber mit diesen Statistiken ist es kein Basketballspiel, das ist nicht möglich.“

Paul Zipser: „Wir haben zu viele kleine Fehler gemacht und leichte Würfe vergeben, das hat ZSKA eiskalt ausgenutzt. Die Energie war heute nicht so recht da. Gegen Ludwigsburg am Sonntag mache ich mir keine Gedanken, denn da haben wir noch eine Rechnung offen.“

Das Spiel:

„Wir geben alles, in jedem Spiel! Wir sind hungrig und wollen jedes Spiel gewinnen“, meinte der wegen einer Adduktorenverletzung noch mal pausierende Kapitän Djedovic vor der Partie. Wade Baldwin, Vladimir Lucic, Robin Amaize, Malcolm Thomas und Leon Radosevic sollten das zunächst als Starter auf dem Parkett beweisen. FCBB-Coach Andrea Trinchieri konnte mit der defensiven Präsenz seiner Mannschaft zunächst zufrieden sein, 4:0 nach zwei Minuten. Moskau wendete in der punktearmen Anfangsphase das Blatt - 6:7 (5.). Die Münchner hatten Probleme unter dem eigenen Korb, denn die Gäste durften zu viele Offensivrebounds abgreifen. Nach einem 10:2-Lauf des Armeesportclubs nahm Trinchieri eine Auszeit (8:14/8.). Sein Team reagierte und spielte mit einem 9:4-Lauf viel gefälliger, lag nach dem Viertel lediglich mit einem Zähler zurück - 17:18.

Der FCBB kam ins Laufen und baute den Lauf viertelübergreifend auf 15:4 aus, Auszeit ZSKA (23:18/12.). Die Unterbrechung störte den Rhythmus der Münchner, Moskaus Mike James führte sein Team wieder heran (23:23/14. - 25:25/15.). Ein starkes Drei-Punkt-Spiel von Nick Weiler-Babb und ein schöner Hookshot von Jalen Reynolds hielten den Score ausgeglichen (34:34/19.). Die Bayern boten dem Favoriten großartig Paroli und setzten sogar offensive Akzente: Der feine Pass Siskos zum einhändigen Alley-Oop-Dunk von Reynolds war eines Magic Moments absolut würdig und später auch dazu bestimmt. 39:36 nach 20 Minuten.

41 Freiwürfe für ZSKA, 20 für die Bayern

Andrea Trinchieri mahnte im Halbzeit-Interview eine bessere 1:1-Verteidigung an. Das klappte in den ersten Aktionen nicht so recht, der Gegner aus der russischen Hauptstadt glich zum 43:43 aus (23.). Die Bayern gaben die Kontrolle über das Spiel aus der Hand, ZSKA schnappte sich die Führung (47:50/25.). Coach Trinchieri bat zur Auszeit, denn er wusste, dass er nun gefordert war, um die letzten Körner aus seinem Team zu kitzeln. Kurzum: Es gelang. Zan Mark Sisko beendete den 9:2-Lauf des Gegners aus dem Osten mit einem enorm wichtigen Dreier und einem folgenden Steal mit Korbleger - 52:52 (27.). Baldwin und Weiler-Babb hielten den FCBB knapp in Führung (58:56/28.), aber die Russen legten jetzt ihre ganze Klasse an den Tag und antworteten mit dem erneuten Führungswechsel (58:61/29.).

Ballverluste und Nachlässigkeiten beim Defensivrebound spielten Moskau immer wieder in die Karten - 60:64 nach dem dritten Viertel. Baldwins viertes Foul brachte ihn auf die Bank, Moskaus James riss das Spiel jetzt an sich (64:68/33.). Die Münchner kämpften um das Momentum und gegen zahlreiche diskutable Pfiffe. ZSKA spielte aber ungerührt seine Klasse aus - Auszeit Trinchieri (64:71/34.). Vladimir Lucic glänzte mit einem Vier-Punkt-Spiel zum 68:71 (35.). Die physisch agierenden Russen verteidigten auf extrem hohem Niveau, vorne lieferte James und initiierte einen neuerlichen 11:0-Lauf (68:82/38.). Moskau nahm jetzt Zeit von der Uhr und ließ sich den Auswärtserfolg nicht mehr streitig machen.

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Eirich & Pahnke

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