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Die Bayern triumphieren nach einem sagenhaften Finish auch bei Efes

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Das sagenhafte Abenteuer der Bayern-Basketballer in der EuroLeague ist um eine Episode reicher: Das Team von Cheftrainer Andrea Trinchieri triumphierte nach einem unglaublichen 24:14-Finish im letzten Viertel noch mit 74:71 (42:37) Punkten bei Anadolu Efes Istanbul, dem herausragenden Team der Vorsaison. Für die Bayern ist es der erste Erfolg überhaupt gegen den türkischen Titelkandidaten. Nach dieser kleinen Sensation liegen die Bayern jetzt bei sieben Erfolgen aus neun Spielen. Nach einer konzentrierten ersten Hälfte geriet der FCBB nach 30 Minuten erstmals zweistellig in Rückstand (52:62), ehe die Münchner große Plays durch Center Jalen Reynolds bejubelten, der die letzten sieben Zähler holte. Leader der Gäste war diesmal Guard Wade Baldwin, der 15 Punkte erzielte und mit elf Assists ein seltenes Double-Double komplettierte.

Für die Bayern folgt nach der Rückkehr aus Istanbul am frühen Mittwochabend bereits am Tag darauf das Gastspiel des nächsten Titelkandidaten im Audi Dome: Es kommt ZSKA Moskau, das am Dienstag 87:78 in Kaunas gewann und nach dem vierten Sieg in Serie eine 6:3-Bilanz aufweist. Am Sonntag schießt die Final10-Revanche gegen Ludwigsburg, das ebenfalls die beiden ersten BBL-Spiele gewinnen konnte, die Hammerwoche der Münchner mit vier Begegnungen ab.

Anadolu Efes Istanbul - FC Bayern Basketball 71:74 (37:42)

FCBB

Nick Weiler-Babb 8, Wade Baldwin 15/11 Assists, TJ Bray (dnp), Jalen Reynolds 14/4 Rebounds, Malcolm Thomas, Vladimir Lucic 7/9 Rebounds, Diego Flaccadori, Nihad Djedovic 10, Paul Zipser 12/7 Rebounds, JaJuan Johnson, Zan Mark Sisko 4, Leon Radosevic 4/4 Rebounds.

Topscorer Efes

Tibor Pleiss (19 Punkte)

Schiedsrichter

Juan Carlos Garcia, Saso Petek, Artem Lavrukhin

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht FCBB): 22:23, 20:14, 8:20, 24:14. Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 53 % (FCBB) // 53 % (Efes); Dreier-Quote: 33 % // 24 %; Freiwurf-Quote: 94 % // 85 %; Rebounds: 30 // 36; Assists: 19 // 17; Ballverluste: 10 // 11.

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „So ein Comeback kannst du eigentlich nicht erwarten. Aber ich habe es erwartet, weil meine Mannschaft immer alles versucht, im Spiel zu bleiben. Das war ein Sieg, weil wir daran geglaubt haben. Weil wir an ihn glaubten, glaubten, glaubten! Efes hatte ein sehr gutes drittes Viertel und das halbe Viertel haben wir noch mit uns kämpfen müssen. Aber sobald ihre Leistung etwas runterging, waren wir da und bereit dafür, uns die Möglichkeit auf einen großen Auswärtssieg zu erarbeiten. Und das ist ein großer Sieg. Wir haben gewonnen, weil sich ein Nick Weiler-Babb im vierten Viertel gesteigert hat in den letzten sechs Minuten, weil Reynolds ein paar große Plays ablieferte und weil Lucic, der nicht seinen besten Tag in der Offense hatte, wichtige kleine Dinge in der Defense erledigte. So wurden wir besser und haben sehr wichtige Würfe getroffen. Die Reboundbälle gingen heute zum Teil sehr weit, deswegen hatten wir einen komplizierten Abend. Aber wir haben diesen Comeback-Modus, weil wir im Spiel bleiben." Wade Baldwin: „Das ist ein ganz großer Sieg. Efes ist so stark, letzte Saison haben sie überhaupt nur vier Spiele verloren und Larkin und Micic sind Höllenspieler; auch ihr Center hat sehr gut gespielt. Aber am Ende haben wir es mit der Defense gemacht und entscheidende Rebounds geholt. Das hat es ausgemacht. Ich wollte jeden der Jungs finden, Zipser, Lucic, Nick, sie waren zwischendurch alle mal im Rhythmus. Aber wir müssen jetzt dranbleiben, denn ZSKA Moskau kommt, das wird wieder ein Fight." Jalen Reynolds: „Wir sind wieder als Team zusammengeblieben und haben am Ende die richtigen Dinge gemacht. Es ging nur darum, immer dran zu bleiben, dann kannst du sowas schaffen."

Das Spiel:

Bei den Türken checkte Superstar Shane Larkin wieder ein nach zweiwöchiger Pause, der US-Guard hatte den Bayern ja vor einem Jahr beim 75:104 in Istanbul angeblich 49 Punkte eingeschenkt. Larkin war es auch, der mit einem Dreier das 10:3 für Efes holte. Doch die Bayern sind jetzt ein anderes Team, sie haben den derzeit dominierenden Vladimir Lucic, der per Dreier antwortete und sie haben Wade Baldwin, der mit einem Fastbreak-Dunk und dann einem Sprungwurf – gegen Larkin – zum 12:12 ausglich (6.). Kapitän Djedovic aus der Distanz zur 17:16-Führung (8.), Paul Zipser ebenso für drei zum 20:18 (9.) – die Gäste waren im Spiel und passten beim Rebound auf. Doch weil Sisko in der letzten Kurve der Schlusssekunde noch Larkin beim Dreier foulte, ging der erste Abschnitt 23:22 an Efes.

Larkins nächster Dreier war ein Airball, danach verstopfte sich Singleton beim Dunk: Efes schien entweder unkonzentriert zu sein oder die die Sache zu leicht zu nehmen. Und es traf weiter schlecht von außen. Djedovics Punkte sieben bis zehn brachte den Münchnern das 27:23 (13.), Reynolds und Zipser erhöhten, jeweils von der Linie, sogar auf 32:23 (14.) – ein 10:0-Run. Efes-Guard Simon und der deutsche Center Tibor Pleiss (19 Punkte) hielten dagegen, der FCBB leistete sich die ersten von nur vier Ballverlusten vor der Pause. Es folgten: Baldwins nächster Dunk, auf der Gegenseite ein Micic-Dreier, Radosevics Alley-oop-Punkte dank Baldwin – die Partie wurde nun offensiv hochklassig und entließ die Bayern mit einem 42:37-Vorsprung in die Halbzeit.

Es dauerte gut drei Minuten, bis Efes wieder obenauf war (44:45/24.), Trinchieri bat zur Auszeit nach einer Handvoll schlechter Entscheidungen seiner Männer. Efes verteidigte viel besser und schickte seine Guards verschärft zum Korb, drüben fielen die Münchner Würfe nicht. Nick Weiler-Babb kassierte in seiner siebten Einsatzminute sein viertes Foul, Pleiß scorte weiter am Brett (48:53/29.). Dann musste noch Djedovic raus wegen Adduktorenproblemen, nur acht Zähler in einem sehr unglücklichen Viertel (8:20) bescherten einen 50:57-Rückstand. War's das?

Sieben Punkte von Reynolds, Weiler-Babbs Dreier und Lucics unglaublicher Ballgewinn

Nun ja: nein! Als Moerman am Brett zum 62:52 abschloss, lag Efes zwar erstmals zweistellig vorn. Doch Mr. Weiler-Babb kam mit einem geschmeidigen Dreier aus der Auszeit; Reynolds verkürzte mit einem And-One zum 58:64 (34.), der bis hierhin so unglückliche Weiler-Babb auf 60:66 (36.), der bisher diskrete Lucic auf 62:66 und Baldwin auf nur noch zwei: 64:66 (38.). Larkin konterte, aber Weiler-Babb hatte noch eine Dreier-Szene zum 67:68 parat, ehe er Foul fünf kassierte (38.).

Von der Bank hatte er gute Sicht auf ein denkwürdiges Drama: Reynolds holte in der Zone fünf Punkte (ein unglaublicher Ballgewinn von Lucic inklusive), also den Ausgleich zum 70:70 und exakt eine Minute vor Schluss tatsächlich die 72:70-Führung! Nur ein Freiwurf Larkins, mit einem Punkt Vorsprung ging es bei minus 18 Sekunden in die letzte Offense: Baldwins elfter Assist aus dem Rückfeld fand in der Not den einsamen Herrn Reynolds – 73:70, noch elf Sekunden! Der finale Efes-Dreier prallte an den Ring, Rebound Lucic – gewonnen, schon wieder.

ZUM SPIELPLAN

Foto-Credit: Adanali


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