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Thomas' Game Winner: Bayern trotzt der Müdigkeit und siegt 79:78

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Die Bayern-Basketballer haben die bisher schwerste Woche der Saison nach drei Auswärtsspielen so beendet, wie sie vorigen Sonntagabend in Berlin begann - mit einem Sieg in einem BBL-Topspiel: Diesmal gewann das erst 24 Stunden zuvor heimgekehrte Team von Andrea Trinchieri im für Fans gesperrten Audi Dome gegen den Dritten Ludwigsburg dank einer großen Kraftanstrengung 79:78 (42:40). Mit 20:4 Punkten bleibt derFCBB an der Spitze, als Topscorer glänzte Andreas Obst (18).

Gegen einen ausgeruhten Gast kamen die Bayern schwer in Tritt, Ludwigsburg attackiertefull-court (0:7/4.). Doch der FCBB nahm die physische Challenge an (30:15/12.), hatte aber auch früh mit der Energie und konkret Ballverlusten zu kämpfen (30:30/17.). Im letzten Viertel setzte man sich auf 73:62 (35.) ab, doch die Riesen nutzten die Münchner Müdigkeit zur 76:75-Führung in der letzten Minute. DenGame Winner dieses Sonntagskrimis traf Deshaun Thomas zwei Sekunden vor Schluss.

Bei den Bayern pausierten aus dem internationalen Kontingent Hunter und Rivers neben Hilliard, Radosevic, Sisko sowie Zipser. Sie beenden 2021 nun mit dem Abschluss der EuroLeague-Hinrunde am Donnerstag im Audi Dome gegen Baskonia, am Sonntag in Crailsheim (BBL) sowie in Villeurbanne (30.12.).

FC Bayern Basketball - Riesen Ludwigsburg 79:78 (42:40)

FCBB:

Andreas Obst (18 Punkte), Augustine Rubit (16, 6 Rebounds), Corey Walden (10), Vladimir Lucic (10), Deshaun Thomas (9), Nick Weiler-Babb (6, 6 Rebounds), Gavin Schilling (4), Jason George (4), Ognjen Jaramaz (2), Nihad Djedovic, Joshua Obiesie, Marvin Ogunsipe (n.e.).

Topscorer Ludwigsburg

Tremmell Darden (18 Punkte)

Schiedsrichter

Robert Lottermoser, Benjamin Barth, Armin Mutapcic

Zuschauer

0

Die Punkteverteilung nach Vierteln (aus Sicht des FCBB): 23:15, 19:25, 18:15, 19:23. Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 66% (FCBB) // 51% (Ludwigsburg); Dreier-Quote: 41% // 44%; Freiwurf-Quote: 70% // 83%; Rebounds: 30 // 26; Assists: 13 // 14; Ballverluste: 15 // 7.

Die Stimmen

Andrea Trinchieri, Chefcoach FC Bayern Basketball: „Gegen Ludwigsburg ist es immer schwer und noch schwerer, wenn du von acht Tagen auswärts zurückkommst. Zudem war das unser achtes Spiel in 18 Tagen. Deswegen bin ich sehr happy mit dem Ergebnis. Ich kann alle Fehler analysieren, aber ich glaube nicht, dass das nützlich und effizient in diesem Moment wäre. Ich will nur meinen Spielern gratulieren, dass sie gewinnen konnten, auch ohne eine gute Leistung; aber das war auch nicht möglich. Wir haben nur einen Fehler gemacht: Wir haben unsere beste Leistung in der zweiten Halbzeit gebracht, im vierten Viertel waren wir für acht Minuten perfekt – und dann haben wir den Stecker mental gezogen und hatten Ballverlust über Ballverlust. Das ist eine Sünde und schlecht, aber die Umstände, die wir erleben, müssen wir verstehen. Großartig war, dass Jason George heute sehr hilfreich war mit 17 exzellenten Minuten und einem Plus-Minus von plus zehn. (...) Wir haben zig Spieler draußen, es werden immer dieselben Jungs belastet, deswegen bin ich heute über Jason sehr glücklich. Auch Andy Obst hatte ein starkes Spiel mit 18 Punkten und ich bin sehr stolz auf ihn, denn in Belgrad war es tragisch mit ihm, weil er es nicht schaffen konnte, nützlich für das Team zu sein. Aber weil er sehr smart ist und demütig, kam er sehr fokussiert heute in das Spiel und hat eine tolle Leistung gezeigt. (...) Ich habe meinen Spielern gesagt: Mir ist egal wie, aber das Ziel ist nur zu gewinnen, selbst mit nur einem Punkt – na prima, so hören sie sonst nie auf mich, wenn ich ihnen taktische Dinge mitgebe, die vergessen sie schnell. Doch das mit dem einen Punkt haben sie nicht vergessen und per Buzzer Beater von DT gewonnen. (...) Deshaun Thomas ist ein Scorer. Er kann auf viele verschiedene Arten treffen. Das Gute ist, dass er in der Offensive gut spielen und den Spielzug davor berücksichtigen kann. Er kann zehn Fehler machen und den letzten Wurf treffen." Andreas Obst: „Wir haben es am Ende noch ein wenig spannend gemacht. Ich denke, da hat ein wenig die Energie, die Kraft und die Konzentration gefehlt, aber am Ende zählt der Sieg. Kurzzeitig haben wir wohl gedacht, dass wir den Sieg schon in der Tasche haben. Aber Ludwigsburg hat in den letzten paar Jahren schon bewiesen, dass man sie nicht abschreiben sollte, egal, wie viel Zeit noch auf der Uhr ist. Sie spielen eine sehr aggressive Verteidigung mit der Full-Court-Presse, das ist schon sehr gefährlich. Das hätte uns fast noch den Kopf gekostet. Aber der Sieg ist da, und das war unser Ziel. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, aber am Ende ist der Sieg des Teams wichtig. Jetzt kann ich heute endlich mal die Beine hochlegen. Das war eine lange Woche für uns alle."

Das Spiel:

FCBB-Cheftrainer Andrea Trinchieri schickte zunächst Corey Walden, Nihad Djedovic, Ognjen Jaramaz, Deshaun Thomas und Gavin Schilling in das Topduell des BBL-Spieltags. Ludwigsburgs traditionell ultragallige Verteidigung brachte die Bayern zunächst in erhebliche Schwierigkeiten: Nach drei Minuten hatten die Münchner fünf Ballverluste auf dem Konto, aber noch keinen Punkt. Rubit traf in der vierten Spielminute zum 2:7 und läutete einen 7:0-Lauf ein (7:7/5.). München verteidigte nun wesentlich besser und hatte sich auf den Druck der Schwaben eingestellt, Thomas mit dem Dreier zur ersten Führung der Bayern (10:9/6.). Der FCBB spielte solide und dominierte die Bretter, Andreas Obst steuerte wichtige Punkte bei zur 23:15-Führung nach dem ersten Viertel.

Die Bayern trumpften jetzt an beiden Enden des Parketts mächtig auf. Hinten wurde clever und variabel verteidigt, vorne lief der Ball wie am Schnürchen durch die Reihen - und die Trefferquote tat ihr Übriges. München setzte sich mit einem 7:0-Lauf auf 30:15 ab (12.). Die Auszeit der Riesen stoppte die Bayern, die völlig aus dem Konzept gebracht wurden und fast fünf Minuten ohne Korberfolg blieben. Ludwigsburg kam mit einem eindrucksvollen 15:0-Run heran und glich zum 30:30 aus (17.). Auf Obst war Verlass, denn er versenkte endlich wieder einmal einen Dreier, seinen dritten zum 34:30 (7.). Trinchieris Mannen leisteten sich in Halbzeit eins indiskutable zwölf Ballverluste, waren aber dank ihrer im Vergleich mit den Gästen deutlich besseren Trefferquote nach 20 Minuten 42:40 vorne.

Ludwigsburg führt dank des 40-jährigen Tremmell Darden

Ludwigsburg machte das, was Ludwigsburg eben macht: Druck. München gab die Führung ab, blieb aber durch Treffer von Obst und Rubit dran (47:49/24.). Nach einer Auszeit war Lucic zum ersten Mal erfolgreich, Jason George steuerte einen wichtigen Dreier bei (52:53/28.). Mit einer Energieleistung waren die Bayern plötzlich beim offensiven Rebound zur Stelle und belohnten sich mit einem furiosen 8:0-Lauf binnen zwei Minuten - 60:55 nach dem dritten Viertel.

Thomas ohne Nerven bei zwei Sekunden auf der Uhr zum Sieg

Die Münchner taten gut daran, gegen die zu jeder Sekunde gefährlichen und unangenehmen Riesen auf der Hut zu sein. Rubit agierte unter dem gegnerischen Korb mit formidablem Timing beim Rebound und erackerte sechs Punkte in Folge - Auszeit John Patrick (66:59/33.). Die fokussierte Defensive der Münchner zeigte Wirkung, vorne übernahm Leader Lucic (73:62 (35.). Die Riesen kämpften weiterhin um ihre Chance und verkürzten auf 73:67, Trinchieri sah den Zeitpunkt für eine kurze Verschnaufpause und beruhigende Worte gekommen (noch drei Minuten). Die Würfe der Bayern fielen jetzt nicht mehr mit der Sicherheit aus Halbzeit eins, die deutlich zur Neige gehenden Energiereserven machten sich bemerkbar. In dieser Situation war mentale Stärke gefragt, Deshaun Thomas stoppte den 9:0-Lauf der Ludwigsburger (75:71/noch 91 Sekunden). Zwei Ballverluste später gingen die Riesen in Führung (75:76/noch 53 Sekunden). Rubit erwühlte sich den Offensivrebound und traf zum 77:76 (noch 35 Sekunden), aber Ludwigsburg war durch Oldie Darden erneut erfolgreich (77:78/noch 22 Sekunden). Der Ball lief schnell durch die Reihen, Thomas erzwang nervenstark die 79:78-Führung. Zwei Sekunden waren noch auf der Uhr, und Darden hatte die Wurfchance zum Sieg - der Ball verfehlte das Ziel knapp.

(c): Eirich, Stickel


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