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Bayern besteht auch vor vollem Haus in Bamberg

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Die Woche begann lausig, doch sie endete mit zwei starken Auswärtssiegen: Keine 48 Stunden nach dem EuroLeague-Coup bei Titelverteidiger Efes Istanbul (89:81) lösten die Bayern-Basketballer im dritten Einsatz seit Sonntag auch die schwere BBL-Aufgabe in Bamberg und gewannen 94:87 (51:42). In intensiver Derby-Atmosphäre vor 6.150 Fans ragte aus einem sehr fokussierten Team wieder Rubit (23, 5 Rebounds) heraus, Winston (16, 6 Assists) und Giffey (11, 5 Rebounds) assistierten.

Hunter muss passen

Die BBL-Bilanz steht nun bei 12:4. Neben Lucic und Obst musste kurzzeitig auch Hunter wegen einer Augeninfektion passen, für ihn stand Seeley erstmals im Kader.

Beide Teams trafen zunächst hochprozentig, 30:26 nach dem ersten Viertel. Der erste größere Vorsprung (49:39/19.) war zwar kurz nach der Pause perdu. Aber der Gast verteidigte hart, lag nie in Rückstand und beim 82:67 (33.) auf Kurs - mit letzter Energie kam man ins Ziel.

Brose Bamberg - FC Bayern Basketball 87:94 (43:51)

FCBB:

Augustine Rubit (23 Punkte/5 Rebounds), Cassius Winston (16/6 Assists), Niels Giffey (11/3 Dreier/5 Reb), Nick Weiler-Babb (9/3 Dreier), Isaac Bonga (9), Freddie Gillespie (8), Corey Walden (6), Ognjen Jaramaz (5), Niklas Wimberg (4/5 Reb), Elias Harris (3), Paul Zipser, D.J. Seeley.

Topscorer Bamberg:

Patrick Miller (23 Punkte)

Schiedsrichter

Carsten Straube, Steve Bittner, Benedikt Loder

Zuschauer

6.150

Die Punkteverteilung nach Vierteln (Sicht des FCBB): 30:26, 21:17, 24:21, 19:23.

Zahlen & Fakten - Zweier-Quote: 60% (FCBB) // 63% (Bamberg); Dreier-Quote: 35% // 40%; Freiwurf-Quote: 71% // 64%; Rebounds: 37 // 31; Assists: 18 // 20; Ballverluste: 9 // 12

Die Stimmen:

Andrea Trinchieri: „Es ist immer wieder gut, hierhin zurückzukommen, danke an jeden für das herzliche Willkommen. Es war ein spaßiges Spiel, zwar nicht zum Coachen, aber zum Anschauen. Ich muss Oren gratulieren, denn sie haben mit hohem Tempo gespielt, haben den Court weitgemacht und ein paar verrückte Dreier getroffen.

Aber wir hatten eine gute Einstellung und ein sehr solides Spiel, nachdem wir erst gestern Abend aus Istanbul hier ankamen. Das ist ein guter Sieg, ohne zu glänzen zwar, doch wir haben das getan, was für den Sieg verlangt war. Es ist schwer, alles abzudecken, wenn ein Team mit fünf Shootern spielt. Wir haben gegen Miller etwas verändern müssen, er hat uns gut attackiert und war mehr ein Running Back, der jedes Mal aufs erste Down ging. Wir haben den Ball gut bewegt und in der Offense die gefunden, die heiß waren. (…)

Augustine ist ein moderner Big Man, er kann aufposten und werfen, zwei Positionen spielen. Er ist ein großes Puzzleteil unseres Team. Manchmal muss ich ihn pushen, weil er noch zu schüchtern ist. Bei Efes hatte er schnell zwei Fouls und war kalt, aber in der zweiten Hälfte war er großartig.“

Augustine Rubit: „Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben. Wir mussten nach der Niederlage am letzten Wochenende über den Kampf reagieren - und mit einem neuen Gameplan. Und dieses Mal waren wir fokussiert. Wir haben erwartet, dass Bamberg heute so gut spielen würde. Wir mussten vor diesem Publikum einfach nur ruhig bleiben. Das ist Freak-City, die Fans spielen verrückt. Überall, wo man solche Fans hat, wird das Heimteam unglaublich gepusht. Wir wussten, dass wir ruhig bleiben und bis zum Ende kämpfen müssen. Jetzt werden wir uns ausruhen und trainieren. Ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben, neue Elemente zu erarbeiten und den Gameplan anzupassen.“

Niklas Wimberg: „Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir mussten alles auf dem Feld lassen und hart kämpfen. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung und helfe da, wo ich kann. Ich versuche, die Lücken zu füllen und meinen Beitrag zum Sparen von Kraft zu leisten. Das war auf jeden Fall sehr gut heute.“                  

Das Spiel:

16. Spieltag der BBL - Cassius Winston, Nick Weiler-Babb, Isaac Bonga, Augustine Rubit und Freddie Gillespie waren die Starter von FCBB-Coach Andrea Trinchieri. Die seit 2019 erstmals wieder ausverkaufte Arena kam vom Sprungball weg in den Genuss eines Offensiv-Spektakels, so gut wie jeder Wurf beider Teams fand in den Korb. Nach fünf Spielminuten standen insgesamt bereits über 30 Punkte auf der Anzeigetafel, aber die Bayern hatten stets die Führung inne, wenn auch nur knapp (18:14). München machte Tempo und suchte die schnellen Abschlüsse, bevor sich die Bamberger Verteidigung formieren konnte. Trinchieri wechselte durch, um die Belastung auf viele Schultern zu verteilen, sein Team glänzte schon früh im Spiel mit neun Assists. Nach einem rasanten Auftaktviertel lagen die Münchner 30:26 in Führung.

Rubit früh mit zweistelliger Ausbeute

Die Bayern wirkten wach und extrem fokussiert, abzulesen nicht nur an der erfreulichen Trefferquote, sondern auch an bereits vier Offensivrebounds. Doch selbstverständlich waren auch die Bamberger gut drauf, mit einem kleinen 5:2-Lauf veranlassten sie Trinchieri zur Auszeit (32:31/13.). Ein wichtiger Dreier von Weiler-Babb sorgte für Entlastung, Bayern war zurück in der Spur (37:33/14.). Rubit sorgte für Unruhe in der Bamberger Defensive und hatte zu einem frühen Zeitpunkt bereits 13 Punkte auf dem Konto (43:36/16.). Winston zauberte und spielte Gillespie millimetergenau zum Alley-Oop-Dunk an (46:39/18.). Alle Münchner rackerten füreinander und rissen das Momentum an sich - Bambergs Coach Oren Amiel reagierte mit einer Auszeit (48:39/18.). Wenn man wirklich etwas kritisieren wollte, könnte man die vier im zweiten Viertel vergebenen Freiwürfe anführen. Nach der ersten Halbzeit, in der alle eingesetzten Spieler gepunktet hatten, führte der FCBB 51:43.

Ex-Bamberger Rubit glänzte heute mit 23 Punkten.
Ex-Bamberger Rubit glänzte heute mit 23 Punkten. (c) Stickel

München nimmt den Kampf an und verhindert den Führungswechsel

Die Baskets erwischten nach dem Seitenwechsel den besseren Start, angesichts des 2:9-Laufs entschied sich Trinchieri für eine Auszeit (53:52/22.). Bamberg war am Drücker, und so lag der Führungswechsel in der Luft. Aber die Münchner verteidigten mit Inbrunst, vorne war Winston per Drei-Punkt-Spiel erfolgreich (56:52/23.). Die Gastgeber trafen nahezu alles, die Münchner allerdings auch: Rubit und Giffey von jenseits der 6,75m-Linie, Winston erneut mit einem ausgebufften Drei-Punkt-Spiel (67:60/26.). Die Münchner kämpften leidenschaftlich als Team. Wenn vorne mal der Ball verloren ging, wurde hinten eben so verteidigt, dass Bamberg innerhalb der 24 zur Verfügung stehenden Sekunden nicht zum Wurf kam. Die Atmosphäre in der Halle war äußerst hitzig, die Bayern taten jedoch das einzig Richtige: Sie ließen sich nicht anstecken - schließlich liegt in der ruhe die Kraft. Nach Viertel drei führten die Münchner 75:64.

Rubit entscheidet das Spiel in einer nervenaufreibenden Schlussphase

Nun galt es für den FCBB, den Ansturm der Bamberger zu verhindern, mit einem Giffey-Dreier und einem Bonga-Treffer schien dies zu funktionieren (80:64/32.). Walden gelang ein Korbleger, der wohl in die Kategorie „aufreizend lässig“ einzuordnen ist - Auszeit Bamberg (82:67/33.). Die Baskets blieben gefährlich, die Bayern wachsam und kontrolliert. Die Münchner hielten den Vorsprung zweistellig , wodurch wurde das Publikum merklich ruhiger wurde (82:71/34.). Doch wenige Spielsituationen später bat Trinchieri zur Auszeit, da sich seine Mannen zwei, drei Fehlwürfe geleistet hatten und Bamberg auf 82:74 verkürzt hatte (35.). Winston stoppte den 10:0-Run der Bamberger - knapp vier Minuten vor dem Ende höchste Zeit. Die Wurfauswahl der Münchner war nicht die cleverste und öffnete die Tür für die Oberfranken. Aber auch die Baskets trafen jetzt nicht mehr alles, die Bayern sicherten sich die Rebounds. Winston zog unaufhaltsam zum Korb und scorte per Layup zum 86:79 (noch 103 Sekunden). In einer Art Privat-Duell konterte Winston recht cool mehrmals die Treffer von Bambergs Miller (88:83/noch 60 Sekunden). Den Offensivrebound nach einem Fehlwurf von Weiler-Babb schnappte sich Rubit und versenkte den Ball trotz Foul, der fällige Freiwurf saß (91:83) - das war die spielentscheidende Aktion in einer packenden Partie, in der die mannschaftlich geschlossen auftretenden Münchner kein einziges Mal in Rückstand gerieten.


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