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Klara Bühl jubelt mit ausgestreckten Armen in der Allianz Arena.
© FC Bayern / Alexandra Beier

Klara Bühl & ihre bisherige Saison der Superlativen

Die Stadionuhr in Leipzig zählt bereits die Sekunden der Nachspielzeit an diesem warmen Septembernachmittag, als der Ball regungslos an der linken Eckfahne verharrt. Klara Bühl steht bereit, eine stille Souveränität in ihrer Haltung, den Blick fest auf das Geschehen gerichtet. Es ist jener Moment, in dem sich Routine und Raffinesse vereinen: Mit einer Eleganz, die das Ergebnis jahrelanger Präzision ist, schlägt sie den Ball in den Strafraum. Die Hereingabe findet Vanessa Gilles, die mit einer fast beiläufigen Selbstverständlichkeit per Kopf zum 3:0 vollendet. Es ist bereits der dritte Assist Bühls an diesem Nachmittag, der vierte im zweiten Spiel der Saison. Eine Bilanz, die sich wie ein Versprechen liest.

Die Nationalspielerin hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur an die Spitze herangetastet, sie hat sich dort etabliert. Ihre Auftritte sind längst mehr als konstant; sie sind Ausdruck einer Reife, die ihresgleichen sucht. Die Hinrunde der 25-Jährigen lässt sich nur noch in Superlativen fassen. Dabei zeigt sich Bühl stets bescheiden: „Ich versuche immer, für das Team da zu sein, egal ob mit Toren, Vorlagen oder einfach durch Einsatz. Im Fußball, gerade bei meinem Spiel, geht es darum, mutig zu sein“ so die 25-Jährige.  

Klara Bühl posiert mit der Spielerin des Spiels-Trophäe nach der Partie gegen Arsenal.
Unteranderem durch ihre drei Assists wurde Klara Bühl im UWCL-Duell gegen Arsenal zur Spielerin des Spiels gekürt. | © Getty Images

Am Wochenende nun empfangen die FC Bayern Frauen Leipzig (Sonntag, 18:30 Uhr) in der Bundesliga, zum Auftakt ins neue Jahr. Und vielleicht wird Bühl wie schon im Hinspiel erneut Gelegenheit haben, ihr feines Gespür für den entscheidenden Moment unter Beweis zu stellen. Ob ihr ein weiteres Kunststück gelingt, bleibt abzuwarten. Doch eines ist gewiss: Wer ihr zusieht, ahnt, dass es jederzeit möglich ist.

Aktuell in einer eigenen Liga

Drei Torvorlagen in einer Partie. Für viele Fußballerinnen bleibt das ein Traum, der sich vielleicht nie erfüllt. Bühl gelang dieses Kunststück in dieser Saison bereits zweimal. Man könnte ihr beinahe schon den Namen „Klar-Assist Bühl“ geben. Nur zwei Monate nach ihrem Auftritt in Leipzig wiederholt sie jenes Szenario, diesmal auf der ganz großen Bühne: Beim furiosen Comeback der Münchnerinnen gegen Arsenal (3:2) in der Allianz Arena war es erneut die 25-Jährige, die das Spiel prägte. Mit feinem Gespür und klarem Blick bereitete die Außenstürmerin sämtliche der drei Treffer vor. Die Wahl zur Spielerin des Abends? Eine logische Konsequenz, fast schon eine Formalie. Kapitänin Glódís Perla Viggósdóttir, die im Zuge des Duells gegen den aktuellen Champions League-Sieger das entschiedende Tor erzielte, lobte Bühl im Anschluss mit einigen wenigen, aber klaren Worten: „Klaras Flanke war unglaublich. Ich musste eigentlich nur da stehen.“

Klara Bühl schlägt eine Flanke während des Champions League-Spiels gegen Arsenal in der Allianz Arena.
Ob Dribbling, Abschluss, Flanke oder Standard: Klara Bühl ist eine offensive Waffe im Team der FC Bayern Frauen. | © Imago

Apropos Formsache: Die derzeitige Verfassung der 25-Jährigen hebt sie in den Rang einer der konstantesten und einflussreichsten Akteurinnen im internationalen Frauenfußball. Das lässt sich nicht nur erahnen, sondern auch belegen. Ein Blick auf die Zahlen genügt: Nach lediglich 13 absolvierten Bundesliga-Partien stehen für Bühl bereits sechs Tore und beeindruckende zwölf Assists zu Buche. Damit hat sie mit großem Abstand die meisten Vorlagen der Bundesliga. Auf Rang zwei folgen übrigens Teamkollegin Georgia Stanway sowie Wolfsburgs Janou Levels mit jeweils sieben Assists. 

Bühl ruft Werte auf, die andere Spielerinnen oft erst am Ende einer langen Saison erreichen, nicht aber zur Winterpause. Trainer José Barcala betont: „Klara ist für unser Spiel enorm wichtig. Sie arbeitet hart, denkt immer mannschaftsdienlich und bringt eine außergewöhnliche Qualität auf den Platz.“ In sieben ihrer bisherigen 13 Ligaspielen war Bühl mindestens einmal als Vorbereiterin zur Stelle. Ihre Entwicklung ist damit nicht nur im nationalen Rahmen bemerkenswert, sondern setzt auch europaweit Maßstäbe. Denn keine andere Spielerin in den fünf großen europäischen Ligen hat bislang mehr Vorlagen gegeben als Bayern Nummer 17.

📹 Kongeniales Duo: Klara Bühl bereitete Pernille Harder in dieser Saison schon den ein oder anderen Treffer vor: 

Die Fakten sprechen für sich

Gerade im europäischen Vergleich gewinnt die Entwicklung von Bühl eine neue Dimension. In den sechs Partien der laufenden Champions-League-Saison sammelte sie bemerkenswerte acht Assists und steuerte zudem ein Tor bei. Mit Ausnahme der Niederlage gegen Barcelona war die Außenstürmerin in jeder Begegnung an mindestens einem Treffer direkt beteiligt. Mehr als die Hälfte aller Bayern-Tore in diesem Wettbewerb gehen auf ihre Vorarbeit zurück.

Mit doppelt so vielen Assists wie die Zweitplatzierte Alexia Putellas führt Bühl jene Rangliste der aktuellen UWCL-Saison unangefochten an. Doch damit nicht genug: Mit insgesamt 17 Assists zählt sie bereits jetzt zu den 15 besten Vorlagengeberinnen in der Geschichte der UEFA Women’s Champions League. Und das im Alter von gerade einmal 25 Jahren. 

Klara Bühl zeigt ihren Mitspielerinnen einen Daumen nach oben.
Fanliebling in München: Klara Bühl wechselte 2020 vom SC Freiburg zu den FCB-Frauen und gehört seitdem zu den Leistungsträgerinnen der Doublesiegerinnen. | © Imago

Während viele Top-Scorerinnen ihre Statistiken primär über Tore definieren, sticht Bühl als kreative Gestalterin hervor. Sie ist eine Strukturgeberin, verlässlich und mit unermüdlichem Einsatz. Spiel um Spiel spult die deutsche Nationalspielerin ein Pensum ab, das beeindruckt. Zu den größten Stärken der 25-Jährigen zählt neben ihrem harten, zugleich präzisen Abschluss auch ihre Beidfüßigkeit. Ob mit rechts oder links – Bühl findet stets einen Weg, den Ball gefährlich in Richtung gegnerisches Tor zu bringen. Diese Unberechenbarkeit macht sie für ihre Gegenspielerinnen so schwer auszurechnen. Sie sucht nicht mehr in jedem Moment den direkten Weg zum Tor, sondern liest die Räume, erkennt Situationen und findet Lösungen, wo andere längst keinen Ausweg mehr sehen.

Klara Bühl springt und freut sich.
Für den FC Bayern stand Bühl bislang 176-mal auf dem Platz und erzielte 49 Tore. | © Imago

Mehr als Flügelspiel

Obwohl die Leistungsträgerin meist über die linke Seite kommt, ist ihr Aktionsradius größer denn je. Sie zieht nach innen, überlädt Halbräume oder öffnet Passwinkel und übernimmt Verantwortung, auch bei ruhenden Bällen. Das macht sie umso wertvoller für das gesamte Offensivgefüge der FC Bayern Frauen.

Was Klara Bühl besonders macht, ist nicht ein einzelnes Highlightspiel. Es ist die Verlässlichkeit. Die Tatsache, dass sie Woche für Woche Einfluss nimmt, ohne sich aufzudrängen. Ihre Bestmarken sind deshalb keine Ausreißer, sondern Momentaufnahmen eines konstant hohen Niveaus. 

Die nächsten Assits bereits parat? 

Klara Bühl klatscht nach einem Spiel der FC Bayern Frauen in die Hände.
2023 wurde die 25-Jährige als Deutschlands Fußballerin des Jahres ausgezeichnet. | © Imago

Am Wochenende geht es für die Doublesigerinnen nun also gegen Leipzig, diesmal in München. Das dritte Duell vor heimischer Kulisse gegen die Sächsinnen. Es ist ein Spiel, das auf dem Papier den Favoriten kennt. Bühl wird erneut im Fokus stehen, nicht weil sie es sucht, sondern weil ihr Spiel es verlangt. Vieles spricht dafür, dass sie auch diesmal wieder den Unterschied ausmachen kann. Doch wer Bühl beobachtet, weiß: Es geht ihr nie um das große Spektakel, sondern um den Moment, in dem Präzision und Instinkt zusammenfinden. Vielleicht wird es wieder eine Ecke sein, ein Pass in die Tiefe, ein Laufweg, der Räume öffnet. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass sie dem Spiel ihren Stempel aufdrücken kann. Leise, aber unübersehbar.

Die FC Bayern Frauen bestreiten ihr Viertelfinale in der Champions League vor großer Kulisse: 

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